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Kirche in Südtirol

17.9.2011

 

Bischof Golser wird ersetzt durch Ivo Muser. Weihe am 9. Oktober. Nach 28 Monaten Amtszeit tritt Bischof Karl Golser, bekannter Moraltheologe, zurück. Er leidet schwer an einem atypischen Parkinson-Syndrom, hat Sprech- und Bewegungsschwierigkeiten, wie die Dolomiten am 28.7.2011 berichteten (insgesamt sechs Seiten, siehe auch Ausgaben vom 29.7. und 2.8.2011). Ivo Muser war seit 2002 Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen und Kanonikus an der Kathedrale zu Brixen. - „Nichts unter den Teppich kehren und der Wahrheit ins Gesicht schauen, auch wenn sie unangenehm ist“: Dies wünscht sich Walther Werth, Hauptschriftleiter des Katholischen Sonntagsblatts, vom neuen Bischof. Das sei nämlich ein reinigender Prozess. (Z am Sonntag, 31.7.2011, Die Wunschliste an den Neuen) Muser ist 1962 in Bruneck geboren. Die Volksschule besuchte er in Gais, die weiterführenden Schulen in Bruneck. Seine Vorfahren kommen aus der Sprachinsel Tischlbong/Timau in Friaul. (Dolomiten 28.7. und 6.8.2011) Dies alles haben wir erst am 10.9.2011 erfahren.

Im Gedenken an Bischof Wilhelm Egger zelebrierte Diözesanadministrator Josef Matzneller gemeinsam mit Bischof Karl Golser und seinem Nachfolger Ivo Muser am 16.8.2011 im Brixner Dom eine hl. Messe. Ein Sonnenstrahl erleuchtete während der Feier die Grabplatten. (Dolomiten 17.8.2011) Der sportliche und gesund wirkende Kapuziner war genau drei Jahre vorher, kurz nach dem Sommerurlaub von Papst Ratzinger in Brixen, plötzlich gestorben.

Priesterweihen von Südtirolern symptomatisch für die Lage der katholischen Kirche. Im bayerischen Zaitzkofen weihte Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft, den Brixner Elias Stolz (28) zum Priester. In Brixen weihte Bischof Karl Golser Konrad Gasser (39) aus Villanders und Michael Horrer (26) zu Priestern und die Brüder Thomas und Valentin Gögele aus Meran zu Diakonen bei den Legionären Christi sowie den Filmproduzenten Wolfgang Penn aus Kastelruth zum Ständigen Diakon. In Wien erteilte Christoph Kardinal Schönborn Bruder Florian Heel (33) aus Walten in Passeier von den Samaritern des Unbefleckten Herzens Mariens (abgekürzt Sam. FLUHM) die Priesterweihe. (Dolomiten 28.6.2010 dpa, ler, fm) Mehr über die Legionäre Christi, die von Marcial Maciel in Mexiko gegründet wurden, an anderer Stelle. Der vom verstorbenen Pater Theo Neuking OT geprägte Deutschordenspriester P. Alexander Pixner (34) feierte in Stuls in Passeier seine Heimatprimiz. (Dolomiten 28.6.2010 fm)

Der Pfarradministrator von Pens und Aberstückl, Alois Kranebitter (74), musste sein Amt niederlegen. Er soll vor mehr als 20 Jahren Kinder missbraucht haben. Der Sarner Dekan Paul Lantschner verteidigte ihn: „Man muss trotz der schweren Vorwürfe Barmherzigkeit üben und einen Menschen nicht als Verbrecher verdammen, sondern jedem Menschen muss auch eine Chance zur Besserung gegeben werden.“ (Dolomiten 29.6.2010 ) Das ist die neukatholische Lehre. Wir beharren auf dem Wort des Apostels Paulus: Stoßt den Bösen aus eurer Mitte! Beim Jüngsten Gericht werden wir sehen, wer richtig gehandelt hat. – Der Betreffende hat auch in den Volksschulen von Pfitsch und Völs Religion unterrichtet. (Dolomiten 29.6.2010 ler)

Abusi, il vescovo segnala 50 casi alla Procura. (Alto Adige, 20.4.2010, pag. 1 e 16) Da die Fälle alle „verjährt“ sind, brauchte Bischof Karl Golser dem Leitenden Staatsanwalt Guido Rispoli keine Namen zu übermitteln. Dieser war einverstanden.

