ETIKA

DER HIMMEL

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10-10-1999

15H13

Die Region der Gerechten

Luis de Granada: Addiciones al Memorial de la Vida Christiana, Madrid 1730, p. 614. Laienhafte Übersetzung R. L., Ergänzungsband zum Handbuch des christlichen Lebens

In der Region der Gerechten ist für das Unreine kein Platz.
Willst du schmutzig vor das Konzil der Apostel und Märtyrer treten?
Dort wird einmal die Schande deines Lebens ausgebreitet werden.
Luis von Granada zeigt dir, wie du mithilfe deiner Leidenschaften den Himmel erobern kannst.
Lasse dich retten durch den heiligen Schauer, den du beim Lesen nachfolgenden Textes empfindest.

Aber wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, Ihm auf diese Weise nur mit Wünschen zu folgen. Folgen wir ihm vielmehr auch mit unseren Taten. Denn unser Leben sei so, daß es verdient, an seiner Herrlichkeit teilhaben zu dürfen. Das ist der Hafen all unserer Wünsche, das Ziel all unserer Wege und der Preis für all unsere Mühen.

Aber wer wird so weise sein, daß er diesen Weg findet? Wer so glücklich, daß er diesen Preis erringt? Wer (sagt der Prophet) wird auf den Berg des Herrn aufsteigen? (Psalm 23)

Darauf antwortet derselbe Prophet, daß es derjenige sein wird, dessen Hände unschuldig sind und dessen Herz rein ist.

Das bedeutet: Jener, dessen Leben ganz rein ist, nicht nur in den Augen der Menschen, sondern auch in jenen Gottes: jener, der seinem Nächsten nicht mit bösen Taten Ärgernis gibt noch Gott mit schlechten Gedanken beleidigt: der ist es, der es verdient, zu diesem Ort emporzugelangen.

Dies stimmt überein mit dem, was der heilige Johannes in seiner Offenbarung schreibt (21): Daß nämlich jene prächtige Stadt ganz aus reinstem Gold ist, wie ein kristallklarer Edelstein. Und deshalb ist in dieser Gesellschaft nichts Schmutziges zugelassen, da es der Reinheit eines solchen Ortes unwürdig wäre.

Denn alle Dinge verabscheuen natürlich ihr Gegenteil und feiern mit denen, die ihnen gleich sind; denn von denen einen werden sie zugrundegerichtet, und mit den anderen erhalten sie sich gut.

Und eben dieses führen uns die Engel vor, die bei diesem Fest den Jüngern auf dem Ölberg erschienen sind, angetan mit weißen Gewändern, und die Auffahrt des Erlösers begleitet haben: um die Reinheit und Unschuld anzuzeigen, mit der jene bekleidet sein müssen, die den Herrn auf dieser Tagereise begleiten.

Denn, so sagt Eusebius Emiseno, mit dem Urheber der Güte steigt die Bosheit nicht empor, und mit dem Meister der Demut steigt der Hochmut nicht empor, noch mit dem Freund des Friedens die Zwietracht, noch mit dem Sohn der Jungfrau die Unehrbarkeit, noch mit dem Vater der Tugenden die Häßlichkeit der Laster, noch mit dem Gerechten die Sünder.

Da es nun einmal so ist, begreifen wir (sagt derselbe), wieviel Reinheit jene brauchen, welche die Region der Gerechten betreten wollen und den Königspalast Christi.

Wie scheint es nun euch? Wie wird also der Glanz jener Himmlischen Stadt, die bevölkert ist von so edlen und erlauchten Bewohnern, eine verabscheuenswerte Seele, die verseucht ist mit dem stinkenden Schlamm der Verwesung, bei sich aufnehmen - eine Seele, welche die schandbaren Anzeichen der fleischlichen Sünden an sich trägt und die Häßlichkeit anstößiger Ausschweifungen?

Ist nicht klar, daß man sie zurückstoßen wird von der Erhabenheit jenes mächtigen Königs, und ihr sagen wird (Matthäus 22):

Freund, wie bist du hier ohne Festgewand hereingekommen?

Und da er darauf nichts zu sagen weiß, wird gegen ihn jenes furchtbare Urteil ausgesprochen, das lautet: Bindet ihm Hände und Füße (das heißt, alle seine Taten sind verworfen und der ganze Lauf seines schlechten Lebens), und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis; dort wird sein Heulen und Zähneknirschen.

Bemühen wir uns deshalb, Brüder, daß der Richter an uns, wenn jener Prozeß kommt, keinen Makel und keine Bosheit entdeckt.

Solange wir in diesem sterblichen Körper leben, haben wir das Gerät, um diese Häßlichkeiten abzuwaschen und diese Wunden zu heilen und alle Risse in unserem Leben zu flicken.

Aber jene, die sich in falscher Sicherheit wiegen und hier ihre Schulden nicht einlösen, werden mit unerträglichen Schmerzen vor die Heiligen gebracht und vor die Majestät des furchtbaren Richters.

Und was wird aus uns werden, wenn wir mit so häßlichem Gewand vor jenem edelsten Senat aller Heiligen erscheinen? Was für ein Tag wird das werden?

Welche Angst?

Welches Schauspiel des Himmels und der Erde, wenn zwischen religiösen Großtaten und den Verdiensten der anderen unsere Häßlichkeiten und Gemeinheiten präsentiert werden!

