ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

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Von dem Tode.

6.10.2012

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von
Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage.
Landshut, 1859.
Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung.
(J. B. v. Zabuesnig.)  S. 5-9.
Erster Theil.

II.              Kapitel   Von den Anfechtungen im Tode.

Wiewohl unser Tod an sich selbst sehr bitter ist, so wird er doch durch die klare Vorstellung der begangenen Sünden, des künftigen Gerichts, der nahen Ewigkeit, und durch die Anfechtung des Satans noch viel bitterer gemacht. Diese vier Stücke setzen die Seele in solche Angst, daß wenn Gott sie nicht erhält, sie nothwendiger Weise verzagen muß. Deßwegen wollen wir diese vier Stücke etwas erklären, und einige Mittel wider dieselben angeben.

Was die Anfechtungen betrifft, so wisse, daß der gerechte Gott dem leidigen Satan bei unserm Tode große Gewalt zulasse, uns anzufechten. Dies geschieht zwar nicht zu unserm Verderben, sondern damit der Mensch die Probe ablege, daß er beständig an Gott festhalten will, und sich durch Nichts von ihm wolle abwendig machen lassen.

Deßwegen braucht der böse Feind seine empfangene Gewalt, und setzt einem jeden sterbenden Menschen aus aller Macht zu, um ihn, wo möglich, in die Sünde zu bringen, und so dann in die Hölle hinunter zu stürzen.

Wohl dringt er auch während unsers Lebens mit vielen heftigen Anfechtungen auf uns ein, und braucht allerlei Mittel, um uns zu betrügen, aber alle diese Anfechtungen sind nicht zu vergleichen mit jenen, mit welchen er uns bei unserm Tode angreift.

Denn alsbald raset und tobt er wie ein brüllender Löwe, und sucht auf alle mögliche Weise, wie er uns verschlingen kann. Dies geht klar aus der Offenbarung des hl. Johannes hervor, welcher (Kap. 12,12.) schreibt:

„Wehe, wehe der Erde und dem Meere, denn der Teufel ist zu euch hinabgestiegen, und hat einen großen Zorn, weil er wohl weiß, daß er wenig Zeit mehr hat.“

Diese Worte kann man sehr füglich auf die Sterbenden anwenden, da der Teufel wider diese einen besondern Zorn hat und alle seine Kräfte anstrengt, um sie zuletzt noch zu verführen. Denn er weiß, daß, wenn er sie alsdann nicht in seine Stricke bekommt, er sie in Ewigkeit nicht mehr bekommen werde. Darum ruft jener Teufel, welchem der Luzifer die Seele zur Verführung anvertraut hat, andere Teufel zu sich, und überfällt mit diesen gemeinschaftlich die arme Seele mit solcher Gewalt, daß sie fast nicht weiß, wie sie sich retten soll.

·       Sie untersuchen das menschliche Herz scharf, um zu sehen, zu welcher Sünde es etwa eine besondere Neigung habe.

·       Dann untersuchen sie das Gewissen, um zu sehen, ob der Sterbende vielleicht eine Sünde nicht recht bereut, oder gebeichtet habe.

·       Endlich durchforschen sie das ganze Leben desselben, um zu sehen, was für Sünde er begangen habe, damit sie ihm dieselben vorwerfen.

Dies alles bezeugt der heilige Papst Gregorius Homil. 39. in Evang., wo er sagt:

„Man soll wohl beherzigen, wie erschrecklich die Stunde unsers Todes sein werde, und wie fürchterlich uns das Andenken aller unsrer bösen Werke vorkommen werde. Alsdann werden die bösen Geister ihre bösen Werke in uns suchen, und die Sünden, zu denen sie uns angereizt haben, uns vorhalten. Sie werden aber nicht allein zu den Gottlosen, sondern auch zu den Auserwählten kommen, und genau suchen, ob sie etwas Sündhaftes an ihnen finden können. Ach! wie wird es uns Armseligen dann ergehen; und was werden wir sagen, die wir unzählbare Uebel begangen haben. Was werden wir unsern Widersachern antworten, wenn sie uns unsre Sünden vorhalten, und uns zur Verzweiflung zu bringen suchen werden?“

Es werden die Teufel den armen sterbenden Menschen zwar in verschiedenen Stücken versuchen, besonders aber in jenen, in welchen er sich am Oeftersten in seinem Leben versündigt hat.

