ETIKA

AUFRUF AN DIE CHRISTEN ZUR EINHEIT

www.etika.com
7.8.1997/
10.11.1998

15O2

95 Thesen zur Wiedervereinigung der Kirchen von unten her

neu formatiert am
20.02.2002

El Greco: Anbetung des Namen Jesu (IHS), um 1579, El Escorial

1. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Jesus Christus betete: Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, daß sie eins seien wie wir. (Johannes 17,11)

2. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, wird dem Gericht überantwortet werden. (Matthäus 5,22)

3. Wir alle haben gegen das Gebot zur Einheit im Glauben gesündigt. Getrennt leben wir in verschiedenen Kirchen und Sekten und geben den anderen damit ein schlechtes Beispiel, das heißt, wir halten sie vom Glauben fern oder entfremden sie ihm.

4. Jetzt, 2000 Jahre nach der Geburt Christi, ist es Zeit zur Buße, zur Umkehr, zur ökumenischen Erneuerung im Heiligen Geist. Die historisch-politischen Gründe für die Spaltungen müssen dem alles überragenden Gebot der Liebe zu Gott und dem Nächsten weichen.

5. Gewiß hat Martin Luther recht gehabt, als er gegen Mißbräuche, Unmoral und Geldgier am damaligen päpstlichen Hof und in Teilen des Klerus protestierte. Aber er hätte die Kirche nicht verlassen dürfen, hätte sich lieber wie zuvor Girolamo Savonarola auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen sollen (Mt 5,10).

6. Gewiß hat der Reformator viele Mißbräuche abgeschafft, der Heiligen Schrift wieder den ihr gebührenden Platz eingeräumt (so durch seine Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache) und das allgemeine Priestertum der Gläubigen neu belebt. Aber er hat dafür andere, verhängnisvolle Fehler begangen.

7. Hätte Luther von der Vielzahl der Versuchungen, Nöte und Ängste unserer Zeit gewußt, hätte er wohl nicht das sonntägliche Abendmahl (Eucharistiefeier, Kommunion) bei nur wenigen Anlässen im Jahr erlaubt. Heute spüren auch evangelische Christen, daß sie ohne Leib und Blut Christi nicht bestehen können, daß sie das häufige Abendmahl brauchen, daß sie oft zum Tisch des Herrn gehen müssen, um Kraft für das Leben in einer gottfernen, immer unbarmherzigeren Welt zu bekommen.

8. Die Kirchen sind heute von großen Irrtümern bedroht oder ihnen schon anheimgefallen. In den Reihen der Gläubigen herrschen Unsicherheit und Verwirrung. Symbol der kirchlichen Schwäche sind die vielen tagsüber verschlossenen Kirchen: Die Gottsucher und mit ihnen Christus werden ausgesperrt.

9. Gewiß ist Kritik in vielen Bereichen berechtigt und notwendig. Sie muß aber immer aus dem Glauben geschehen, sonst ist sie Sünde (Römer 14,23). Es ist soweit gekommen, daß konservative Protestanten und katholische Traditionalisten im gleichen Lager stehen und fundamentale Glaubenswahrheiten gegen die Angriffe der alten und neuen Feinde, darunter namhafte katholische Theologen, gemeinsam verteidigen. Würden sich den modernen Nikolaiten (siehe Offenbarung 2), welche die christliche Glaubenslehre (Dogmatik) und Sittenlehre (Ethik, Moraltheologie) zerstören wollen, innerhalb der katholischen Kirche genügend mutige Diener und Dienerinnen Gottes entgegenstellen, herrschte heute nicht ein solches Chaos auf religiösem Gebiet.

10. Trotz aller Appelle und Absichtserklärungen ist es den Kirchenführern auch 2000 Jahre nach der Geburt Christi noch nicht gelungen, die Spaltungen in Konfessionen zu überwinden, und die Aussichten schwinden. So bleibt den Gläubigen, wenn sie Gottes Gebot zur Einheit gehorchen wollen, nur ein Ausweg: Sie selbst müssen die Einheit vor Gott verwirklichen, und zwar im Gebet, im gemeinsamen Besuch von Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen, in der gemeinsamen Hilfe für Notleidende, durch ein wahrhaft christliches Leben. "Es ist eine Einheit am Wege, die aus dem Strom der Gnade Gottes kommt und alle selbstgemachten Grenzen überschreitet." (Prälat Franz Wesenauer in "Glaube und Kirche", 24/1983) "An Gottes Wort liegt mehr denn an der ganzen Welt." (Luther)

11. 2000 muß zum Jahr der christlichen Einheit werden, denn im Grunde sind die einfachen Christen bereits vereint: im Glauben an Jesus Christus. Was sie trennt, ist zweitrangig und zu überwinden. Die wirkliche Front verläuft woanders. "Die Welt ist in zwei riesige Lager gespalten: Glaube und Unglaube — Christus und Antichrist! (P. Petrus Pavlicek OFM)

Abendmahl

12. Der Herr: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. (Mt 11,28). Wer glaubt, der hat das ewige Leben. (Joh 6,47) Ich bin das Brot des Lebens. (Joh 6,48) Wer von diesem Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben in der Welt. (Joh 6,51) Nehmet, esset, das ist mein Leib. (Markus 14,22)

13. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. (Joh 6,53) Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. (Joh 6,56) "Wer sein Fleisch nicht ißt und sein Blut nicht trinkt, kann nicht in das Reich Gottes kommen." (Franziskus von Assisi, Brief an die Gläubigen)

"Denn der Sinn des Menschen ist von Jugend auf zum Bösen geneigt, und er sinkt, wenn nicht das göttliche Heilmittel ihm emporhilft, immer tiefer in das Sündenelend hinein." (Nachfolge Christi IV,3)

"Der Herr: Zu mir, der Quelle der Gnade und göttlichen Erbarmung, zur Quelle der Güte und Reinheit, mußt du oft deine Zuflucht nehmen, damit du von deinen Leidenschaften und Fehlern geheilt, gegen alle Versuchungen und Fallstricke des Teufels bewaffnet und zur steten Wachsamkeit gestärkt wirst." (IV,10)

Armut

14. "Ist der beste Schmuck der christlichen Religion nicht die Armut? Ist es vielleicht nicht wahr, daß der Christ, je mehr er die Armut befolgt, desto mehr als geistiger Mensch wächst?" (Girolamo Savonarola: De simplicitate christianae vitae IV,8) Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. (Mt 6,24)

 

15. Gott ist es ein Greuel, wenn wir die Gebote, mit den Armen zu teilen, nicht ernst nehmen, sondern weiter im Wohlstand prassen, dem Fernsehen und sonstigen Vergnügungen den Hauptteil unserer Zeit opfern statt dem Gebet oder der Familie oder einem guten Werk. Wir sind nicht geschaffen, um zu konsumieren oder, wie Balthasar Gracián es ausdrückte, "eine Nummer zu sein und die Lebensmittel zu verbrauchen" ("El Criticón"), sondern um Gutes zu tun.

Barmherzigkeit

16. Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,36)
Wir Christen sollen "die Liebe und das Mitleid Christi in der Welt sein" (Mutter Teresa

17. Doch wie groß ist die Not in der Welt, und wie wenig tun wir Christen dagegen! Noch schlimmer: Die Wirtschaftsmoloche Europa und USA leben auf Kosten der Dritten Welt und erdrücken sie. Damit wir reich bleiben, geraten die armen Völker immer tiefer ins Elend, als Folge von Ausbeutung, Krieg und Umweltverschmutzung. Auch die seelische Not unseres Nächsten läßt uns kalt, wir haben Herzen aus Stein.

18. Wie können wir ruhig schlafen, wenn wir nicht endlich mit der leidenden Kreatur Mitleid haben, die ängstlich auf die Offenbarung der Kinder Gottes wartet (Römer 8,19). Gott sind die Millionen grausamer Tierversuche ein Greuel, ebenso die Tieropfer und jede Grausamkeit gegenüber Tieren und jede Rechtfertigung dafür, wie sie sich auch in den Katechismus der kath. Kirche eingeschlichen hat (2417). Die tierquälerische Massentierhaltung ist Sünde, und würde die Viehhaltung stark eingeschränkt, wäre genügend Platz für den Anbau von Gemüse, Getreide und Obst vorhanden, und alle Menschen könnten satt werden.

Beichte

19. Die Einrichtung der Beichte (Sündenbekenntnis), die in der evangelischen Kirche immer mehr verkümmert ist, muß wiederbelebt werden.

20. Andrerseits ist anzumerken, daß viele katholische Priester in ihren Predigten nur dazu aufrufen, die Sünde zu beichten, statt noch viel mehr dazu, die Sünde von vornherein zu unterlassen.

Buße

21. "Unser Herr und Meister Jesus Christus, da er spricht: "Tut Buße!", will, daß der Gläubigen ganzes Leben Buße sei." (Martin Luther, 1. der 95 Thesen vom 31. 10. 1517)

"Das ganze christliche Leben ist ein fortwährender Prozeß der Buße." (Konzil von Trient)

"Die Menschen sollen sich bessern und um Verzeihung ihrer Sünden bitten. Sie sollen den Herrn nicht mehr beleidigen, der schon zuviel beleidigt wurde!" (Maria bei ihrer Erscheinung vom 13. 10. 1917 zu den drei Hirtenkindern Lucia, Francisco und Jacinta, Kern der Botschaft von Fatima)

22. Wir alle, Katholische und Protestanten, haben in unseren Vätern gesündigt und weben fort an der Webe menschlicher Irrsal, so oder anders; keiner hat das Recht, sich in Hoffart über den andern hinauszusetzen..." (Joseph von Görres: Athanasius)

23. Die Lehre vom Ablaß (Anmerkung: Nachlaß der zeitlichen Sündenstrafen) gehört laut Karl Wölfl nicht zum wesentlichen Glaubensgut der katholischen Kirche (Kath. Sonntagsblatt Bozen, 7. 8. 1983). Protestanten brauchen sich also nicht mehr am Mißbrauch des Ablasses zu Luthers Zeiten zu stoßen. Im übrigen ist das Wort Buße heute in der protestantischen Kirche recht klein geschrieben, und die Abschaffung des Buß- und Bettages spiegelt ihren inneren Zerfall wider.

