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6.3.2001

18LC49

Der Gemeinschaftsbruder

Aus: Pfarrer Gustav Hofelich: Wer nur den lieben Gott läßt walten, St. Gallen o. J., S. 126

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.
So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun,
zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir
.
Off. Joh. 3,20

Ein Gemeinschaftsbruder erzählte folgenden Traum:

Am jüngsten Tage kam eine Seele mit ruhiger Zuversicht auf Gott zu, befriedigt über ihr Leben, in der Hoffnung, nun von dem Herrn gelobt zu werden. Enttäuscht war sie über die Frage des Herrn:

"Wer bist du?" und antwortete:

"Ach, Herr, Du kennst mich nicht?" -

"Nein", - war die Antwort - "ich kenne Dich nicht".

Und zagend und bebend erwidert die Seele:

"Weißt Du nicht, daß ich Sonntag um Sonntag abend, wenn ich nur irgend konnte, in die Gemeinschaftsstunde ging? Weißt Du nicht, daß ich kaum einen Montag in dem Lydiaverein fehlte, um den jungen Mädchen zu dienen? Am Dienstag ging ich in den Flickverein; der Mittwochabend gehörte der Mission; am Donnerstag hatten wir erbauliche Betrachtungen; am Freitag kam ich mit Freunden der christlichen Liebestätigkeit zusammen, und selten, ganz selten versäumte ich am Samstagabend den christlichen Bildungsverein. Und Du kennst mich nicht?" -

"Seele," sagte der Herr, "so oft ich dich besuchen wollte, warst du nicht zu Hause." -

Kennen wir die stillen Stunden, da wir das Klopfen des Meisters an unser Herz vernehmen und ihn um sein Kommen bitten?

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