·       Wenn z. B. Einer oft in seinem Leben wider einen Andern Haß getragen hat, so werden sie ihm jenen Menschen mit Allem, was er ihm Leids gethan hat, vor Augen stellen, und sich befleißen, in ihm einen neuen Haß wider diesen seinen Feind zu erwecken. Läßt nun der Kranke sich von ihm verleiten und stirbt dann ohne Reue dahin, so ist er ewig verloren.

·       Wenn Einer der Unkeuschheit zugetan gewesen ist, so werden sie ihm jene Personen, an welchen er seine größte Lust gehabt hat, vor Augen stellen, um in ihm eine neue Begierde gegen dieselbe zu erwecken. Thut nun der Kranke dies und stirbt ohne Reue dahin, so ist er ewig verloren.

·       Wenn Einer oft im Glauben gezweifelt hat, so werden sie ihm jene Artikel, welche er am Schwersten glauben mochte, deutlich vorhalten, und als falsche vor Augen stellen, Zweifelt der Mensch an einem oder dem andern Artikel, und stirbt in solchem Zweifel dahin, so ist er ewig verloren.

·       Wenn Einer sehr zur Kleinmüthigkeit geneigt gewesen ist, so werden die bösen Geister dieselbe in ihm vermehren, und ihm durch allerlei falsche Gründe zu beweisen suchen, wie es unmöglich sei, daß er selig werden könne. Glaubt dann dies der Mensch, und stirbt in solcher Meinung dahin, so ist er ewig verloren.

·       Wenn Einer der Hoffart ergeben gewesen ist, und viel auf sich selbst und seine guten Werke gehalten hat, so werden sie ihm zu zeigen suchen, daß er bei Gott in großen Gnaden sei, und wegen seiner ganzen Werke den Himmel unfehlbar erlangen werde. Traut dann der Mensch mehr auf sich, als auf die Verdienste Christi, und stirbt in solchen Gedanken dahin, so ist er ewig verloren.

·       Wenn einer in seinem Leben sehr ungeduldig gewesen ist, und über jedes geringe Ding sehr zu zürnen, oder auch darüber zu fluchen, gewohnt war, so werden sie ihm seine Krankheit so verdrießlich machen, daß er in Ungeduld gerathen, und über Gott zürnen wird, weil er ihm eine so schmerzliche Krankheit zugeschickt habe. Wenn er dann in solcher Ungeduld ohne Reue stirbt, so ist er in gewisser Gefahr, sein Heil zu verlieren.

·       Wenn Einer bei seinen Lebzeiten gar nachlässig im Beichten, und in der Andacht verdrossen gewesen ist, so werden sie ihn in seiner letzten Krankheit zu allem Guten so ungeneigt machen, daß er nicht gern etwas Gutes wird reden oder lesen hören. Und wenn man ihm Etwas vorbeten will, so wird er vorwenden, er könne es wegen Schmerzen des Hauptes nicht anhören. Dies aber thun die bösen Geister deßwegen, damit er ohne alle Andacht sterbe, und desto eher in ihre Hände falle.

·       Jene endlich, welche in ihrem Leben gottlos gewesen, und viele schwere Sünden begangen, werden sie mit der Verzweiflung anfechten, und ihnen ihre Sünden so groß machen, daß sie meinen werden, Gott könne ihnen nicht verzeihen. Wenn sie dann Solches wirklich glauben, und so dahinsterben, so sind sie ewiglich verloren.

Kurz, es werden die Teufel gemeiniglich den Menschen im Tode in jenem Stücke am Meisten anfechten, in welchem er am Meisten zu fallen pflegte, wie man im Sprichwort zu sagen pflegt:

„Wo der Zaun am Niedrigsten ist, da springt man darüber. Und wo die Festung am Schwächsten ist, da greift man sie an.“ –

Aber nicht nur zu jenen Lastern, zu welchen der Mensch am Meisten geneigt gewesen, reizen ihn die Teufel an, sondern oftmals auch zu jenen, in welchen er sich sein Lebtag nicht versündiget hat. Denn die arglistigen Füchse suchen alle Mittel und Wege, wie sie den armen Sterbenden betrügen können, und wenn es ihnen in einem Stücke fehlschlägt, so probiren sie es auf eine andere Weise.

Es sind auch diese Anfechtungen nicht wie gewöhnlich, sondern so giftig und grausam, daß ein armer schwacher Mensch natürlicher Weise nicht genug Widerstand thun kann, zumal, weil er ganz krank, und am Leibe voll Schmerzen, die Seele aber voll Angst und Betrübniß, und das Herz voll Bitterkeit und Furcht vor dem Tode ist.