“Im Namen der Schuldigen” bittet Bischof Karl Golser die Opfer pädophiler Priester um Verzeihung (Alto Adige, 19.3.2010), statt sich von letzteren zu distanzieren. Er liegt damit auf derselben Ebene wie der Papst und so viele andere Bischöfe. Auch das Katholische Sonntagsblatt vom 21.3.2010 veröffentlicht auf S. 5 Golsers Erklärung, in der es heißt: „Sexuelle Übergriffe und jegliche Gewaltanwendung sind großes Unrecht … Ich kann im Namen unserer Kirche hier nur mein aufrichtiges Bedauern aussprechen und besonders die Opfer im Namen der Täter um Verzeihung bitten … Ich hoffe sehr, dass wir als Kirche auf dem Weg der Wahrheit, der Gerechtigkeit und barmherzigen Hilfe sowohl den Opfern wie den Tätern gegenüber vorankommen, und dass das Klima des Vertrauens erhalten bleibt.“ Der Aufruf des Apostels Paulus zum Ausschluss der Bösewichte wird von allen ignoriert.

“Pedofilia nella Chiesa, eccessi mediatici”. Der Mitte-Links-Bürgermeister von Bozen, Luigi Spagnolli, verteidigt die Kirche gegen jene, die ihr die Welle von Kindesmissbrauch vorhalten.“Se io fossi Bin Laden, eviterei di spendere tanti soldi per comprare armi o esplosivi. Piuttosto, pagherei cittadini occidentali per indurli a rivelare mendacemente molestie sessuali subite in ambienti cattolici: un modo assai più efficace per colpire la credibilità della nostra Chiesa, anche per effetto del clamore che i i media riservano a queste vicende, sebbene non provate.“ (Corriere dell´Alto Adige, 17.3.2010, pag. BZ 5) Aufschlussreich, zumal der Artikel schließt: “Sempre in tema di morale, da notare l´apertura di Spagnolli alle unioni gay: ,Magari non li chiameremo matrimoni, ma è giusto riconoscere i diritti tra conviventi anche dello stesso sesso.´“ Ja, ein feiner Verbündeter für die Modernisten in der Kirche, die alle Hügel und Berge abtragen, um das S.l. Ardistan wiederherzustellen. Kein Wunder, dass Theologe Paolo Renner in derselben Ausgabe über einen „voyerismo“ klagt: „La privacy delle persone passa troppo spesso in secondo piano.“ Ja, Gott sei es gedankt, dass die Privacy der Sittlichkeitsverbrecher wenigstens für ein paar Wochen ins Hintertreffen gerät und die Leiden der Opfer die Titelseiten der Zeitungen erobern.

Le prime e-mail „anti-pedofilia“ sono arrivate sabato scorso, nella casella di posta elettronica appena aperta dalla Curia di Bolzano (molestie@bz.net). Un lungo messaggio scritto da un professionista ... (Corriere della Sera, 16.3.2010, pag. 28)

„Abusi sessuali durante le lezioni di latino“. “In un paese nei dintorni do Bolzano, per un periodo di circa sei mesi a cavallo tra il 1944 e il ´45. In quel periodo abitava lì perché la mia famiglia era stata sfollata a causa dei bombardamenti. Avevo 9 anni .. diversi anni più tardi la mia famiglia rientrò a Bolzano e mia madre decise di mandare il mio fratello minore a studiare in un convento bolzanino. Io cercai di impedirlo, raccontando le esperienze avute con quel sacerdote. Mia madre però non volle credermi e mandò mio fratello in un convento bolzanino: anche lui subì delle molestie sessuali ... Io invece frequentai un altro collegio, quello dei Francescani, dove mi trovai benissimo.” (Corriere dell´Alto Adige, 14.3.2010, Bolzano pag. 5)

