ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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17.4.2006 – 10.4.2016

12F3417

Maurenkönig enthauptet die 5 Märtyrer

Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 17, 1604

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das viert Buch.
Wie die 5. Martyrer von dem König Miramolino selbsten enthaubtet
worden / und der Infantin Frawen Sancia erschinen.

Cap. 17.

 

Die geliebten Heyligen Gottes hätten ihre Tag bessere Zeitungen (Anmerkung: damals noch im Sinn von Nachrichten) nie gehört / und derohalben mit sonderen Freuden und Trost / wegen herzu Nahung der so hoch begerten Belohnung / innbrünstigklich ihme antworteten / und sagten:

 

Unsere Leib allein (O König) seynd in deiner Hand / unnd das ist das größte Ubel / so du in disem Leben uns erweisen kanst  / welches uns auch zu mehrerem Guten bey dem höchsten Gott erspriessen wirdt / derwegen thu denselben das ärgist so du weist unnd kanst / dann desto grösseren Stand wirst du uns in den Himlen bereiten / da uns / wann wir allein seines Glaubens halber sterben / sein Göttliche Maiestät die Kron bereitet hat / von welcher Eyffer wegen sagen wir nochmalen / und bitten / so lieb euch ewerer Seelen Heyl ist / ihr wöllet den Irrthumb / darinn euch der Teuffel erstecket / verlassen / unnd den wahren Glauben deß lebendigen Sohnes Gottes / unnd seines eingebornen Sohns Christi Jesu annemmen / unnd ewer Heyl suchen / dann sonsten dises ewer Fleisch / so ir an jetzo so hoch achtet / gar bald ein Speiß der Würmen seyn / und ewer ellende Seel inn Ewigkeit eusserste Peinen mit den Verdambten inn der Höllen leiden unnd außstehen wirdt.

 

Der König höret diser Ermahnung nit biß zu End zu / begerte einen breiten Sebel / liesse die Heyligen mitten inn den Saal von einander stellen / unnd sagte mit heller Stimm:

Ich will mit eigner Hand die Schmach unsers heyligen Propheten / unnd Schändung unsers Gesatzes rechen:

 

Name voller teufflischen Grimmens das blosse Schwert / zerspielte den heyligen Mannen das Haubt biß auff das Kin / welche mit grosser Andacht kniend den Herren für die Verfolger anrüfften / daß er die zu seinem heyligen Glauben bekehren wolte: ihre Seelen haben sie dem Herren durch die Hand eines so grossen Nachrichters auffgeben / in dem Jar deß Herren 1220. In dem dritten Babsts Honorii / den 16. Tag des Monats Jenner / vast siben Jar vor dem Absterben deß heyligen Vatters Francisci / unnd waren die erste Frücht seines Ordens / so er in die Himlen gesant hat.

 

In dieser Stund seynd sie zu Alenquer der Infantin Frawen Sancia / wie die Sonnen scheinend / als sie in ihr Kammer / aller verzuckt in Gott / dem Gebett oblage / jeder einen Sebel zu Zeichen deß erlangten Triumphs / erschinen / und gesagt:

Dieweil / O wahre Dienerin deß Allerhöchsten / du uns zu disem Triumph gewisen unnd ermahnet / hat es seiner Göttlichen Maiestät gefallen / uns in der Gestalt wie wir triumphiert / hieher zu dir zu senden / unnd allezeit in den Himlen deine Fürbitter zu seyn /

 

und als sie diß geredet / verschwunden / und die Infantin wol getröst / unnd vil behertzter inn dem Dienst ihres geliebten Jesu hinderlassen / welche gleich an disem Ort / da ihr die heyligen Martyrer erschinen / alsbald ein Kirchen zu der Ehr deß Herrn / und Gedechtnus seiner Heyligen / aufferbawen lassen.

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