ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

22.7.2012

18B18B14

Wie die Seligen gen Himmel fahren werden

S. 87-91

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

XIV. Kapitel
Wie die Seligen nach dem Gerichte gegen Himmel fahren werden.

Nachdem nun die Versammlung aller verfluchten Sünder von der Erde verschlungen und in den feurigen Pfuhl der Hölle gestürzt worden, dann wird eine besondere Freude und ein großes Frohlocken unter allen Engeln und Heiligen entstehen. Es wird sich kein einziger wegen dieses erschrecklichen Untergangs der armen Sünder betrüben, wenn auch schon die eigenen Aeltern oder Kinder, oder Geschwister, oder die besten Freunde darunter sind; sondern alle werden die Gerechtigkeit Gottes anerkennen und preisen und bekennen, daß allen Verdammten Recht geschehen sei. Wie sie Gott loben werden, beschreibt der heil. Johannes in seiner Offenbarung ausführlich, indem er spricht:

Darnach sah ich einen Engel vom Himmel herabkommen, der eine große Macht hatte, und die Erde ward erleuchtet von seinem Glanze. Und er rief mit Macht und sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die Große (nämlich die Gemeinde aller Gottlosen)! Sie ist eine Wohnung der Teufel geworden, ein Aufenthalt aller unreinen Geister. Denn ihre Sünden sind hinaufgestiegen bis an den Himmel, und der Herr hat an ihre Ungerechtigkeit gedacht. Vergeltet ihr nun, wie sie auch euch vergolten hat, und gebet ihr das Doppelte nach ihren Werken … Wie sehr sie sich herrlich gemacht, und in Lüsten gelebt hat, so viel gebet ihr Qual und Leid. Frohlocke über sie, Himmel, und ihr heiligen Apostel und Propheten; denn Gott hat euch an ihr gerächet.“ K. 18.

Hieraus ist klar abzunehmen, daß, sobald die Versammlung der Gottlosen (welche durch die Stadt Babylon bedeutet wird) gestürzt sein wird, der hl. Michael die gemeldeten Worte mit klarer Stimme ausrufen, und alle Heiligen zur Freude auffordern werde. Wie hoch sich aber die Heiligen erfreuen werden, das beschreibt der heil. Johannes Kap. 19 mit folgenden Worten:

Darnach hörte ich wie eine Stimme vieler Schaaren im Himmel, die sprachen: Alleluja! Heil und Ehre und Kraft sei unserm Gotte! denn wahrhaft und gerecht sind seine Gerichte, der gerichtet hat die große Hure, welche die Erde verderbt hat durch ihre Unzucht, und hat gerächet das Blut seiner Diener von ihrer Hand. Und abermal sprachen sie: Alleluja! Und es fielen nieder die vier und zwanzig Aeltesten (nämlich die Mitrichter Christi) und beteten Gott an, der auf dem Throne saß und sprachen: Amen, Alleluja. Und es ging eine Stimme vom Throne aus, die sprach: Lobsinget unserm Gott alle seine Diener,  Alleluja! Es regiert der Herr, unser Gott, der Allmächtige. Lasset uns nun frohlocken und fröhlich sein, und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet. Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind.“

Sind das nicht liebe Worte? Ist das nicht eine klare Beschreibung der großen Freuden, welche die lieben Heiligen nach dem jüngsten Gerichte haben werden? O wie werden sie Alleluja singen! O wie werden sie Gott danken, daß er sie vor der ewigen Verdammniß bewahrt, und seinen lieben Auserwählten zugesellet hat! Sie werden hier sämmtlich vor dem Throne Christi niederfallen, und ihm aus allen Kräften Lob und Dank sagen für die unendlichen Gutthaten, die er ihnen erzeigt hat. Wenn sie dann ihre Schuldigkeit abgelegt haben, so werden sie sich bereiten zur Hochzeit des Lammes und seiner liebsten Braut, der allerseligsten Jungfrau Maria, damit sie nämlich diese beiden an diesem ihrem Ehrentage nach Würde zum himmlischen Tempel begleiten, und sich dann mit ihnen beim ewigen Hochzeitsmahle erfreuen.

Hier wird eine solche herrliche Prozession veranstaltet, und solche glorwürdige Himmelfahrt gehalten werden, die alles Herrliche übertrifft, was der Mensch nur immer erdenken mag. Die englischen Posaunen sammt allen himmlischen Instrumenten werden vorangehen, und himmlischer Gesang und Musik wird die Lüfte füllen. Darauf kommt der hl. Michael mit dem Kreuze, an dem Christus gestorben ist, welches, wie auch alle Leidens-Werkzeuge, nach der Meinung vieler Lehrer ewig im Himmel aufbewahrt bleiben wird. Das hochheilige Kreuz wird mit göttlicher Klarheit leuchten, und die Augen aller Engel und Heiligen wunderbarer Weise erfreuen.

