ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

21.7.2012

18B18B13

Wie die Verdammten in die Hölle gestürzt werden

S. 83-86

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

XIII. Kapitel
Wie die Verdammten vergebens bitten und dann in die Hölle gestürzt werden.

Daß die armen Verdammten nach gesprochenem Endurtheil mit Christus noch reden werden, bezeugt er selbst mit den Worten:

„Dann werden auch Diese antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig, nackt etc. gesehen, und dir nicht gedient?“ Matth. 25, 44.

Aber mit allem Dem, und was sie sonst noch zur Entschuldigung vorbringen mögen, werden sie Nichts ausrichten, sondern der Richter wird sein einmal gesprochenes Urtheil wiederholen und bekräftigen.

(Anmerkung ETIKA: Hier sind wir nicht ganz gleicher Meinung wie P. Martin von Cochem. Wir halten es nämlich für wahrscheinlich, dass die Angeklagten noch vor dem Richterspruch auf die Vorwürfe antworten dürfen. Wir selbst haben vor, darauf hinzuweisen, dass unser fast lebenslanger Kampf in ETIKA und etika.com fast völlig vergebens war und dass wir auch wegen einer spürbaren fehlenden Unterstützung von oben nicht unsere Ziele einer Neu-Evangelisierung und Wiedervereinigung der Kirchen, Schutz der Kinder und Förderung der Familien, Aufbau einer gerechten Sozial- und Weltordnung, Abschaffung der Tierversuche und sonstigen Tierquälereien, Reinigung der Umwelt, Bekämpfung der Verbrechen usw. ganz offensichtlich verfehlt haben. Wenn wir nicht immer mit voller Kraft diesen aussichtslosen Kampf geführt haben, sondern zurückgefallen sind, so hängt das alles auch zusammen. Um so größer ist unsere Dankbarkeit gegenüber den wenigen Christen, die uns unterstützt haben, um nur die fünf Treuesten zu nennen: P. F., F., F. J., H. W., T.)

Wenn alsdann die elenden Verdammten sehen werden, daß sie ganz und gar Nichts mehr ausrichten, dann werden sie auf´s Neue schreien:

Weil wir nun gar keine Hoffnung mehr haben, so sei verflucht der Tag und die Stunde, wo wir geboren wurden! Verflucht seien die Aeltern, die uns gezeugt, und alle erschaffenen Dinge, die uns ernährt haben. Verflucht seien alle Diejenigen, die uns zur Sünde verführt, und Alle, die Ursache an unserer Verdammniß sind! Ja sie werden selbst über Gott, über Jesus Christus, über das Werk der Erlösung, und über alles Heilige fluchen und lästern.

Wann nun aber Christus diese grausame Gotteslästerung hören wird, was meinst du, daß er thun werde? Als er selbst vor dem jüdischen Rathe sagte, er wäre Gottes Sohn, da zerriß Kaiphas sein Kleid und schrie mit lauter Stimme: Er hat Gott gelästert, ihr habt selbst die Gotteslästerung gehört, was dünkt euch noch? Sie sprachen aber alle: Er ist des Todes schuldig, er muß sterben, fort mit ihm zum Galgen, zum Kreuz, zum Tod.

Mit noch tausendmal mächtigerer Stimme aber wird Christus zu den Engeln und Heiligen rufen:

Sie haben Gott gelästert, sie haben mich und alle meine Heiligen verflucht! Ihr habt es selbst gehört, was dünkt euch? Alsbald werden alle Engel und Heiligen mit einhelliger Stimme rufen: Sie sind des Todes schuldig, sie müssen allesammt sterben! Fort mit ihnen, fort mit ihnen zur Hölle, zum Tod, zum Teufel, zum Feuer, zur ewigen Verdammniß!

Ach! wie furchtbar und grausenhaft (Anm.: heute grausig) ist nun aber das, was jetzt geschehen wird. Damit du aber ja nicht meinest, ich sage zu viel und mache die Sache zu arg, so will ich die klaren Worte der hl. Schrift hier anführen, welche im Buche der Weisheit hierüber spricht:

„Er wird als Waffenrüstung nehmen seinen Eifer, und zur Waffe machen die Schöpfung zur Rache an den Feinden. Er wird anlegen als Panzer Gerechtigkeit und sich aufsetzen als Helm ernstliches Gericht. Er wird nehmen als unüberwindlichen Schild Vollkommenheit, ja schärfen wird er grimmen Zorn zur Lanze; mitkämpfen aber wird mit ihm die Welt gegen die Unsinnigen. Sichergehende Blitzpfeile werden hinzucken, und wie vom wohlgekrümmten Bogen aus Wolken entsendet, an das sichere Ziel hinfahren. Und aus steinschleuderndem Zorne wird dichter Hagel schauern; aufzürnen wird wider sie des Meeres Gewässer und die Ströme zusammen mit aller Gewalt über sie hereinbrechen. Wider sie wird sich erheben der Geist der Macht, und gleich Sturmwind sie zerstäuben. Ihre Bosheit wird die Erde zu einer Wüste machen, und ihre Ruchlosigkeit die Throne der Gerechtigkeit umstürzen.“ Kap. 5, 18.

