ETIKA

Gedichte

www.etika.com

18LP15

Religionsfreiheit

23.7.2013

 

„Frei sei jede Religion!“
Papst und UNO unison´
blasen in das gleiche Horn,
als wär Christus nicht gebor´n. 1

„Jede Religion ist gleich“,
sagt sogar schon mancher Scheich,
lobt den Papst als Friedensbot:
„Wir haben doch denselben Gott.“ 2

Sei´n wir alle tolerant!
Wer nicht mittut, wird verbannt
als frecher Fundamentalist;
ein Störenfried, Rebell er ist.
Jedem Götzen ein Altar!“,
brüllt die Multikulti-Schar.

Nemesis 3 erkennt die Stund´,
schmiedet alsbald einen Bund
mit dem Goldnen Kalb 4 und Baal 5,
bewährten Feinden der Moral;
Habgier, Unzucht, Grausamkeit
prägten ihrer Herrschaft Zeit.

„Zu lange sind wir eingesperrt
in dem heißen Kern der Erd´. 6
Verdammte sind zwar viele hier,
die uns verehrt, die quälen wir.
Doch könnten es Millionen sein.
Unsre Freud wär´ ihre Pein.“

Die Drei beraten hin und her
und bitten schließlich Luzifer,
der in der Höll´ der Größte ist.
Send uns mit dem Antichrist
wieder in die Oberwelt,
die Gier zu schür´n nach Lust und Geld.
Dort gilt jetzt Religionsfreiheit.
Auch wir verlangen unsre Beut´.“

Luzifer erfüllt die Bitt´.
Nehmt Moloch 7 und noch Andre mit!“ ‒
Sie steigen aus der Höll´ empor
durchs Tal Hinnom 8 bis nach Hazor 9,
der größten Stadt von Kanaan 10.
Dort, ebenso wie in Tel Dan 11,
stehn noch alte Massebot 12
in den heiligen Bamot 13.

Die Stele Massebah ist krumm.
Um sie lagern rundherum
die Götter aus antiker Zeit,
besprechen ihre Chancen heut´.
Wenn die UNO lässt schon zu
Kali, Durga und Voodoo,
schützt ein jedes Ritual,
das Schächten, armer Tiere Qual,
stößt selber um Naturgesetz´ ‒
hat gleiches Recht ein jeder Götz´“,
erläutert siegessicher Baal.
Nicht mehr Plutos Schweinestall 14
das Ziel für mich ist sonnenklar:
Schmücken soll jeden Altar
die Massebah anstatt das Kreuz.“
Beifall, Jubel allerseits.

„Als Sexsymbol die Nummer eins;
ein stärkres Zeichen gibt es keins,
welches unsre Macht vermehrt
über Jenen, der´s verehrt.
Ich versprech ihm ew´ge Lust,
freie Liebe ohne Frust,
und ihr werdet bald erfahr´n,
wie ständig wächst die Zahl der Narr´n.“

Nach Baal nimmt Moloch nun das Wort
und spinnt dessen Gedanken fort.
Mein´ Bosheit ist ohn´ Grenzen, Leut´.
Hab´ Spaß nur an der Grausamkeit.
Ich fordre täglich frisches Blut
von Tieren, Kindern. Meine Wut,
mein Appetit sind nicht zu still´n;
will mir meinen Wunsch erfüll´n:
Assisi, Fatima und Rom
ersetzen bald mir Ben-Hinnom.“

Ein jeder Gott schildert sodann
den von ihm erstellten Plan.
Ziel: die Menschenbrut zerstör´n
und unterwerfen ihrem Herrn.
Dumme finden sich gar schnell,
die anbeten jene Stel´
oder auch das Goldne Kalb,
trauen einem jeden Alp,
bringen Moloch Opfer dar,
verschmähen das, was gut und wahr.
So holt die Religionsfreiheit
die Götzen der vergangnen Zeit
in die Oberwelt zurück,
die sie erobern Stück für Stück.

Rainer Lechner, etika.com

Anmerkungen

1 Mose 20,2 Ich bin der Herr, dein Gott ... 3 du sollst keine anderen Götter haben neben mir. 5 Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen. 7 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. 2. Korinther 6,14 Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. 15 Wie stimmt Christus überein mit Beliar? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? 16 Was hat der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? 1. Kor 8, 4-6 und 10, 20-22. Vergleiche damit die modernen multireligiösen Initiativen in Assisi und Fatima.

