ETIKA

Alphons Rodriguez S. J.

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18B13A

Übung der christlichen Vollkommenheit und Tugend

24.5.2014
Alfonso Rodriguez, Sevilla 1609. Ein ewiges Vergelt´s Gott an Armin B., der uns dieses Buch geschenkt hat.

Mahnung an Papst Franziskus S. J. anlässlich seiner Israel-Reise

Uebung der christlichen Vollkommenheit und Tugend
von Alphons Rodriguez, Priester d. G. J.
Aus dem spanischen Originale übersetzt von Dr. Magnus Jocham.
Erster Theil. Mit hoher oberhirtlicher Genehmigung.
Regensburg. Papier, Druck und Verlag von Friedrich Pustet. 1862. S. 3-6
seIII. Theil

Erste Abhandlung: Vom Zwecke und von der Einrichtung der Gesellschaft Jesu, und von einigen allgemeinen nützlichen Mitteln zur Erlangung dieses Zieles.

1 . Hauptstück. Vom Zweck und der Einrichtung der Gesellschaft Jesu.

„Habe acht auf dich selber und auf die Lehre; beharre dabei. Wenn du das thust, wirst du sowohl dich selber retten, als auch die, welche dich hören.“ 1. Tim. 4,16.

In diesen zwei, vom Apostel Paulus hier ausgesprochenen Punkten besteht der Endzweck und die Einrichtung der Gesellschaft Jesu, wie unsere Constitutionen und die apostolischen Bullen es darlegen. (Claud. Aquaviva, instruct. pro confess.)

„Der Zweck dieser Gesellschaft ist, nicht allein um die Rettung und Vervollkommnung der eigenen Seelen mit Gottes Gnade bekümmert zu sein, sondern mit derselben auch angelegentlich an der Rettung und Vervollkommnung des Nächsten zu arbeiten.“

Die Gesellschaft will Männer, die mit Eifer, mit Anstrengung und Muth den Zweck ihres Berufes verfolgen. Wir müßen, was wohl zu bemerken, nicht bloß so überhaupt um die Rettung unserer Seele uns kümmern, sondern diese Rettung in der Vollkommenheit anstreben; und ebenso verlangt unser Institut, daß wir uns nicht damit begnügen, unsern Mitmenschen nur so überhaupt zum Heile verhilflich zu sein, sondern dahin zu arbeiten, daß sie tagtäglich in der Tugend und Vollkommenheit vorwärts kommen. Darum sollen wir nicht so fast (fest?) darauf sehen, daß wir viele Beichtkinder haben, als vielmehr darauf, daß diejenigen, welche wir haben, unter unserer Leitung große Fortschritte machen. (c. l. exam. § 1. et reg. 2. summar. constit.) Mit derselben Sorgfalt und Emsigkeit, womit wir an unserer eigenen Förderung und Vervollkommnung arbeiten, sollen wir auch die Förderung und Vervollkommnung unserer Mitmenschen uns angelegen sein lassen. (Anmerkung ETIKA: Welcher Gegensatz zu dem berüchtigten Ausspruch von Papst Bergoglio: „Wer bin ich, dass ich jene verurteile?“)

Dazu ward die Gesellschaft Jesu gestiftet in jenen so bedrängten Zeiten. Unser heil. Vater Ignatius sah, wie die Kirche wohl versehen war mit Orden, die es auf die eigene geistige Förderung, auf die Haltung des Chores und auf die Verherrlichung des Gottesdienstes abgesehen hatten. Er sah aber auch, wie die Kirche durch Ketzereien, Sünden und Leiden in Noth und Bedrängniß gekommen war. Nun gründete er auf Eingebung und unter Leitung des heiligen Geistes diesen Orden, diese Heerschar und Heerabtheilung von Kriegern, damit sie nach seinem Ausdrucke (vitae lib. 3. c. 16.) „als leichte Reiter“ immer schlagfertig wären bei Angriffen der Feinde und so unsere Brüder vertheidigen und schützen könnten. Darum wollte er, wir sollten frei und unbehindert sein vom Chore und andern klösterlichen Uebungen und Gebräuchen, die uns in dieser Stellung hinderlich wären. „Die Erndte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige.“ Matth. 9, 37. Wie sollten wir es über unser Herz bringen, unsere Mitmenschen zu Grunde gehen und in die Hölle stürzen zu sehen, wo wir ihnen zu Hilfe kommen könnten! (Anmerkung: siehe oben) Der hl. Chrysostomus sagt (homil. 6. ad pop. Antioch.): Siehst du einen Blinden auf dem Punkte, wo er in eine Grube stürzen müßte, so reichst du ihm die Hand. Nun sehen wir alle Tage unsere Brüder an dem Abgrunde, von dem sie in die Tiefe der Hölle stürzen. Wie könnten wir es da über uns bringen, ihnen nicht die Hand zu reichen?

