ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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8.7.2004 – 20.3.2016

12F3405

Die 5 Märtyrer predigen in Sevilla den Mohren

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 5, 1604

 

Der Cronicken der Minderen Brüder /
Das viert Buch.

Wie die fünff Martyrer zu Siviglia angelangt / den weltlichen Habitum abgethan / und den Mohren angefangen zu predigen / und von dem Anfang irer Trübsal.
Cap. 5

Als sie zu Siviglia (Anm.: Sevilla) / so selber Zeit noch Mohrisch (Anm.: maurisch) ware / an das Land kamen / namen sie bey einem Christen / der gar reich / edel / unn dem eusserlichen Schein nach Gottsförchtig war / die Herrberg / legten den weltlichen Habitum ab / verharreten acht gantzer Tag inn dem Gebett / und baten den Herren / er wolte in fürgenomnem Werck ihnen Hilff / Stärcke / unnd Gnad erweisen / auff daß seiner Göttlichen Maiestät Glori / ihrer selbsten / und selber verloren Seelen Heyl möchte gespürt werden.

Und als sie durch das eusserlich Ansehen ires Wirths betrogen / unnd was Rahts von ihme zu suchen begerten / entdeckten sie ihme ihro Fürnemmen / fanden aber bey ihme alles Widerwertigs / dann er allbereit seiner unnd anderer Christen Gefahr förchtende / daß er sie zu Herrberg auffgenommen / berewet / ihnen solches auff das höchste zu widerrahten anfienge / und sagte / sie wurden nichts außrichten / setzten sich in eusserste Gefahr / vil mehr durch allerley schwere Marter ihren Glauben zu verlieren / dann anderen zu pflantzen.

Als solches die Brüder höreten / verliessen sie dz Hauß / und richteten sich alsbald / als unerschrockne dapffere Helden / an die Veste deß Feindes / welches die Moschea der Mohren war / allda die Feind alle in Waffen / das Gebett ihrem Propheten vberrichteten / unnd fiengen an mit dem scharpffen Schwert deß Worts Gottes / den Anlauff zu thun.

Sie waren aber bald durch die Menge deß Volcks (welches sie inn disem ungewohnten Habitu für Narren hielte) mit Fäusten unnd Stössen zu Rugk getrieben / verluren doch ihre Freydigkeit nit / sonder sprachen einander zu / unnd sagte einer zu dem anderen:

Was thun wir mit so heyllosem Volck / welches weil es so groß / und wir so wenig zu uberwinden uns unmüglich? Warumben gehen wir nit zu dem König? und befleissen uns zuvor das Haubt abzuschlagen / auff daß hernach der Sig der anderen Glider desto leichter seye?

Laßt uns frölich gehen / laßt uns gehen / laßt uns gehen / ihme den Glauben Gottes zu verkünden / laßt uns vor ime unerschrocken den Herren bekennen / welcher uns mit seinem rosenfarbenen Blut von dem ewigen Todt erlöset / und der unser mit seinen heyligen Martyren uns ewigklich zu bekrönen / in den Himlen erwartet.

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