ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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16.4.2006 – 10.4.2016

12F3416

König bietet Märtyrern junge Mohrinnen an

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 16, 1604

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das viert Buch.
Wie der König abermalen die Heyligen durch allerley Verheissungen abwendig zu machen versucht.

Cap. 16.

 

Under dessen gedacht der König dz Gemüt der Heyligen durch allerley Verheissungen zu gewinnen / sprache ihnen nachfolgender Weiß zu:

Wahrlich glückhaffte Menschen möchten ihr euch nennen / wann ihr die Gnad Gottes / und seines grossen Propheten Machomets erkanten / seytemal sie unser Gemüt dermassen ermilteren / daß wir diejenige Rach / welche ewere Mißhandlungen verdient / nit zu nemmen /  sonder an Statt der Straff auch grosse Belohnung zu geben begeren /

 

unnd als er menigklich ausser etwelcher der Vertrautisten abzutretten befohlen / liesse er fünff schöne junge Töchteren hinein führen / und sagte zu den fünff Martyren:

 

Sehet zu / wie groß ist unser Güte / daß / als wir erkennen die Armut / Ellend und Trübsal / so diese ewere schlechte Kleider erzeigen / euch der Sinnen beraubt / wir euch auß eigner Freygebigkeit zu Hilff kommen / und dise fünff schöne Töchtern zu Eheweiberen geben wöllen / und sie uber das vätterlich der stattlichisten und vertrautisten unsers Reichs Erbgut reichlich begaben / denen ihr auch inn dem Erb nachfolgen sollent / nur allein daß ihr unseren wahrhafften Glauben / welchen so vil reich und hochverständige und weise Personen angenommen / gleichfals annemmet.

 

Disen deß greulichen Tyrannen schandtlichen Reden verstopfften die Heyligen die Ohren / unnd sprachen:

 

O du von Gott Vermaledeyter / dise deine Wollüst werden dich bald bald inn die höllische Gruben versencken / in welcher Tieffe dein falscher Prophet Machomet deiner erwartet / auff daß du / als der / welcher ihme inn dem Gesatz nachgefolgt / ihme zu gleich inn ewiger Pein Gesellschafft leistest / und dieweil du gwaltig und mächtig / mächtigklich auch gemartert werdest / und so vil stärcker als andere / umb wie vil du auff Erden mehre Hochheit und Wollüst inn deinem Leben gehabt und genossen hast (Anmerkung ETIKA: entspricht der christlichen Gerechtigkeitslehre, wie sie in unserem Buch "Die kommende Gerechtigkeit" dargelegt wird):

 

O du ellender / armer / und unglückhaffter Mensch / erkenne den Irrthumb darinn du schwebest / dann wir durch die Gnad Gottes / dise angeborne zergängklich Eytelkeiten wol zu meiden wissen / die ewigen hernach in der Seligkeit Gottes zu genießen / welche wir dir / unangesehen aller deiner Sünden / an seiner Statt antragen / seytemal Christus Jesus unser Herr für dich gleich so wol als für uns an dem Stammen deß Creutzes gestorben / wann du seiner Göttlichen Maiestät danckbar / seiner Wohltaten erkantlich / und dich des schandtlichen Lebens so du übest / und dich und die deinen dein falscher Prophet gelernet / und bey der Nasen diser fleischlichen Wollüsten umbzeucht / an welcher Statt ihr in der Höllen ewigklich brinnen werden / berewen wirst.

 

Als nun der König auß disen Worten klärlich gemerckt / dz er weder durch gute oder böse Mittel nicht mehr außrichten / und wegen diser newen Schmachwort / so er wider seinen Propheten außstossen hörete / aller wütig und ergrimmet warde / sagt er:

Seytemal ihr ewer Wolfahrt nit erkennen wöllet / will ich euch zu erkennen geben / was es seye / die Gottheit unsers grossen Propheten / unnd die Maiesttät unserer Kronen zu beleydigen / dann ich selbsten mit eignen Händen seine und meine Rach von euch nemmen will /

richt sich alsbald solches zu verrichten.

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