Wenn nun aber schon ein gesunder Mensch genug zu thun hat, sich der Anfechtungen des Satans zu erwehren, ja oft und leicht von ihnen überwunden wird, ach wie schwer wird es dann einem Kranken fallen, wider so gewaltige Feinde zu streiten, und wie leicht wird dieser von ihnen überwunden werden können! Daher sagt der gottselige Dionysius Carthusianus:

„Wenn ein Sterbender nicht vor seiner Krankheit wider diese Anfechtungen bewaffnet sein wird, und sich nicht wird geübt haben, wider die höllischen Feinde zu streiten, so wird er sie kaum oder gar nicht zur Zeit seines Todes überwinden, es sei denn durch eine besondere Hilfe Gottes, oder der seligsten Jungfrau, oder des heiligen Schutzengels, oder eines andern Heiligen. Denn der gütige Gott, und seine Engel, und die lieben Heiligen verlassen den Menschen nicht in der Stunde einer solchen Noth, sondern kommen ihm zu Hilfe, je nachdem er es um sie verdient hat.“

Damit nun aber ein jeder Mensch vor seiner letzten Krankheit sich wider diese Anfechtungen bewaffne, so möge er öfters und mit Andacht sprechen folgendes

Gebet wider die Anfechtungen im Tode.

O du treuer Erlöser des menschlichen Geschlechtes! Jesus Christus, ich erinnere dich an die dreifache Versuchung, die du von dem Satan erlitten hast, als er dich zur Genußsucht, zur Hoffart und Eitelkeit, und endlich zur Habsucht und Herrschsucht anreizte, und bitte durch den herrlichen Sieg, den du davon getragen hast, du wollest mir in meinem letzten Streite beistehen, und mich wider alle Anfechtungen stark machen.

Ich weiß, daß es meinen natürlichen Kräften unmöglich ist, wider einen so gewaltigen Feind zu streiten, und daß ich, wofern du, oder deine Heiligen mir nicht mit einer besonderen Hilfe beistehen werden, unfehlbar werde überwunden werden. Deßwegen rufe ich jetzt deine und deiner lieben Heiligen Hilfe inbrünstig an, und will mich mit deiner Gnade wider die künftigen Anfechtungen so gut bewaffnen, als es nur immer möglich ist.

Ich bekenne jetzt vor dir und nehme hierüber alle Engel und Heilige zu Zeugen, daß ich in keine Versuchung einwilligen, sondern sie alle mit Hilfe deiner Gnade ausschlagen will.

·       Wenn mich der Satan zur Hoffart versuchen wollte, so bekenne ich schon jetzt für alle Zeit, daß ich alle meine Werke für höchst unvollkommen halte, und mich einzig auf deine übergroßen Verdienste verlasse.

·       Wenn er mich zum Hasse versuchen wollte, so bekenne ich jetzt für dann, daß ich Allen, die mich jemals beleidigt haben, von Herzen verzeihe, und niemals irgend eine Rache an ihnen zu nehmen gedenke.

·       Sollte er mich zur Ungeduld anreizen wollen, so bekenne ich jetzt für allemal, daß ich meine letzten Krankheit zu Ehren deines bitteren Leidens mit aller Geduld ertragen, und dir zur Genugthuung für meine Sünden aufopfern will.

Kurz, ich bin fest entschlossen, in allen Stücken, in denen er mich versuchen will, ernstlichen Widerstand zu leisten und in keine einzige Versuchung einzuwilligen.

Weil aber meine Kräfte viel zu schwach sind, wider einen so gewaltigen Feind zu streiten, so bitte ich mit großem Vertrauen durch die Kraft deines bitteren Leidens, wie auch durch alle Siege, welche deine Heiligen wider den leidigen Satan errungen haben, du wollest mich wider alle seine teuflischen Eingebungen stärken, und die giftigen Pfeile seiner Anfechtungen von mir gnädiglich abwenden.       Amen.

 

Anmerkung ETIKA: Das Deutsch von damals empfinden wir heute nicht mehr als hundertprozentig korrekt. Man halte sich an die älteren Duden vor der Rechtschreibreform oder an Reiners´ „Stilfibel“ oder „Stilkunst“. Dieser Warnung sind wir auch unseren ausländischen Lesern schuldig.

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