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Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

18B18A3

Von dem Tode.

22.2.2013

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von
Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage.
Landshut, 1859.
Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung.
(J. B. v. Zabuesnig.)  S. 12-13.
Erster Theil.

III.           Kapitel   Von dem Anblicke der bösen Geister.

Außer den gemeldeten Dingen (vorhergehendes Kapitel: Von den Anfechtungen im Tode) macht unsern Tod auch noch sehr erschrecklich der Anblick der leidigen Teufel, die beim Tode des Menschen sich zu zeigen pflegen. Es ist gewöhnliche Lehre und Meinung der heiligen Väter, daß jeder Sterbende wenigstens im letzten Augenblicke seines Lebens den bösen Feind sichtbar werde anschauen müssen.

Wie erschrecklich dieser teuflische Anblick sei, und wie gewaltig ein jeder sterbende Mensch sich darüber entsetzen werde, vermag keine menschliche Zunge genug zu erklären. Von dem Bruder Egidius lesen wir im zweiten Teile der Chroniken der mindern Brüder 19. Kapitel, daß ihm einmal, als er in seiner Zelle betete, der Teufel in einer so erschrecklichen Gestalt erschienen sei, daß er sogleich die Sprache verloren habe und vor Schrecken zu sterben glaubte. Da er nun mit dem Munde nicht mehr beten konnte, so rief er in seinem Herzen zu Gott, und wurde dann bald von diesem grausenhaften Anblicke befreit. Darauf erzählte er dann den Brüdern, was ihm widerfahren, und erklärte ihnen zu ihrem größten Schrecken, wie schrecklich und grausam der Teufel sei. Als er zum heiligen Franziskus kam, fragte er diesen und sprach: Vater, habt ihr wohl jemals Etwas in der Welt gesehen, dessen Anblick so abscheulich ist, daß es niemand einen Vater unser lang ohne Lebensgefahr ertragen könnte? Da sprach der heilige Franziskus:

„Freilich hab ich’s gesehen, und es ist nichts Anderes, als der Teufel, welcher so häßlich und erschrecklich ist, daß ihn Niemand einen Vater unser lang ohne zu sterben anschauen könnte, wofern ihm nicht besonders von Gott geholfen würde.“ Chron. Minor. Part. I. l. 1, c. 62

Es schreibt auch der heilige Cyrillus an den hl. Augustinus, daß einer von den drei Erweckten zu ihm gesagt habe:

„Als die Stunde meines Todes herbei kam, kamen so viele Teufel zu mir, daß sie nicht alle zu zählen waren. Ihre Gestalt war so erschrecklich, daß nichts Erschrecklicheres kann erdacht werden. Denn ein jeder Mensch würde lieber in einem großen Feuer brennen, als dieselben einen Augenblick lang anschauen. Diese Teufel stunden (sic) um mich herum, hielten mir Alles vor, was ich mein Lebtag getan hatte, und wollten mich dazu bringen, daß ich verzweifeln sollte. Wenn die göttliche Erbarmnis mir nicht zu Hilfe gekommen wäre, so hätte ich ihnen nicht Widerstand leisten können.“

Sieh! Dieser Mann, welcher in der Tat erfahren hatte, was für ein Grausen es sei, den Teufel anzuschauen, bekennet mit wahrhaftem Munde, daß nichts Erschrecklicheres erdacht werden könne, als die Gestalt des Teufels ansehen, und daß Jeder, der dies erkennt, sich lieber in ein großes Feuer stürzen würde, als einen Augenblick den Teufel anschauen. Es muß also gewiß die Gestalt des leidigen Satans über die Maßen abscheulich und der menschlichen Natur unsäglicher Weise zuwider sein.

O Gott! was für ein gewaltiger Schrecken wird den armen Sterbenden überfallen, wenn sich der höllische Drache mit aufgesperrtem Rachen vor ihn stellen, und nicht anders tun wird, als ob er ihn mit seinen teuflischen Klauen zerreißen, und mit seinem feuerspeienden Rachen verschlingen wollte. O mein Gott! wenn du mir in dieser äußersten Not meinen lieben Schutzengel nicht zu Hilfe schicken, und den leidigen Satan von mir vertreiben wirst, so fürchte ich, ich möchte ganz und gar verzagen, und vor Schrecken alle Hoffnung des Heils verlieren.

O glückseligste Jungfrau Maria, die du von deinem Sohne erbeten hast, daß dir kein böser Geist in deinem Tode erscheinen sollte, ach, erbitte auch von ihm, daß sie doch auch mir nicht so erschrecklich erscheinen, und mich nicht zur Kleinmütigkeit bringen mögen!

O heilige Jungfrau und Martyrin Margaretha, die du den Satan, als er dir im Kerker erschien, von Gott gestärkt unter deine Füße gebracht hast, ach, stehe mir bei in meinem Tode, und hilf mir den leidigen Feind glücklich überwinden!

O heilige Jungfrau und Martyrin Juliana, die du den höllischen Drachen an eine Kette gebunden, und mit dir aus dem Kerker geführt hast, ach, stärke mich auch in jenem erschrecklichen Augenblicke, wann dieser grimmige Drache mir erscheinen, und seinen teuflischen Rachen gegen mich aufsperren, und seine furchtbaren Klauen nach mir ausstrecken wird! Amen.

(Pater Martin von Cochem: Von den vier letzten Dingen, dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche. Neue umgearbeitete Auflage. Verlag der Joseph Thomann’schen Buchhandlung. Landshut, 1859. Erster Theil. Von dem Tode. III. Kapitel. Von dem Anblicke der bösen Geister. Seite 12 -13)

Anmerkungen:

Obige Ansicht scheint sehr selten vertreten zu werden. Jedenfalls wird jeder bei seinem Tod erleben, wer recht hat, die sogenannten Sterbeforscher oder P. Martin von Cochem, oder ob sich der Übergang ins Jenseits anders abspielt.

Die folgenden Kapitel lauten: Von der Furcht vor der Hölle. Von der Furcht vor dem Urtheile.

Mit moderaten Änderungen der Rechtschreibung

 

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