ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

18.7.2012

18B18B10

Dauer des Jüngsten Gerichts

S. 67-71

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

X. Kapitel
Wie lange das jüngste Gericht dauern werde.

Weil im vergangenen Kapitel gemeldet worden, daß Christus einen Heiligen nach dem andern sich werde vorstellen lassen, und einen nach dem andern examiniren und richten werde, so möchte wohl einer Wunder meinen, wie lange denn dies Gericht währen werde, indem ja viele hundert tausend Menschen auf Erden gelebt, welche alle gerichtet werden müssen.

Auf diesen Zweifel zu antworten, sage ich, daß man zwar nicht eigentlich wissen könne, wie lange das jüngste Gericht dauern werde, aber doch aus einigen Muthmaßungen abnehmen könne, daß es nicht kurz, sondern sehr lange dauern werde. Es sagen zwar Einige, es werde sehr kurz, und nur einen Augenblick währen, weil bei Gott Alles möglich sei, und er in einem Augenblick alle Menschen richten und aburtheilen könne. Mich dünket jedoch, diese Meinung streite nicht allein wider die heiligen Väter, sondern auch wider die heilige Schrift, welche das jüngste Gericht niemals ein augenblickliches Gericht, sondern allzeit den Tag des jüngsten Gerichtes nennet.

Auf diese Weise redet der heilige Paulus:

„Er hat verordnet einen Tag, an welchem er den Erdkreis richten wird nach Gerechtigkeit.“ Apost.-Gesch. 17, 31.

Und der Prophet Isaias spricht:

„Siehe, der Tag des Herrn kommt grausam und voll Erbitterung und Zorn und Grimm …“ Kap. 13, 9.

In diesen und sehr viel andern Texten nennt die Schrift das letzte Gericht einen Tag, und nicht ein augenblickliches Gericht, oder eine Zusammenkunft der Lebendigen und Todten. Wie lang aber dieser Tag währen soll, ist angedeutet in den Worten des Propheten Joel, welcher spricht:

Die Sonne wird sich wandeln in Finsternis, und der Mond in Blut, bevor kömmt der Tag des Herrn, der große und schauerliche.“ Kap. 2, 31.

Gleicherweise spricht der Prophet Sophonias:

„Nahe ist der Tag des Herrn, der große; nahe ist er und gar sehr beeilt. Dieser Tag ist ein Tag des Zornes, ein Tag der Angst und Bangigkeit.“ Kap. 1, 14.

Der hl. Johannes sagt in seiner Offenbarung von dem jüngsten Gerichte:

„Es ist angebrochen der große Tag des Zorns, und wer kann bestehen.“ Kap. 6, 17.

Sieh in diesen dreien Texten nennt die heilige Schrift den jüngsten Tag einen großen Tag, das ist so viel gesagt, als einen langen Tag, weil er sehr lang währen wird. Dieser Meinung ist der heilige Hieronymus, da er spricht:

Der Tag des Herrn wird groß sein wegen der Ewigkeit, „weil alsdann die Zeiten ein Ende haben, und hinfür ein immerwährender Tag sein wird. Dieser Tag ist vorbedeutet worden durch jenen langen Tag, wovon die Schrift, Josue Kap. 10, 13 sagt: „Die Sonne und der Mond standen still, bis sich das Volk gerächt hatte an seinen Feinden. Weder zuvor noch darnach war ein so langer Tag.“

Sind damals Sonne und Mond einen ganzen Tag lang still gestanden, damit sich Josue an seinen Feinde rächen könnte, wie viel mehr werden dann am jüngsten Tage Sonne und Mond still stehen, damit sich Gott an seinen Feinden räche? Um dies besser zu verstehen, sollst du wissen, daß alsdann Sonne und Mond, sammt allen Sternen nicht mehr fortlaufen, sondern in alle Ewigkeit an einem Orte still stehen werden, und daß auf diese Weise von da an keine Nacht mehr, sondern ein immerwährender Tag sein werde. Daraus folgt dann, daß der jüngste Tag gewiß ein langer Tag sein müsse, weil er in Ewigkeit kein Ende nehmen wird.

