ETIKA D12FA

FRANZISKUS-CHRONIK

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8.2.2002, durchgesehen 3.11.2016

12F3901

Wie Franziskus den Orden der weltlichen Büßer einsetzte

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1604. IX, Cap. 1

Der Cronicken der Minderen Brüder /
Das neunt Buch.

In welchem erzehlt wirdt die Einsatzung unnd Regel deß dritten Ordens deß heyligen Francisci / genant der Büsser: das Leben ihrer vilen desselben Ordens /
 in sonderheit der heyligen Elisabeth / Königin auß Ungeren.

Costantz am Bodensee. M. DC. IIII.

Wie von dem heyligen Francisco
der Orden der weltlichen Büsser eingesetzt worden.
Cap. I.

Als der heylige Vatter Franciscus das Wort und den Samen deß Lebens durch gantz Italien außsäete / fiele ein guter Theyl desselben inn die Hertzen der jenigen / welche mit dem Band der Ehe verknüpfft waren / und in solcher Gestalt / daß ihre Seelen nit frey unnd ledig möchten folgen dem Geist der Buß / wie ihr Begird ware / so groß war ihr Innbrünstigkeit / daß manchmalen die Flecken / wegen Nachfolgung deß heyligen Francisci / welcher mit höchstem Eyffer das Heyl der Seelen befürderte / gleichsam öd und unbewohnt verbliben.

 

Darummen dann der heylige Vatter in gemein und sonderbar angestrengt und ersucht warde: gleichfals ein Ordnung unnd Regel / Buß zu würcken / zu geben den weltlichen Eheleuten / damit sie inn einem sicheren Stand ihres Heyls leben möchten.

 

Derohalben er in dem Jar deß Herren 1221, den Orden der general Büsser / allen Christen zu Gutem / so in keiner Religion waren / eingesetzt / welches Ordens der erste ein heyliger Mann / Lucius genant / ware.

 

Und ob gleichwol dise Regel unn Form zu leben / so der heylig Franciscus disen Büsseren verordnet / zu besagter Zeit inn Schrifften nit gefunden warde / so ist doch gewiß / daß er etliche Ordnungen / nach welchen sie sich zeit- und geistlicher Weis in dem Fasten / Gebett / Allmusen / Kleidung / unnd Bußwürckung halten solte / fürgeschriben / welche Sachen alle von den jenigen / denen es der heylige Mann fürtruge / inn Geschrifft verfasset wurden.

 

Babst Nicolaus der Vierte thate ein Theyl derselben hinwegk / unnd setzte ringere an die Statt: ordnete die Regel / wie wir hernach sehen werden / welche von dem Apostolischen Stul mit herrlichen Briefen confirmiert worden.

 

Der alte und erste Habit oder Bekleidung diser Büsser / ob er gleichwol nach Gelegenheit der Zeit und Landen underschidlich ware /  so scheint doch dise seye die rechte Form desselben gewesen / welcher inn Italia von denen deß dritten Ordens / als der bequemiste zu solchem Stand getragen wirdt / dann so vil die Farb belanget / ist dieselbig graw / wie der Minderen Brüder / nach der Form unn Gestalt aber / wie andere weltliche Bekleidungen.

Unnd ist zu glauben / daß dise Bekleidung der heylig Franciscus also haben wolte / und disen Büsseren zu gebrauchen verordnet hätte / seytemal solcher an denen Orten / da der Orden erstlich eingesetzt / und er meisten Theyls gewohnet / dise Form der Bekleidung getragen warde.

 

Dise Büsser dörfften keinen Strick tragen / wie die Minderen Brüder / wie auch die jenigen deß dritten Ordens / so denen nachfolgten / und in Versamblung lebten / unnd mit dem Gelübt Religiosen waren / dene nit / sonder allein einen Riemen oder Gürtel tragen möchten.

 

Unnd ist zu wissen / daß die Minderen Brüder nit Macht haben dise Büsser zu der Profession oder Gehorsame der Religion / oder einigem Gelübt anzunemmen / (Anmerkung ETIKA: Dies ist die historische Entdeckung des Franziskanerpaters Fridolin Außersdorfer, der vor Jahrzehnten den Laienorden der Büßer neu gegründet hat. Die Minderbrüder haben den dritten Orden nämlich gegen den Willen des hl. Franziskus vereinnahmt.) sonder allein zu besagter Regel deß Lebens / unnd Gesellschafft der Büsser zuzulassen / zu derselben sie ermahnen / und ihnen mit der Beycht / und anderen geistlichen Wercken / als Mitbrüderen unnd Ordensgesellen zuspringen.

 

Dises aber unangesehen / sollen die Brüder sich der Obrigkeit uber sie nit annemmen / seytemal sie dem weltlichen und geistlichen Stab underworffen.

 

Sie aber mögen / wie gemeingklich in disen Bruderschafften gebräuchlich / ihnen ein Haubt erwehlen / welcher Gewalt habe / die Brüder zu gebürender Zeit zu versamblen / und von den Sachen der Gesellschaft zu handlen.

 

Noch mehr ist zu wissen / daß allein der H. Franciscus under den Stiffteren der Orden / die Brüder und Schwesteren deß dritten Ordens / oder der Büsser eingesetzt / und dieweil er allbereit zwo Regel / eine der Minderen Brüder / die ander der armen Jungkfrawen / angeordnet / ist dise Bruderschafft der Büsser / der dritte Orden genant worden / unn denselben Namen noch biß heutigs Tags behalten.

 

Wie dann nach disem etliche andere Orden / sonderlich der Bettel Orden / dem H. Franciscus nachzufolgen / und andere Bruderschafften der Büsser anzustellen sich bearbeitet / unnd von dem Apostolischen Stul erlanget / daß was Personen / Mann oder Weib / so gleichwol in ihren Häuseren / und in keiner Versamblung wohneten / sich Büsser / Nachfolger / oder mit anderen Namen nenten / und mit einicherley Weis besagter Orden underworffen wären / irer Privilegien und Freyheiten theylhafftig seyn möchten.

 

Auff daß wir aber rechte Erkantnus dises ersten / wahren / unnd von dem H. Francisci eingesetzten Ordens der Büsser / dessen Heyligkeit / und in der Christenlichen Kirchen geschaffenen Nutzes haben / wöllen wir dise Ordnung halten / unn erstlich die grossen Gnaden und Apostolische Bewilligungen diser Bruderschafft zu Anfangs gegeben / und hernach durch Babst Nicolaum den Vierten bestetigten Privilegien hieher setzen / und letstlichen der fürnemmen Personen / so in Heyligkeit in disem Orden gelebt / gedencken.

 

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