Wie unerträglich, wenn dort die Unehre und Schande der Bösen aufgedeckt werden, während gleichzeitig die Glorie der Guten sich offenbart und bekanntgemacht wird.

Denn viel häßlicher noch erscheint die Sache der Laster in Gegenwart von so ausgezeichneten Tugenden.

Wie entsetzlich wird es also sein, welches Elend und welche Traurigkeit wird herrschen, wenn die elende Seele, beschämt wegen der Häßlichkeit ihrer alten Schulden, und befleckt mit der Schändlichkeit ihrer Unkeuschheit, vor dem Konzil der Apostel und Märtyrer und jener strahlenden Chöre der Engel auftreten wird?

Wenn sie sieht, daß sie vor einer so hinderlichen Schranke all ihrer Irrtümer und Schandtaten ihres Lebens steht? Wenn sie sich verurteilt sieht durch die Allgemeinheit, den Urteilsspruch aller und auch durch ihr eigenes Gewissen?

Alle diese Dinge, Brüder, die sich dort nicht heilen lassen, können hier in Ordnung gebracht werden.

Bemühen wir uns also mit allen unseren Kräften, damit - wie unser Heiland an diesem Tag in den Himmel auffuhr mit unserem Körper -, auch wir, die wir zu seinen Gliedern gemacht wurden, mit heiligen Absichten und tugendhaften Werken unserem Haupt nachfolgen.

Fahren wir hinter ihm auf mittels der Nächstenliebe, der Liebe, der Zerknirschung, des Wohlwollens, der Eintracht, und fahren wir - wenn ihr meint - auf auch mit Hilfe unserer Leidenschaften.

Leidenschaften als Sprossen der Himmelsleiter

Und wenn ihr mich fragt, auf welche Weise wir mit Hilfe unserer Leidenschaften auffahren können, antworte ich wie folgt: Dies kann dann sein, wenn jeder von uns sich anstrengt, sie zu unterjochen und unter die Füße zu legen und sie zu zähmen mit feurigem Eifer.

Denn auf diese Weise werden wir aus ihnen Stufen machen, um hoch zu kommen. Denn sie selbst werden uns über uns erheben, wenn sie unter uns sind. Und auf diese Weise werden wir aus unseren Lastern Stufen in den Himmel machen, wenn wir sie unter unseren Befehl stellen. Obengesagtes ist von Eusebius Emisseno.

Dies wollte ich so ausführlich in der Geschichte dieses Mysteriums beschreiben. Denn wie in ihm die Engel der Ankunft des Herrn zum Gericht erwähnt sind, schien es mir passend, auch jene zu erwähnen, für welche die erwähnten Worte gedacht sind.

Dies war also der Abschied unseres Heilandes. Dazu verwendet der Evangelist Matthäus abschließend die süßesten Worte, die die Welt sich wünschen kann.

Denn als der Herr den Jüngern befohlen hatte, hinzugehen in alle Welt und die gute Nachricht des Evangeliums zu verkünden und die Menschen zu taufen und sie zu lehren, alles zu halten, was er sie gelehrt hatte, fügte er diese letzten Worte hinzu (Matthäus 28):

Und sehet, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.

O göttliche Worte! O Worte, süßer als Honig, und süßer als jeder süße Likör! In ihnen finden die Traurigen Trost, die Kranken Medizin, die Verbannten Gesellschaft, die Bedürftigen Mittel zur Linderung ihrer Not, die Versuchten Kraft, die Demütigen Schutz und die Armen und Bedrängten treue Hilfe gegen all ihre Übel, denn ihnen allen steht er bei mit väterlicher Fürsorge und läßt seine Vorsehung über ihnen walten - er, der das Leben gab zu ihrem Heil.

Und als Unterpfand dieses besonderen Beistandes blieb er selbst bei uns im Heiligsten Sakrament des Altars, das in allen Kirchen der Christenheit immer da ist: damit wir hier verstehen, daß er nicht weniger in allen Gebeten und Nöten der Seinigen gegenwärtig ist, als er für unsere körperlichen Augen in diesem Sakrament gegenwärtig ist.

Was bleibt nunmehr, als daß wir alle unendlichen Dank sagen diesem liebenswertesten Herrn, der sich so gänzlich für unser Heil aufgeopfert hat, und daß wir ihn alle mit jenen Worten loben, von denen der heilige Evangelist Johannes in seiner Apokalypse sagt, daß ihn damit die Seligen im Himmel preisen:

Segen, Licht, Weisheit, Danksagung, Ehre, Tugend und Macht gebühren allezeit unserem Gott in Ewigkeit. Amen.

Addiciones al Memorial de la Vida Christiana
en las quales se contienen dos Tratados: uno de la Perfeccion del Amor de Dios: y otro de algunos principales Mysterios de la Vida de nuestro Salvador.
Tomo quarto. Compuesto por el V.P.M.Fr. Luis de Granada, del Orden de Predicadores.
Con licencia. En el Convento de Jesus Maria de Valverde:
En la Oficina de Manuel Fernandez, Impressor de Libros en Madrid. Año de M.DCC.XXX.
Tabla de las Meditaciones de los mysterios de la vida de nuestro Salvador.
Cap. XXIV. .III. De como debemos seguir al Salvador tambien con buenas obras. p. 614.

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