Meneghelli: “Ho salvato molti ragazzi di Bolzano dalle mani dei pedofili”. Gualtiero Meneghelli, ex direttore della scuola professionale delle Acli e della Casa del giovane lavoratore: “Voglio esprimere la mia rabbia ... Io stesso ho lottato molto, negli anni settanta, per sottrarre ragazzi di 14-16 anni dalle sgrinfie di uomini di ceti sociali e politici di livello superiore: laici e preti, celibi o sposati con figli. Spesso stimati e insospettabili professionisti.” (Corriere dell´Alto Adige, 14.3.2010, pag. BZ 5)

Es gebe keinen größeren und wichtigeren Dienst als den der Versöhnung, sagte Bischof Karl Golser am Seminartag in Brixen vor Seminaristen und Schülern des Vinzentinums. (RAI Sender Bozen, 14.3.2010, Mittagsnachrichten) ETIKA-Kommentar: Liebe und Gerechtigkeit sind weitaus höhere Werte. Lieben kann man jemand wegen seiner Tugend, seiner inneren oder/und äußeren Schönheit. Man liebt doch nicht jemand wegen seiner Fehler, Schwächen und Laster. Und die Gerechtigkeit ist die Wiederherstellung der Ordnung Gottes. Versöhnung hat nur einen Sinn, wenn die Ordnung Gottes dabei wiederhergestellt wird. Warum soll sich das Rotkäppchen mit dem bösen Wolf versöhnen, der sich anschickt, auch das Mädchen zu fressen? Auf das aktuelle Thema Nr 1. angewandt (siehe Missbrauch von Kindern durch Priester, bedeutet dies: Keine Versöhnung mit Pädophilen – Gerechtigkeit!

In Südtirol wurde ein Bub in den 60er-Jahren in einem Kloster bei Bozen (es dürfte sich um Gries handeln) von fünf Patres sexuell missbraucht. Einige waren aus der Schweiz. Der Mann, der sich heute (als Folge jener Erfahrungen) als homosexuell bezeichnet, gab der Bozner „Tageszeitung“ ein Interview. (12.3.2010, S. 7) Dann auch groß im „Corriere dell´Alto Adige, 13.3.2010, S. 5)

„Se la Curia riceve notizie di reato deve inmediatamente comunicarle alla Procura.” (il capo della Procura di Bolzano, Guido Rispoli; Corriere dell´Alto Adige, 12.3.2010)

Katholisches Sonntagsblatt auf Irrwegen. Neues Layout ein Missgriff. Reinhold Messner: Wir waren länger Affen.
Das im Bozner Haus des Bischofs erscheinende Katholische Sonntagsblatt hat mit seinem neuen Layout einen gewaltigen Qualitätssprung nach unten gemacht. Vorher gefällig, frisch, lebhaft, munter, vorherrschende Farbe blau, schön gegliedert und mit Balken aufgelockert, richtiges Verhältnis zwischen Text und Bildern – jetzt fad, langatmig, absterbend, rostbraun (eine der Teufelsfarben laut dem Päpstlichen Geheimkämmerer Egon von Petersdorff, begraben in Riffian, Verfasser der zweibändigen „Dämonologie“, erschienen im Christiana-Verlag Stein am Rhein). Die Freude am Blatt ist geschwunden. Das einzig Positive ist die größere Schrift. Anstelle der zu vielen Artikel zur Begründung der Umstellung hätte man Texte der Kirchenväter veröffentlichen können. Die Leserbindung erleidet einen schweren Schlag, was sich in einem kräftigen Leserschwund bemerkbar machen wird. Zum neuen Gewand (man denke an gewisse Bibelstellen) passt, dass der ungläubige Südtirolstar und Schlossbesitzer Reinhold Messner zwei Seiten lang den immer älter werdenden katholischen Leserinnen und Lesern Ratschläge für die Fastenzeit gibt. Derselbe Prominente hat erst kurz zuvor in einem Interview mit dem hessischen Sender Hit Radio FFH in Bad Vilbel die christliche Schöpfungslehre über den Haufen geworfen mit dem Satz: „Wir waren länger Affen als Menschen auf dieser Welt.“ („Dolomiten“, 8.2.2010, S. 2) Und einen solchen Menschen wählt das Kath. Sonntagsblatt als Lehrmeister für ein teilweise noch tiefgläubiges Volk aus: „Hört auf das, was dieser Weise sagt!“ Wirklich ein „annus horribilis“ für die Kirche. ¡Mundo loco! Mondo pazzo!