Sind dies nicht schreckliche Worte, mit welchen die hl. Schrift ausführlich beschreibt, wie der gerechte Richter Jesus Christus am jüngsten Tage zürnen, und die Verdammten in den Abgrund der Hölle hinunter stürzen werde! Wer könnte es ohne Zittern betrachten, was für ein strenges Gericht das sein wird, wobei der allmächtige Gott sich selbst mit Gericht, Gerechtigkeit, mit dem Zorn der göttlichen Strafgerechtigkeit wie mit einem Harnisch, Helm, Schild und Spieß bewaffnen und dazu alle seine Kreaturen nach seiner göttlichen Allmacht zur Rache gegen seine Feinde aufrufen wird!

Hier wird das Meer anfangen, zu wüthen und zu toben; die Winde werden anfangen, zu sausen und zu brausen; die Wolken werden anfangen, zu hageln und zu donnern; die Blitze werden anfangen, zu leuchten und einzuschlagen; die Erde wird anfangen zu zittern und zu beben, und es wird hier solche Verwirrung aller Elemente und Kreaturen sein, daß alle Verdammten meinen werden, Himmel und Erde gehe mit ihnen zu Grunde.

Es werden viele hunderttausend Blitze mit entsetzlichem Donnern auf einmal aus den Wolken schießen, und alle Verdammten mit unglaublichem Schrecken zu Boden schlagen. Es wird sich unter furchtbarem Krachen die Erde öffnen unter den Füßen der Verdammten, und die vielen tausend Millionen auf einmal lebendig verschlingen.

Schrecklicheres als dieses kann wohl Nichts gedacht werden! denn sobald die Erde unter ihren Füßen mit einem grausenhaften Krachen sich geöffnet hat, dann werden die Verdammten alle miteinander einen so furchtbaren Schrei thun, daß man meinen möchte, Himmel und Erde stürzten vom Blitze zerschlagen zusammen, und mit diesem Schrei werden sie hinunter stürzen in den tiefen Abgrund der Hölle. O welch ein schrecklicher Sturz! Wer kann daran denken, ohne im tiefsten Herzen zu erzittern!

Selbst die Heiligen, welche diesen Sturz mitansehen werden, würden vor Entsetzen ohnmächtig zu Boden fallen, wenn sie noch leidensfähig wären.

Wie vielmehr müßten die Verdammten selbst vor Schrecken vergehen, wenn es möglich wäre! Sie werden aber so hinunterstürzen, als wären sie wie Mühlsteine so schwer und als würden sie vom Blitze niedergeschmettert. Dies sagen die Worte der hl. Schrift:

„Da hob ein mächtiger Engel einen Stein, wie ein Mühlstein groß, und warf ihn ins Meer, und sprach: Mit solchem Ungestüm wird Babylon (die Versammlung der Gottlosen), die große Stadt, gestürzt und nicht mehr gesehen werden.“ Offb. 18, 21.

Wenn sie nun zur Hölle kommen, dann wird diese ihren Rachen aufsperren wie ein grimmiger Drache, und sie allesammt auf einmal verschlingen, wie der Prophet Isaias geweissagt:

Das Todtenreich erweitert seine Gier, und sperret auf seinen Schlund ohne alles Maaß; und es steigen hinab zu ihm seine Mächtigen, und sein Volk, und seine Herrlichen und Hohen.“ Kap. 5, 14.

O furchtbarer höllische Rachen! aus dem Keiner mehr zurückkommen wird in alle Ewigkeit. Wenn sie nun alle in der Hölle sind, dann wird das Loch, durch welches sie hinunter gefallen sind, sich wieder zuschließen, und so sind dann alle auf ewig in diesem Abgrunde begraben. Was werden da die Verdammten denken und sagen, wenn sie nun sehen werden, daß für sie nirgend mehr ein Ausgang zu finden ist? O Gott! wie werden sie heulen und brüllen! O Gott! wie werden sie wüthen und toben! O Gott, wie werden sie rufen und schreien!

„O wehe, o wehe uns Verdammten! O wehe, o wehe uns Verfluchten und Vermaledeiten!“ Sollen wir nun in Ewigkeit nicht mehr herauskommen, sollen wir nun in alle Ewigkeit in diesem grausamen, stinkenden, feurigen Kerker eingesperrt sein müssen. O daß wir nimmer geboren wären! O wehe uns Armseligen! O wehe uns Elenden! Ach, ach, was fangen wir an? Ach, ach wo sollen wir uns hinwenden? Wo man sich hinwendet, da ist lauter Feuer und Flamme, was man nur sieht und hört, da ist lauter Marter und Pein!