Demut

24. "Es ist gut für mich, daß Du mich gedemütigt hast. Denn das nötigte mich, mehr bei Dir als bei Menschen Trost zu suchen." (Nachfolge Christi III,50) "Er schickt Leiden und Unfrieden zu, auf daß er uns lehre, Geduld und Frieden zu haben." (Martin Luther: Traktat von den guten Werken III,22)

Einfachheit

25. "Die heilige reine Einfalt macht alle Wissenschaft dieser Welt und menschliche Klugheit zunichte." (Franziskus von Assisi: Gruß an die Tugenden)

26. Franziskus bemühte sich, die Anweisungen des Evangeliums auf den Buchstaben genau zu erfüllen, und "schrieb sich das, was er las, ins Herz" (Celano II).

27. Einfach leben hat für den Christen eine doppelte Bedeutung: Einmal vermeidet er damit die Verschmutzung der Umwelt, zum andern reinigt ihn dieser Lebensstil selbst von irdischer Verschmutzung, und er vereinfacht sich, wie Savonarola darlegt, mit Hilfe der Gnade zum göttlichen Vorbild. Gedanken, Worte und Taten sind dann eins. (II,4)

28. Wenn die Verantwortlichen der Kirche aus ihren komplizierten theologischen Konstruktionen nicht herausfinden, so sind Glaube und Wahrheit in Wirklichkeit doch einfach. Denn auch Gott ist wahrhaft einfach (Savonarola II,2), und wir sollen Gott nachahmen als seine Kinder (Epheser 5,1).

 

Einheit

29. Christus ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. (Kol 1,18) Wir viele sind ein Leib in Christus. (Römer 12,5) "Trotz aller Spaltungen der Christenheit glauben und bekennen wir, daß es bis ans Ende der Dinge nur eine Kirche gibt, weil wir auch nur e i n e n Heiland haben. Alle, die ihn als ihren Herrn anrufen, sind durch e i n e n Geist verbunden als Glieder an e i n e m Leib." (Fragenbüchlein für den Konfirmationsunterricht, 68., Evangelische Landeskirche in Württemberg, Stuttgart 1957)

30. "Die Spaltung der Christenheit ist das große Ärgernis für die Welt, ist der entscheidende Grund, warum die Welt nicht mehr an die Botschaft Jesu glaubt..." (A. Leidl, Katholisches Sonntagsblatt, Bozen, 6. 11. 1983) Du, lieber Leser, bist nun gefordert, das Deine zur Einheit beizutragen. Was tun?

31. Erstens: um die Einheit beten.

32. Zweitens: nicht nur die gewohnten Gebete beten, sondern auch neue aus dem reichen Schatz, den in den Jahrhunderten sowohl katholische als auch evangelische Christen angehäuft haben (in die Gesangbücher sind ja auch schon Lieder "der anderen Seite" aufgenommen worden).

33. Drittens: aufrichtig und v o r u r t e i l s f r e i nach der Wahrheit suchen, die Heilige Schrift zur Richtschnur des Lebens machen und nach dem Evangelium leben, wie es Franziskus tat.

34. Viertens: Evangelische Christen sollten auch katholische Gottesdienste besuchen, um sich ein Bild davon zu machen, daß sie mit den Katholiken mehr Gemeinsames als Trennendes haben. Umgekehrt können Katholiken zu evangelischen Bibelabenden gehen, bei denen sich dann beide Seiten um die rechte Auslegung der Heiligen Schrift bemühen.

35. Fünftens: Evangelische Christen können guten Gewissens beim Glaubensbekenntnis sprechen: Ich glaube an die heilige allgemeine Kirche.

36. Sechstens: Sie sollten zurückkehren zu den aufgegebenen Traditionen: Kreuzzeichen und Segen, Einzelbeichte, Beschäftigung mit Leben und Lehre der heiligen Männer und Frauen aus zwei Jahrtausenden usw. (Ein zuverlässiger Führer durch die aktuellen Zeitströmungen zu den ewigen Glaubenswahrheiten ist "das Neue Groschenblatt", redigiert von Pfarrer Dr. Franz Burger; Bestelladresse: Hetzendorfer Straße 86/1a, A-1120 Wien)

37. Siebtens: Die kirchlichen Organisationen sollten immer mehr Projekte, wie Hilfe für Notleidende, gemeinsam durchführen.

38. Achtens: Die Gläubigen sollten in bewährten Vereinen der anderen Seite Mitglied werden, z. B. Franziskanische Gemeinschaft, Vinzenzkonferenzen, Kolpingwerk, Albert-Schweitzer-Hilfsverein, Rosenkranz-Sühnekreuzzug um den Frieden der Welt.

39. Neuntens: Aufgeschlossene Pfarrer sollten 1995 nicht nur ein- oder zweimal im Jahr, sondern ein- oder zweimal im Monat ökumenische Gottesdienste abhalten.