Kreuzgang Franziskanerkloster Bozen: Franziskus wird im J. 1182 durch besondere Fügung Gottes in einem Stalle geboren. In einem Traumgesichte zeigt Gott dem h. Franziskus unter dem Bilde von Waffen seinen Beruf. Franziskus entsagt vor dem Bischof von Assis u. seinem Vater allem irdischen Besitze. Der h. Franziskus erhält von Christus die Regel. Er sendet mit seinem Segen Brüder aus. Franziskus zum Heile der Kirche berufen, wird vom Pabste u. den Brüdern in Wundergesichten erblickt. Pabst Honorius III. bestättigt im Jahre 1223 die Regel des h. Franziskus. Aus Demuth schlägt Franziskus die Priesterwürde aus. Er weiht sich Gott durch die drei Gelübde. Im Dorngebüsch sich wälzend, besiegt Franziskus die Wollust. Er predigt Vögeln u. Fischen. Der h. Franziskus predigt vor dem Sultan von Ägypten den h. Glauben. Christus ertheilt dem heil. Franziskus viele Gnaden für seinen Orden. Die seligste Himmelskönigin übergibt dem h. Franziskus die Kirche Porziunkula. Beim II. Generalkapitel zu Assis werden 5000 Brüder von den umliegenden Ortschaften verpflegt u. von dem Adel u. der hohen Geistlichkeit bedient. Der h. Franziskus u. Dominikus erlangen durch Mariens Fürbitte Gnade für die sündige Welt. (Bildunterschriften im sehenswerten Kreuzgang des segensreichen Klosters)

Ja zu Homosexualität. Der von Ratzinger neu ernannte Bischof der Diözese Bozen-Brixen, Karl Golser, Präsident der Moraltheologen Italiens, setzte sich für den juridischen Schutz homosexueller Lebensgemeinschaften ein. Damit stieß er auf Zustimmung bei etlichen italienischen Lokalpolitikern (Tommasini, Minniti) und bei zwei Präsidenten von Homosexuellenorganisationen. Einer der letzteren war regelrecht begeistert über die „überraschenden Worte“, obwohl er dasselbe schon vor Jahren aus dem Munde Golsers gehört hatte. Noch bevor am 5. Fastensonntag Golsers erster Hirtenbrief verlesen wurde, hatte er sich in einem Interview mit der Zeitschrift „Jesus“ (ausgerechnet!) für den rechtlichen Schutz homosexueller Lebensgemeinschaften ausgesprochen. Wir zitieren aus der Provinzausgabe des „Corriere della Sera“:

Golser aveva detto chec´è differenza tra l´unione maschio-femmina, da cui nascono dei figli, e il rapporto tra persone di uno stesso sesso, le quali avranno sicuramente bisogno di una qualche tutela giuridica, che però non può essere definita matrimonio. Penso a un tipo di tutela individuale riguardo l´ereditá, la visita ai malati, la casa”.

Unitalia-Chef Donato Seppi wagte die Frage: “Como concilia la Chiesa le parole sui diritti delle coppie dello stesso sesso quando non ammette il diritto e la possibilità di risposarsi tra eterosessuali se il primo matrimonio è finito male? Per me c´è qualciosa che non quadra.” (Corriere dell´Alto Adige, 28.3.2009, p. 6)

Dies bestätigt der “Alto Adige” (28.3.2009):

Il vescovo Karl Golser si dichiara favorevole alla tutela giuridica delle coppie gay e si scatena una pioggia di reazioni positive, da sinistra a destra. (Die Homosexuelleninitiative) Cent.: “Parole di portata storica”.