Dies will auch der Abt Rupertus sagen, wenn er spricht:

„So groß und erschrecklich sind die Dinge, die am jüngsten Tage geschehen werden, daß deshalb mit Recht dieser Tag ein großer Tag genannt wird. Dieser Tag wird wegen seiner Größe groß genannt, und ein Tag vieler Tage, ja eine Zeit vieler Jahre, weil nämlich keine Abwechslung des Lichtes und der Finsterniß mehr folgen wird.“

Endlich sagt auch der hl. Augustinus, daß dieser Tag sehr lang währen soll, da er spricht:

„Wie viele Tage lang sich das Gericht erstrecken werde, ist ungewiß; doch weiß man, daß die hl. Schrift einen Tag für eine gewisse Zeit zu nennen pflege.“

Aus diesen Worten leuchtet klar hervor, daß der heilige Augustinus meint, das jüngste Gericht werde nicht allein einen Tag, so wie unsre Tage sind, sondern eine geraume Zeit währen, damit die hochwichtigen Sachen, welche Gott an demselben verhandelt, mit desto größerer Majestät und Würde verhandelt werden. Dem heiligen Augustin stimmt auch der heilige Thomas von Aquin bei, indem er sagt:

Daß es nicht gewiß sei, ob das jüngste Gericht mündlich, oder nur im Geiste geschehen werde. Wenn es aber mündlich geschehen sollte, so würde eine gewaltige Zeit dazu erfordert werden. Ebenso sagt er auch, daß das jüngste Gericht nicht augenblicklich geschehen könne, weil die Verdammten wegen der Rohheit ihres Verstandes nicht vermögen, in einem Augenblicke alle guten und bösen Werke der Seligen und Verdammten zu erkennen, welches doch beim jüngsten Gericht geschehen muß.

Aus diesen Zeugnissen der heiligen Schrift und der heiligen Väter ist klar abzunehmen, daß das jüngste Gericht nicht nur einen Augenblick, sondern eine geraume Zeit dauern werde, welches auch mit folgenden Beweisen kann dargethan werden. Denn erstlich drohet uns Gott mit dem jüngsten Gerichte, damit er uns von Sünden abschrecke, besonders wegen der Schande, welche wir wegen unsrer Sünden vor aller Welt ausstehen müssen.

(Anmerkung ETIKA: Gott droht, es gibt also eine Drohbotschaft, welche die Frohe Botschaft ergänzt. Gott droht auch jenen, die das Evangelium verfälschen und Gottes Drohung als nicht existent darstellen. Wehe den Pfarrern, die ihren Schäfchen diese Wahrheit vorenthalten, dass ihre Sünden sie nämlich in die Hölle bringen werden. Sie werden als Massenverführer und Ketzer mit diesen in den Abgrund marschieren und von ihnen zerfleischt werden.)

Wenn nun die gemeinen Leute wüßten, daß das Gericht nur einen Augenblick lang währen sollte, so würden sie sich wegen einer augenblicklichen Schande nicht scheuen zu sündigen (Anm.: wie es gestern abend im Fernsehen Frau O. ganz unbefangen und selbstsicher getan und damit Millionen Frauen, Männern und Kindern vorgemacht hat, dass Unzucht bzw. Ehebruch etwas Selbstverständliches und Alltägliches ist, 18.7.2012; um ganz zu schweigen von der völlig unmoralischen Serie „Verbotene Liebe“), obschon es wahr ist, daß sie in einem Augenblick durch göttliche Kraft so viele Schande ausstehen müßten, als wenn sie hundert Jahre vor aller Welt stehen sollten. Weil dies aber die Ungelehrten nicht begreifen könnten, so würden sie auch nicht darauf achten.

Gott hat keine Ursache, das jüngste Gericht abzukürzen, sondern hat wohl viele wichtigen Ursachen, dasselbe zu verlängern. Denn an diesem Tage empfängt Christus seine größte Ehre, die Heiligen ihre größte Glorie, und erleiden die Verdammten ihre größte Schande. Warum sollte denn Christus den Verdammten zum Troste, und den Heiligen zum Nachtheil, so zu sagen, den Gerichtstag abkürzen?