40. Zehntens: Wer sich in seiner Kirche einsam und verlassen fühlt, weil diese sich in wesentlichen Punkten von der Glaubens- und Sittenlehre der Kirche seiner Väter entfernt hat, der sei nicht mehr gebunden, sondern frei, nach seinem Gewissen zu entscheiden. Wenn ihm seine Kirche keine geistige Heimat mehr bietet und wenn ihn nach der Speise Christi hungert, begeht er unter den heutigen Umständen keinen Verrat, wenn er etwa dem Beispiel der evangelischen Schriftstellerin Christa Meves folgt und zur römisch-katholischen Kirche übertritt.

41. Schwieriger denn je ist es heute, in der Kirchenfrage den Willen Gottes zu erkennen, und groß sind die Gewissensnöte. Alle, die ihrer Teilkirche unter allen Umständen treu bleiben wollen, wie auch die Traditionalisten, die zu Recht vieles anprangern, und jene, welche die Armen mithilfe der Kirche aus ihrem Elend befreien wollen, verdienen das Verständnis der Mitchristen. Nur Lauheit ist nicht zu entschuldigen.

Engel

42. "Wir meinen, daß die Engel nicht nach uns fragen..., meinen, sie seien ganz weit von uns, so wir doch sehen, daß durch ihren Schutz und Dienst alles, was wir haben, erhalten und beschützt wird, und die Menschen oft greulich umkommen, wo sie vom Dienst der Engel entlassen werden." Dies schrieb nicht ein Katholik, sondern Luther in seiner Auslegung des 34. Psalms (Konstanzer Großdruckkalender 11.11.1994).

Erziehung

43. Don Bosco und Christa Meves, auch Maria Ward, können und sollten christlichen Eltern als Wegweiser für die Erziehung ihrer Kinder dienen. Ziele: die Bewahrung der Reinheit und die Entfaltung aller christlichen Tugenden wie Herzensgüte, Gottvertrauen, Gehorsam und Bereitschaft zum Teilen.

Exorzismus

44. Jesus selbst sagte: Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben. (Markus 16,17) Jeder Christ darf den von P. Petrus Pavlicek empfohlenen Privatexorzismus anwenden.

Familie

45. Gott ist es ein Greuel, daß die Kirchen so wenig getan haben und tun gegen die Zerstörung der Familie und die Verführung der Kinder und Jugendlichen durch Pornographie in Zeitschriften, Fernsehen und Werbung. Die unzüchtige Mode ist ihm ebenso ein Greuel wie die ständige Verharmlosung des Ehebruchs, "ein satanischer Betrug" (Präses Hans Kirsten). Ehebruch "ist das mörderische Attentat auf die eheliche Liebe des andern: An dieser Wunde verblutet das Herz" (Hans Wirtz). Ehebruch stürzt die ganze Familie ins Unglück (Franz Burger). Die Gesellschaft steht Ende des 20. Jahrhunderts sittlich im Abgrund und bedarf geradezu einer ethischen Revolution gegen die Flut des Schmutzes, in der sie ertrinkt.

46. Jesus hat die Ehe für unauflöslich erklärt. Wenn aber ein Partner die Ehe bricht (siehe Matthäus 5,32), dann ist der andere bei einer Scheidung nicht schuldig. Die Gerechtigkeit gebietet, den unschuldigen Teil nicht zu bestrafen. Dies gilt auch in dem Fall, wenn ein Christ oder eine Christin von einem Ungläubigen geschieden wird (1. Korinther 7,15).

47. Die christliche Familie ist als Kirche im Kleinen anzuerkennen, und bevor in einem christlichen Land Platz für die Errichtung einer Moschee bereitgestellt wird (womöglich noch auf Betreiben kirchlicher Unterorganisationen), sind Wohnungen für bedürftige christliche Familien zu bauen. Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. (Galater 6,10)

48. Der Übernahme verheirateter bisheriger evangelischer Pfarrer seitens der katholischen Kirche sollte im Grundsatz nichts im Wege stehen, da es auch verheiratete Apostel gab und in der Zeit des Urchristentums Bischöfe und Diakone Familien haben durften (1. Timotheus 3).

Fegefeuer

49. Auch in der katholischen Kirche herrschen unterschiedliche Meinungen hierzu. Prof. Dr. Karl Rahner übersetzte das lateinische Wort "purgatorium" mit Reinigungsvorgang, Reinigungszustand oder Reinigungsort, und der Jesuit Albert Ziegler ist der Ansicht, es handle sich dabei nur um eine "himmlische Nachhilfestunde".

50. P. Bonifatius Günther stellt fest: "Eine Läuterung muß jeder Mensch durchmachen; entweder besteht er sie hier oder sie erwartet ihn drüben."

51. Luther erkannte indirekt an, daß es das Fegefeuer gibt: "Ob die Seelen aus dem Fegefeuer gezogen werden durch den Ablaß, weiß ich nicht... Zu größerer Sicherheit ist es darum viel besser, daß du selber für sie bittest und wirkst." (Sermon vom Ablaß und Gnade).