Karl Golser zum Bischof ernannt. Papst bestimmte Brixner Moraltheologen zum Nachfolger von Wilhelm Egger. Weihe im März. (Dolomiten, 6.12.2008)

Mysteriöses Schreiben aus dem Vatikan „im Namen des Papstes“ an Pahl, der wegen des Frosches in den Schuldienst zurückkehren will.

Es ist ungewöhnlich und selten, daß ein Papst Privatleuten persönliche Briefe schreibt. Der Regionalratspräsident und Landtagsabgeordnete Franz Pahl ist einer jener Glücklichen. Im Namen des Papstes schickte ihm der zweitmächtigste Mann des Vatikans, Staatssekretär Tarcisio Bertone (der nämliche vom 3. Geheimnis von Fatima), die Antwort auf einen Brief, den Pahl an Ratzinger geschrieben hatte. Die Antwort soll während des Urlaubs von Benedikt XVI. in Brixen verfaßt worden sein.

Franz Pahl hatte einen Hungerstreik gegen den berüchtigten gekreuzigten Frosch Martin Kippenbergs im Bozner Museum für moderne Kunst durchgeführt. Es hatte viele Proteste aus der christlichen Bevölkerung gegeben, wie zuvor in deutschen Städten.

Exkurs: Einen ersten Hungerstreik hatte Pahl 1979 gegen das Bozner Siegesdenkmal unternommen. Der Verfasser dieses Artikels bedauert es heute, daß er damals bei seiner Berichterstattung in den „Dolomiten“ (5.3.1979, S. 5) Pahl heroisiert und sogar einen Vergleich mit Mahatma Gandhi gezogen hatte. Oskar Peterlini hatte seinen Freund hingegen nüchtern aufgefordert: „Laß den Kas.“

Pahl erhielt den Brief am 7. August. Der „Alto Adige“ nahm dies zum Anlaß für die Schlagzeile auf Seite 1: „Anche il Papa attacca la rana(28.8.2008, auch der Papst attackiert den Frosch). Im Brief von Bertone-Ratzinger heißt es, daß der gekreuzigte Frosch die religiösen Gefühle von vielen Leuten verletze, für welche das Kreuz das Symbol der Liebe Gottes und unseres Heils sei, das unsere Achtung und die Verehrung der Gläubigen verdiene.

Aber nun wird es erst spannend. Pahl weigerte sich, Journalisten des Senders Bozen Einblick in das Schreiben nehmen zu lassen, und teilte mit, daß er es auch nicht zu den Akten des Regionalrats geben lasse, obwohl es an ihn in seiner Eigenschaft als Regionalratspräsident gerichtet war. (28.8.2008, Mittagsmagazin, und spätere Sendungen). Das in deutsch abgefaßte Schreiben enthalte private Passagen. Beobachter hatten vermutet, daß Pahl den Hungerstreik im Zusammenhang mit dem Wahlkampf unternommen habe (doch die Umfragewerte waren trotz seines Kampfes gegen den Frosch schlecht, und am 28.8. kündigte Pahl an, seine Kandidatur zurückzuziehen).

Dies ist unseres Erachtens nicht der einzige Grund. Die neue Auslegung der christlichen Botschaft durch Papst Ratzinger (siehe unsere beiden neuen Bücher „Christen, seid alle eins! 3. Reformation von A bis Z“ und „Himmels-Abc“) könnte es Pahl angetan haben. Konkret gesagt: der neue Kurs, den Ratzinger mit der Abkehr vom gerechten und strafenden Gott fortsetzt. So etwas haben die Leute gern. Kist und Ehmig und P. Martin von Cochem sind ihnen lästig.

Zwischentitel: Vatikan wird nervös.