Selbst jene Väter der Wüste, die Gott in die Einsamkeit berufen hatte, verließen nach dem Berichte der Kirchengeschichte (Eusebius, part. 2. lib. 6. c. 3.), wo sie die Kirche von Tyrannen und Ketzern verfolgt und die Gläubigen ohne Belehrung und geistliche Hilfe sahen, die Ruhe der Wüste und wanderten von Stadt zu Stadt, um die Irrlehrer zu widerlegen, und die Katholiken zu belehren und zum Martertode zu ermuthigen. So that der große hl. Antonius zur Zeit Constantins. So ein anderer heiliger Mann, Namens Akapsimas, der vorher 60 Jahre lang eingeschlossen gelebt und mit keinem lebendigen Menschen ein Wort geredet hatte. Dasselbe lesen wir auch von vielen Andern.

Einer von ihnen, Namens Aphraates verantwortete sich hierüber vor Kaiser Valens in bewunderungswürdiger Weise. Der Kaiser hatte befohlen, die Katholiken nicht allein aus den Kirchen und Städten, sondern auch aus den Gebirgen zu vertreiben, weil sie auch in den Gebirgen ihre Prozessionen hielten, ihre Hymnen sangen und Gott lobpriesen. Diesem heiligen Manne nun galt die Rettung der Gläubigen mehr als seine Ruhe (Anmerkung ETIKA: Wenn man das doch auch sagen könnte von Papst Franziskus, welcher die Christenverfolgungen in Nigeria, Irak, Pakistan usw. unserer Ansicht nach recht tolerant hinnimmt und die Brüderlichkeit mit den anderen Religionen beschwört.); er verließ die Höhle, in der er wohnte und übernahm das Geschäft, die Heerde des Herrn zu leiten und zu überwachen. Während seines Aufenthalts in der Stadt kam er einst durch den Palast des Kaisers. Sogleich meldete Einer dem Kaiser: Dieß ist Aphraates, der bei allen Gläubigen so viel gilt. Der Kaiser ließ ihn sogleich vor sich rufen und sprach zu ihm: Woher kommst du? Ich habe eben für das Reich gebetet – antwortete Aphraates. Darauf entgegnete der Kaiser: Es wäre besser, du betetest in deiner Zelle, wie es Sitte der Mönche ist. Darauf sprach der Mann Gottes voll himmlischer Weisheit: Das ist ganz richtig, so müßte ich thun, wenn du es geschehen ließest. So hab ich auch die ganze Zeit gethan, so lange die Schäflein Christi in Frieden ihre Weide genießen konnten. Jetzt aber, da sie in so großer Gefahr sind, von den Wölfen geraubt und aufgezehrt zu werden, muß man nothwendig von allen Seiten herbei eilen, um sie vom Verderben zu retten. Sage mir, erhabenster Fürst, wenn ich ein zartes Fräulein wäre und und auf der Hausflur sitzend arbeitete und das Haus meines Vaters brennen sähe, was müßte ich wohl thun? Dürfte ich wohl unter dem Vorwande, ich sei zu schwächlich, sitzen bleiben, ohne mich um das Verderben meines elterlichen Hauses zu kümmern, oder müßte ich nicht vielmehr hinlaufen und Wasser holen, um die Flamme zu löschen? Du wirst, glaube ich, gewiß sagen, das Letztere sei das Vernünftige. Gerade so steht es jetzt, o Kaiser! Du hast das Feuer hineingeschleudert in das Haus unsers himmlischen Vaters, und darum laufen wir, die wir bisher in Ruhe lebten, so ängstlich eilend herbei, um in der Gefahr zu Hilfe zu kommen.

Der heil. Chrysostomus führt in einer Homilie über die uns nothwendige Sorgfalt für das Heil des Nächsten ein vortreffliches, hieher passendes Gleichniß an. Sehen Schiffer, die dieß große und weite Meer befahren, selbst wo sie bei günstigem Winde, bei Meeresstille und gefahrlos dahinsegeln, Andere Schiffbruch leiden, so haben sie, wenn auch ganz ferne von ihnen, ohne alle Rücksicht auf eigenen Nutzen und Vortheil, Mitleid mit ihnen, eilen herbei, halten an, werfen Anker, streichen die Segel, werfen Schiffstaue und Bretter aus, damit die dem Ertrinken Nahestehenden sie ergreifen und sich retten.

So müßten auch wir es machen. Wir Alle segeln durch das große, weite Meer des gegenwärtigen Lebens. Da gibt es eine Menge Wogen und Stürme, Klippen und Untiefen, und gar Viele leiden Schiffbruch. Siehst du nun, daß ein Anderer in den Wogen und Stürmen dieses Meeres nahe daran ist, unterzusinken und zu ertrinken, so eile ihm zu Hilfe und rette deinen Nächsten (Anmerkung ETIKA: auch durch Mahnungen und Warnungen); denn da ist Gefahr auf Verzug, der Nächste ist schon am Ertrinken.

