ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

20.7.2012

18B18B12

Von dem Urteil, welches Christus aussprechen wird

S. 79-83

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

XII. Kapitel
Von dem Urtheile, welches Christus aussprechen wird.

Was bisher von dem jüngsten Gerichte gesagt worden, ist zwar sehr furchtbar und schrecklich, aber noch weit erschrecklicher ist das, was jetzt kommt, nämlich die allgemeine Verkündigung des Urtheils über die Verdammten, und ihre Hinabstürzung in die Hölle. Diese beiden Dinge werden so erschrecklich sein, daß dergleichen in der ganzen Ewigkeit nicht sein werden.

Nachdem nämlich der Richter alle Gedanken, Worte und Werke, die von der Erschaffung bis auf denselben Tag geschehen sind, aufs Schärfste erforscht, und vor aller Welt wird geoffenbaret haben, dann wird er sich mit ganz freundlichem Angesicht zu seinen Auserwählten, die alle weit unter seinem Throne zu seiner Rechten in der Luft stehen, wenden, und sie mit den allerliebreichsten Worten, und mit der allersüßesten Stimme anreden:

„Kommet her ihr Gebenedeite meines Vaters, besitzet das Reich, das euch bereitet ist vom Anfang der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket etc. etc.“ Ihr seid mir treu gewesen bis an euer letztes Ende, und habt mir nach aller eurer Möglichkeit gedient. Ihr habt die Welt, und Alles, was in der Welt ist, verachtet, und mich geliebt, und meine Ehre über Alles gesucht und befördert! Ihr habt auf Erden viel gelitten, und schwere Bußwerke verrichtet, und seid von der Welt und allen bösen Menschen verachtet und unterdrückt worden! Nun aber ist die Zeit des Leidens aus, und die Zeit der Freuden fängt nun an, darum wird eure Traurigkeit in Freude verwandelt werden, die in Ewigkeit Niemand von euch nehmen wird. Deßwegen kommt her, meine liebsten Freunde! kommt her ihr Gebenedeiten und Auserwählten meines himmlischen Vaters! Kommt von der Arbeit zur Ruhe, vom Leide zur Freude, von der Finsterniß zum Lichte, und von der Erde zum Himmel! Kommt und besitzet das glorwürdige himmlische Vaterland, nach dem ihr so oft geseufzet habt! Kommt und regiert mit mir von Ewigkeit zu Ewigkeit, wie ihr es durch eure guten Werke verdient habt! So lang als ich Gott sein werde, so lange werdet ihr selig sein, und werdet mit mir alle Freude und Wonne nach Herzenslust zu genießen haben.“

Wenn nun die Auserwählten diese süßen und freundlichen Worte Christi hören, o Gott! was für Freude und Wonne werden sie da an Leib und Seele empfinden! Eine größere Freude werden sie in der ganzen Ewigkeit nicht haben. O, wie werden sie auf ihre Kniee niedersinken und ihrem Gott für diese Gnaden aus dem innersten Grunde ihres Herzens danken! Dann werden sie voll des Dankes sich zu ihrem Richter wenden und zu ihm sprechen:

„Allergnädigster Gott und Herr! wie groß ist deine Güte gegen uns, und wie unschätzbar ist die Größe deiner Gnaden, die du uns erzeigest. Wie haben wir´s doch um dich verdient, daß du uns so reichlich belohnest, und was haben wir doch immer gethan, das einer so unendlichen Seligkeit würdig ist? Deine Barmherzigkeit übertrifft alle unsre Werke, und deine unendliche Liebe allein hat dich bewogen, uns das Reich deiner Glorie zu schenken. Darum sei gebenedeit in alle Ewigkeit, und das Lob deiner Majestät komme nimmer aus unserm Munde!“

Darnach wird Christus seine Engel schicken, um seine lieben Heiligen mit großen Ehren zu sich heraufzuführen. Und wenn sie zu ihm kommen, so wird er sie mit neuer Klarheit erleuchten, und wird einen jeden nach seinem Verdienste mit dem Gewande der Glorie bekleiden. Nach dem Grad ihrer Heiligkeit werden sie auch herrlich bekleidet werden. Er wird auf ihre Häupter unterschiedliche Kronen setzen nach ihren Verdiensten, und in ihre Hände wird er ihnen Lilien, Rosen, Palmzweige, und Scepter geben, zum Zeichen des errungenen Sieges über die Welt, das Fleisch und den Teufel.