Franziskus von Assisi

52. Jeder evangelische Christ, der seine Gebete betet und seine Briefe, vor allem jenen an die Gläubigen, sowie seine Lebensgeschichte liest, wird zugestehen, daß dieser einfache Diener Gottes wie kein anderer alle Christen anspricht und ein Bindeglied zwischen den Konfessionen darstellt. Sein aus Psalmen zusammengesetztes Einfaches Brevier ist eine Hilfe im Alltag und in jeder Not (Anm.: bitte ETIKA 1GE gratis anfordern; diese Gebete sind unter Mitverwendung der Lutherbibel für das Handbuch des einfachen Lebens übersetzt, das nach den von Franziskus genannten Haupttugenden geordnet ist).

Frauen

53. Die uns gegebene Ordnung beschreibt der Apostel Paulus im fünften Kapitel des Epheserbriefs: 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter. 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen.

54. Der Salzburger Erzbischof Georg Eder schreibt zu Recht, "daß der heutige Feminismus im Grunde frauenfeindlich ist, weil er das Urbild der Frau, der Mutter, zerstören will, um ein anderes an seine Stelle zu setzen, das dem Schöpfungsplan widerspricht" ("Fatima ruft" Nr. 133, Oktober 1994).

Gebet

55. Viel können evangelische wie katholische Christen von der Ostkirche lernen. Sie hat das immerwährende Herzensgebet (siehe "Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers") der Mönchsväter in der Wüste (s. Philokalia) gepflegt: Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner (oder in einer von uns vorgeschlagenen Form: Jesus Christus, hilf uns, rett uns).

56. "Luther, der große Beter, weist uns an, beim Morgen- und Abendsegen niederzuknien und den ,Glauben’ und das Vaterunser zu beten." (Konstanzer Großdruckkalender 29. 6. 1982) Wie wenige Protestanten haben in ihrem Leben schon einmal die Knie vor Gott gebeugt! Andererseits hat Gott gewiß Freude daran, wenn das Vaterunser in evangelischen Gottesdiensten langsam und voll Andacht gesprochen wird, anders als in den meisten katholischen Messen.

Gehorsam

57."Die erste Pflicht ist die Liebe, und der Beweis, daß man sie erfüllt, ist der Gehorsam." (Charles de Foucauld, Médit. 171) "Meinem Jesus! Befehle, herrsche und regiere in mir!" (Gerhard Tersteegen 1724)

Gerechtigkeit

58. Gott gibt jedem nach seinen Werken. (Offenbarung 22,12) Jedes Gute wird belohnt, jede Schuld bestraft. (Katharina von Siena, Brief 19)

59. "Nicht Gott ist es, der uns verdammt, wir selbst tun es durch unsere Sünden." (Johannes-Maria Vianney) "Die Kreatur wird so wie die Sache, die sie liebt." (Katharina von Siena, Brief 29)

Glaube

60. Der Glaube allein ("sola fide") verschafft nicht das Himmelreich, wenn wir nicht zugleich barmherzig sind. Unser Glaube wirkt in Form der Tugenden (Güte, Liebe, Demut usw.) in die Welt hinein.

Glaubensbekenntnis

61. Evangelische Christen sprechen im Gottesdienst zuweilen das Glaubensbekenntnis des Ökumenischen Konzils von Nizäa (325): Ich glaube an die eine, heilige allgemeine und apostolische Kirche (Unser Gottesdienst, Verlag des Evangelischen Gesangbuchs, Stuttgart 1986, S. 13). Nichts hindert sie, auch beim Sprechen des kurzen Glaubensbekenntnisses leise für sich zu sagen: Ich glaube an die heilige allgemeine Kirche (statt: christliche Kirche, zumal zuvor von Christus die Rede ist). Damit ist die Einheit von der Basis hergestellt, denn das griechische Wort katholisch bedeutet allgemein, und in den Ohren Gottes, der alle Sprachen versteht, ist es wohl dasselbe. Und Katholiken sollten bedenken, daß es vor 400 Jahren im Katechismus des hl. Petrus Canisius hieß: "Eine heilige allgemeine Christliche Kirche" (Neuauflage 1997, Hildegard Wechs, München).

Gottesdienst

62. Zu warnen ist vor der unwürdigen Teilnahme an Abendmahl/Kommunion (Mt 5,23ff und 1 Kor 27ff).

63. Nicht einzusehen ist, warum die klare Anweisung des Apostels über die Kopfbedeckung der Frauen im Gottesdienst (Korinther 11) mißachtet wird. — Ganz am Rande noch die Beobachtung, daß das Herumreichen des Klingelbeutels in katholischen Messen von so manchem andächtigen Gläubigen als Störung empfunden wird; es genügt doch wirklich der Opferstock.

Heilige

64. Auch die evangelische Kirche glaubt an die Gemeinschaft der Heiligen, das sind alle, "die durch Jesus Christus in Gottes Haus und Reich gehören" (im zitierten Fragenbüchlein für den Konfirmationsunterricht, Antwort 67). Warum also haben evangelische Christen so große Hemmungen, Elisabeth von Thüringen als heilige Elisabeth zu bezeichnen?