2 Bergoglio: „Saluto poi e ringrazio cordialmente tutti voi, cari amici appartenenti ad altre tradizioni religiose, inanzitutto i musulmani, che adorano Dio unico, vivente e misericordioso, e lo invocano nella preghiera ...” (Avvenire, 21.3.2013, S. 3, Titel: Verso l´unità in preghiera e carità). Auf deutsch: “Ich grüße … vor allem die Moslems, die den einzigen, lebendigen und barmherzigen Gott anbeten …“ Ein dem entsprechendes Dokument hat zuvor schon das II. Vatikanische Konzil verabschiedet.

3 Nemesis: Rachegöttin.

4 Aaron ließ ein goldenes Kalb gießen, und die Juden brachten ihm Brandopfer. Mose ließ es im Feuer zerschmelzen. Später stellte Israels König Jerobeam in Bethel und Dan goldene Kälber auf und opferte ihnen. 2. Mose 32. 1. Könige 12,26-32. 2. Könige 17,16.

5 Baal: 1. Könige 18 und 19. Jeremia 2,8. Hosea 2,15-19.

6 Nach der Überzeugung der meisten Kirchenlehrer befindet sich die Hölle wahrscheinlich im Innern der Erde. Dies meinen zum Beispiel der hl. Augustinus (Retract. I 2 c. 24; L. IV in Num. q. 39) und Thomas von Aquin (opusc. X, art. 31) wie auch der hl. Alfons M. von Liguori. (S. Alfonso M. de Ligorio: La verdad de la fé, Madrid 1847, S. 340-342). Unter Berufung auf etliche Bibelstellen weist der Kapuzinerpater Martin von Cochem nach, dass sich die Hölle (Thophet) in der Mitte der Erde befinden muss (Von den vier letzten Dingen, Landshut, 1859, S. 93). Wer den modernen Theologen glaubt, dass es keine Hölle gibt oder dass Jesus dieses Wort nur symbolisch verwendet hat, oder wer mit Papst Johannes Paul II. hofft, dass die Hölle leer sei, wird sich im Jenseits wundern.

7 Moloch: 3. Mose 18,21. 2. Könige 23,10. Jeremia 32,35.

8 Das Tal Hinnom, auch Ben-Hinnom, gilt bei den Juden als Inbegriff der Hölle, bei den Moslems der Dschehenna. Es ist die Schlucht der Umbringung, das Würgetal. Siehe Rainer Lechner: Jedem nach seinen Taten, Roman, 2013, S. 33. Im Tal Hinnom opferten Juden dem Götzen Moloch Kinder bis zur Reform des Königs Josia (639-609 v. Chr.). Quellen: Die Bibel. Mit Wortkonkordanz. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 1987, Anhang S. 20; S. Alfonso M. de Ligorio, aaO 342.

9 Hazor im Huletal in Galiläa, heute Tell el Qedah. Ausführliche Beschreibung der Örtlichkeiten von Pietro A. Kaswalder: Galilea, Terra della luce. Descrizione geografica, storica e archeologica di Galilea e Golan. Edizioni Terra Santa, Milano, novembre 2012, Studium Biblicum Franciscanum, Collectio Minor, 45. Seiten 222-237.

10 Kanaan: Das Land der Kanaaniter gab Gott den Israeliten.

11 Tel Dan, südlich des Berges Hermon. Umfangreiche Ausgrabungen wie in Hazor. Bei Kaswalder S. 240-250.

12 Massebot, Mehrzahl von Massebah. Steinerne Stelen, die als Götter angebetet beziehungsweise als deren Symbole verehrt wurden. Die Abbildungen in Kaswalders Buch auf den Seiten 224 und 242 zeigen solche Stelen in Form eines oben gekrümmten P. Der Baal in unserem Gedicht hielt sie für „das Mächtigste auf Erden“.

13 Bamot, Einzahl Bamah: heilige (hohe) Orte der Heiden für rituelle Handlungen, mit Vertiefungen für blutige Opfer (wie auch bei St. Peter in Altenburg oder in Inka-Anlagen zu sehen). Häufig mit Massebot ausgestattet.

14 Bezeichnung für Hölle, siehe Francisco de Quevedo: Los Sueños.

 

Nachdruck dieses Gedichts bis September 2013 jedermann bei Quellenangabe etika.com gestattet

Index 18 - Index 1