Zu diesem Zwecke erweckte Gott der Herr die Gesellschaft Jesu in jenen so bedrängten Zeiten. Sie sollte der Kirche in ihrer besondern Noth Hilfe und Beistand leisten. Es war dieß ein Werk seiner erhabensten Vorsehung und seiner ganz besondern Erbarmung. Die Kirchengeschichtschreiber erinnern und bemerken mit allem Rechte, daß am nemlichen Tage, als in England Pelagius geboren wurde, der dann die Welt durch seine Irrlehren verderbte und verfinsterte, in Afrika jener große Kämpfer der katholischen Kirche, der hl. Augustinus, zur Welt kam, um durch seine Lichtstrahlen und seinen Glanz die Finsternisse des boshaften und verkehrten Irrlehrers zu verscheuchen. – Auch der Lebensbeschreiber unsers heiligen Vaters Ignatius bemerkt (Ribanedeira, vitae lib. 2. c. 18.), Gott der Herr habe dem Vater Ignatius in demselben Jahre auf der Festung Pamplona das Bein zerschmettert, um ihn zu heilen und aus einem unbändigen eiteln Soldaten zu seinem Feldherrn, zum Beschützer und Vertheidiger seiner Kirche zu machen, in welchem Martin Luther, dieses Ungeheuer aus der Hölle, seine Maske abwarf, ganz offen der katholischen Kirche den Krieg ankündigte und seine Lästerungen und Irrthümer zu verkünden anfing. Es war dieß das Jahr 1521. Daraus kann man die Vorsehung und Erbarmung des Herrn kennen lernen, der immer dafür Sorge trägt, seiner Kirche in der Zeit ihrer größten Bedrängnisse neue Hilfe und Erquickung zu senden.

Derselbe Geschichtsschreiber verfolgt diesen Gegenstand weiter in ganz vortrefflicher Weise. Einst hatten die Albigenser und andere Ketzer den Frieden der Kirche Gottes freventlich gestört, die Dörner der Laster und Missethaten waren schon hoch emporgeschossen und erstickten den guten Samen, den der himmlische Säemann ausgestreut hatte. Jetzt sandte Gott jene zwei Seraphim, jene Lichter des Himmels, den hl. Dominikus und den hl. Franziskus, in die Welt, auf daß sie durch sich und durch ihre Jünger den Ketzern Widerstand leisten, die Irrthümer ausrotten, die Sünder bekehren, die Sitten erneuern und die ganze Welt erleuchten und heiligen sollten durch ihr wunderbares Beispiel und durch ihre Lehre. Dieß haben diese Väter wirklich gethan, und bis auf diese Stunde thun ihre Söhne dasselbe. (Anmerkung ETIKA: Nicht alle.)

Die Ritterorden sendete Gott der Herr seiner Kirche in jener Zeit, als sie von ihren Feinden unterdrückt wurde, und da es nothwendig war, sie mit den Waffen in der Hand zu vertheidigen. Dasselbe müßten wir auch bezüglich der übrigen Orden anerkennen, vorzüglich aber bezüglich der Gesellschaft Jesu, von der wir hier reden. Zur nemlichen Zeit, als Luther seine Irrlehre zu verkünden anfing, dem Papst den Gehorsam aufkündigte, das Dogma vom heiligsten Altarssakramente läugnete und die sakramentale Beicht abstellte, erweckte Gott die Gesellschaft Jesu, die ganz besonders Gehorsam dem Papste gelobet, indem sie ihre Mitglieder zu diesem Gehorsam durch ein Gelübde verpflichtet (Anmerkung ETIKA: was ist aber in der Endzeit, wenn vielleicht, wie von Maria prophezeit, Rom zum Sitz des Antichrist wird, also ein vom Teufel eingesetzter Papst regiert?), die sich´s zur besonderen Aufgabe gemacht hat, diese zwei Sakramente, die Buße und die Communion, in ihren Predigten zu verkünden, und das Volk zum öftern Empfang derselben und zur Sittenverbesserung aufzufordern. –

Hat die Schlacht mit dem Feinde schon begonnen, so sieht der Feldherr von einem erhabenen Punkte der Hitze des Kampfes zu. Wo und wann er immer Gefahr bemerkt, da trägt er Fürsorge; bald läßt er auf dem rechten Flügel eine Schaar leichter Reiter vorrücken, bald kommandirt er auf dem linken Flügel eine Reihe von Schützen vorwärts. In gleicher Weise hat Christus unser Herr, der oberste Feldherr des christlichen Streiterheeres, zu allen Zeiten von der Höhe des Himmels auf die Drangsale seiner Kirche herabgesehen, und je nach ihren Bedürfnissen hat er immer wieder neue Lehrer und Ordensstifter gesendet, um sein Streiterheer zu verstärken. Darin offenbart sich in herrlicher Weise die Vorsehung und Barmherzigkeit des Herrn, der mit der einen Hand Krankheit sendet oder kommen läßt und mit der andern die Arznei reicht.

Dieß nun ist Zweck und Einrichtung der Gesellschaft Jesu. Dazu hat Gott uns berufen, wie die apostolische Bestätigungsbulle es ausspricht, nemlich zur Vertheidigung unsers heiligen katholischen Glaubens unter den Ketzern, zur Ausbreitung desselben unter den Heiden, und zur Wahrung desselben in Verbindung mit guten Werken unter den Christen.

 

In Originalschreibweise

18B -  deutsch 18