ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK
ANTONIUS VON PADUA

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16.2.2001

12F3524

Antonius kommt seinem des Mordes verdächtigten Vater von ferne zu Hilfe

Der Cronicken der mindern Brüder, das fünffte Buch, Cap. 24, 1603, S. 105ff.

Wie er zwey mal in dem Geist
seinem Vatter in Portugall zu Hilff kommen.
Cap. 24.
Alte Cronicken

Als nun sein Vatter / als eins Adels Person / ein guten Theyl deß Königs Gesellen under seinem Gewalt gehabt / unnd mit den Ambtleuten gute Rechnung beschlossen / unn denen das eroberte und fürgeschlagene Gelt zugestelt / unnd uberantwortet / ihnen als Freunden vertrawet / und kein Quittung deßhalber begert / oder derselben nachgefraget / und die ehrbaren Gesellen  uber etliche Monat solches wider von ihme erforderten / und außführliche Rechnung begerten / und der gut Edelmann nit wusste (dieweil er nichts in Handen / und zu beweisen) wie er der Sachen thun sollte / unnd die eusserste Gefahr / unnd sein Verderben vor Augen sahe / entschlusse er sich doch letstlichen zu denen zu gehen / und sie / wie die Sachen beschaffen / zu berichten / und die beschehene Rechnung zu Gemüt zu führen / verhoffende sie wurden die Wahrheit bekennen / und sich dessen sättigen lassen.

Als er aber dahin kame / wolten sie umm den Empfang noch die beschloßne Rechnung nichts wissen.

In deme erschine der heylige Antonius /sagte mit ernstlichen Worten:

Machet die Quittung deß Gelts / so euch dieser ehrliche Mann von den Gefällen deß Königs disen Tag / an dem Ort / zu solcher Stund / und in dergleichen Müntz erlegt hat / dann wann ihr das nit thut / so wirdt euch Gott straffen.

Welches als sie mit grossem Verwunderen unnd Schrecken anhörten / machten sie dem Vatter die Quittung / unnd ward der heylig Mann nit mehr gesehen.

Der Vatter gienge frölich zu Hauß / danckete Gott / der ihme einen solchen Sohn gegeben.

*

Ein ander mal / als vor dem Hauß gedachtes seines Vatters ein Jüngling sein Nachbaur / deme sein Feind / als er auß der Haubtkirchen / so grad gegen seinem Hauß uber / widerkehret / fürgewartet / umbgebracht / unnd also todter uber die Maur inn sein Garten eingeworffen / und allda wegen der Blutstropffen / so auff der Gassen gespürt / von der Obrigkeit gefunden worden / war der Vatter sambt dem gantzen Haußgesind alsbald gefängklichen eingezogen / zu dem Todt verurtheylt / und allbereit zu der Richtstatt außgeführt.

Welches alles dem Heyligen / als er zu Padua prediget / geoffenbart warde:

Neigte sich derhalben auff das Pultbrett / und eylte alsbald dem Vatter zu helffen / erweckte den Todten / und machte ihn offentlich bekennen / ohne Anzeigung der Todtschläger / dass er nit der jenig / so ine umgebracht hätte.

Der Erweckte wendte sich zu dem heyligen Vatter / bate und begerte die Absolution einer Excommunication / darinn er gewesen / und dass er Gott für sein Seel bitten solte.

Als er solches erlangt / fiele er wider todt in die Gruben / darauß er erstanden / und hatte also der heylige Mann auff ein mal den Vatter von dem leiblichen / und den entleibten von der Seelen Todt erlediget / fienge durch Eingebung Gottes wider an zu predigen / entdeckte dem Volck wo er gewesen / dessen vil / so solches zu erfahren in Portugall geschriben / deß Verlauffs berichtet warden.

Nachbemerkung etika.com:

Wer dies gelesen hat und selber jemandem ein solches Unrecht zugefügt hat, der beeile sich, Wiedergutmachung zu leisten. Ansonsten gilt für ihn die nämliche Drohung des Antonius.

Und wer zu Unrecht eines Mordes oder eines anderen Verbrechens beschuldigt wurde, der rufe den hl. Antonius um Hilfe an.

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