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FRANZISKUS-CHRONIK

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11.6.2002
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12F3623

Von der Heiligkeit des Bruders Zacharias

Der Cronicken der mindern Brüder, das sechste Buch, Cap. 23, 1603

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das sechste Buch.
Inn welchem das Leben 25. Disciplen deß Seraphischen Vatters Francisci begriffen.
Konstanz 1603.

Das Leben der heyligen Brüder

Zacharias und Walthers.

Von der Heyligkeit / unnd Wunderzeichen Bruders Zachariae / so der erst Guardian deß Klosters zu Alenquer gewesen / unnd von seinem Todt.

Cap. 23.

 

Als nun erzehlter Massen diß Kloster mit höchster Armut und Heyligkeit / durch Tugent unnd exemplarisch Leben  diser deß glorificierten Vatters Francisci Discipel / sonderlich Bruders Zachariae / als deß fürtrefflichsten in Tugenten und Heyligkeit erbawen / hat er sich vil malen Gott dem Herren inn heyligen Wercken / Fasten und Wachen dienende / sein Gebett zu verrichten / für ein Bildnus eines Crucifix / so hernach biß zu dem 1414. Jar / in dem Convent zu Alenquer gebliben / begeben / durch welches der Herr mit ihme geredt / unnd ihme vil Sachen zu sein selbsten / und deß Nächsten Heyl geoffenbaret / darab er einen solchen Trost unnd geistliche Freud empfienge / daß er schwerlich  von denselben hinwegk scheiden kondte.

 

Als er nun Guardian daselbsten ware / begabe sich eines Tages / als die Brüder essen solten / daß in dem Hauß nit mehr als zwey Brot verhanden waren.

 

Derohalben stelt er ein innbrünstig Gebett an / und befahle den Brüderen / daß sie zu Tisch gehen / und die zwey Brot under einander austheylen solten.

 

In dieser Zeit erschine inn Gestalt eines schönen Jünglings / der Engel deß Herren vor der Porten / und brachte gleich so vil Brot / so vil der Brüder und anderer in dem Kloster waren / einer solchen Güte und Schöne / so unaußsprechlich / der rüffte dem Portner / und sagte / er solte den Vatter Guardian hieher berüffen. Als der erschine / ubergabe er ihme dasselbe / unnd verschwande.

Als Bruder Zacharias nun sambt den Brüderen erkante / daß dise Provision von der Hand deß Höchsten / welche aller Creaturen Sorg trüge / herflusse / sagten sie seiner Maiestät Danck / daß er seiner Armen der Gestalt eingedenck gewesen / vil derselben / sonderlich aber die Infantin Fraw Sancia / behielten desselben Brots als ein Heyligthumb.

 

Als er eines mals mit sonderm Eyffer von dem Glauben Christi Jesu / und dem Heyl der Seelen predigte / begerte ein Unglaubiger / so gleichwol durch seine Predig vast bekehrt / ihme zu beychten.

Er kondte aber uber allen angelegten Fleiß und Müh / wegen etlicher Zweiffel / so er deß heyligen Sacraments deß Altars halber hatte / bey ihme wenig Nutzes schaffen / sagte derhalben wegen sonderen Eyffers selbiger Seelen / zu ihme:

Geliebter Bruder / seytemal die heylige Wort deß Herren dich nit heylen könden / so komme morgens frü mit höchster müglichister Andacht in die Kirchen zu der Meß / vielleicht wirt dich der Herr mit seiner Göttlichen Gegenwärtigkeit erleuchten / gab ihme also den Abschid.

Als der Tag verflossen / verblibe der heylige Vatter die gantze Nacht in dem Gebett / bate den Herren / er wolte disen armen Menschen inn seinem heyligen Glauben erleuchten / und besteten.

 

Als der Morgen herzu kommen / gienge diser zu der Kirchen / und hörete der Meß / so der heylige Vatter celebrierte / mit sonderer Andacht zu.

 

Als er nun die Wort der Consecration gesprochen / sahe er die heyligiste Hostiam in das Fleisch Christi Jesu sich verwandlen / unnd also / untzt der heylige Vatter communicieren wöllen / verbleiben / unn alsdann inn vorige Gestalt der Hostien sich wider zu verkehren:

Durch welche wunderliche Erscheinung sein Seel von allen Zweifflen entlediget / und inn dem heyligen Catholischen Glauben wol bevestiget worden.

 

Gestorben ist diser heylige Vatter letstlich / unnd sein Seel in den Himmel gefahren / sein Leib ist auff der rechten Seiten deß Creutzes / der Kirchen gedachten Convents zu Alenquer / zu anderen seinen Gesellen / und heyligen Disciplen deß glorificierten Vatters Francisci begraben worden / auß welcher Begrebnus heutiges Tags das Volck derselben Enden die Erden herauß nimbt / unnd mit grosser Andacht behaltet / und werden vil Krancken / so solche mit Andacht unnd Reverentz empfahen / durch die Verdienst dises heyligen Vatters / ihrer Anligen entlediget.

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