Auf diese Weise, ja noch viel hunderttausendmal ärger werden die Elenden rufen und schreien, heulen und brüllen, wüthen und toben. Dies Geschrei werden aber nicht allein die verdammten Menschen, sondern auch die Teufel mit ihnen führen, und werden mit dem furchtbarsten Jammergeschrei ihr ewiges unendliches Lob beklagen. Aber Alles umsonst und vergebens, weil ihnen weder Gott noch ein Mensch, weder ein Engel noch ein Heiliger, weder was im Himmel noch was auf Erden ist, helfen kann oder helfen will.

Sie müssen nun einmal in diesem furchtbaren Kerker zusammen bleiben und brennen. Luzifer wird nun mit Hilfe der höllischen Fürsten anfangen, einem jeden Verdammten seinen bestimmten Ort anzuweisen, den ihm der Richter verordnet hat. Denn wie es im Himmel Chöre gibt und die Einen höher stehen als die Andern, je nach ihrem Verdienst, so wird es auch in der Hölle Abstufungen geben nach der Größe der Schuld, die Jeder auf sich geladen hat.

Luzifer wird nach der Schuld nun alle ordnen; die mehr verschuldet, die werden auch größere Marter und Pein zu erdulden haben. (Anmerkung ETIKA: Einige der verschiedenen Strafen werden von Tundalus sowie Dante in seiner Göttlichen Komödie sowie von Vicente F. Delmonte in seinem Roman „Jedem nach seinen Taten“ (2007, im Buchhandel oder online bestellbar) aufgezählt. Wer seine Zukunft kennen will, muss zumindest diese Werke von Dante und Delmonte kennen!!!) Da wird aber keine Qual und keine Pein von allen boshaften Teufeln zu ersinnen sein, die den Verdammten nicht angethan würde.

Das, o Sünder! laß dir tief zu Herzen gehen, und damit es dir nicht auch einmal widerfahre, so rufe vom Grund deiner Seele deinen lieben Gott demüthig an, und sprich:

O du gestrenger und gerechter Gott! wenn ich deine strenge Gerechtigkeit betrachte, so erschrecke ich vom Grunde meines Herzens. O Gott der Rache, wer kann sich genug vor dir fürchten, und vor deinem strengen Urtheil genug hüten? O wie viele Tausend sind jetzt in der Hölle, die viel frömmer gelebt haben, als ich lebe, und doch endlich durch eine einzige Todsünde in dies ewige Leid gerathen sind! O wenn es mir auch also ergehen sollte, wie schrecklich und furchtbar wäre doch dies für mich!

O mein Gott! was soll ich doch anfangen, daß dies mir nicht widerfährt? O Gott, wie will ich dich genug bitten können, dass du mich nicht dahin kommen lassest? O mein allergütigster Herr Jesus Christus! ich falle dir demüthigst zu Füßen, und bitte dich um deines bittern Leidens willen, du wollest mich nicht verdammt werden lassen. Ich bitte dich durch deine Gottheit und Menschheit, und durch deine Güte und Barmherzigkeit! Ich bitte dich durch deine Menschwerdung und Geburt, und durch deine Armuth und Verlassenheit; ich bitte dich durch dein Fasten und Wachen, durch dein Beten und Betrachten, durch dein Predigen und Lehren, durch deine Mühe und Arbeit, durch deine Geiseln und Dörner (Anm.: heute Geißeln und Dornen), durch dein Kreuz und Nägel, durch deine Martern und Peinen, und durch deinen allerbittersten, allerschmählichsten und allerschmerzlichsten Tod!

Gedenke, o Jesu! wie viel du für mich gethan und gelitten hast, und wie manchen sauern Blutstropfen du für mich geschwitzet hast. Gedenke, wie manche bittere Zähre du für mich geweint hast, und wie manchen Blutstropfen du für mich vergossen hast! Gedenk, wie manchen harten Streich du für mich empfangen. und wie manche schwere Marter du für mich gelitten hast!

Dieses Alles hast du ja darum gethan und gelitten, damit ich armer Sünder die ewige Seligkeit erlangen möchte. Wenn ich nun verdammt werden sollte, so wäre ja all dein Leiden an mir verloren, und du hättest von mir weder Dank noch Erkenntlichkeit zu erwarten. Wäre es denn nicht Schade, wenn dein ganzes bitteres Leiden, und dein Blut an mir ganz und gar verloren sein sollte? Ei so mache denn o Jesu! daß dies nicht geschehe, sondern gib mir Gnade, so zu leben, damit ich dem ewigen Tode entgehen, und die ewige Seligkeit erlangen möge.       Amen.

In Originalschreibweise

Unter Schmerzen abgeschrieben

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