Daß Christus an diesem Tage die größte Ehre empfange, ist ganz offenbar, weil er an demselben nicht allein von den Engeln und Heiligen, sondern auch von allen Teufeln und Verdammten wird erkannt und angebetet werden. Er wird hier in derselben Glorie erscheinen, wie auf dem Throne zur Rechten des Vaters. Hier wird er ja Gericht halten als König des Himmels und der Erde, und wird darum seine ganze Macht und Herrlichkeit da zu erkennen geben, seinen Freunden zur Ehre und zum Trost, seinen Feinden, die hier zu Füßen liegen, zum größten Schrecken. Er wird hier nicht allein vor den Engeln und Heiligen, sondern auch vor allen Teufeln, Verdammten und ungetauften Kindern, ja vor Himmel und Erde und allen Geschöpfen offenbaren, wie unrecht ihm die Juden und Heiden gethan, die ihn so grausam gepeiniget und ermordet haben. Hier wird er aller Welt zeigen, was er vom Anfang der Erschaffung allen Kreaturen Gutes gethan, und wie weislich er bis dahin Himmel und Erde regiert habe. Er wird hier vor aller Welt offenbaren, was für unendliche Schmach ihm die Sünder zugefügt, und wie undankbar sie für alle seine Wohlthaten gewesen seien, und er wird sie zwingen, zu bekennen, daß sie gegen ihn das schrecklichste Unrecht begangen, und daß sie an ihrer Verdammniß selbst schuld sind.

Hier werden seine Feinde vor aller Welt gedemüthigt, und seine Freunde vor aller Welt erhöht werden. Hier wird ihm, so zu sagen, mehr Ehre zu Theil, als selbst im Himmel, weil er da nur von seinen Freunden, hier aber auch von seinen Feinden anerkannt und verehrt wird. Warum sollte daher Christus den Tag des Gerichtes nicht lange dauern lassen, da ja das jüngste Gericht vornehmlich deßhalb veranstaltet wird, damit Christo die schuldige Ehre zu Theil werde, welche die Gottlosen ihm in ihrem Leben nicht zu Theil werden ließen.

Anderntheils werden ja auch die lieben Heiligen an jenem Tage die größte Ehre empfangen, weil sie nicht allein von Gott und den Engeln geehrt werden, sondern vor aller Welt in hohen Ehren und Ansehen erscheinen. Hier wird Christus allen Gegenwärtigen offenbaren, wie treu sie ihm gedienet, und wie viele Mühe und Arbeit sie in seinem Dienste und auch in der Bekehrung der Sünder angewendet haben. Hier wird er offenbaren, wie viele Bußwerke sie im Verborgenen verrichtet, und wie viele schwere Versuchungen sie ausgerichtet haben. Hier wird er offenbaren, wie grausam sie von den Weltkindern verfolgt worden, und wie man ihnen unschuldiger Weise alles Böse nachgesagt habe. Hier wird ihnen Christus die Ehre wieder geben, die ihnen diese Welt geraubt, und wird ihre Feinde zu Schanden machen, welche ihnen so viel Uebels angethan haben. Hier wird er ihnen das herrlichste Lob spenden, daß sie ihm so treu gedienet haben, und wird sie auf die glorwürdigste Weise zu Königen und Königinnen seines ewigen Reiches krönen.

Vornehmlich aber werden die lieben heiligen Martyrer einen besonderen Trost haben, wenn sie jene Tyrannen, welche sie so grausam gemartert und gepeiniget haben, jetzt so gedemüthigt, und mit unendlichem Spott und Pein erfüllt sehen werden. Dies ist gleichsam vorbedeutet worden, als der Heerführer Josue fünf Könige, welche wider die Kinder Israel gestritten hatten, gefangen nahm, und sie alle fünf vorführen ließ, indem er zu den Fürsten seines Kriegsvolkes sprach:

„Gehet hin und setzet eure Füße auf die Nacken dieser Könige. Fürchtet euch nicht, denn also wird der Herr allen euern Feinden thun, gegen die ihr zu kämpfen habt.“ Jos. 10, 4.

Gleicher Weise, dünkt mich, wird Gott auch zu den heiligen Martyrern sagen:

Gehet hin und setzet eure Füße auf die Nacken jener Tyrannen, welche euch unschuldiger Weise so grausam gemartert haben.

Ja nicht allein die heiligen Martyrer, sondern auch alle frommen Christen, welche unschuldiger Weise sind verspottet, verlacht, und verfolgt worden, werden ihre Verfolger hier gedemüthiget und zu Schanden werden sehen. Da also auf diese Weise die lieben Heiligen an jenem Tage eine unaussprechliche Ehre und Freude haben werden, warum sollte dann Christus sie dieser Ehre und Freude nicht lange genießen und den Gerichtstag nicht lange dauern lassen?

