ETIKA 12F3522

FRANZISKUS-CHRONIK

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19.9.2001

Antonius von Padua

Wie der hl. Antonius den Tyrannen Ezzelin strafte

Der Cronicken der mindern Brüder, das fünffte Buch, Cap. 13, 1603

Der Cronicken der Minderen Brüder /

Das fünffte Buch.

In welchem

das Leben  / Lehr / Absterben / und Wunderzeichen deß glorificierten heyligen Vatters Antonii / von Padua genant / begriffen.

Konstanz am Bodensee, 1603

Wie er den Tyrannen Ezelin gestrafft.

Cap. 13.

Alte Chroniken

 

Ezelinus ein erschröcklicher Wüterich und Tyrann zu Padua / hatte mit Hilff Keyser Fridrichen deß Anderen / vil fürtreffliche edle Stätt in Italia under sein Joch gebracht / übte zu mehrerer Forcht unn Schrecken gegen den Völckern unerhörte greuliche Tyranneyen / dörffte ine niemandts darumben straffen.

 

Eines mals under anderen / als er zu Bern etliche fürnemme edels Personen ohne alle Ursach hinrichten lassen / entschlusse sich der heylig Vatter personlich dahin zu ziehen / und die Gebür zu verrichten.

 

Als er nun für ihne kommen / sagt er unerschrocken:

 

O du erschröcklicher Tyrann / wann wirst du einmal dem erschröcklichen Blutvergiessen der Christen / so du täglich ohne alle Ursach übest / ein End machen? Wisse und halte für gewiß / daß das erschröckliche strenge Urtheyl Gottes deiner erwartet / welches wann du zum wenigsten vermeynst / auff dich fallen wirdt /

 

henget disen Worten vil mehrers an / verwise ihme die Todtschläg / Schwächungen / Diebstal / Mordthaten / sambt den grossen Beschwerungen so er aufflegte / unnd gar biß zu Zerstörung der Stätt bewilligte.

 

Dessen verwunderten sich seine Söldner hoch / wie er doch die Gedult haben möchte / solche grosse Verweisungen zu ubersehen / warteten biß er auffgehört / hielten für gewiß / er wurde ihne nacher zu Stucken zerhawen.

 

Der Verfolg aber erzeigte sich anderst:

 

Dann als der heylige Vatter sein Red vollendet / ward der grimmige Wolff alsbald inn ein sanfftmütiges Lämblein verendert / lößte den Gürtel ab / bande den umm den Hals / warffe sich dem Heyligen zu Fussen / und begerte von Gott / und ihme Verzeyhung / versprache der Göttlichen Maiestät genug zu thun / unnd alle dise Buß / so er ihme auflegen wurde / zu würcken / mit solcher und mehrerer Verwunderung und Entsetzung der Umbstehenden / als ob sie einen Todten aufferstehen gesehen hätten / mit welcher guten Verheissung der heylig Vatter hinwegk gezogen: der Tyrann aber sich zu den seinen gewendet / und gesprochen:

 

Verwundert euch nit ihr Rittersleut / dessen was ich inn ewer Gegenwärt gethan / dann ich hab wahrhafftigklich ein solchen göttlichen Glantz auß dem Angesicht dieses heyligen Vatters gegen mir sehen hergehen / der mich dermassen erschreckt / daß ich vermeynt gleich alsbald inn die Höll versenckt zu werden.

 

Seytemal aber der allmächtig Gott seine Feind durch die Hand ihrer eignen Feinden zu strafen sich entschlossen / schaffte er daß er nit lang in disem seinem Fürnemmen verblibe / sonder an der Krafft deß heyligen Vatters zu zweifflen anfienge / unnd derohalben die ander Prob auch versuchen wolte:

 

Nemblichen / als er eines mals offentlich wider sein Tyranney und greuliche Thaten predigete / schickte er ihme bey etlich der seinigen ein Verehrung / mit Befelch / daß wann der Diener Gottes solche annemme / solten sie ihne alsbald umbbringen / wo aber nit / alles Ubel so er ihn sagen wurde / gedultigklich leiden / unnd wider zu rugk kehren.

 

Als nun die Abgesanten dahin kamen / unnd mit eusserster erdichteter Demut das kostliche Praesent ihme darreichten / sagende / er solte dise geringe Gab / so ihme Ezelin zusante / annemmen / und Gott für ihne bitten / erfuhren sie wer er ware / dann er ihnen antwortete:

 

Behüte mich Gott vor disem Praesent / welches nichts anders als das Blut der armen Christen ist / und von welchem ewer Herr Gott dem Herrn strenge Rechenschafft geben muß / packt euch alsbald von dannen / auff daß wegen ewer Boßheit / daß Hauß nit auff euch falle / oder die Erden sich auffthü / und euch sambt dem Praesent verschlucke.

 

Die Abgesandten zuhen ohne weitere Red darvon erzehlten dem Tyrannen die erlangte Antwort / der ihne hernach für einen wahren Diener Gottes hielte / unnd den seinigen befahle / daß sie ihne seines Gefallens reden lassen solten / der ihne hernach für einen wahren DienerGottes hielte / und den seinigen befahle / daß sie ihne seines Gefallens reden lassen solten / der ihme dann weil er gelebt / nit ein gering Gebiß gewesen.

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