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FRANZISKUS-CHRONIK |
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Des
hl. Antonius Zettel wider die bösen Geister |
Der Cronicken der
mindern Brüder, das fünffte Buch, Cap. 35, 1603. Alte Cronicken |
Von vilen anderen Wunderzeichen /
und deß H. Antonij Zettel wider die bösen Geister / so dem König auß Portugall
Don Donis in Handen verbliben.
In
einem Gefecht etlicher Kriegsleut / ward einer so hart in einem Arm verwundt /
daß er / menschlich darvon zu reden / auffs wenigist ohne gelähmt nit möchte
geheylet werden. Als er sich aber nach dem Heyligen befahle / ward er alsbald
gesund / unnd heyleten die Wunden selbsten / als ob nie keine allda gewesen.
Seytemal
aber man von den Gottlosen zu sagen pflegt, / Wann die Gefahr fürüber / so
hat das Gelübt ein End: Dann als der Kriegsmann nachzugedencken anfienge, /
wie er den empfangnen Schaden rechen möchte / und vil Mitlen nachtrachtete /
folgete die folgende Nacht darauff / daß die Wunden sich wider wie zuvor
eröffneten / unnd ihme also der Heylige zu erkennen gabe / daß die Gaben und
Gnaden Gottes / seiner Göttlichen Maiestät / unnd dem Nächsten zu wider / nit
solten mißbraucht werden.
Einem
Knaben von Padua / genant Heinrich / ware der Hals allerdings verschwollen: als
er sich aber zu dem Heyligen verlobet / genase er von stundan: Dieweil er aber
gesunder dem Verloben nit Statt thate / erkrancket er wider. Als er nun
hernach wol bereuet / solches Gelübt vollbrachte / erlangte er wider die
begerte Gesundheit.
Ein
Abt / welcher groß Mitleiden mit einem seinem Underthanen / so stumm unnd
gehörloß war / truge / verlobte ihn dem Heyligen / und versprache ihne zum
Dienst seiner Kirchen die Zeit seines Lebens zu verordnen: Alsbald ward er
geheylet: der Abt erzeigt sich danckbar / verordnet ihne sein Lebtag der
Kirchen zu dienen.
In
dem Königreich Portugall / der Statt Santeren / zu Zeiten deß Königs Don Donis
/ war ein armes Weib / welche neben dem / daß sie
ein Sünderin / grosse Andacht gegen dem
heyligen Antonio truge / in dise fuhre der
Teuffel zu underschidlichen Zeiten /
er versuchte unnd reitzte sie sich selbsten umbzubringen /
einbildete ihr / daß ausser deß willigen Todts kein genugsam Mittel vor dem
Angesicht Gottes wäre / die begangne Sünden zu bezahlen.
Diser
Einbildung gsellet sich ein Gesicht / in welchem ir der böse Feind / in Gestalt
eines gecreutzigten Christi erschine / und sagte: Von der Liebe wegen / so er
gegen ihr trüge / wolte er sie erhalten / und selig machen / seytemal kein
ander Mittel wäre / dann der von seinet wegen uberstandne Todt / zu Bezahlung
und Ablegung ihrer schweren Sünden / rahtet ihr sie solte zu dem Fluß Tago
eylen / und sich selbsten erträncken / dann in selber Stund wolte er sie zu der
Glori auffnemmen.
Als
das Weib ab diser newen Erscheinung erschrocken / erstaunet / und Mittel deß
der Mann sie außschalte / und sie eine von Teuffel besessene Vettel schalte / eylte
sie in diser Erscheinung unnd Verzweifflung dem Wasser zu / wolt sich
erträncken.
Der
glorificierte Heylige aber / an welches Festtag diß geschahe / wolte solches
nit gestatten: dann als das ellende Weib für sein Kirchen fürübergienge / sich
hinein begabe / und ihne zum höchsten bate / er wolte / wo immer müglich
/ ir entdecken / ob es der Will deß Herren wäre / daß sie sich erträncken
solte.
Nach
diesem Gebett / als sie eines lieblichen ringen Schlaffs entschlieffe / sie die
Stimm deß Heyligen sagende hörte: Sihe in dein Schoß / und alsbald du die
Geschrifft / so du darinn findest / lisest / wirst du alsbald von der
Versuchung entlediget werden.
Als
nun das Weib erwacht / und die Geschrifft / so sie inn der Schoß gefunden /
lase / ward sie von der Versuchung entlediget / unnd gesund.
Die
Geschrifft war diser Ecce crucem Domini fugite partes aduersae, vicit Leo de
tribu Iuda; Alleluia Alleluia.
Als
nun der König auß Portugall Don Donis / dises grosse Wunderzeichen / von deß
Weibs Mann erzehlen gehört / begerte er dise Geschrifft / unnd erlangts.
Ein
wunderlich Ding: alsbald der Zettel dem Weib abgenommen / kame der Teuffel den
Abent wider sie zu plagen. Unn dieweil kein Mittel war / solchen von dem König
/ der ihne zu anderen heyligen Reliquien behalten / unn damit hernach vilerley
Wunderzeichen gewürcket / wider zu bekommen / ward dem Mann / Abschrifft
desselben zu begeren / gerahten.
Als
er solche durch Mittel der Brüder erlangt / unnd mit grossem Vertrawen unnd
Glauben dem Weib angehenckt / ward sie alsbald entlediget / lebt noch zweintzig
Jar frisch und gesund.
Wie
er die Infantin auß Portugall von dem Todt entlediget.
Die
Infantin Fraw Aldonza / deß Königs auß Portugall / und der Königin Teresae
Tochter / als sie grosser Schwachheit halber nahent zu dem Todt kommen /
befahle sie die Mutter mit eusserstem Vertrawen dem hyligen Antonio / bate er
solte sich erinneren / daß er auß disem Königreich geboren / und der Liebe
Gottes wegen (zu gleich wie er in Italia so vilen zu Hilff kommen wäre) dise
ihre Tochter auß der Gefahr deß Todts entledigen.
Ein
wunderliche Sach: gleich kame der Tochter ein solcher Zufall / daß sie von
menigklich für todt gehalten wurde / unnd erschine ihr der heylige Vatter / und
sagte: Geliebte Tochter / mein Herr der schicket mich wegen der hohen Fürbitt
deiner Mutter / dir anzuzeigen / daß du dir freywillig erwehlest / gleich
jetzo mit mir in das Paradeiß zu fahren / oder zu Trost deiner Mutter noch
länger zu leben.
Als
sie nun das ander erwehlt / reicht ir der heylige Antonius den Strick / und
sagte: So küsse disen Strick. Sie name den / faßt ihn inn die Hand / und
rueffte der Fraw Mutter/ unnd sagte: O Fraw / Fraw / kombt secht den heyligen
Antonium / ich halte ihn bey dem Strick / den er mir zu küssen geben / und
durch den ich die Gesundheit erlangt habe.
Die
Mutter eylte der Tochter zu helffen / fande nichts als die gesunde Tochter /
erfrewet sich hoch / lasset das herrliche Wunderzeichen inn der Statt Alenquer
/ da es geschehen / inn dem Kloster der Minderen Brüder verkünden / unnd Gott
den Herren darumben loben und dancken.
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