Nach dem heiligen Michael kommen verschiedene Engel, welche die Leidens-Werkzeuge tragen, nämlich die Dornenkrone, den Spieß, den Schwamm, die Nägel, die Geißeln, die Ruthen, die Stricke, die Ketten sammt allem Dem, was den heiligen Leichnam Christi berührt hat, und mit seinem kostbaren Blut bespritzet worden ist. Alle diese hochheiligen Werkzeuge werden mit himmlischer Klarheit leuchten, und durch ihre übernatürliche Schönheit Engel und Menschen erfreuen.

Nach diesen großen Heiligthümern kommt der erste englische Chor sammt jenen Seligen, welche durch das Urtheil Christi in den untersten englischen Chor verordnet worden sind, nämlich, wie zu vermuthen ist, die kleinen Kinder, die nach der Taufe vor den Jahren des Gebrauchs ihrer Vernunft gestorben sind. O wie werden sich diese lieben Kindlein erfreuen, daß sie ohne alle Verdienste durch die Gnade der heiligen Taufe zu diesen großen Ehren gekommen, und nunmehr mit Leib und Seele in alle Ewigkeit glorwürdig sein werden.

Nach den kleinen Kindern, wie zu glauben, werden jene Seelen kommen, die bis an ihr Ende in Sünden verharret, und durch wunderbare Schickung Gottes am Ende ihres Lebens ihre Sünden noch herzlich bereut haben und dann noch in der Gnade Gottes gestorben sind. Alle diese lieben Heiligen werden zugleich mit den lieben Engeln aus allen Kräften die unendliche Gütigkeit Gottes preisen.

Nach diesen folgt der Chor der Erzengel mit jenen Heiligen, welche durch ihre Tugenden verdient haben, unter diesen zweiten englischen Chor gesetzt zu werden, nämlich, wie zu vermuthen, die gottseligen Eheleute und frommen Wittwen sammt andern gewöhnlichen frommen Weltleuten, welche alle mit wunderbarer Zierde angethan mit unaussprechlicher Lieblichkeit singen und jubeln werden.

Drittens kommt der Chor der Kräfte mit allen Geistlichen und Klosterleuten, welche weit schöner und lieblicher, als die Vorigen mit ihren englischen Kräften singen werden.

Viertens kommt der Chor der Herrschaften mit allen heiligen Bischöfen und Prälaten, welche sich mit allem Ernste beflissen, die Ehre Gottes zu befördern, und ihre Unterthanen zur wahren Tugend und Frömmigkeit zu führen.

Fünftens kommt der Chor der Fürstenthümer mit allen heiligen Lehrern und Kirchenlehrern, welche durch ihre Lehren und Predigten das ungläubige Volk bekehrt und zum wahren katholischen Glauben gebracht haben.

Sechstens kommt der Chor der Mächte mit jenen Bekennern, die um des Glaubens willen viele Verfolgung gelitten, und im Elende um Christi willen gestorben sind.

Siebentens kommt der Chor der Thronen sammt den heiligen Martyrern, welche um Christi willen ihr Blut vergossen, und ihr Leben freudig hingegeben haben.

Achtens kommt der Chor der Cherubim sammt den heiligen Jungfrauen, welche nicht allein die leibliche Jungfrauschaft unbefleckt erhalten, sondern auch in der Liebe Gottes ganz entzündet, und in höchster Vollkommenheit gelebt haben.

Neuntens kommt der Chor der Seraphim sammt allen lieben heiligen Aposteln und Dienern Christi, welche den Fußstapfen Christi vollkommen nachgefolgt mehr ein englisches als menschliches Leben auf Erden geführt haben.

Kurz ein jeder Heilige wird in jenem englischen Chore sein, in den er durch seine Tugenden erhoben zu werden verdient hat. Wie herrlich aber ein jeder englischer Chor aufgezogen kommen werde, und was für einen süßen himmlischen Gesang sie führen werden, wer will´s beschreiben?

Endlich kommt am Ende dieses glorreichen Zuges der gekrönte König Himmels und der Erde, der eingeborne Sohn des himmlischen Vaters, Christus Jesus mit seiner gebenedeiten Mutter und Jungfrau Maria in einem kostbaren, herrlichen Triumphwagen, mit solcher Glorie und Majestät umgeben, daß Engel und Heilige, Himmel und Erde darüber staunen müssen.

