ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

www.etika.com
8.2.2002. Durchgesehen 3.11.2016

12F3902

Orden der weltlichen Büßer von Honorius III. bestätigt

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1604. IX, Cap. 2

Der Cronicken der Minderen Brüder /
Das neunt Buch.

In welchem erzehlt wirdt die Einsatzung unnd Regel deß dritten Ordens deß heyligen Francisci / genant der Büsser: das Leben ihrer vilen desselben Ordens /
 in sonderheit der heyligen Elisabeth / Königin auß Ungeren.

Costantz am Bodensee. M. DC. IIII.

Ein Breve von Babst Gregorio dem Neunten / welches außweißt / daß diser Orden von Babst Honorio dem Dritten confirmiert unnd begnadiget worden.
Cap. 2.

Gregorius Bischoff / ein Diener der Diener Gottes / etc. allen den Brüderen deß Ordens der Büsser inn Italia / etc. Der abscheuliche Neid deß Feinds deß menschlichen Geschlechts / wie mit stärckerer Hartnäckigkeit er die Diener Christi Jesu verfolget / wider sie seine Letsch richtet / und sich mit boßhafftigen Listen bearbeitet / sie von dem Dienst Gottes abzuziehen / und je mehr er sicht / daß die jenige / nach Verlassung der Eytelkeiten diser Welt / neben allem daß sie dem Leib nach noch auff Erden schweben / allbereit der Seelen nach in den Himlen leben / und nach Verlaugnung der weltlichen Wollüsten / umb der Liebe Gottes willen / allbereit nit die zergängklichen / sonder die ewigen Güter geniessen / desto mehr unnd stärcker verfolget er dieselben / nit weniger als die Egyptier das Volck Gottes / als es auß Egypten dieser Welt außgangen / verfolget / untzt sie durch die Rach Gottes mit unerhörter Weis deß Todts alle zu Grund gangen / und das End ihrer Verdiensten erlanget haben.

 

Unnd wie / nach dem der Herr und Heyland deß menschlichen Geschlechts (nach dem er den Tauff empfangen / und inn die Wüsten gangen ) viertzig Tag unnd viertzig Nacht gewachet / der gedachte böse Feind sich nit geförcht ine zu versuchen : Also unnd darumb solle der jenig / welcher dem Dienst Gottes sich ergibt / nach dem Spruch deß Weisen / mit Gerechtigkeit unnd Forcht sein Seel zu dem Leiden der Versuchungen bereiten.

 

Derohalben als Babst Honorius / heyliger Gedechtnus / unser Vorgeher betrachtet / daß ihr in Würckung der Früchten der Buß / von den Kinderen diser Welt mit vilen Betrübnissen beängstiget wurden / und deßhalber nottürfftig wärend / mit loblichen Wercken erhalten / und begnadet zu werden / hat er auß sonderer Liebe / mit welcher er ewer Religion in den Glideren Christi Jesu geneigt / mit sonderbaren Genaden dieselbig begabet /unnd allen Ertzbischoffen / und Bischoffen deß gantzen Welschlands anbefohlen / daß sie euch befreyen solten von allen ungebürlichen Beschwerungen / so da pflegten auffzulegen die Obrigkeiten und Ambtleute der Stätt / und anderer Flecken / und euch bewahren / auff daß ihr nit zu gemeinen Embteren / oder dergleichen bezwungen wurden.

 

Seytemal aber die Kinder der Finsternus / welche mit irer Weltweißheit lernen / die Finsternus für das Liecht / und das Liecht für die Finsternus zu halten / mit allerley Calumnien und falscher Außlegung ewer Bewilligung und Begnadung dermassen zerrittet / also daß ihr jetziger Zeit mehr als zuvor / da ir ohne dise Privilegien waren / mit allerley Schmach angefochten und belästiget werdent: und die gedachte Beammten weil sie die Gelübt oder Beeydungen von euch nit mögen auffnemmen / andere Gelegenheiten suchen / mit welchen sie euch zu dem Gelübt / oder Eydspflichten treiben / euch auch die Frucht ewerer Güter nit ewers Gefallens / zu Allmusen außzutheylen vergunnen: und ihr darauff mit Demut an uns gelangt / wir wolten euch der Beschwer deß Juraments (anders dann zu Pflantzung Fridens / Erhaltung deß Glaubens / und Gezeugnus der Wahrheit) und daß ihr nit mehr als andere ewere Mitburger / mit allerley Aufflagen beschwert wurden / unnd ewere Einkommen an heylige Ort / und was Personen ihr wolten / außtheylen / wie auch ewer Mitburger Schulden halben euch kein Schmach angethan / vil weniger dero Schulden zu bezahlen bezwungen werden möchten / zu befreyen.

 

Also haben wir (in Ansehung daß ihr auff der Straß der Vollkommenheit wandlet) / unnd die Kinder der Welt euch desto mehr sich widersetzen / je widerwärtiger sie eweren Wercken seynd / und auff daß die Wahrheit verduncklet werde / einen Hauffen verkehrter Fürwendung einwerffen) euch allen / unn gantzer ewer Gemeind / deren Religion wir völligklich vertrawen / inn Krafft dieser unseren Brieff geben und einwilligen wöllen / die begerte Befreyung aller oberzehlten Sachen / unnd euch mit Ernst einbinden / daß ihr euch dieser bewilligten Gnad recht gebrauchen / und keinen Mißbrauch darauß / bey Benemmung derselben / machen / etc.

 

Geben bey S. Johan Lateran / den 30. Tag Mertzen / unsers Babstthumbs im anderen Jar.

Inn dem Jar deß Herren 1228. Ward bewilliget diese gegenwärtige Bullen / inn welcher zu sehen / daß die Bruderschafft der Büsser von dem weltlichen und geistlichen Gerichtszwang nit befreyt / ob sie wol inn diesem Brieff ein Religion genant wird / dann dieser Namen Religion / weitläuffig für die christlich Religion verstanden wirdt.

 

Franziskus-Übersicht