Bedenke hier, o Christ! was für eine Pracht, was für eine Ehre, und was für eine Glorie es sein wird, wenn so viele hunderttausend himmlische Fürsten in solcher unbeschreiblicher Zierde da beisammen stehen werden. Wie werden sie einander Glück wünschen, wie werden sie sich mit einander erfreuen, wie werden sie einander mit Staunen und Verwunderung ansehen, wie werden sie jubeln und frohlocken, wie werden sie Gott loben und preisen! O Gott! daß auch ich unter der Zahl dieser Auserwählten sein möchte! O Gott! was für Ehre! O Gott, was für Freude! O Gott, was für Glorie würde ich haben! O mein Leid, o meine Seele, o mein Herz! thut eurer Bestes, und dienet dem lieben Gott nach Möglichkeit! Leidet hier auf dieser Welt, und traget das Kreuz mit Geduld, es wird euch tausendfältig in alle Ewigkeit vergolten werden!

Diese Glorie der Heiligen werden alle Verdammten mit Augen sehen, und werden sich unendlicher Weise darüber entsetzen und betrüben, wie dies geweissagt hat der Psalmist, indem er sagt:

„Der Sünder sieht´s und zürnet, mit seinen Zähnen knirschet er, und schmachtet hin; der Sünder Streben wird zu nicht!“ (Ps. 111, 10.)

Die Sünder werden alsdann über das Glück der Frommen in Zorn und Neid entbrennen, und dadurch sich selbst verzehren, aber dem Gerechten nicht schaden. Sie werden alsdann erbärmlich klagen und schreien:

Ach, ach wir Elende! Ach, ach wir Verfluchte! was haben wir gethan, was haben wir gedacht! diese Glorie hätten wir auch haben können, wenn wir nur gewollt hätten, und unter dieser glückseligen Schaar hätten wir auch sein können, wenn wir uns nur darnach gestellt hätten! O mit was für geringer Mühe hätten wir diesen so großen Lohn erlangen können, und mit was für leichter Arbeit hätten wir diese unendliche Seligkeit verdienen können! Nun aber haben wir dies Alles so liederlich verscherzt und haben wegen so elender vergänglicher Freuden und Wollüste uns der ewigen Freude beraubt! O wir thörichte! o wir unsinnige Menschen! O wir verstockte Sünder! Wie haben wir uns so schändlich betrügen und verführen lassen! Wie haben wir uns von den schnöden Wollüsten verblenden und bethören lassen!

Dieses Alles beschreibt der weise Mann im Buche der Weisheit, K. 5, mit folgenden schönen Worten, welche würdig sind von Jedem gelesen zu werden:

„Alsdann werden in hoher Freimüthigkeit die Gerechten da stehen vor dem Angesichte ihrer Unterdrücker, und Derer, welcher ihre Mühe für erfolglos hielten. Bei solchem Anblicke werden diese von schauerlicher Furcht überfallen werden, und sich entsetzen über die plötzliche, unerwartete Errettung (der Gerechten), indem sie andern Sinnes werdend, bei sich sprechen, und in der Beklommenheit des Geistes stöhnen: Die sind es, welche wir sonst zum Gelächter hatten, und als Stichblatt des Uebermuthes. Wir Thoren hielten ihr Leben für Unsinn, und ihr Ende für schimpflich! Siehe, wie sie nun unter die Kinder Gottes gezählet sind, und ihr Loos unter den Heiligen ist! So haben wir uns also verirret vom Wege der Wahrheit und das Licht der Gerechtigkeit leuchtete uns nicht, und die Sonne der Erkenntniß ging uns nicht auf. Wir haben uns abgemüdet auf dem Wege der Bosheit und des Verderbens, und wandelten harte Wege; aber den Weg des Herrn erkannten wir nicht. Was half uns nun der Uebermuth? Was nützte uns des Reichthums Prahlen? Vorübergegangen ist das Alles wie ein Schatten, und wie ein dahinlaufender Bote, und wie ein Schiff, das durch die Wellen des Meeres dahinfährt.“

Während sie so sprechen, werden sie sich in ihrer Verzweiflung auf die Erde niederwerfen, und wie Unsinnige rasen, wüthen und toben, weil sie so liederlich das ewige Gut für alle Ewigkeit verscherzt haben. Der Wurm des Gewissens wird so sehr an ihnen nagen, daß sie meinen, ihr Herz müsse vor Leid und Schmerz in tausend Stücke zerspringen.

