ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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9.9.2004 – 3.4.2016

12F3409

5 Märtyrer predigen in Marokko

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 9, 1604

 

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das viert Buch.

Wie die fünff Martyrer zu Maroco ankommen / und allda geprediget / ein mal vertriben / unnd wider dahin gelanget seynd.
Cap. 9.

Alsbald die heyligen Martyrer / sambt einem Spannischen Ritter / Petrus Hernardus von Castro Castigliano genant / (welcher etlicher Zwitracht halber / so er in Castiglia hatte / in Affricam / an deß Königs Miramolini Hoff zu wohnen / sich begeben) zu Maroco angelangt / unnd inn den Palast deß Infanten auß Portugal Don Pietro / deß regierenden Königs Alfonsi Bruder / so sich gleichfals etlicher von dem Bruder begegneten Beschwerden halber / zu gedachtem König Miramolino begeben / geführt / warden sie mit sondern Freuden empfangen / und mit aller Notturfft versehen / entsatzte sich sie inn einem so schlechten / engen / geringen / kurtzen Habitu also außgemärglet / mit eingefallnen Augen / unnd wegen Ermüdung deß Leibs / unnd Ertödtung deß Fleischs / eingebognen Achßlen / und doch neben solchem allem inn ihren Angesichten ein so freundtliche Ehrbarkeit / und Fröligkeit deß Geists zu sehen / daß sie gleich so vil Englen deß Paradeiß geleicheten / eusserlichen abgestorben / aber innwendig dermassen lebendig / und in der Liebe Christi entzündt / daß sie den Todt einen Schimpff achteten / unnd als was kostliches und begirliches suchten / in der Liebe deß Nächsten brannen / und desselben Heyl die aller eyfferigisten wären / welches von dem Infanten / sambt der Bemühung so sie in Siviglia die Marter Kron zu erlangen gehabt hätten / wol erwegen / und daß wann dergleichen allda beschehen solte /  ein Empörung deß Königreichs  zu beförchten / wol betrachtet / und zu Gemüt geführt / wolte er mit vilen starcken Beredungen die Heyligen von irem Fürnemmen abwendig machen / bearbeitet sich dessen zum höchsten.

 

Die heylige willige Martyrer aber verliessen ine ohne alles weiters Widersprechen inn dem Palast / predigten durch die Gassen und Strassen / unnd fragten nach dem Hoff Miramolini deß Königs / denen ward geantwort / wie daß er nit in der Statt / aber doch bald dahin kommen wurde.

 

Derhalben als ihnen der Weg gezeigt / begaben sie  sich ihme auff einem Baß (Anmerkung: Paß) fürzuwarten / unnd als sie sich / auff daß sie wol gehört werden möchten /  auff ein Höhe gestelt / und der König von Besuchung der königklichen Begräbnussen daher kame / fienge einer derselben an mit heller Stimm den Catholischen Glauben zu predigen / unnd die Machometische Sect zu lästeren.

 

Dessen wegen der König sich der Vermessenheit eines so geringen Menschens verwunderend / nach dem er sambt  den seinen ihne vil malen zu schweigen  vermahnt / doch nichts außrichten köndte /  sie zu dem Thor auß zu jagen / und der Christenheit zuzuweisend anbefahle / welches auch der Infant selbsten thate / und ihnen zwen der seinen nachschickte / welche sie nach Cepta (Anmerkung: Ceuta, noch heute spanische Exklave in Nordafrika wie Melilla) weisen / allda in Schiff setzen / und nacher Portugal uber führen solten.

 

Die Heyligen Gottes aber sünderten sich auff der Strassen von denselben / kehrten wider umb / und fiengen (als sie auff den Blatz kamen) wider an unseren Glauben den Mohren wider ihren Propheten Machomet zu verkünden.

 

(Anmerkung von ETIKA: Heute verfolgen der Papst und die meisten Bischöfe die gegenteilige Politik: nur ja nichts gegen den Islam sagen, ihn im Gegenteil als friedliebende Religion preisen und ja nicht den Moslems den christlichen Glauben predigen.)

 

Als solches der König vername / befahle er solche einzuziehen / und ohne Speiß und Tranck gefängklich zu erhalten: warden also (allein durch die Göttliche Gnad) zweintzig Tag in dem Kercker erhalten / in welcher Zeit ein solches Ungewitter inn dem Lufft erstunde / daß die Menschen gleichsam verzagten.

 

Derhalben die Mohren ein Göttliche Rach zu seyn beförchtende / den König hoch ersuchen liessen / er wolte die barfusse Menschen wider der Gefängknus erlassen.

 

Als solches von dem König geschahe / unnd die vil feißter als zuvor mit grossem Verwunderen sahe / fragte er Bruder Bernharden / wer ihnen die Speiß und Nahrung geben hätte. Der heylige Mann antwortet freydig / und sagt: Wann er ein Christ werden wolte / wurde er die grosse Macht Gottes / und wie sein Göttliche Maiestät dero Diener inn jetzigem Leben zu der ewigen himlischen Belohnung erhalte / bald erkennen.

 

Darauff liesse sie der König  ohne weitere Antwort den Christen ubergeben / welche sie / biß ein Gelegenheit nach Cepta vorhanden / in ein Hauß einsperrten / unn hernach als solche kommen / hinwegk schickten: In mittel deß Wegs aber fluhen sie wie zuvor / von der Gesellschafft / kamen wider in die Statt / und predigten: welches als der Infant vername / liesse er sie / zu Verhütung einer Empörung oder Auffrur wider alle andere Christen / so selbiger Zeit alldorten wohneten / angreiffen / und mit guter Wacht in seinem Palast verwahren.

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