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FRANZISKUS-CHRONIK

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13.7.2004 – 20.3.2016

12F3406

Die 5 Märtyrer predigen in Sevilla dem Mohrenkönig

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 6, 1604

 

Der Cronicken der Minderen Brüder /
Das viert Buch.

Wie die 5. Märtyrer vor dem Mohren König den Glauben Christi Jesu geprediget / und was inen begegnet.
Cap. 6.
Alte Cronicken

Da nun die Heyligen Gottes der Gestalt einander zugesprochen / ermahnet und getröst / eyleten sie gestracks dem Palast des Königs zu / da sie von der Guardie auffgehalten / unnd von einem der Fürnemmen / wer sie wären befragt wurden / sie antworteten / sie wären Italianer / und hätten mit der Königklichen Maiestät von der Person und Reichs wegen hochwichtige Sachen zu reden:

unnd als sie wider / ob sie deßhalber Schreiben oder Wortzeichen hätten / befragt wurden / antworteten sie / daß ir Bottschafft mündtlich zu verrichten wäre.

Er aber sagte / sie solten frölich ihme alles anzeigen / er wolte es sicherlich für (Anmerkung: vor) den König tragen.

Sie sprachen / er solte sie für den König führen / allda wurde er ihr Fürbringen auch anhören.

Also ward der Wachtmeister uberwunden / gehet und zeigt es dem König an / der laßt sie alsbald für ihn kommen / unnd fragt sie vor anderen / wer sie wären / von wannen sie kämen / wer sie gesant / und warumben sie dahin sich begeben hätten.

Auff dises antworteten sie / wie daß sie Christen von der Römischen Gegent wären / von dem König der Königen / dem Erlöser der Welt Christo Jesu / seinen heyligen Glauben zu predigen / unnd seine deß Königs arme Seel zu erlösen / dahin gesant / welches geschehen wurde / wann er den Dienst und Glauben deß falschen Machomets verlassen / und in Jesum Christum den wahren Gott glauben / und inn dem Namen der allerheyligisten Dreyfaltigkeit den Tauff annemmen wurde / dann auff andere Weiß köndte er nit selig werden.

Uber welches der König / der alles anders als dises zu hören verhofft / gleichsam wütend unnd unsinnig / sich höchlich von den Dieneren Gottes geschmächt hielte / zu ihnen sagte:

O ir ellende, / narrete / unnd unglückhaffte Menschen / wie habt ihr euch getrawet / für mein Person zu kommen / und dise Wort zu reden / und meiner Kronen / und eweres Lebens nit verschonet / welches ihr wegen der grossen Lästerung / so ihr wider meinen heyligisten Propheten außgestoßen / dargeben müsset?

Sagt mir aber / seyt ir nur allein mir / oder auch meinem gantzen Volck zu predigen / dasselbig zu betriegen / unnd mir die Gehorsame zu entziehen / allhero kommen?

Die heyligen Brüder antworteten mit freydigem Hertzen / unn sagten:

Wisse (O König) daß wir zu dir / als dem Haubt diser gantzen abscheulichen Machometischen unnd teufflischen Sect kommen / unnd zu dem / welcher sambt derselben dort unden inn dem Abgrund der Höllen / mehr als andere gepeinigt soll werden / auff daß wann du auff den Weg der Wahrheit gerichtet / die deinigen auch den rechten Weg weisest / unnd wie du an jetzo ein Ursach ihres Verderbens / also hernach ein Ursach seyest ihres Heyls und Erlösung / unnd erstlich an Jesum Christum unseren Heyland unnd Seligmacher glaubest / welcher uns  inn dem Evangelio zu dir schickt (Marc. am letsten. ) / da er sagt:

Gehet hin in alle Welt / und prediget allen Creaturen / underweiset sie in dem wahren Weg deß Heyls / tauffet sie in dem Namen deß Vatters / deß Sohns / und deß heyligen Geists.

Zu dir aber  / unnd anderen so ihme nit nachfolgen wöllen / sagt er:

Wer da glaubt und wirt getaufft / der wirt selig / wer aber nit glaubt / der wirdt ewigklich verdambt werden.

Auf dise Wort verstopffte der König die Ohren / fienge an zu schreyen / unnd zu sagen:

O ihr verfluchten Menschen / wahrlich wahrlich ewer grosse Boßheit müßt ihr gleich jetzo under einest bezahlen / unnd ist kein ander Mittel / dann daß ihr alles das jenig / so ihr so freffenlich und thorächt geredt / widerrüffet / unnd den Glauben meines grossen Propheten annemmet / dann auff dise Weiß will ich euch nit allein verzeyhen / sonder auch in meinem Reich groß und mächtig machen / auff daß menigklich erkenne / wie hoch wir die Fürtreffligkeit unsers Propheten achten / und die jenen so ihro Gesatz von deß unseren wegen verlassen / ehren / lieben / unnd bereichen. Wann ihr aber hierinn euch ungehorsam erzeigen werden / will ich euch durch vilerley Marter peinigen / und die Thorheit auß dem Kopff treiben lassen.

Auff dises antworteten die heyligen Brüder:

Wann dein Gesatz (O König) nit (wie es ist) unrecht / abscheulich / und arg / sonder dem wahren und gerechten geleich wäre / wolten wir zwar solches gern annemmen: seytemal es aber alle desselben Nachfolger  ewigklich verdammet / fragen wir deinem angebottenen Reichthumb nit nach / förchten vil weniger deine Tröwort (Anm.: Drohworte) / hoffen deiner Würden nichts / noch besorgen uns deiner Marter / dann die falsche Ehrerbietung seynd die Betrüg unn List ewer Mohren / mit welchen allen ihr endet / solche nimmer mehr findet / unnd ewigklich verdambt werdet.

Mit uns anderen aber hat es ein ander Gestalt: dann wegen einer viertägigen Armut / und Verachtung diser Welt / erlangen wir auff Erden und in den Himlen die ewigen Reichthumb und Würden / wie uns unser Herr und Gott in seinem Evangelio versichert / da er sagt:

Sucht ewere Schätz nit auff der Erden / da nichts sichers ist / sonder in Himlen / da ihr sie ewigklich genießen werdet.

Derohalben / O König / bekehre dich auff das wenigist diser grossen Belohnung halber / den wahren und heyligen Glauben anzunemmen / dann weil du dises dein irdisch Königreich so hoch achtest / wie vil höher soltest du das jenige ewige inn den Himlen halten:

Wende O König / dein Hertz zu dem wahren und höchsten Gott / welcher deiner so lang zu der Buß erwartet / unnd uns als seine Botten zu dir gesant hat / dich von der ewigen Straff / welche dir / und allen denen so dem verfluchten Machomet nachfolgen / bereit ist / zu entledigen / unnd verachte nit dise Gnad / so dir der Herr durch unser Mittel beweißt und erzeiget.

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