ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

10.3.2012

Wie sie zum Gericht geführt werden

S. 35-39

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von
Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage.
Landshut, 1859.
Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung.
(J. B. v. Zabuesnig.)

III. Kapitel
Wie die Gerechten und die Verdammten zum Orte des Gerichts geführt werden.

Die allgemeine Meinung der katholischen Kirche ist, daß das jüngste Gericht werde im Thale Josaphat, zwischen der Stadt Jerusalem und dem Oelberge gelegen, gehalten werden. So hat nämlich Gott selbst durch den Prophet Joel geredet, indem er sprach:

„Ich will versammeln alle Völker, und will sie führen in das Thal Josaphat, und will daselbst mit ihnen rechten.“

Bald hernach spricht er ebenfalls:

„Erheben sollen sich und hinziehen die Völker in´s Thal Josaphat, weil daselbst ich sitzen werde, zu richten alle Nationen ringsum“ Kap. 3, 2 und 12.

Die Ursache, warum Gott hier das allgemeine Gericht halten will, ist, weil er im Thale Josaphat am Fuße des Oelbergs sein Leiden angefangen, und in der Stadt Jerusalem auf dem Berge Calvaria vollendet hat und er daher der ganzen Welt mit Fingern den Ort zeigen kann, wo er für sie gelitten und sie erlöst hat. Darum will er alle Welt dort versammeln.

Du könntest nun aber wohl einwenden, das Thal Josaphat sei zu klein, um so viele hundert tausend Menschen zu fassen. Du sollst aber wissen, daß sie nicht alle im Thale Josaphat, sondern rundherum stehen werden; der Mittelpunkt des Gerichtes aber wird im Thale Josaphat sein, weil Christus über demselben in den Wolken auf seinem Richterstuhl sitzen wird. Sein Angesicht wird er wenden zur Stadt Jerusalem und gegen Westen, weil er auf diese Weise stehend gegen Himmel gefahren ist, wie seine eigenen Fußstapfen, welche noch heutigen Tags auf dem Oelberge in den Felsen eingedrückt zu sehen sind, ausweisen.

Daß er auf solche Weise sich wendend, wieder herabkommen werde, kann man aus den Worten der zwei Engel abnehmen, die zu den heiligen Aposteln sagten:

„Dieser Jesus, der von euch in den Himmel ist aufgenommen worden, wird eben so wieder kommen, wie ihr ihn gesehen habt auffahren in den Himmel.“

Auf diese Weise sitzend wird er seine rechte Hand gegen das galiläische Meer hin wenden, und dahin alle Auserwählten stellen; seine Linke aber wird er nach Ägypten hin wenden, und dorthin alle Verdammten stellen lassen.

Nach dieser Erklärung wollen wir nun sehen, was nach der allgemeinen Auferstehung sich zutragen wird, und auf welche Weise die Menschen zum Thale Josaphat kommen werden. Wenn alle Gerechten und Ungerechten auf den Kirchhöfen und anderswo beisammen stehen werden, so wird geschehen, was Christus Matth. 13. Kap. sprach:

„So wird es geschehen am Ende der Welt die Engel werden ausgehen, und die Bösen von den Gerechten absondern.“

Denn weil die Guten und Bösen durcheinander begraben werden, und am Orte, wo sie begraben worden, auferstehen, so folgt, daß die Gerechten dann noch mitten unter den Gottlosen stehen. Deßwegen werden, sobald Alle auferstanden sind, die lieben Engel kommen, und die Frommen von den Bösen absondern und die Gerechten dann alle miteinander durch die Luft nach dem Thale Josaphat führen. Hierüber schreibt der hl. Paulus:

„Der Herr selbst wird beim Aufgebot, bei der Stimme des Erzengels und bei der Posaune vom Himmel herabsteigen, und die Todten, die in Christus sind, werden zuerst auferstehen, dann werden wir, die noch leben und übrig geblieben sind, zugleich mit ihnen entrückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft …“ 1. Thess. 4, 15.

Alle Gerechten also werden durch die Engel in den Wolken mit großer Herrlichkeit zum Orte des Gerichtes geführt, und daselbst zur rechten Hand Christi niedergesetzt werden.

