ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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28.6.2004 – 20.3.2016

12F3404

Die fromme Infantin Sancia stattet die 5 Märtyrer aus

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 4, 1604

 

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das viert Buch.

 

Wie die fünff Martyrer gen Alenquer kommen/
unnd alldorten durch die Infantin mit Schiff nacher Siviglia in weltlichen Kleidern / also unbekanter den Mohren zukommen / weil sie sonst nit eingelassen wären worden / versehen worden.

Cap. 4

Als sie von der Königin ihren Abschid / sammt Brieffen an die Infantin Fraw Sancia / deß Königs Sancio deß andern in Portugal Tochter (Anm.: die Infantin Sancia war die Tochter des Königs Sancio II.) / so zu Alenquer wohnete / erlangt / und dahin kamen / und die Brieff uberantworteten / warden sie gleichfals von dero / als von einer der heyligisten und fürnembsten Frawen der gantzen Christenheit / gar freundtlich empfangen.

Dise Gottselige Jungkfraw hatte zu Erhaltung ihrer Reynigkeit / in massen alle Heyraht außgeschlagen / daß sie auch eines mals dise Wort außgelassen: Sie wolte ihre Reynigkeit nit verletzen / wann sie schon das Paradeiß dardurch zu verlieren wißte: züchtigte sich mit stetem Fasten / Abbruch / und wunderlicher Ertödtung deß eignen Fleischs / truge an Statt deß Hemmets das Cilicium oder härene Bußkleid / bettete Tag und Nacht / und außtheylte ihr Einkommen under die Armen / und hätte die Werck deß heyligen Francisci / und seiner Brüder zu predigen gehört / und ihme / als er in dem 1217. Jar dahin gezogen / mit grossem Fleiß ein Klösterle gebawet / und von ihme erlangt / daß er etliche seiner Brüder / so allezeit allda verharreten / dahin schicken wolte / dahero abzunemmen / wie hoch sie auch dise geliebt werde haben / seytemal sie die stets mit aller Notturfft erhalten / unnd vast alle die Zeit so sie allda verbliben / mit ihnen conversiert / unnd von Sachen / der Seelen Heyl belangend reden wolte.

Als sie aber hinwegk scheiden wolten / und sie wißte / daß sie die Mohren / so ir Gesatz mehr als alles anders achteten / in diser Gestalt nit einlassen / auch die Christenliche Kauffleut / welche die Reichthumm vil höher dann das Heyl der mit dem so kostlichen Blut deß Herren erlößten Seelen achteten (auff daß sie bey dem Volck kein Unwillen erweckten) nit uberführen wurden / liesse sie die weltlich bekleiden / und so lang auff halten / untzt ihnen der Bart und Har gewachsen / und letstlich ihr heylig Fürnemmen / Begird / Gehorsame / Innbrunst der Liebe Gottes / unnd deß Nächsten lobende / fortschicken / unnd mit aller Notturfft versehen.

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