ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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13.10.2004 – 3.4.2016

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Wunderzeichen der 5 Märtyrer im Heer des Maurenkönigs

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 10, 1604

 

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das viert Buch.
Wie die fünff Martyrer ein herrlich Wunderzeichen inn dem Kriegsheer deß Königs erwisen.
Cap. 10.

 

In dieser Zeit kame dem (maurischen) König ein Bott / welcher ihne berichtet / daß die Arabier in sein Land gefallen / die Dörffer und Flecken blünderten unnd zerstörten : derohalben er sein Heer versamblet / gedachten Infanten mit sich name / und den Feinden entgegen zuge / mit welches / unnd anderer Portugalesischen streibaren (wohl: streitbaren) Ritter Hilff er den Sig erhielte /  und die Feind inn die Flucht schluge.

 

In dem Nachjagen aber als er in ein Thal kame / und kein Wasser den Durst zu löschen fande / und gleichsam das gantze Heer verschmachtet / und nit was ihnen zu thun wißten / den Boden der was feucht mit der Zungen leckten / und dardurch den Durst mehr erweckten / also daß sie gleichsam so tobeten und wüteten / und allerdings verzagten.

 

Inn deme kamen / Zweiffels ohne durch Göttliche Fürsehung / die heyligen Brüder (so in dem Rumor auß dem Palast deß Infanten entrunnen waren) ohne gefar dahin / und zu dem Kriegsheer / und als sie die große Dürre und Noht deß Volcks sahen / erbutten sie sich / in höchstem Vertrawen Göttlicher Maiestät / offentlich / wann sie sich zu dem Glauben bekehren / und mit dem Wasser den Tauff empfahen wolten / so wolten sie inen Wassers genug erlangen / also daß sie den Durst völligklich löschen / und ihnen keines ermanglen wurde.

 

Als dises Anbiten für den König kame / sagt er:

Vil mehr ist diese Drückne von nichtem anderem kommen / als daß wir die grosse Lästerung und Schmach / so die wider unseren heyligen Propheten außgestossen / nit gerochen. (Anm.: gerächt)

 

Derohalben Bruder Bernhard / welchen dise Gelegenheit / die Glori deß Herren zum Heyl diser verloren Selen zu offenbaren / nit zu versaumen Zeit gedunckte / mit einem Stab ein kleine Gruben in den Boden machte / darauß alsbald das klare Wasser sprange / durch welches das gantz Heer sambt allen Pferten und Kamelen getrenckt / und dessen noch vil hinwegk zu führen / unnd auff der Reiß zu gebrauchen / auffgeladen werden möchte.

 

Alsbald solches geschehen / ertrucknet der Bronnen wider / mit grossem Aufferbawen so wol der Christen / als Mohren / welche alle einer umb den anderen ihnen die Habit zu küssen /und sie als Heyligen Gottes zu ehren begerten / als allein Miramolinus der erzeigte sich hart / wie ein anderer Pharao / sambt einer ihrer weisen Priester / welcher mit Bruder Bernharden lang disputiert / uberwunden / und nach Ersehung dises Wunderzeichens / sich von dem Heer begeben / unnd nit mehr gesehen worden.

 

Uber dises alles / weil der Infant den König gar ergrembt sahe / liesse er sie wider inn den Palast führen / und bey Tag und Nacht wol verhüten.

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