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FRANZISKUS-CHRONIK

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4.11.2002
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Ableben des Bruders Ruffinus

Der Cronicken der mindern Brüder, das sechste Buch, Cap. 12, 1603

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das sechste Buch.
Inn welchem das Leben 25. Disciplen deß Seraphischen Vatters Francisci begriffen.
Konstanz 1603.

Das Leben deß heyligen Bruders Ruffini
deß heyligen Francisci Gesellen.
Von dem Ableiben / und Erscheinung
deß heyligen Bruders Ruffini.
Cap. 12.

Es waren Bruder Ruffinus und Leo / wie inn dem letsten Capitel Bruder Bernharden Lebens gesagt worden / beyde kranck / und als sie von der wunderlichen Erscheinung gedachten Bruder Bernhards Seelen / und daß sie noch ein andere zu holen kommen wäre / redten / gedauchte Bruder Leonem / dieweil er gar schwach / er wäre der so sterben müßte / stunde mit Müh von dem Beth auff / gienge zu Bruder Ruffino gantz frölich / unnd sagte:

 

Bewahre dich Gott allerliebster Bruder / dann der Herr will mich auß disem Leben nemmen / unnd inn sein ewige Glori setzen.

 

Bruder Ruffinus antwortet:

 

Du irrest dich geliebter Bruder / dann das Gesicht so du gehabt / und die Wort so zu dir geredt seynd worden / deuten auff mich / unn nit auff dich: dann der heylige Vatter Franciscus nit langst also glorificiert / wie er ist / sambt vilen anderen Brüderen zu mir kommen / und gesagt: Ich wurde in kurtz auß disem Leben zu dem Herren abscheiden / und mir einen lieblichen Kuß geben / von welchem inn meinem Mund ein sehr lieblicher und wunderlicher Geruch verbliben / unnd auff daß du solches glaubest / so komme herzu / so wirst du den empfinden.

 

Bruder Leo gienge hinzu, / empfande ein solche Liebligkeit deß kostlichen Geschmacks / daß er sich deß jenigen / so Bruder Ruffinus gesagt / vergwissete.

 

Als nun die Stund seines Abschids herzu ruckte / unn er die Brüder deß Convents berueffen liesse / ermahnet er dieselben mit allerley heyligen Worten zu der Observantz ihrer Profession / und brüderlichen Liebe / schide also zwischen solchen heyligen Erinnerungen / sein Seel sambt der glorificierten Gesellschaft / so in den Himlen auff sie warteten / zu dem ewigen Frieden / sein Leib ward in dem Convent deß heyligen Francisci / zu etlich anderen seiner Disciplen unnd liebsten Gesellen begraben.

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