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FRANZISKUS-CHRONIK

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Wie die hl. Klara die Mohren vertrieb

12.7.2003 – 23.10.2011

Der Cronicken der mindern Brüder, das acht Buch, Konstanz, 1604. Cap. 13, S. 358ff.

Wie die Mohren durch die heylige Clara von dem Kloster vertriben worden.

Nit billich ist es, die grossen Wunderzeichen unnd wunderliche Würckungen deß Gebetts der heyligen Clara zu verschweigen, welche wie sie wahrhafftig beschehen also grossen Lobs unnd Ehrerbietung würdig.

Zu den Zeiten Keyser Fridrichs deß Anderen (Anm.: Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen) litte die heylige Kirchen an mehrerley Orten grosse Verfolgung, in sonderheit das Thal Spoleti, welches dieweil es der Römischen Kirchen zustunde, den Zorn dises Tyrannen höchlich erfahren müßte: die Haubtleut und Soldaten waren wie die Immen auff dem Feld außgetheylt, mit Feur und Schwert die Dörffer und Schlösser zu verderben und die Stätt zu eroberen:

so weit hatte sich das Wüten dises Keysers erstreckt, daß er alle die Mohren, so auff dem Gebirg unnd Wüstinen wohnten, zu mehrerem Schrecken seiner Underthanen versamblete unnd (nach dem er sie ein Zeit mit jhm geführt hätte) jhnen in Puglia ein alte zerschleiffte Statt , welche noch heutiges Tags Nocera der Mohren genant wirdt, zu Wohnung eingeben, welche sie bevestiget unnd allda sich inn die zweintzig tausent streitbaren Mann versamblet hatten und in Puglia unnd anderen Orten der Christenheit grossen Schaden thaten.

Dise Feind deß christlichen Glaubens kamen eines Tags unversehens für die Statt Assisi, und nach dem sie die Porten allbereit beschlossen fanden, eylten sie (als ein verkehrt, trewloß unnd deß Christlichen Bluts durstig Volck, das sich alles Ubels underfacht) (Anm.: wörtlich unterfängt) dem Kloster deß heyligen Damians zu unnd trangen mit Gewalt inn den Einfang, darinn die heylige Clara sambt jhren Töchteren sich befande.

Als nun die Schwesteren in grossem Schrecken und Forcht (welches sich durch das wütende Geschrey diser Bluthunden mehrete) solches wahrnahmen, zeigten sie es der mitleidenlichen Mutter an, suchten bey derselben jhr Zuflucht. Die heylige Jungkfraw, ob sie wol schwach und kranck, tröstet sie alle mit sonderer Sanfftmütigkeit, liesse sich under das Kloster Thor für das Angesicht der Feinden unnd das heylige Sacrament mit grosser Reverentz unnd Ehrerbietung vor jhr her tragen, fiele auff die Knie, sagte mit vilen Zeheren zu jhrem geliebten Gespons Christo Jesu:

Ist es möglich O Herr, daß dein Will seye, daß dise deine Dienerin, die keiner Waffen zu der Gegenwehr sich gebrauchen und von mir allhie inn deiner heyligen Liebe geboren worden, jetzund in die Händ diser Mohren geantwort werden sollen? O Herr errette sie und mich, dann ob dir gleichwol gefallen, sie under mein Gewalt zu geben, so ist es doch nit in meiner Macht, sie auß diser augenscheinlichen Gefahr zu erretten, dises ist ein Werck deiner Allmächtigkeit, befihle sie derhalben dir auff das eusserist so ich kan.

Alsbald die heylige Jungkfraw dises Gebett gen Himmel gesant, hörte sie ein kleine Stimm gleich eines saugenden Kinds sagende: Ich will euch ewigklich erhalten. Noch ließ die Jungkfraw nit ab zu betten, sagte: Ich bitte auch Herr (wann es dein heyliger will), daß du zu gleich auch beschützest dise Statt, welche von deinetwegen uns erhaltet. Auff dises antwortet der Herr: Vil Beschwernus und Schaden wirdt der Statt begegnen (Anm.: dazu zählt auch die jüngste Erdbebenserie in Assisi), aber sie wirt doch durch mein Gnad erhalten werden.

Als sie dise gute Zeitung vernommen, erhebte sie das Angesicht, tröstete die Schwesteren unnd sagte: Liebe Schwesteren, ich verspriche euch, daß jhr kein Ubel empfinden werden, sehet nur, daß jhr ein starcken Glauben und Vertrawen in Christum Jesum habent.

Nit lang hatte sich die Göttliche Hilff gesaumbt, dann alsbald erlage das Wüten der Mohren, eylten voller Schrecken unnd Göttlichen Forcht durch die Mauren, da sie hinein gezogen, und ward also durch die Krafft deß Gebetts der heyligen Clara hinwegk veriagt unnd vertriben. Alsbald berueffte sie die Klosterfrawen, welche dise Stimm gehört hätten, gebotte denen bey der Gehorsame, solche bey jren Lebzeiten nit zu offenbaren.


Herr, steh auch uns Christen auf solche Weise bei, wenn wir in eine ähnliche Lage kommen!

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