In den Nachrichten hörte man dann, der Vatikan relativiere den Brief. Einer vertieften Studie wert wäre das Verhalten des Vatikan-Sprechers Federico Lombardi. Er gab zu, daß das Antwortschreiben an Pahl zwar authentisch sei (im Gegensatz dazu titelte die „Zett“: „Papstbrief nicht echt. Nicht vom Papst selbst verfaßt war der Brief …“, 31.8.2008), aber man solle ihm nicht zuviel Wichtigkeit beimessen. Er fügte hinzu: „Sehen Sie die Sache als Angelegenheit von lokalem Charakter.“ Die Antwort käme nicht aus der unmittelbaren Umgebung des Papstes, sondern von einem Mitarbeiter des Kardinalstaatssekretariats. Weitere Stellungnahmen wollte der arme Lombardi nicht abgeben: „Mir gehen schon zu viele auf die Nerven“ (wenn wir es richtig aufgeschrieben haben, was nicht sicher ist).

Ein großes Lob den Redakteuren des Senders Bozen, vermutlich Benedikt Sauer und Peter Malfertheiner, die nicht locker ließen und die Finger auf die wunden Punkte legten.

Ziehen wir Bilanz: 1. Nicht bestritten wurde, daß der Brief oder zumindest die Aussage gegen den Frosch „im Namen des Papstes“ erfolgt ist. Also ist sicher, daß jener unbekannte Mitarbeiter des Kardinalstaatssekretariats einen guten Draht zum Papst hat, und Pahl wiederum scheint gute Beziehungen zu jenem Mitarbeiter zu haben, wenn ihm dieser private Dinge schreibt, die er nicht veröffentlichen will. 2. Die verzweifelten Beschwichtigungsversuche des Vatikansprechers machen einen besonders neugierig.

Freilich war das Verhältnis Pahls zur katholischen Kirche nicht immer ungetrübt. Vor etlichen Jahrzehnten hatte es Spannungen mit der Diözesanleitung gegeben, nachdem der Katholische Familienverband überraschend den Landesjugendsekretär der JG Franz Pahl als neuen Geschäftsführer angestellt hatte. Der Diözesanobmann der Katholischen Männerbewegung, Toni Nock, war aus Protest gegen die Nominierung Pahls und bestimmte Äußerungen desselben zur Sexualität zurückgetreten. Auch beim Südtiroler Heimatbund hatte sich Pahl unbeliebt gemacht. Pahl fuhr später viel in der Welt herum, um Hilfsprojekte aus Steuergeldern zu kontrollieren und Kontakte zu pflegen, was jetzt LH Durnwalder selber in die Hand genommen hat.

Völlig unwichtige Randbemerkung: Wir selbst haben auch einen Brief von Josef Ratzinger bekommen, noch dazu mit seiner Unterschrift, aber das war, als er noch Kardinal und Vorsitzender der Glaubenskongregation war. Nach Erhalt unseres Handbuchs des einfachen Lebens hatte er uns eine schöne Karte mit dem Letzten Abendmahl von Leonardo in S. Maria delle Grazie in Mailand geschickt mit dem handschriftlichen Vermerk: „Österliche Segensgrüße Ihr Joseph Card. Ratzinger“. Poststempel vom 29. Apr. 1985, Città del Vaticano. Anmerkung: Wie idiotisch, wenn in Deutschland nichtssagend auf den Stempeln steht: „Briefzentrum 86“. Solche Postminister müßte man … Aber jedes Volk hat die Regierung, die es verdient, das deutsche wie das italienische. Nur die Tibeter und Indios und Ibos können nichts dafür. A propos Ibos: Keiner unserer Freunde glaubt uns, daß Mussolini-Befreier Skorzeny für den Mossad arbeitete, wobei wir uns nicht auf die Tatsache beziehen, daß sowohl Israel als auch Skorzeny im Biafra-Krieg Waffen an die Ibos lieferten (der Verfasser selbst, Obergefreiter, zwei Jahre beim Panzergrenadierbataillon 281 in Neuburg/Donau, davon ein Jahr in einer Kampfkompanie, hat sich damals aus Begeisterung für jenen Freiheitskampf Oberstleutnant Ojukwu in Port Harcourt als Freiwilliger angeboten, doch ging der Krieg gerade zu Ende und der Brief kam zurück), sondern auf die Aussage eines Ex-Mossad-Chefs. Genug der Exkurse.