Nachdem die Elenden sich lange so verzweifelt abgehärmt haben, dann wird wieder die englische Posaune so grausam erschallen, daß es ihnen durch Mark und Bein gehen wird. Dieser Posaunenschall wird das Zeichen des Urtheils der Verdammten sein, und wird bei allen Gegenwärtigen das höchste Stillschweigen hervorrufen. Alsdann wird der gerechte Richter sich erheben und alle Verdammten mit erzürntem Blicke anschauen, und ihnen nochmal insgesammt alle Laster und Schandthaten vorwerfen, und alle ihm zugefügte Schmach vorhalten, indem er zu ihnen spricht:

„O ihr verfluchten und verworfenen Sünder! O ihr unsinnigen und teuflischen Bösewichte! So lange ihr gelebt, seid ihr mir allzeit feindlich gewesen, und habt mir in euerm Uebermuthe alle möglichen Beleidigungen zugefügt. Sehet hier die Wunden, die ihr mir geschlagen habt; sehet die Seite, die ihr mir durchstochen habt; sehet hier das Kreuz, daran ihr mich genagelt, und die Säule, an der ihr mich gegeißelt habt! Euch zu lieb bin ich vom Himmel gekommen, und euch zu lieb habe ich einen so bittern Tod gelitten; ihr aber habt dieses Alles nicht geachtet, und lieber dem Teufel, als mir euerm Gotte gedient.

„Ich habe euch gerufen, und ihr habt mich nicht gehört; ich habe meine Hände ausgestreckt und ihr habt es nicht geachtet. Ihr habt verachtet alle meine Räthe, und habt nach allen meinen Drohungen nichts gefragt! Deßwegen will ich auch nun zu euerm Untergange lachen, und will euch verspotten, weil euch nun das widerfahren ist, was ihr gefürchtet habt.“

Ja in aller Ewigkeit sollt ihr nun von mir verstoßen und verflucht sein, ohne daß ich jemals wieder das geringste Mitleid mit euch hätte. „Sehet, meine Diener werden essen, und ihr werdet hungern, meine Diener werden trinken und ihr werdet dursten; sieh, meine Diener werden sich freuen, und ihr werdet zu Schanden werden; sieh, meine Diener werden jubeln vor Lust des Herzens, und ihr werdet schreien vor Schmerz des Herzens, und werdet gebrochnen Geistes heulen.“ Isai. K. 5, 13.

Nachdem nun der Richter den Verdammten alle ihre Missethaten wird vorgehalten haben, dann wird er zuletzt das Verdammungsurtheil über alle ingesammt aussprechen mit den Worten:

„Gehet hinweg von mir, ihr Vermaledeite, in das ewige Feuer, welches bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket“ etc. etc. Darum gehet nun hin in die ewige Verdammniß, und seid von mir und von meinen Heiligen ewiglich verflucht und vermaledeit.“

O schreckliches Urtheil! o furchtbarer Spruch! O Urtheil! dergleichen nicht ist gehört worden, so lange die Welt steht, und dergleichen auch nicht gehört werden wird bis in alle Ewigkeit. Denn sollte es nicht über alle Begriffe entsetzlich sein, wenn jener Gott, dessen Natur die Güte selbst ist, diese elenden Kreaturen nebst ihrem unendlichen Jammer und Elend auch noch verflucht? Ist es nicht furchtbar, daß der, welcher die Barmherzigkeit selbst ist, sie ohne alle Gnade zu einem immerwährenden Feuer verdammt, in die ewige Gesellschaft der grausamen und abscheulichen Teufel verweist, und auf ewig von der seligen Gemeinschaft der Heiligen verstoßt? O furchtbarer Ausspruch! O grausenhaftes Urtheil!

Jene furchtbaren Worte werden die vermaledeiten Sünder so angreifen, daß sie meinen werden, sie wären von einem Blitz getroffen worden. Sie werden heulen, und wüthen, daß Alles darob erzittern wird. Was für ein Geschrei wird wohl das sein, wenn so viele Millionen Menschen und Teufel zusammen schreien und brüllen!

O wehe uns Vermaledeiten! werden sie schreien. O wehe uns und auf ewig Verfluchten!  So sind wir denn nun wirklich auf ewig von Gott und allen Guten ausgestoßen und den grausamen Teufeln anheim gegeben! So werden wir denn nun wirklich in Ewigkeit keinen Antheil mehr an Gott haben! O ewige Qual, statt ewiger Seligkeit! O ewiges Feuer, statt ewiger Freude! O wehe uns! Wie werden wir das Alles leiden können? Und in Ewigkeit sollen wir es leiden! Ja, da müssen wir rasend und wüthend werden! Wenn doch nur noch ein Ende zu hoffen wäre, so wollten wir uns noch getrösten, und wenn nur noch nach tausend  und tausend Jahren Erlösung zu hoffen wäre, so würden wir noch von Herzen gerne zufrieden sein! Aber nein! auch nach Millionen Jahren ist ebenso wenig Hoffnung für uns, wie jetzt. O Ewigkeit! O Ewigkeit! was bist du!

