ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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8.8.2004 – 24.3.2016

12F3407

5 Märtyrer zur Enthauptung verurteilt – Prinz erwirkt Aufschub

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 7, 1604

 

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das viert Buch.

Wie die fünff Martyrer durch den König zum Todt verurtheylt /
und wie er wegen der Wort deß Printzen seines Sohnes die Urtheyl widerrüfft hat.
Cap. 7.
Alte Chronicken. Legent.

Dieweil aber der König dise ihre Wort nit mehr anhören möchte / befahle er solche alsbald hinwegk zu führen / und alle fünff zu enthaubten.

Ab welchem Sententz (Urteilsspruch) die Heyligen sich höchlich erfrewten / unnd einander zu trösten / unnd zuzusprechen anfiengen / sagten:

Nemmet wahr ihr Brüder / wie bald uns der Herr dises / so wir hertzigklich gewünscht und begert / zugeschickt / nemmet wahr / wir seynd an dem Port / laßt uns ritterlich  und wol streiten / und dise geringe Trübsal uberstehen / daß wir das erschröckliche Ungewitter der Welt / noch die Wind der teufflischen Versuchungen / noch das falsche Gesang der Syrenen unsers Fleischs / nit mehr beförchten / die Boßhafften werden uber disen unseren schwachen Cörpel kein Gewalt mehr haben / unnd wir werden inn das gewünschte Vatterland unsers Anfangs / dem Herren zu dienen / kommen / welches Dienst ein Reich ist / da wir hundertfältige Belohnung unserer Arbeit / tausent mal mehrer als unsere Verdienst verdienet / erlangen werden / laßt uns an jetzo dises Lob dem Herren geben / laßt uns dises Geringe zu seiner Ehr leiden / und laßt uns dises Leben disem wider geben / welcher es uns mit seinem eignen Todt erlanget hat.

Mit disen unnd anderen dergleichen Worten eylten die heiligen Männer / vor dem Nachrichter lauffende / dem Ort der Marter zu / welcher als er sie also frölich / willig und unerschrocken dem Todt zugehen sahe / sich ihrer als der vermeynten Thorechten erbarmete /  unnd ihnen zuzusprechen anfienge / sie solten in sich selbsten gehen / und den Raht und Anerbieten dises so gütigen Königs nit verachten. Sie aber sagten: Närrisch und thorächt seynd ihr / die wegen der falschen unnd zergängklichen Güter diser Welt / die wahren und ewigen der himlischen verlasset / wir aber seynd gewiß / daß diser unser Todt ein Anfang  ohne End seyn wirdt / mit Christo unserem Herren zu herrschen und zu regieren / welches wegen wir dann dises gegenwärtige Leben (welches gegen dem ewigen gleich wie ein Blast)  verachten / welches aber euch / die den falschen Machomat anbetten / nit begegnen wirdt / dann ihr sambt ihme ewigklich verdamb seyn werden.

Dieweil sie nun also fort zugen / sagte der Printz / welcher der Urtheyl beygewohnt / zu dem Vatter / Er solte nit mit einer solchen Furia urtheylen / sonder zuvor durch ihre Weisen einen Versuch thun lassen / dise Armselige zu bekehren / villeicht wurden sie besser inn sich gehen / und er dopplete Glori dardurch erlangen / welchem Raht der König alsbald gefolget / die Urtheyl widerrüfft / unnd sie biß auff weiteren Bescheid inn ein Thurn einzusperren anbefohlen.

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