Himmel

65. Jeder wird seinen Lohn empfangen nach seiner Mühe. (1. Korinther 3,8) "Welcher Jubel, wenn die Seele sich mit ihrem verklärten Leib vereinigen wird, der für sie nicht mehr ein Werkzeug der Sünde noch eine Ursache des Leidens sein wird!" (Johannes-Maria Vianney).

Was sollen Protestanten dagegen haben, daß Luis von Granada schon im Mittelalter die Freuden des Himmels ausmalte: "Welche Freude, bei so vielen Guten zu weilen, mit Aposteln zu reden, sich mit den Propheten zu unterhalten, Gedankenaustausch mit den Märtyrern und allen Auserwählten zu pflegen! Vollkommen ist ihre Freude bei der Anschauung Seiner unverhüllten Herrlichkeit. Wir werden Gott sehen, und wir werden uns und alle Dinge in Gott sehen. Die ganze erlöste Schöpfung wird mit ewigem Frieden umgeben sein." (Handbuch des einfachen Lebens, 208f).

Hölle

66. Die Lehre der evangelischen und katholischen Kirche sagt, daß es eine Hölle als "Ort der Qual und Pein" gibt (F. G. Lisco: Das christlich-apostolische Glaubensbekenntnis, Berlin 1842, 144) und daß sie "ewig dauert" (Katechismus der Katholischen Kirche 1035).

"Wehe dem, der die Hölle jetzt für lächerlich hält und die Hölle erst an sich selbst erfahren muß, ehe er an sie glaubt." (Eusebius von Cäsarea) Deshalb ist es unverzeihlich, wenn viele Prediger nicht mehr vor den Schrecken der Hölle warnen. Erleben doch schon ungezählte Menschen hier auf Erden die Hölle, um nur an Aidskranke oder Straßenkinder zu denken.

67. "Von der Verdammten und Teufel Erlösung und Seligkeit kann ich in der Bibel nichts Deutliches finden, darum kann ich’s auch nicht glauben", schreibt der Protestant Zinzendorf (zit. Lisco 239). Das Argument, es sei nicht gerecht, wenn ein Mensch für ein kurzes Leben der Sünde eine Ewigkeit lang bestraft würde, ist hinfällig, denn die Seele des Sünders hat bei ihrem Scheiden aus dieser Welt dem Herrn den Rücken gewandt und haßt ihn. Der Verdammte denkt in alle Ewigkeit nie daran, sich Gott zuzuwenden und ihn um Verzeihung anzuflehen. (nach Thomas von Aquin)

K i n d e r

68. "Gott hat dem kleinen Menschenkind in der elterlichen Liebe von Vater und Mutter seine göttliche Liebe selbst zugewandt und die Eltern verpflichtet, ihr Kind, das ebenso sein Kind ist, nach seinem Willen anzunehmen und zu erziehen." (Franz Burger in der Sonderbeilage des Neuen Groschenblatts "Ehe und Familie nach Gottes Plan", 11/1994)

69. Das Wissen um die Millionen Kinder, die weltweit der Liebe und ihrer Kindheit beraubt werden, indem sie mißbraucht, gequält, ausgebeutet, in die Süchte getrieben oder getötet werden, entlarvt das Gerede der Bequemen, die da sagen, man solle nur auf die schönen Seiten des Lebens schauen.

70. Jesus Christus hat denen, die Kinder verführen, die schlimmsten Höllenstrafen angedroht (Mt 18,6) und wird sie bald richten, denn das Elend so vieler Mädchen und Buben, so vieler stummer Namenloser, schreit zum Himmel. Da sollte Gott keinen Zorn haben und immer nur der "alles verzeihende, liebende Gott" auch für grausame Sadisten sein? Viele werden sich wundern. Gott ist gut u n d gerecht. Auch jene, die dem Wüten der Bösen tatenlos zusehen, weil sie meinen, Toleranz walten lassen zu müssen, werden gerichtet, denn sie haben kein Mitleid gehabt mit den Opfern der Grausamkeit.

Kirchenspaltung

71. "Das tatsächliche Endergebnis der Glaubensspaltung, wie es seit dem Westfälischen Frieden vorlag, war eine Folge politischer Ereignisse." Dies schrieb Karl August Meißinger aus protestantischer Sicht (Glauben und tun - Ein kleines Luther-Brevier, München 1947, S. 34). Seiner Meinung nach war Luther "historisch gesehen gegen Rom im Recht, wenn er nach neuen Wegen für eine Reformation suchte und Garantien gegen eine Fälschung des künftigen Konzils verlangte. Die Erneuerung der katholischen Kirche ist dann in Trient zustande gebracht worden — dank Luther, was nicht vergessen werden darf, aber es war leider zu spät. Die Protestanten haben sich ausgeschlossen, das war das eigentliche Unglück. Soweit hier von Schuld gesprochen werden darf, lag sie auf beiden Seiten." (36)

Kreuz

72. Das Kreuzzeichen ist seit dem 2. Jahrhundert gebräuchlich. Auch Luther hatte geraten, am Morgen nach dem Aufstehen das Kreuz zu schlagen. Das Kreuz ist Zeichen des Heiles, hat Segensmacht (A. M. Weigl: Gebetsschatz, 1982, 10).

