ETIKA

GOTTES REICH

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24.9.1999

15H8

Der Himmel - Ort der Seligen

Hl. Petrus von Alcántara;
Übers. R. L.

San Pedro de Alcántara
(*1499 in Alcántara, Provinz Cáceres, Spanien. * 18.10.1562. Selig gesprochen am 18.4.1622. Heilig gesprochen am 28.4.1669. Fest 19. Oktober.)-
Gebets- und Meditationsbuch (Tratado de la oración y meditación, 1533)

Samstag

Denke an diesem Tag an die Glorie der Seligen, damit sich dein Herz ändert, damit es die Welt geringschätzt und sich nach der Gemeinschaft mit den Auserwählten sehnt. Denn um etwas von diesem Gut zu verstehen, kannst du unter anderem diese fünf Dinge betrachten: die Herrlichkeit (Vorzüglichkeit) des Ortes, die Freude an der Gemeinschaft, die Anschauung Gottes, die Glorie der Körper und endlich die Erfüllung (Vollendung) aller Güter, die es dort gibt.

Betrachte zuerst die Herrlichkeit des Ortes, und besonders seine Größe, die bewundernswert ist, denn bei einigen bedeutsamen Schriftstellern ist zu lesen, daß jeder der Sterne des Himmels größer ist als die Erde, und daß es noch dazu einige von so bemerkenswerter Größe gibt, die neunzigmal so groß sind wie sie.

Erhebe die Augen zum Himmel, und blicke auf die so große Vielzahl der Sterne und die so weiten Räume, wo noch so viele andere Platz haben könnten, wie muß man da nicht erschrecken? Wie bleibt man da nicht wie betäubt und außer sich, wenn man die unermeßliche Weite jenes Raums betrachtet, und noch viel mehr die Größe jenes erhabenen Herrn, der ihn schuf?

Wie könnte man die Schönheit dieses Weltraums mit Worten erklären? Wenn in diesem Tal der Tränen und Ort der Verbannung Gott solche bewundernswerte Dinge und von so großer Schönheit geschaffen hat, was wird er erst an jenem Ort geschaffen haben, der Sitz seiner Herrlichkeit ist, Thron seiner Größe, Palast seiner Majestät, Haus seiner Auserwählten und Paradies aller Freuden?

Nach der herausragenden Beschaffenheit des Ortes betrachte die Vornehmheit (Adel, Edelmut) seiner Bewohner, deren Zahl, deren Heiligkeit, deren Reichtümer und Schönheit alles überschreitet, was man sich denken kann.

Der heilige Johannes sagt (Offenbarung VII, 9) daß die Zahl der Auserwählten so groß ist, daß niemand sie zählen kann. Der hl. Dionysius sagt (Lib. Coelest. Hierarch., 9.), daß die Zahl der Engel so groß ist, daß sie alles, was es an materiellen Dingen auf der Erde gibt, überschreitet.

Der hl. Thomas, der sich dieser Meinung anschließt, sagt (1. Pet. und 58, art. 3): Wie die Größe der Himmel die der Erde über alle Maßen überschreitet, so überschreitet die Menge jener herrlichen Geister die aller materiellen Dinge, die es in dieser Welt gibt, mit derselben Überlegenheit. Nun, welche Sache könnte bewundernswerter sein? Sicherlich ist dies etwas, das, wenn man es gut betrachtet, genügt, um alle Menschen betroffen zu machen.

Und wenn jeder jener glückseligen Geister (auch wenn es der kleinste wäre) schöner anzusehen ist als als diese ganze sichtbare Welt, was wird dann sein, wenn man eine solche Zahl so schöner Geister sieht und die Vollkommenheit und die von ihm verrichteten Tätigkeiten?

Dort gehen die Engel umher, walten die Erzengel ihres Amtes, triumphieren die Fürstentümer und frohlocken die Gewalten, regieren die Herrschaften, strahlen die Kräfte (Mächte), blitzen die Throne, leuchten die Cherubim und brennen die Seraphim (Anmerkung: die Hierarchie der Engel, siehe unter Index 1), und alle lobsingen Gott.

Wenn schon die Gesellschaft und der Meinungsaustausch mit den Guten (hier auf der Erde) so angenehm ist und uns Freundschaften bringt, wie wird es dann erst sein, wenn wir mit so vielen Guten verkehren, mit den Aposteln sprechen, uns mit den Propheten unterhalten, mit den Märtyrern und allen Auserwählten in Verbindung treten dürfen?

