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FRANZISKUS-CHRONIK

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18.7.2002
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Stroh und Feuer: Konversation mit Frauen

Der Cronicken der mindern Brüder, das sechste Buch, Cap. 24, 1603

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das sechste Buch.
Inn welchem das Leben 25. Disciplen deß Seraphischen Vatters Francisci begriffen.
Konstanz 1603.

Von einem Bruder zu Alenquer / so deß H. Francisci Discipel gewesen.

Cap. 24.

Alte Chronicken.

 

Under andern Brüderen / so der heylige Franciscus in gedacht Convent zu Alenquer gesant / war sonderlich einer / ein sehr andächtiger / so gern einsam / und dem Gebett ohne Underlaß ovblage / unnd uber alles die Gemeinschafft und Gespräch der Weibspersonen abscheuchte.

 

Diser als ihn eines mals ein Hoffjungkfraw der Infantin Frawen Sancia / Maria Garzia genant / also geistlich sahe / und ein sondere Andacht und Affection zu ihme gewunne / und sich so hoch beflisse / mit ihme ein mal zu Gespräch zu kommen / er aber (der dessen kein Wolgefallen truge) sie nach Mügligkeit fluhe:

 

So begabe sich doch eines mals / als er sie nit abweichen möchte / unnd ihr Gespräch anzuhören gezwungen wurde / daß er zu ir sagte:

 

Jungkfraw / wann ihr begert daß ich euch anhör / so laßt mir zuvor ein wenig Feurs unnd Stro hieher bringen / so will ich alsdann mit euch reden.

 

Als diß geschehen / sagt er:

 

Nun hebet das Stro zu dem Feur.

 

Als die Jungkfraw das thate / entzündet sich das Stro / unnd ward verbrennet. Da sprache er:

 

Gleich wie ihr den Gewin / so dises Stro bey dem Feur gethan / gesehen: Also glaubt mir / ist der Gewin deß Dieners Gottes beschaffen / welcher unnohtwendiger Weis mit den Weibspersonen conversieret.

 

Die Jungkfraw erschracke / gienge hinwegk / begerte nit mehr mit ihrer gar zu fürwitzigen Andacht ihne zu behelligen.

 

Derowegen zugleich wie diser heylige Bruder in allen Tugenten verharret: Also erschine an dem End seines Lebens / ein solcher Glantz und Schein uber sein bereit abgestorbnen Leib von den Himlen / daß es allen Brüderen ein grosse Freud / Verwunderung / unnd mehrere Erkantnus seiner Heyligkeit verursachte.

 

In diser Stunde/ als er von disem Leben abgescheiden / hatte der heylige Antonius von Padua ( so dazumal inn dem Kloster deß H. Creutzes zu Coimbria ein regulierter Thumbherr ware / unnd das Ambt der heyligen Meß celebrierte ) die Seel dises Bruders im Geist gen Himmel fahren / unnd als ein ringfertigen Vogel durch die Vorhell inn das Paradeiß glorwürdig durchtringen gesehen.

 

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