Liebe

73. "Wir leben, um zu lieben." (Teresa von Avila)

74. Der Herr: Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote. (Joh 14,15)

 

Maria

75. "So wie Maria sollten wir immer und überall nach dem Willen Gottes fragen." (Michael Dobler)

Martin Luther sagte 1553: "Maria kann nicht genug gelobt werden." "Luther verzichtete auch nicht auf die Marien- und Heiligenverehrung und auf die Predigt an ihren Festtagen." (J. Lortz 1962, 304) Erst seine Nachfolger taten dies. Luther selbst schloß seinen der "Magd des Herrn (Ancilla Domini) gewidmeten Traktat mit der Bitte "um rechten Verstand dieses Magnificat": "das verleihe uns Christus durch Fürbitt und Willen seiner lieben Mutter Maria. Amen." Da staunt der Protestant von heute.

76. Die Jungfrau Maria wird nicht angebetet, sondern nur angerufen und verehrt. Das Ave Maria lautet: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus... Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Nachfolge Christi

77. Der protestantische Theologe Karl Heim, Professor in Tübingen, schreibt: "Die ,Nachfolge Christi’ von Thomas a Kempis ist noch heute das über den Gegensatz der Bekenntnisse übergreifende Buch." (in: Das Wesen des evangelischen Christentums, Leipzig 1926, S. 30) Es gibt sogar (mindestens) eine Ausgabe für evangelische Christen (von M. Franz Julius Bernhard, Pastor von Magdeburg, Leipzig 1859).

Papst

78. Jesus sagt in Mt 16,18: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 19. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. Aber Christus sagt auch: Wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht. (Mt 20,27)

79. "Die evangelischen Christen tun sich etwas schwer mit dem Wort ,Heiliger Vater’. Sie brauchen aber gar nicht so zu sagen, ja sie brauchen sich auch nicht einmal zur Unfehlbarkeit bekennen. Es genügt zu sagen: ,Ich glaube an die Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift.’ Da begegnet ihnen auf alle Fälle der heilige Petrus. In der Schrift steht nichts vom Heiligen Vater. Ganz im Gegenteil: Christus sagte: Niemand soll sich Vater nennen lassen. Einer ist euer Vater (Anm.: der im Himmel ist, Mt 23,9), ihr alle aber seid Brüder." (Prälat Franz Wesenauer in der katholischen Zeitschrift "Glaube und Kirche" 24/1983)

Teufel

80. Die evangelische und die katholische Theologie sind sich einig (von den Häretikern abgesehen, die ja weder evangelisch noch katholisch sind), daß der Teufel oder Satan als Person, ein gefallener Engel, existiert, daß er der "Durcheinanderwerfer", der "Menschenmörder von Anbeginn" und der "Vater der Lüge" ist. Er ist der Anführer jener bösen Geister oder Dämonen, die alles, was Gott aufbaut, zerstören wollen. Der Teufel hat die Absicht, "sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen und auch die Menschen zu ähnlicher Rebellion zu veranlassen" (Georg Siegmund).

81. Wer das Entsetzliche nicht verdrängt, das Frauen und unschuldigen Kindern, die Gott der Menschheit als kleine Jesuskindlein geschenkt hat, allein in dieser Minute weltweit angetan wird (Vergewaltigung, Menschenhandel, Mord), sieht ein, daß die Sünde der Dämonen nicht vergeben werden kann (KKK 393). "Es gibt für sie nach dem Abfall keine Reue, so wenig wie für die Menschen nach dem Tode" (Johannes von Damaskus).

Theologen

82. Die wichtigsten Glaubensfragen sind alle von größeren Geistern, als sie heute den Ton angeben, entschieden worden, um nur einige zu nennen: Athanasius, Augustinus, Basilius d. Gr., Bernadette, Birgitta von Schweden, Bonaventura, Franziskus, Gertrud von Helfta, Gregor von Nazianz, Hieronymus, Johannes Chrysostomus, Katharina von Siena, Luis von Granada, Mechthild von Magdeburg, Petrus von Alcántara, Girolamo Savonarola, Teresa von Avila, Thérèse von Lisieux, Thomas Morus u. Johannes-Maria Vianney, Pfarrer von Ars. Was sollen die Gläubigen denken, wenn heutzutage unerfahrene und zugleich lesefaule junge Pfarrer und Pfarrerinnen von der Kanzel aus verkünden, sie könnten mit dieser oder jener Stelle im Evangelium nichts anfangen, oder ein Bibeltext sei nicht mehr zeitgemäß? Dann lieber keine Predigt!

