ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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29.8.2004 – 24.3.2016

12F3408

5 Märtyrer predigen von den Zinnen des Turms

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 8, 1604

 

Der Cronicken der Minderen Brüder /
Das viert Buch.

Wie die fünff Martyrer von den Zinnen deß Thurns geprediget / unnd inn ein tieffe Gefängknus eingesperrt worden / von dannen dem König wider fürgestelt / und auß Raht der Weisen letstlich wider gen Maroco gesant worden.
Cap. 8.
Alte Cronicken.
Legent.

 

Als nun die Martyrer disen Widerruff der Urtheyl vernamen / empfanden sie doppelte Marter in ihren Hertzen / zweiffleten der Herr wolte sie was Unvollkommenheiten halber / der Marter Kron nit bewürdigen/ ergaben sich doch gantz und gar inn seinen Willen / namen ihnen für / ihrer Seits die Gebür der Gehorsame deß Predigens halber zu verrichten / und solte darauß alles das jenig erfolgen / was seiner göttlichen Maiestät am gefälligisten wäre / fiengen also an / nach dem sie inn den Thurn verschlossen warden / von den Zinnen herab den Mohren / so da fürüber giengen / zu predigen.

Als dises der König erfuhre / liesse er sie under den Boden in ein tieffe Gefängknus einschliessen / darinn sie fünff Tag in stetem Gebett / ihre Seelen dem Herren befehlende / und den anderen Gefangnen predigende / lagen.

Nach welchen als sie der König wider für ine bringen liesse / er zu ihnen sagte:

Ihr Blinden und Thoren / habt ihr noch nit eweren grossen Irrthumb erkant? Mißbrauchet meiner Güte nit / welcher sambt meinem heyligen Propheten / ewer so lang zu der Buß erwartet / welcher als der gütige nit underlassen wirdt / den höchsten Gott / den ihr so hoch gelästert / für euch zu bitten: Nun sehet zu/ noch zu dem letsten mal verkünde ich euch eintweders den Todt durch allerley schwere Marter / ohne weiters Einstellen / oder mein Gnad / sambt allen Würden und Reichthumb / so alle meine Geliebtiste haben.

Die heylige Martyrer antworteten:

Sie hätten ihme zuvor gesagt / sie fragten seinen Würden / Hochheiten / noch zeitlichen Reichthumben nichts nach / achteten noch weniger seiner Marter / Pein / oder den Todt selbsten / solte derhalben das jenig so er thun wolte / bald thun / dann ihre Leib und Seelen wären allbereit so steiff in ihrem Erlöser Christo Jesu fundiert / daß sie ein jede Stund tausent Jar gedunckte / ihne in dem Paradeiß zu suchen / und bey ihme ewigklich / ohne Beförchtung einiger Absünderung / zu leben.

Dieser ist das wahre Gut / (sagten sie) und nit ewer Machomet / welchem sambt seinem gantzen Anhang die ewige Peinen bereit seynd / und er allbereit ein Zeit dieselben erfahren / und ihr nach ihm (wann ihr euch nit bekehret) ohne einigen Trost auß der Höllen zu kommen / versuchen werden / da ihr schreyen / unnd euch niemandt erhören / und vergebenlich / daß ihr unserem euch von Gott gesanten Raht nit gefolget / berewen / und in dem jenen Grausen und Schrecken / Traurigkeit / Schmertzen / unnd ewigen Verzweifflung seyn werden / welche Gott denen / welche er an dem Tag deß letsten Gerichts / dem wahren Glauben seines Sohns Christi Jesu / wahren Gottes und Menschens zu wider zu seyn befinden wirdt / zubereitet hat: da entgegen die seinen inn ewiger Freud und Glori seynd und leben werden.

Alsdann O König / (ob es wol scheint daß du an jetzo was vermögest) wirst du seiner Hand nit entrinnen / dan dises ist ein Gutthat / so dir Gott zu deiner Bekehrung erzeiget / und selig bist du / wann dus erkennest.

Auff dise so ernstliche Antwort fienge der König an inn sich selbsten zu gehen / unnd die Krafft des heyligen  Geists / so in disen seinen wahren Dieneren  redte / zu empfinden / und ob er sie gleichwol von ihme stossen / und wider einschliessen / unnd das Brot nach der Untz / unnd das Wasser nach der Maß geben liesse / berüffte er doch seine  Weisen zu sammen / unnd berahtschlagte sich mit ihnen / was ihme mit disen Leuten fürzunemmen: welche theyls durch das Wort GOttes / so sie gehört / bewegt / dem König zu rahten anfiengen / er solte sie als Thoren unnd Narren in das Reich der Christen wider schicken / unnd seine Händ mit so schlechtem Blut nit beflecken / sonderlich dieweil so gewünschte Gelegenheit eines Schiffs / so nacher Maroco abfahren wolte / unnd inn welchem vil Christen wären / vorhanden. Disem Raht folget der König / und befahle die heyligen Brüder fort zu schicken.

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