Ja diese ganze glorreiche Himmelfahrt wird so großartig und majestätisch sein, daß eine englische Zunge nicht beredt genug sein werde, dieselbe zu beschreiben. Ja, man denke hierüber, was man wolle, man rede davon, so viel man wolle, man schreibe davon, was man wolle, so ist doch Alles kaum ein Schatten von Dem, was es wirklich ist.

Denk, was für Freude die lieben Heiligen haben werden, wenn sie mit Leib und Seele, gleich als wären sie Engel, durch die Lüfte, ja durch das Firmament, durch die glänzenden Sterne, und durch die klaren himmlischen Wasser fliegen werden! Gedenke, was sie für eine Freude haben werden, wenn sie die liebe Sonne, die wunderbaren Planeten, die goldenen und feurigen Sterne, und die wunderbare Kunst des großen Firmaments mit leiblichen Augenschauen werden!

Gedenke, was sie für Freude haben werden, wenn sie von Ferne die goldenen Thürme und Mauern der himmlischen Stadt Jerusalem und die göttliche Kunst, mit der sie gebaut ist, und die wunderbare Landschaft, in der sie gelegen ist, erblicken und sich derselben immer mehr nähern werden! Und endlich gedenke, was sie für eine unbegreifliche Freude haben werden, wenn sie durch die goldenen Pforten dieser himmlischen Stadt eingehen, und dieselben, so wie auch die herrlichen Straßen, die kunstvollen Thürme, die kostbaren Palläste, und diese allen menschlichen Verstand übersteigenden Gebäude zum Erstenmale sehen werden! Vor Verwunderung werden sie, wie die Schrift von der Königin Saba sagt, wie versteinert in Entzückung dastehen. Sie werden auf einmal nicht wissen, was sie zuerst anschauen sollen. Sie werden auch nicht wissen, wie sie Gott, der Ihnen Alles dieses gegeben hat, genug loben und preisen sollten.

Während des allgemeine Gericht gehalten wurde, war Niemand im Himmel als nur die allerheiligste Dreifaltigkeit, weil alle Engel und Heiligen dem Gerichte beiwohnten. Wie herrlich meinst du nun wohl, daß die hochheiligste Dreifaltigkeit ihre treuen Diener und Dienerinnen, welche jetzt zum Erstenmal mit Leib und Seele in den Himmel kommen, empfangen werde? O, ein wie herrliches Fest wird bei diesem glorreichen Einzug im Himmel gefeiert werden!

Unter Jubelgesang und himmlischer Musik wird sich die siegreiche Prozession durch die Straßen des himmlischen Jerusalems bewegen bis zum Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit, vor dem Alle in tiefster Ehrfurcht niederfallen, um die göttliche Majestät anzubeten. Wenn dann am Ende dieser Prozession Christus mit seiner heiligen Mutter kommt, so wird er sich auf dem Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit niedersetzen, und allen seinen Heiligen zu diesem ersten Eintritt in die himmlische Stadt Glück wünschen, indem er zu ihnen spricht:

„Ihr seid mir getreu gewesen in allen Anfechtungen, und habt mir gedient vor allem Volke! Ihr habt mich vor den Menschen bekannt, drum will ich euch nun auch vor meinem himmlischen Vater als die Meinigen bekennen! Ihr sollt nun das Reich besitzen, das euch mein Vater bereitet hat, und sollt mit mir euch freuen in alle Ewigkeit!“

Hiermit will er sagen: O ihr meine allerliebsten Freunde, erfreuet euch nun, und frohlocket von Herzen, denn nun ist alles Leid vorüber, und eure Glorie und ewige Seligkeit fängt nun völlig an. Nun werdet ihr in alle Ewigkeit Nichts mehr haben, als lauter Freude, Jubel und Wonne. Nunmehr werdet ihr bis in alle Ewigkeit nicht das Geringste haben, was euch beschweren oder verdrießen könnte. Nunmehr werdet ihr als himmlische Fürsten mit mir regieren. Kurz, ihr werdet Alles haben, was euer Herz begehrt, und werdet diese Glückseligkeit nimmermehr verlieren können. Ihr werdet nun mit Leib und Seele bei mir wohnen als meine allerliebsten Freunde und Hausgenossen, und werdet euch mit mir erfreuen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Wenn nun die lieben Heiligen diese freundliche Stimme Christi hören, so werden sie alle vor ihm niederfallen, und ihm aus dem innersten Grunde ihrer Herzen Dank sagen. Sie werden nicht wissen, wie sie ihn genug loben und preisen sollen, weil seine Gaben mit keinem Dank bezahlt werden können. Sie werden auch nicht wissen, wie sie sich genug erfreuen sollen, weil ihre Glückseligkeit unendlich und unbegreiflich ist. Deßwegen werden sie anfangen, das himmlische Te Deum laudamus mit einhelliger Stimme zu singen, daß der ganze Himmel davon erklingen wird.