 

Unwürdige

83. Erschreckend ist die Zahl der neuen Sodoms und Gomorrhas in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Unmoral dringt auch in die Kirche vor. Gott und den Gläubigen ist es ein Greuel, wenn Pfarrer geduldet werden, die die Ehe brechen oder homosexuellen Neigungen nachgehen statt enthaltsam zu leben. Unzüchtige haben wie die Götzendiener kein Erbteil im Reich Christi und Gottes (Epheser 5,5). (Dazu ein Nachtrag: Homosexualität ist nach Angaben des Psychologieprofessors Geerd van den Aardweg eine Neurose und heilbar , "Dolomiten", Bozen, 21. 11. 1994)

84. Gott ist es vor allem ein Greuel, wenn Kinderschänder Mädchen und Jungen ihre Unschuld, ihren Glauben und ihre Hoffnung rauben und sie um ihre Zukunft betrügen, aber nicht aus der Kirche ausgestoßen werden. Der Apostel hat nämlich befohlen: Verstoßt ihr den Bösen aus ihrer Mitte! (1 Kor 5,13)

85. Wer einmal ein Kind geschändet hat — und dies ist das schlimmste Verbrechen, für das Jesus selbst die schwerste Strafe angedroht hat —, darf nie mehr ein Amt in der Kirche bekleiden. Wer hat endlich aktives Mitleid mit den Opfern? (Francisco: Kinder retten die Welt, Aktionsbuch zum Schutz der Schwächsten)

Weisheit

86. Die heilige Weisheit tritt Satan und all seine Bosheiten in den Staub. (Franziskus: Gruß an die Tugenden, im Handbuch des einfachen Lebens)

Zukunft

87. D i e R e f o r m a t i o n i s t g e s c h e i t e r t , denn sie hat nicht zu einer Erneuerung der Herzen geführt. Dies beweisen der innere Zustand der protestantischen Kirchen und die Tatsache, daß die sexuelle und die antikulturelle Revolution von Ländern mit protestantischen Mehrheiten (Schweden, USA, England) ausgegangen sind.

 

88. Auch die katholische Kirche hat Verfehlungen begangen und muß diese gegenüber den christlichen Brüdern eingestehen. Es sei nur an die Tausenden von evangelischen Märtyrern und die Vertreibung von 20.000 Salzburger Protestanten 1731 erinnert. "Thomas von Aquin sagt: ,Wenn ein Ketzer sich hartnäckig weigert, so wird er von der Kirche exkommuniziert, und sie überläßt ihn dem weltlichen Gericht, damit es ihn durch den Tod aus der Welt hinwegschaffe.’ Dieser Satz wird heute nicht mehr angewendet, aber er ist nicht grundsätzlich zurückgenommen worden." (Heim 56). Oder doch? Jedenfalls warten wir immer noch auf das Schuldbekenntnis des Vatikans im Fall Alexanders VI. und die Heiligsprechung Savonarolas.

89. Die Kirche Christi braucht nach Reform und Gegenreformation eine dritte, eine Reformation der Versöhnung. Diese darf aber nicht weg führen von den Ursprüngen, sondern muß zu ihnen zurückfinden — zurück zu den Aposteln, den Mönchsvätern in der Wüste, zu den Heiligen, zu Franziskus. Kurzum, zu all jenen, die das Evangelium gelebt haben. In unserem Jahrhundert waren dies Charles de Foucauld und Albert Schweitzer, Maximilian Kolbe und Edith Stein,.Dietrich Bonhoeffer und Jochen Klepper. Heute leuchtet Mutter Teresa als Vorbild.

90. Die Feinde der göttlichen Ordnung wähnen sich dem Sieg nahe. Sie zersetzen die Völker und Familien, um eine sogenannte multikulturelle, in Wirklichkeit kulturlose Gesellschaft zu schaffen, in der der einzelne keinen Halt mehr findet und leichter zu manipulieren und zu versklaven ist.

91. Die Verschwörer gegen Gott und sein Volk bedrängen wie nie zuvor die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche, zu der sich auch Protestanten, Orthodoxe und Kopten zählen. Der Rauch Satans ist nach den Worten von Papst Paul VI. auch in die römisch-katholische Kirche eingedrungen. Viele sind es, die nach der Vision Anna Katharina Emmerichs die Steine des Kirchengebäudes abtragen (Visionen, Aschaffenburg 1980, 104).

92. Sollen nun fast ein halbes Jahrtausend nach der unseligen Trennung die evangelischen Christen in eine erneuerte Mutterkirche zurückkehren und den wahren katholischen Christen helfen, die Steine wieder zusammenzutragen und die Kirche neu aufzubauen? Jeder entscheide nach bestem Wissen und Gewissen.

93. Jedenfalls drängt die Zeit sehr, es ist die letzte Stunde, die Stunde der Antichristen (1 Joh 2,18).

94. Bleiben wir alle dem christlichen Glauben und der Heiligen Schrift treu, beten wir ohne Unterlaß, seien wir barmherzig und gerecht, helfen wir einander als Brüder und Schwestern, stärken wir uns, wie es uns erlaubt und geboten ist, mit dem Leib und dem Blut Christi und lieben wir Gott über alles. Verwirklichen wir so die Einheit in schlichter Frömmigkeit.

95. Bevor du aber zum Altar gehst und deine Gabe opferst, versöhne dich mit deinem Bruder! (s. Mt 5,23.24, 6,14.15) Wer bereit ist zur Versöhnung und Wiedergutmachung, unterstütze diese Aktion. Gott segne ihn. Jesus Christus, hilf uns, rett uns!

Rainer Lechner

Geschrieben am letzten Buß- und Bettag, 16. 11. 1994

 

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