Der Stiftungsrat entschied mehrheitlich - obwohl die Landesvertreter die Mehrheit gegenüber den Mitgliedern des Museionsvereins hatten -, daß der Frosch bis zum Ende der Ausstellung am 21. September hängen bleibt. Die „Zett“ meldete in ihrer Wochenrückschau (vormals „Volksbote“, Tiroler Wochenzeitung seit 1882): „Frosch bleibt, Pahl geht“. (31.8.2008) Pahl war enttäuscht, fühlte sich von der SVP betrogen und attackierte besonders den Landeshauptmann. Obwohl Parteiobmann Elmar Pichler-Rolle ihn aus Angst vor dem Verlust von Stimmen im Pustertal drängte, im Herbst noch einmal zu kandidieren, lehnte Pahl ab. Er will nach 25 Jahren als Politiker wieder in seinen ursprünglichen Beruf als Oberschullehrer zurückkehren (RAI Sender Bozen, 1.9.2008).

Pahl hatte manche Tiefs durchlebt, als die Justiz gegen ihn ermittelte. 1999 wurde er vom Staatsanwalt und Untersuchungsrichter von allen Vorwürfen reingewaschen, da „die Ermittlungen keine Beweise ergeben“ haben. („Dolomiten“, 28.4.1999, S. 15) Es ist sicherlich verboten, zu derartigen Gerichtsentscheidungen einen Kommentar abzugeben.

Bei aller Liebe zur Barmherzigkeit und allem Respekt vor den Gesetzen einschließlich der Amnestiegesetze hält es der Verfasser des Werkes „Kinder retten die Welt – Aktionsbuch zum Schutz der Schwächsten“ privat nicht für gut, wenn Pahl in den Schuldienst zurückkehrt (seine ganz persönliche Meinung). Aber mit Rücksicht auf alle Betroffenen (Selbstmordgefahr liegt in der Luft; erst kürzlich stieß der Autor in einer italienischen Zeitung auf eine Gedenkanzeige für einen Jugendlichen, der wegen vorzeitigem Sex Selbstmord begangen hat – niemand weiß, daß wir es wissen, aber Gott hat es uns offenbart; wie Poirot und Miss Marple stolpern wir ständig über solche tragischen Ereignisse, Mord inbegriffen; was Selbstmord betrifft, so empfehlen wir erneut unseren Roman „Jedem nach seinen Taten“, denn wer ihn gelesen hat, wird voll Horror jeden Gedanken an Selbstmord fliehen wie die Pest; wir können nicht mehr tun als die Wahrheit anbieten) will der Verfasser nicht die alten Zeitungsartikel ausgraben und die Zeugen von damals wieder mit dem Geschehen konfrontieren; er appelliert jedoch an das in den letzten Wochen so oft beschworene Gewissen Pahls, von selbst hierauf zu verzichten. Es ist eine moralische Frage. Und in diesem gläsernen Zeitalter braucht sich niemand einbilden, irgend etwas könne geheim gehalten werden.

Pahl hatte in Sachen Frosch unter anderem gesagt: „Ich verkaufe mein Gewissen nicht um das Linsengericht eines Mandats für die Volkspartei.“ Er brauche keine schönen „Dolomiten“-Artikel. „Ich brauche mein Gewissen, sonst nichts.“ In den Rundfunknachrichten hieß es später (irgendwann Ende August), Pahl opfere sein Mandat, um sein Gewissen zu wahren. Merkwürdig, daß auch Museion-Stiftungs-Chef Lageder bekanntgab, der Stiftungsrat habe nach seinem Gewissen entschieden. Gibt es denn verschiedene Gewissen? Nein. Das Gewissen ist von Gott und sagt jedem dasselbe: Tue das Gute, lasse das Böse! Welcher Mißbrauch des Wortes Gewissen!

