ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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12.7.2003

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Des hl. Antonius Zettel wider die bösen Geister

Der Cronicken der mindern Brüder, das fünffte Buch, Cap. 35, 1603. Alte Cronicken

Von vilen anderen Wunderzeichen /
und deß H. Antonij Zettel wider die bösen Geister / so dem König auß Portugall Don Donis in Handen verbliben.

In einem Gefecht etlicher Kriegsleut / ward einer so hart in einem Arm verwundt / daß er / menschlich darvon zu reden / auffs wenigist ohne gelähmt nit möchte geheylet werden. Als er sich aber nach dem Heyligen befahle / ward er alsbald gesund / unnd heyleten die Wunden selbsten / als ob nie keine allda gewesen.

Seytemal aber man von den Gottlosen zu sagen pflegt, / Wann die Gefahr fürüber / so hat das Gelübt ein End: Dann als der Kriegsmann nachzugedencken anfienge, / wie er den empfangnen Schaden rechen möchte / und vil Mitlen nachtrachtete / folgete die folgende Nacht darauff / daß die Wunden sich wider wie zuvor eröffneten / unnd ihme also der Heylige zu erkennen gabe / daß die Gaben und Gnaden Gottes / seiner Göttlichen Maiestät / unnd dem Nächsten zu wider / nit solten mißbraucht werden.

Einem Knaben von Padua / genant Heinrich / ware der Hals allerdings verschwollen: als er sich aber zu dem Heyligen verlobet / genase er von stundan: Dieweil er aber gesunder dem Verloben nit Statt thate / erkrancket er wider. Als er nun hernach wol bereuet / solches Gelübt vollbrachte / erlangte er wider die begerte Gesundheit.

Ein Abt / welcher groß Mitleiden mit einem seinem Underthanen / so stumm unnd gehörloß war / truge / verlobte ihn dem Heyligen / und versprache ihne zum Dienst seiner Kirchen die Zeit seines Lebens zu verordnen: Alsbald ward er geheylet: der Abt erzeigt sich danckbar / verordnet ihne sein Lebtag der Kirchen zu dienen.

In dem Königreich Portugall / der Statt Santeren / zu Zeiten deß Königs Don Donis / war ein armes Weib / welche neben dem / daß sie ein Sünderin / grosse Andacht gegen dem heyligen Antonio truge / in dise fuhre der Teuffel zu underschidlichen Zeiten / er versuchte unnd reitzte sie sich selbsten umbzubringen / einbildete ihr / daß ausser deß willigen Todts kein genugsam Mittel vor dem Angesicht Gottes wäre / die begangne Sünden zu bezahlen.

Diser Einbildung gsellet sich ein Gesicht / in welchem ir der böse Feind / in Gestalt eines gecreutzigten Christi erschine / und sagte: Von der Liebe wegen / so er gegen ihr trüge / wolte er sie erhalten / und selig machen / seytemal kein ander Mittel wäre / dann der von seinet wegen uberstandne Todt / zu Bezahlung und Ablegung ihrer schweren Sünden / rahtet ihr sie solte zu dem Fluß Tago eylen / und sich selbsten erträncken / dann in selber Stund wolte er sie zu der Glori auffnemmen.

Als das Weib ab diser newen Erscheinung erschrocken / erstaunet / und Mittel deß der Mann sie außschalte / und sie eine von Teuffel besessene Vettel schalte / eylte sie in diser Erscheinung unnd Verzweifflung dem Wasser zu / wolt sich erträncken.

Der glorificierte Heylige aber / an welches Festtag diß geschahe / wolte solches nit gestatten: dann als das ellende Weib für sein Kirchen fürübergienge / sich hinein begabe / und ihne zum höchsten bate / er wolte / wo immer müglich / ir entdecken / ob es der Will deß Herren wäre / daß sie sich erträncken solte.

Nach diesem Gebett / als sie eines lieblichen ringen Schlaffs entschlieffe / sie die Stimm deß Heyligen sagende hörte: Sihe in dein Schoß / und alsbald du die Geschrifft / so du darinn findest / lisest / wirst du alsbald von der Versuchung entlediget werden.

Als nun das Weib erwacht / und die Geschrifft / so sie inn der Schoß gefunden / lase / ward sie von der Versuchung entlediget / unnd gesund.

Die Geschrifft war diser Ecce crucem Domini fugite partes aduersae, vicit Leo de tribu Iuda; Alleluia Alleluia.

Als nun der König auß Portugall Don Donis / dises grosse Wunderzeichen / von deß Weibs Mann erzehlen gehört / begerte er dise Geschrifft / unnd erlangts.

Ein wunderlich Ding: alsbald der Zettel dem Weib abgenommen / kame der Teuffel den Abent wider sie zu plagen. Unn dieweil kein Mittel war / solchen von dem König / der ihne zu anderen heyligen Reliquien behalten / unn damit hernach vilerley Wunderzeichen gewürcket / wider zu bekommen / ward dem Mann / Abschrifft desselben zu begeren / gerahten.

Als er solche durch Mittel der Brüder erlangt / unnd mit grossem Vertrawen unnd Glauben dem Weib angehenckt / ward sie alsbald entlediget / lebt noch zweintzig Jar frisch und gesund.

Wie er die Infantin auß Portugall von dem Todt entlediget.

Die Infantin Fraw Aldonza / deß Königs auß Portugall / und der Königin Teresae Tochter / als sie grosser Schwachheit halber nahent zu dem Todt kommen / befahle sie die Mutter mit eusserstem Vertrawen dem hyligen Antonio / bate er solte sich erinneren / daß er auß disem Königreich geboren / und der Liebe Gottes wegen (zu gleich wie er in Italia so vilen zu Hilff kommen wäre) dise ihre Tochter auß der Gefahr deß Todts entledigen.

Ein wunderliche Sach: gleich kame der Tochter ein solcher Zufall / daß sie von menigklich für todt gehalten wurde / unnd erschine ihr der heylige Vatter / und sagte: Geliebte Tochter / mein Herr der schicket mich wegen der hohen Fürbitt deiner Mutter / dir anzuzeigen / daß du dir freywillig erwehlest / gleich jetzo mit mir in das Paradeiß zu fahren / oder zu Trost deiner Mutter noch länger zu leben.

Als sie nun das ander erwehlt / reicht ir der heylige Antonius den Strick / und sagte: So küsse disen Strick. Sie name den / faßt ihn inn die Hand / und rueffte der Fraw Mutter/ unnd sagte: O Fraw / Fraw / kombt secht den heyligen Antonium / ich halte ihn bey dem Strick / den er mir zu küssen geben / und durch den ich die Gesundheit erlangt habe.

Die Mutter eylte der Tochter zu helffen / fande nichts als die gesunde Tochter / erfrewet sich hoch / lasset das herrliche Wunderzeichen inn der Statt Alenquer / da es geschehen / inn dem Kloster der Minderen Brüder verkünden / unnd Gott den Herren darumben loben und dancken.

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