ETIKA

Alphons Rodriguez

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18B13H3

Übung der christlichen Vollkommenheit und Tugend

5.10.2013
Alfonso Rodriguez, Sevilla 1609. Ein ewiges Vergelt´s Gott an Armin B., der uns dieses Buch geschenkt hat.

Die Wahrheit gebäret Hass

Uebung der christlichen Vollkommenheit und Tugend
von Alphons Rodriguez, Priester d. G. J.
Aus dem spanischen Originale übersetzt von Dr. Magnus Jocham.
Erster Theil. Mit hoher oberhirtlicher Genehmigung.
Regensburg. Papier, Druck und Verlag von Friedrich Pustet. 1862. S. 274-275
III. Theil

Von einem Jesuiten dem Jesuiten Bergoglio ins Stammbuch, der trotz seines hohen Amtes nicht einmal P. zu tadeln wagt, sowie Jenen. 10/2013.

Achte Abhandlung: Von der brüderlichen Zurechtweisung

3 . Hauptstück. Von den Mißständen und Nachtheilen, die aus unfreundlicher Hinnahme einer Zurechtweisung entstehen.

So weit treibt es diese Hoffart und Narrheit, daß es bald Niemand mehr wagt, einen Andern wegen seiner Fehler zurechtzuweisen und ihn darauf aufmerksam zu machen. Niemand will sich unbeliebt machen, Niemand für sein Geld Verdruß kaufen, wie man sagt. Da ergeht es dann dem Menschen, wie er´s verdient. Oder was verdient der Kranke, der sich nicht will heilen lassen? Antw. Daß man sich um seine Heilung nicht mehr kümmert, daß man ihn sterben läßt, wie der Weise sagt:

Wer Warnungen haßt, ist des Todes … Wer Zucht verwirft, verachtet seine Seele.“ Sprüchw. 15,10. 32.

Wer die Ermahnung, die man ihm gibt, übel aufnimmt, der verdient, daß Niemand mehr ihn ermahne. Er verdient es, in schwere Sünden zu fallen, die dann vor Allen offenbar werden, über die man allgemein insgeheim redet, die ihm aber kein Mensch in´s Angesicht vorhält. So geht es gewöhnlich solchen Leuten, und dieß gehört zu den größten Strafen, die über sie kommen können.

„Wir wollten Babylon heilen, aber sie wollte nicht geheilt werden, nun lassen wir sie gehen.“ Jer. 51, 9.

So ein Mensch will sich die Heilung und die Arznei nicht zu Nutzen machen; somit lassen wir ihn fahren. Unterläßt man einmal am Weinberg des Herrn das Beschneiden und das Umgraben, dann ist es mit ihm aus. So gibt man einen Menschen als verlornen und unrettbaren auf, wenn man die Zurechtweisung an ihm unterläßt, weil er alle Mahnung und Zurechtweisung übel aufnimmt.

Unser Vater Franziskus Borgias (epist. ad societ.) spricht von den Mißständen und Nachtheilen, die aus der Verschmähung der Zurechtweisung sich ergeben, und sagt:

Hieraus entsteht immer einer von folgenden zwei Mißständen.  E n t w e d e r   werden die Fehler aus Mangel an Zurechtweisung ganz einheimisch und festsitzend in den damit Behafteten, weil Niemand sich findet, der einem so ungeduldigen Kranken eine Arznei zu reichen wagte.

O d e r  wenn die nothwendigen Ermahnungen dem Betreffenden gegeben werden, und dieser, statt dafür dankbar zu sein, in Erbitterung und Leidenschaftlichkeit sich mit demjenigen verfeindet, der ihn zurechtgewiesen; dann wird so ein Haus bald eine Fundgrube von Galle und Erbitterung, veranlaßt durch Nichtkenntniß der Unvollkommenen, die eine Mahnung und Zurechtweisung nicht ertragen können. Solche Leute nehmen nemlich als Beschimpfung auf, was sie als die größte Wohlthat hinnehmen sollten. Sie fühlen sich beleidiget und gekränkt durch das, wofür sie dankbar sein sollten. Die kostbarste Arznei verwandeln sie in Gift. –

Darum hat jeder Ursache, gar sehr in Furcht zu sein, man unterlasse die Heilung, weil man ihn für einen unrettbar Kranken hält; man unterlasse es, ihn auf seine Fehler aufmerksam zu machen, weil er schon einmal die Zurechtweisung und Mahnung übel aufgenommen hat. –

Unser Vater Franziskus Borgias ermahnt uns hier angelegentlich, jene anfängliche Einfalt, Liebe und Offenheit zu bewahren und fortzusetzen. Denn damals veranlaßte die Erinnerung und die Zurechtweisung wegen der Fehler keine Erbitterung, sondern erweckte die innigste Liebe und den herzlichsten Dank.

Ein gelehrter Mann vergleicht diejenigen, welche sich nicht wollen zurechtweisen lassen, mit dem Teufel, denn sie sind unverbesserlich.

„Wer nicht zurechtgewiesen sein will, der will nicht gebessert werden.“

Zwischen dem Sünder und dem Teufel ist der Unterschied, daß jener verbesserlich, dieser aber unverbesserlich ist.

So lange der Mensch, und sei er auch der größte Sünder, in diesem sterblichen Leben ist, ist er der Besserung fähig, der Teufel aber nicht. Der Weise sagt:

„Wer Zurechtweisung haßt, der ist auf der Fußspur des Sünders“ d. i. des Teufels. Sir 21, 7.

Der Teufel ist nemlich der Sünder mit Vorzug. Wie die Fußspur oder der Fußtritt dem Fuße ähnlich ist, so hat derjenige, der die Zurechtweisung verschmäht, Aehnlichkeit mit dem Teufel. Er macht sich unverbesserlich, denn er verschließt die Thüre einem der eigentlichsten, kräftigsten und wirksamsten Mittel zu seiner Besserung.

Der heil. Basilius sagt über Solche etwas sehr Bemerkenswertes. Wer von dieser (regul. brevior. n. 159.) Art ist, dessen Wandel ist den übrigen Brüdern verderblich; denn er hält die Uebrigen von dem begonnenen Kampfe durch sein Beispiel ab. Durch den Widerwillen gegen die Zurechtweisungen, den sie von einem Solchen lernen, verlieren sie das Ziel, zu dessen Erlangung sie in den Orden getreten, nemlich ihre Verbesserung und Vervollkommnung, aus dem Auge. Darum befiehlt der heil. Basilius ( animadvers. advers. delinq.), derlei Leute von der Gemeinschaft und dem Verkehr mit den Uebrigen abzusondern, damit sie nicht auch diese verpesten.

In Originalschreibweise

18B -  deutsch 18