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FRANZISKUS-CHRONIK

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27.5.2001
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12F3622

Zacharias und Walther erbauen in Portugal das erste Kloster

Der Cronicken der mindern Brüder, das sechste Buch, Cap. 22, 1603

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das sechste Buch.
Inn welchem das Leben 25. Disciplen deß Seraphischen Vatters Francisci begriffen.
Konstanz 1603.

Das Leben der heyligen Brüder

Zacharias und Walthers.

Wie die Brüder Zacharias und Walther / von dem heyligen Vatter Francisco inn Portugall gesant / unn durch sie das erst Kloster alldorten erbawet worden.

Cap. 22.

 

Bruder Zacharias unnd Walther / sambt anderen mehr Gesellen / wurden von dem heyligen Vatter Francisco inn das Königreich Portugall gesant / auff daß sie allda durch ihr Lehr und Exempel / die Sünder zu Buß ermahnen und bekehren solten.

 

Als sie nun dahin kommen / warden sie erstens / wegen Frömbde der Kleidung / unnd daß sie Außländer / zimlich ubel empfangen / unnd wegen Underschid der Sprachen / noch ubler verstanden / und wenig angehört / und dieweil sie einige Brieff / oder glaubwürdige Patenten ihrer Regel und Profession nit hatten / unn die Portugaleser sie für Italianische Ketzer / deren selbiger Zeit gantz Italia voll war / hielten / funde sie ninderst kein bleibende Statt. Dannenhero die guten Brüder gezwungen wurden / ihr Zuflucht bey der Königin Vraca / Alphonsi deß Anderen diß Namens Ehegemahel / zu suchen / ihr Verfolgung zu erzehlen / unnd umb ein kleines Kirchlein / darinnen sie wohnen / und den Gottesdienst verrichten möchten / anzuhalten.

 

Als die Königin sie gnädigklich angehört / ihres Lebens / Stands / Religion / und Ankunfft in Portugall halber genugsam examiniert / unnd letstlich für wahre Diener Christi Jesu / und Verkünder deß Evangelischen Lebens erkant / erlangte sie ihnen von dem König ein klein Ort / nahent der Statt Coimbria / in etlichen Einsidler Zellen / so alldorrten waren / sambt einer Bewilligung / daß sie nacher Lisabona unnd Guimaranes reisen möchten.

 

Da nun daselbsten das Geschrey ihr Heyligkeit erschallen / unnd zu Ohren der Infantin Frawen Sancia / gedachtes Königs Alphonsi Schwester / einer sehr andächtigen / tugentsamen Frawen / die ir Jungkfrawschafft Christo Jesu auffgeopffert / und zu Alenquer wohnete / kame / hatte sie sondere Begird die zu sehen / und mit ihnen zu reden / beschickt sie derhalben / und conversierte allerley mit ihnen.

 

Als sie nun das Wort Gottes angehört / unnd ihre Tugent unnd Göttlichen Geist vernommen / wolt sie die nit mehr von ihr lassen / gabe ihnen inn ihrem Palast ein Ort ein / unnd verordnete ihnen nahent bey dem Fluß / da etliche arme Zellen  (nach irem Begeren) waren / ein Kirchen / an welchen Ort sie ohne Begerung anderer Gebäw wohnten / seytemal solche nach ir wahren Form und ersten Stifftung deß heyligen Francisci gebawen waren.

 

Dises ware das Ort / so die H. Brüder erstlich inngehabt / wie geschriben gefunden wirt / da heutiges Tages S. Catharina Kirchen / unden an der Statt Alenquer / sich befindet.

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