Nachdem dann diese erste Feierlichkeit in größter Pracht und Herrlichkeit begangen worden, alsdann wird Christus einem Jeden seinen eigenen Ort anweisen, der um so herrlicher sind wird, je nachdem Jeder heiliger auf Erden gelebt hat. Hier wird Christus nicht darauf sehen, wer auf Erden ein Graf oder Fürst, oder wer ein Prälat, Bischof oder Cardinal gewesen ist, sondern wer frömmer, gottseliger und heiliger gelebt hat. Da wird dann mancher arme Bauersmann, mancher Bettler sogar, manchem großen Fürsten und Herrn vorgezogen werden. Daß aber ein Jeder eine besondere Wohnung haben werde, bekennt Christus selbst, da er sprach:

„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.“

Und die katholische Kirche spricht von ihm also:

„Ich will meinen Heiligen einen ausgezeichneten Ort geben in meines Vaters Hause, spricht der Herr.“

Es sagen auch die Lehrer, daß die himmlischen Palläste, die Christus seinen Heiligen geben wird, im Anfang zugleich mit dem Himmel seien erschaffen worden, und so lange leer stehen bleiben, bis die Heiligen sie besitzen werden.

In diesen goldenen Pallästen werden die lieben Heiligen zugleich mit den Engeln wohnen, und in herzlichster Freundschaft und Liebe bei einander sein, und sich mit einander freuen, indem Einer sich freut an der Seligkeit und Herrlichkeit des Andern, wie an der eigenen. Da werden sie Alles besitzen, was ihr Herz begehrt. O fromme, christliche Seele, hast du auch Lust, bei diesen Heiligen zu wohnen, so sprich mit David:

„O wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerschaaren! Meine Seele verlanget und schmachtet vor Begierde nach den Vorhöfen des Herrn!“ O mein Gott! wenn ich doch auch würdig wäre, zu dieser heiligen Stadt zu gelangen! O wenn ich doch auch die Gnade haben möchte, in deinem Reiche zu wohnen, o wie wollte ich dich dafür loben! o wie wollte ich dir dafür danken! Ja ich werde dich nicht alleine loben, sondern wollte auch alle englischen Chöre, ja alle himmlischen Bewohner zu deinem Lobe auffordern. Ich wollte alle himmlischen Straßen durchwandern, und mit dem Psalmisten sprechen: „Machet den Herrn groß mit mir, und lasset uns seinen Namen mit einander erhöhen. Kommet und höret, und ich will euch erzählen, wie große Dinge Gott meiner Seele gethan hat, daß er mir die Seligkeit ertheilte, da ich doch dieselbe niemals verdient habe! Ich habe die ewige Verdammniß wohl tausendmal verdient, und dennoch hat er mich aus lauter Gnaden davor bewahrt. Ja er hat mich nicht nur vor der Hölle bewahrt, sondern hat mir aus seiner unendlichen Gütigkeit die himmlische Glorie geschenkt. Deßwegen lobet mit mir den allergütigsten Gott, o ihr lieben Heiligen! und preiset mit mir seine grundlose Barmherzigkeit. So wollte ich deine gnadenreiche Mildigkeit benedeien, o mein liebster Gott, und wollte den ganzen Himmel zu deinem immerwährenden Lobe aufrufen. O, so erweise mir denn diese große Gnade zur Vermehrung deiner göttlichen Ehre, und schenke mir die ewige Seligkeit um deines heiligen Namens willen!

Denn wenn du mich selig machst, so wirst du, wie ich meine, mehr Ehre davon haben, als wenn du einen großen Heiligen selig machen wirst; weil du mir aus lauter Gnade über alle meine Verdienste den Himmel schenkest, dem Heiligen aber nach seinem Verdienste mittheilest. O mein Gott! so erhöre meine Bitte, o gütigster Gott, und um deines lieben Sohnes willen verleihe mir die ewige Seligkeit.       Amen.

In Originalschreibweise

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Unter starken Atembeschwerden und Lähmungserscheinungen (Gift, Kohlenstaub in der Lunge?) abgeschrieben