Ich meine daher, Christus habe mehr Ursache, das jüngste Gericht zu verlängern, als abzukürzen, und dieser Tag werde ohne Zweifel länger werden, als wir uns vorstellen und glauben. (Anmerkung ETIKA: Wir halten es für möglich, dass er nach menschlichen Maßstäben viele Milliarden Jahre dauern wird, bis alle Sünder sorgfältig abgeurteilt sind, zumal sie sich ja auch rechtfertigen dürfen, und weil es heißt, dass vor Gott tausend Jahre wie ein Tag sind.)

Drittens werden die Teufel und Verdammten an diesem Tage mehr Schande und Pein ausstehen, als sie in der Hölle leiden werden, weßwegen Christus ihnen zu lieb das jüngste Gericht nicht abkürzen, sondern vielmehr verlängern wird. Denn alsdann werden sie ganz nackt und bloß aller Welt vorgestellt, und vor allen Engeln und Heiligen auf das Aergste zu Schanden gemacht werden. Alsdann wird Christus alle ihre heimlichen Schelmenstücke und verborgnen Bosheiten und Ungerechtigkeiten, sowie alle schändliche Unzucht allen Menschen vor Augen stellen; ja er wird alle ihre Sünden, die sie mit Gedanken, Worten und Werken begangen haben, herzählen, und allen Anwesenden kund thun, was für Spitzbuben, Diebe, Räuber, Mörder, Zaubererer, Ehebrecher und Unzüchtige sie gewesen sind.

Alsdann wird er seinen gerechten Zorn über sie ausgießen, ihnen ihre ganze Schande vorhalten, und sie dann verfluchen und vermaledeien, wie sie es verdient haben. Die Pein, welche sie hiebei erleiden müssen, wird größer sein, als sie in der Hölle selbst werden auszustehen haben. Daher werden die Verdammten gar sehr wünschen, daß das Gericht ja doch bald ein Ende nehmen möchte, weil ihnen da ein Augenblick wie ein Jahr vorkommen wird. Sie werden jeden Augenblick sogar wünschen, daß sich die Erde unter ihren Füßen aufthun und sie verschlingen möge, weil sie lieber in der Hölle liegen, als da vor aller Welt in Schande und Angst stehen wollten. Dies sagt der hl. Basilius (Orat. de judic. et in Ps. 33) mit den ausdrücklichen Worten:

„Die gottlosen Sünder werden am jüngsten Tage mehr gepeiniget werden durch die Schande, als wenn sie in´s Feuer geworfen werden.“

Diese ist eine von den vornehmsten Ursachen, warum Gott das jüngste Gericht halten wird, nämlich, damit die Sünder nicht allein gepeiniget, sondern auch öffentlich beschämt werden. Denn also sagt der heilige Thomas:

„Der Sünder verdient nicht allein die Pein, sondern auch die Schmach und Beschämung, und dies ist eigentlich die menschliche Pein, daß er öffentlich beschämt werde. Denn die Thiere können auch geschlagen und getödtet, aber nicht beschämt und verspottet werden.“

Daher geschieht es, daß ein ehrliebender Mann lieber will heimlich gepeiniget, als öffentlich beschämt werden, und daß er sich bereit erklärt, lieber größere Pein heimlich zu leiden, damit er der öffentlichen Schande entgehen möge.

Weil daher die Verdammten am jüngsten Tage wegen der öffentlichen Beschämung vor aller Welt ihrer allergrößte Pein haben werden, warum sollte den Christus ihnen zum Troste diesen Tag abkürzen, und ihre Pein verringern? Er hat vielmehr Ursache, denselben zur Vermehrung ihrer Strafe zu verlängern, um sie nach ihren Verdiensten desto mehr vor aller Welt zu beschämen.

·       Deßwegen bin ich der Meinung, der jüngste Tag werde nicht bloß einen Augenblick, sondern sehr lang währen, und werde uns armen Sündern unvergleichlich bitterer fallen, als wir uns einbilden.

·       Darum haben wir uns wohl vor demselben sehr zu fürchten, und den lieben Gott treulich zu bitten, daß er uns denselben durch seine unendliche Gütigkeit nicht zur Schande, sondern zur Glorie gereichen lassen wolle.

 

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