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FRANZISKUS-CHRONIK

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12.11.2002. Links UNIX

12F3609

Von den Tugenden des Bruders Ruffinus

Der Cronicken der mindern Brüder, das sechste Buch, Cap. 9, 1603

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das sechste Buch.
Inn welchem das Leben 25. Disciplen deß Seraphischen Vatters Francisci begriffen.
Konstanz 1603.

Das Leben deß heyligen Bruders Ruffini
deß heyligen Francisci Gesellen.

Von den Tugenten inn gemein / und Heyligkeit Bruders Ruffini / auß Bezeugnus deß H. Francisci.
Cap. 9.
Alte Cronicken.

 

Gleich wie ein schöner Regenbogen in den Wolcken mit seinen underschidlichen Farben / hat der H. Ruffinus mit seinen scheinbaren Tugenten die ersten Minderen Brüder gezieret / unnd wie ein wolgefarbte Rosen / unnd weisse Gilgen wegen seiner innbrünstigen Liebe und Reynigkeit / allezeit ein lieblichen Geruch inn der Kirchen Gottes gegeben.

 

Diser Bruder Ruffinus ward gebürtig von Assisi / eines edlen Geschlechts / und der heyligen Clara nahender Verwanter / durch die Exempel unnd Lehr deß heyligen Vatters Francisci bekehrt / den Habit unn Orden der Minderen Brüder / wie hieoben inn dem ersten Buch / unnd 17. Capitel gesagt / angenommen / sich inn dem Jungkfrawstand erhalten / unnd von Gott sonderbare Gnad einer höchsten Betrachtung erlanget / unnd bey der Welt einer gar freundtlichen Conversation sich erzeiget.

 

Darumben der heylige Franciscus eines mals / als Bruder Ruffinus von dem Gebett zu seiner Zell für ihne gienge / zu den anderen Brüderen gesagt: Ob sie ihme sagen köndten / welche Seel auff diser Welt / ihres Erachtens / bey disen Zeiten die heyligiste bey der Göttlichen Majestät seyn möchte: welche daß sie es nit wißten geantwortet / gleichwol vermeynten / die sein wäre seiner Allmacht so angenem / daß derselben keine vorziehen möchte / wegen der sonderbaren Gnaden / so er von der Göttlichen Majestät empfangen hätte.

 

Der heylige Mann antwortet / und sagte:

 

O ihr Brüder / ich bin der schlechtist / ringist / unnd unwürdigst Knecht deß Herren in dieser Welt / Gott hat mir aber geoffenbaret / daß die Seel Bruders Ruffini / der dreyen heyligisten Seelen eine seye / so er in diser Welt habe: dannenhero ich betheure / und gar nit zweiffle / ihne noch im Leben heylig zu nennen / seytemal sein Seel allbereit in den Himlen canoniziert / wie mir der Herr das geoffenbart hat.

 

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