ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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7.7.2001

12F3841

Von befreiten Besessenen und anderen Wunderzeichen der hl. Agnes

Der Cronicken der mindern Brüder, das acht Buch, Cap. 41, Konstanz 1604

Von den entledigten Besessenen
unnd anderen Wunderzeichen der heyligen Agnes

Cap. 41

 

Ein zwölff järiger Knab war zu Assisi / disem / als er eines Tags sambt anderen Buben / nach bey S. Apollinaris Kirchen sich befande / ward durch einen Mann ein Schalen voller frischen Bonen gegeben / welche / als der Knab auffthäte / drey Bonen auff den Boden fielen / und er nur die vierte asse / unnd gleich als er zu Hauß kame / starck undewete / und sich erschröcklich umbwande / und mit Verkehrung der Augen grossen Wehetagen und Schmertzen / darab menigklich erschracke / erzeigte.

 

Derohalben als er von dem Feind besessen zu seyn erkant ware / folgenden Tag vor dem Vatter / und anderen Befreundten in S. Clara Kirchen geführt warde / daselbsten als die das Gebett verrichtet / unn die heylige Agnes zu Fürbitterin angerueffet hätten / er zu schreyen / unn als ein Hund zu bellen anfienge / sagende:

Sehent zu / sehent zu / zwen Teuffel seynd außgefahren / sprecht ein Ave Maria / so wirdt der dritte hinnach fahren.

 

Derohalben als sie sammetlich das Ave Maria sprachen / der dritte auch weichen / und den Knaben verlassen müssen.

 

Ein Weib von Foligni / von vilen bösen Geisteren geplaget / ward von dem Vatter und Anfrawen gen Assisi / das Grab der heyligen Jungkfrawen Agnes zu besuchen / verlobet / mit starckem Glauben und Hoffnung / sie wurde durch dero Verdienst entlediget werden.

 

Als sie nun von der neunten Stund an / untzt zu Vesper Zeit bey dem Grab verharrete / ward sie ihres Anligens entlediget. Dises hat sich begeben an dem Tag des heyligen Francisci / unnd die Verwandten der entledigeten Person opffereten bey dem Grab der heyligen Jungkfrawen / ein Bild von Wachs gemacht / zweyer Pfund schwer / zu Dancksagung der empfangnen Wohlthat.

 

Ein Mann von Perus (Anmerkung: vermutlich Perugia) / mit stetem Fieber und einem Apostem beladen / ward von den Artzten für todt geachtet / disem richte ein Weib Celiola genant / er solte sich der heyligen Agnes befehlen / und sich zu dero Grab verloben. Er folget dem Raht deß Weibs / und nach vollendtem Gelübt unnd Gebett / endet sich gleichfals die Kranckheit / ward von ein und anderem Gebresten entlediget: er aber als der danckbare / besuchte das Grab / verkündete dz Lob der heyligen Jungkfrawen / und danckete dem Herren.

 

Ein Klosterfraw S. Claren Klosters zu Assisi / hatte das Angesicht eines Augs gantz und gar / und deß anderen auch vil verloren. Als ihr aber keinerley Artzneyen oder Mittel helffen wolten / befahle sie sich der heyligen Jungkfrawen Agnes / unnd die anderen Schwesteren baten für ihr Gesundheit.

Eines Tags / als sie in der Kirchen bettete / sahe sie ein Weibsbild / so zu ir gienge / und sagte:

Thu auff das Aug Schwester / dann das Liecht ist dir wider kommen.

Als die das Aug auffthate / sahe sie alles / allein das Weib nit / so mit ihr geredt hätte / hielte für gewiß / es wäre die heylige Agnes gewesen / die sie also von Hertzen angeruefft.

 

Fraw Vitula von Assisi / so ein Eheweib gewesen deß Matthaei von Lupo / hätte einen Sohn / Martin genant / so zwen schwere Schäden hätte / einen in dem Hals / den anderen auff der Achsel / beyde tödtlich / gaben einen solchen Gestanck / daß niemandt darbey bleiben möchte.

Letstlichen nach Versuchung allerley Mittel / befahle sie den Sohn der heyligen Agnes / welche ihr / als sie einer Nacht ihr Gebett verrichtet / kostlich bekleidet mit einer Kronen auff dem Haubt / und Gilgenast in der Hand erschine / unnd zu ihr sagte:

Zweiffle nit Tochter / dein Sohn wirt gesund werden.

Das Weib stunde auff / eylete der heyligen Claren Kloster zu / erzehlte der Abtissin und Klosterfrawen die Erscheinung / hörte daselbsten die Meß / und die Schwesteren zeigten ihr unnd dem Sohn das Heylthumb.

 

Als diß geschehen / ward der Jüngling alsbald deß Wehetagen deß Hals / und nit lang hernach auch dessen der Achsel entlediget / durch die Verdienst der heyligen Jungkfrawen Agnes / in dem 1330. Jar.

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