So werden die elenden verfluchten Menschen und Teufel schreien; aber das göttliche Herz kann keine Erbarmung mehr mit ihnen haben, weil sie die Zeit der Erbarmung nicht genützt haben. Weder Christus, noch ein Heiliger wird sich ihrer erbarmen. (Anmerkung des Abschreibers: In diesem Moment wird im Fernsehen, das nebenher für Andere läuft, ein abscheulicher, vermutlich p. Schurke mit seinem a. S. gezeigt, und dies bestätigt uns, dass solche, noch dazu in der Öffentlichkeit gefeierte Verbrecher wirklich kein Mitleid verdienen in Ewigkeit. Ein Zeichen Gottes.)  „Dies sehet einmal ein, ihr, die ihr Gottes vergesset, damit er nicht einmal euch ergreife, und Niemand sei, der euch errette.“ Ps. 49, 22.

Ja, verstehet es wohl, ihr Sünder und Sünderinnen, und sehet zu, daß nicht auch euch dieses schreckliche Unheil über den Hals komme. Bedenket, wie euch zu Muthe sein würde, wenn ihr unter die Zahl dieses verdammten  Haufens kommen solltet! Bedenket, was ihr alsdann wünschen werdet, gethan zu haben, und thut dies jetzt, damit ihr es alsdann nicht umsonst zu beklagen habt, nicht gethan zu haben! Jetzt beweint eure Sünden und bekehrt euch von Herzen zu Gott, euerm Herrn, und rufet ihn an, daß er euch vor jenem schrecklichen Uebel bewahren wolle, indem ihr auf folgende Weise sprecht:

O allergütigster Herr Jesus Christus! du hast durch deinen hl. Propheten gesprochen: „Zur gnadenreichen Zeit erhöre ich dich. Siehe! jetzt ist die gnadenreiche Zeit; siehe! jetzt ist die Zeit des Heiles.“ Deßwegen rufe ich jetzt mit innigstem Vertrauen zu dir, und bitte dich aus dem innersten Grunde meines Herzens, du wollest mich nicht ewig verdammen. Wenn du mir nicht besonders mit deiner Gnade zu Hilfe kommst, so ists mir nicht möglich, daß ich selig werde oder im Guten verharre. Denn ich habe der Feinde und Anfechtungen so viele, daß ich sie nicht alle überwinden kann. Und dazu bin ich auch noch so schwach, elend und armselig, daß mich die allergeringste Versuchung darnieder werfen kann. Darum rufe ich dich um Hilfe und Beistand an, daß du mich durch deine göttliche Hand vom Uebel der Sünden bewahrest. O erschrecklicher Gott der Rache, der du die Sünden so sehr hassest, daß du sie mit dem ewigen Feuer strafest! ach, ach, verzeihe mir meine vielfältigen Sünden, mit welchen ich dich gar so schwer beleidiget habe. Ich bekenne, daß ich die Hölle tausendmal verdienet habe, und daß ich auch unfehlbar darein kommen werde, wofern du mir nicht aus lauter Barmherzigkeit meine schweren Sünden verzeihest. Ach so verzeihe mir doch durch deine unendliche Güte, und bewahre mich vor der ewigen Verdammniß, um deines heiligen Namens willen.

„Die Todten werden dich nicht loben, o Herr, noch Alle, so hinabfahren in die Hölle. Sondern wir, die wir leben, benedeien deinen heil. Namen von nun an bis in Ewigkeit.“

O gütiger Gott! der du nach dem Zeugnisse der hl. Schrift dich nicht erfreuest am Verderben der Menschen, was für Freude würde es dir machen, wenn ich ewig verloren sein sollte? Was für eine Ehre würde es für dich sein, wenn jene Seele, welche du mit deinem kostbaren Blute erkauft hast, in den ewigen höllischen Flammen brennen sollte? Es wäre dir ja doch gewiß mehr Ehre und Freude, wenn ich dich ewig im Himmel lieben und loben und dir für deine großen Wohlthaten dankbar sein könnte. Darum, um deiner größern Ehre und Glorie willen. behüte mich vor der Hölle, und führe mich zu der ewigen Seligkeit. Amen.

In Originalschreibweise

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