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FRANZISKUS-CHRONIK

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4.11.2002
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12F3611

Teufel fürchten und fliehen Bruder Ruffinus

Der Cronicken der mindern Brüder, das sechste Buch, Cap. 11, 1603

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das sechste Buch.
Inn welchem das Leben 25. Disciplen deß Seraphischen Vatters Francisci begriffen.
Konstanz 1603.
Das Leben deß heyligen Bruders Ruffini
deß heyligen Francisci Gesellen.

Wie die Teuffel Bruder Ruffinum
geförcht und geflohen.
Cap. 11
Alte Cronicken. S. Anto.

 

Und von wegen dieser seiner so hohen Demut unnd Reynigkeit / förchteten ihne die Teuffel also sehr / daß sie sein Gegenwärtigkeit nit gedulden möchten / wie solches vil malen / sonderlich eines mals gesehen worden:

 

Dann als er durch die Statt Assisi das Allmusen zu samblen gienge / und ihme vil Personen / so einen von dem Teuffel besessenen Mann zu dem heyligen Francisco / daß er Gott für ihne bitten solte / führeten / begegneten / unnd diser ihne ersehen hatte / zerrisse und zerzerrte er die Strick / und andere Band / darmit er gebunden / also daß er ihn allen entfluhe / und ein grosses Geschrey hinderliesse.

 

Als der aber wider gefangen / und deß gethanen Wütens Ursach befragt wurde, sagte er:

 

Darumben wäre es geschehen / daß diser demütige und arme Bruder Ruffinus allda / das Allmusen zu samblen / fürüber gegangen wäre / welcher ihne durch seine Tugenten unnd innbrünstig Gebett dermassen peinigete / daß er ja auch inn disem Leib nit mehr bleiben köndte / und mit dem von dannen schide.

 

Als der heylige Vatter Franciscus eines mals auff dem Berg / in einer abgesünderten Zell dem Gebett oblage / bemüheten sich die Teuffel mit Stein werffen  / unnd anderem Getümmel zum höchsten / ine irr zu machen / also daß es scheinte / daß der Berg zu Grund gehen wolte.

 

In deme kam Bruder Ruffinus ohne gefar dahin / begert von dem heyligen Vatter den Segen / und rueffte uber laut / unnd sagte:

 

Gelobet seye der Herr:

 

Alsbald fluhen die Teuffel mit grossem Getöß hinwegk.

 

Derohalben der heylig Vatter Franciscus / so sie wegk fliehen hörte / unnd die Stimm Bruders Ruffini erkente / alsbald zu der Zell herauß gienge / und den Teufflen mit heller Stimm nachrueffte:

 

Wartet ihr hoffärtigen und bösen Geister / wartet / Bruder Ruffinus kennet euch wol / der wirt euch wol strafen.

 

Ein ander mal ist geschehen / als zehen beseßne Mannen in das Feld entloffen / und Bruder Ruffinum antrafen / namen sie alsbald die Flucht / warden von etlichen der Ursach befragt / sagten sie:

 

Wir fliehen von Bruder Ruffino / der uns peiniget und presset / wie die Weintrauben im Torckel.

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