Und wenn es eine so große Seligkeit ist, sich der Gesellschaft der Guten zu erfreuen, wie wird es dann erst sein, wenn wir die Gemeinschaft und Gegenwart Jenes genießen, den die Sterne des Morgens loben, über dessen Schönheit sich Sonne und Mond wundern, vor dessen Verdienst die Engel und alle jene erhabenen Geister ihre Knie beugen?

Wie wird es sein, wenn wir jenes universelle Gut sehen, in dem alle Güter (enthalten) sind, und jene höhere Welt, in der alle Welten sind, und Jenen, der Einer in allen Dingen ist, und der, als der Einfachste, die Vollkommenheiten aller umarmt?

Wenn es etwas so Großes war, den König Salomon zu hören und zu sehen, von dem die Königin von Saba sagte (1. Könige X, 8): Glücklich diese deine Diener, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit hören, was wird sein, wenn wir jenen obersten Salomon sehen, jene ewige Weisheit, jene unendliche Größe, jene unschätzbare Schönheit, jene unermeßliche Güte, und uns für immer an ihr erfreuen? Dies ist die hauptsächliche Glorie der Heiligen, dies das letzte Ziel und der Hafen aller unserer Wünsche.

Betrachte anschließend die Glorie der Leiber, die jene vier einzigartigen Gaben besitzen, welche bestehen in der Subtilität (Feinheit), Leichtigkeit, Unerschütterlichkeit und Verklärtheit, welche so groß sein wird, daß jeder von ihnen leuchten wird wie die Sonne im Reich ihres Vaters. Wenn schon nicht mehr als eine Sonne, die inmitten des Himmels ist, genügt, um dieser ganzen Welt Licht und Freude zu spenden, was wird erst die Wirkung von so vielen Sonnen und Lampen sein, die dort leuchten?

Nun, was soll ich noch sagen von all den anderen Gütern, die es dort gibt?

Dort wird Gesundheit ohne Krankheit sein,
Freiheit ohne Knechtschaft,
Schönheit ohne Häßlichkeit,
Unsterblichkeit ohne Verderblichkeit,
Überfluß ohne Mangel,
Ruhe ohne Störung,
Sicherheit ohne Furcht,
Kenntnis ohne Irrtum,
Übersättigung ohne Überdruß,
Freude ohne Traurigkeit und
Ehre ohne Widerspruch.

Dort wird - sagt der heilige Augustinus (De Civit. Dei, lib. 22, cap. 30.) -die wahre Herrlichkeit sein, wo niemand irrtümlich noch in schmeichelnder Absicht gelobt wird.

Dort wird die Ehre wahrhaftig sein, die sich weder dem Würdigen verweigert noch dem Unwürdigen hingibt.

Dort wird der wahre Friede sein, wo der Mensch weder von sich selbst noch von jemand anderem belästigt wird.

Der Preis der Tugend wird derselbe sein, den die Tugend gab und der als Lohn für sie verheißen wurde, welcher gesehen wird ohne Ende und der ohne Überdruß geliebt und ohne Ermüdung gepriesen wird.

Dort ist der Ort weit, schön, leuchtend und sicher, die Gesellschaft sehr gut und angenehm, die Zeit ebenso: Es gibt keinen Unterschied zwischen Nachmittag und Vormittag, sondern eine einfache Ewigkeit. Dort wird ewiger Frühling sein, der immer blüht bei der Frische und dem Wehen des Heiligen Geistes.

Dort freuen sich alle, singen alle und loben alle Jenen höchsten Geber von allem, durch dessen Freigebigkeit sie leben und regieren für immer.

O Himmlische Stadt, sichere Wohnung, Land, wo alles sich findet, was entzückt! Leute (Dorf, Volk, pueblo) ohne Murren, ruhige Nachbarn und Menschen ohne jeden Mangel und Bedürftigkeit.

Oh, wenn dieser (irdische) Streit schon jetzt aufhören würde! Oh, wenn die Tage meiner Verbannung schon jetzt endeten! Wann wird dieser Tag kommen? Wann werde ich kommen und vor dem Angesicht meines Gottes erscheinen?

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