Unserer festen Überzeugung nach ist Pahl auch nicht der geeignete Mann, um die Interessen der „gläubigen Gemeinschaft“ zu vertreten. Selbst wenn Papst Ratzinger ein neues Christentum verkündet, so bleibt doch die heilige, allgemeine, apostolische Kirche immer dieselbe – und das Evangelium auch trotz aller Verfälschungen. Und Gott bleibt derselbe und Jesus Christus und ihre moralischen Gebote auch. Das Gute wird belohnt, das Böse bestraft, es gibt keine Allerlösung, und wer im Stand einer Todsünde stirbt, kommt in die Hölle. Der Papst kann mit Enzykliken und Büchern soviel ablenken vom gerechten Gott wie er will – die von den Aposteln verkündete Wahrheit wird ihn ereilen.

Zu den mysteriösen Fällen „Das Phantom vom Nanga Parbat(unvollendeter Roman), Waldner (seit der Erklärung Peter Paul Rainers vom 23.4.2008 in Triest: „Ich bin unschuldig, ich habe nichts mit dem Mord an Christian Waldner zu tun und weiß nichts darüber“ glauben wir ihm nicht mehr) und „Der Tod des lächelnden Bischofs“ (eine Woche nach dem Papstbesuch in Brixen) gesellt sich nun der rätselhafte Brief des Vatikans (während des Papstbesuchs in Brixen geschrieben) an Pahl. Alles harrt der Aufklärung. Aber der absolute Knüller ist ein weiterer Fall. Wir arbeiten daran, indem wir die Hände in den Schoß legen. Denn die Engel helfen mit und alles, was im Finstern ist, wird an den Tag kommen. (1.9.2008)

Orden empfiehlt pädophilen Busfahrer. Südtirols Kirche am Scheideweg. Sind der Fälle noch nicht genug? „Pädophile Busfahrer. Wie weit darf Nächstenliebe gehen?“ (Zett, 31.8.2008) Ordensbrüder hatten sich dafür eingesetzt, daß der pädophile Cristiano Mahn (38) aus Berlin eine Stelle als Busfahrer bekommt. Er belästigte wieder ein Kind. Dazu der „Alto Adige“: „Adescava i bimbi sul pullman. Autista ritorna in carcere, accusato di abusi su un dodicenne. L´uomo era uscito di cella soltanto due anni fa e ,rieducato’. Il titolare dell’ azienda: ‘Mi è stato raccomandato da un ente religioso’.” (30.8.2008, S. 1 und 11) Welche Ordensbrüder waren das? Da man es in den Medien leider nicht erfährt, werden nun alle Ordensbrüder verdächtigt – zu Unrecht! War es gar ein Gleichgesinnter? Dann sollte der Orden den Namen bekanntgeben. Es wäre schlimm, wenn ein von uns seit langem gehegter Verdacht seine Bestätigung finden sollte.

Der Tod des lächelnden Bischofs

 

Papst Benedikt XVI. genoß bei seinem Urlaub in Brixen im August 2008 die Ruhe im Priesterseminar. Zu den wenigen Besuchern zählten gegen Ende des Urlaubs der frühere Staatspräsident, Ministerpräsident, Innenminister und jetzige Senator auf Lebenszeit Francesco Cossiga, ein Freund Südtirols, mit dem er ein anderthalbstündiges Gespräch führte, und zwar am Donnerstag, 7. August, und zwei Tage später der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder. Die Stadt Brixen verlieh Benedikt die Ehrenbürgerwürde. Persönliche Erinnerungen frischten Josef Ratzinger und sein Bruder Georg, lange Jahre Leiter der Regensburger Domspatzen, dann am Montag mit dem früheren Regionalpolitiker und jetzigen Wirtschaftsmediator Alexander von Egen auf, seit Februar 2007 stolzer Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich. „Man wird noch von mir hören“, hatte der Kalterer Adelige in einem Tief prophezeit. Er hat recht behalten.

Früherer Artikel zum Papstbesuch: Sommerurlaub Ratzingers im Priesterseminar von Brixen

Frühere Prophezeiungen über einen Papstbesuch im Brixner Priesterseminar im Zusammenhang mit apokalyptischen Ereignissen irgendwo in etika.com (wir haben keine Zeit, die Dateien selbst zu suchen).

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