Stelle dir nun einmal vor, welche eine herrliche und freudige Fahrt dieses sein wird. Wie herrlich muß es anzusehen sein, wenn so von allen Orten und Enden her die Heiligen mit ihren verklärten Leibern, glänzend wie die Sonne, durch die Lüfte geführt werden, begleitet von ihren Schutzengeln, und singend in den Wolken, wie in herrlichen Triumphwägen! O, wie werden sie frohlocken! O, wie werden sie jubeln! O wie werden sie Gott loben und preisen, daß es durch die Lüfte hinschallt, weil er ihnen so große Ehre zu Theil werden läßt und weil er sie so herrlich wie himmlische Fürsten durch die Lüfte führen läßt.

Wenn sie dann im Thale Josaphat zusammen kommen, und von den Engeln zur rechten Hand des Richters niedergestellt sein werden, was meinst du wohl, daß sie alsbald anfangen, was meinst du, daß sie reden und sagen werden? O wie freundlich werden sie einander willkommen heißen, und wie lieblich werden sie einander grüßen und umfangen! O wie werden sie einander mit Verwunderung ansehen, und die Schönheit ihrer glorwürdigen Leiber betrachten!

O wie werden dann Diejenigen, welche einander auf Erden gekannt, und eine heilige Liebe zu einander getragen haben, so freundlich einander bewillkommen, und sich so herzlich mit einander erfreuen! O wie wird dann Jeder von ihnen so herzlich sich freuen, daß er dem lieben Gott treu gedient, und nun einen so gnädigen Urtheilsspruch zu erwarten hat! O wie inniglich wird ein jeder Gott loben, daß er ihn vor der Hölle bewahrt, und ihm so überreiche Gnade verliehen hat, ihm zu dienen!

O frommer Christ bedenke, was für eine Freude es für dich sein würde, wenn du auf die rechte Seite Christi gestellt, und dieser glückseligen Zahl einverleibt werden solltest! O Gott! wie würdest du frohlocken! O Gott! wie würdest du vor Freuden aufspringen! Dies liegt nun aber in deiner Hand, und wenn du willst, kannst du es haben.

·       Wenn du jetzt die zeitlichen Freuden, Ehren, und Lüste meiden, und dich von Herzen zu einem bußfertigen Leben wenden wirst, so wirst du hernach in alle Ewigkeit alle Freuden, Ehren und Lüste genießen, und wie ein Fürst, oder eine Fürstin des Himmels mit Gott regieren.

O mein lieber Gott! verleihe mir doch die Gnade, daß ich die schnöden Lüste dieser Welt von Herzen verabscheue, und mit Freuden ein bußfertiges Leben zu führen anfange. Du weißt, daß ich dies ohne besondere Gnade nicht thun kann, weil meine verderbte Natur so sehr zum Bösen geneigt ist. Aber mit deiner Hilfe wird mir Alles leicht fallen, und alle Bitterkeit in Süßigkeit verwandelt werden. Darum bitte ich durch deine unendliche Gütigkeit, ziehe mein Herz ab von der Eitelkeit, und verleihe ihm zu wandern den Weg der Bußfertigkeit. Amen.

***

Jetzt wollen wir sehen, wie die Gottlosen zum Thale Josaphat geführt werden, und was ihnen dort widerfährt. Ach, was da geschieht, ist so schrecklich und traurig, daß ich mir nicht getraue, dasselbe gründlich zu beschreiben. Was meinst du, daß die armen Sünder thun werden, wenn sie mit Augen sehen, wie die lieben Engel alle frommen Menschen unter ihnen herausnehmen, mit großer Glorie in die Luft erheben, und unter Freude und Jubel in das Thal Josaphat führen? Was meinst du, daß sie denken werden, wenn sie sehen, daß von allen Orten der Welt die Auserwählten, wie vor Zeiten der Prophet Elias, auf den Wolken wie auf feurigen Wägen über sie hinfahren, und vor Freude jauchzen und frohlocken?

Im Buche der Weisheit lesen wir hierüber:

„Bei solchem Anblicke werden diese (die Bösen) von schauerlicher Furcht überfallen werden, und sich entsetzen über die plötzliche, unerwartete Errettung (der Gerechten), indem sie andern Sinnes werdend, bei sich sprechen und in der Angst ihres Geistes stöhnen:

Diese sind es, welche wir einst verlachten und im Uebermuth verhöhnten! Wir Toren, die wir deren Wandel für Unsinn, deren Ende für ehrlos hielten! Sieh wie sie nun unter die Kinder Gottes gezählt sind und ihr Besitztheil unter den Heiligen haben! Kap. 5, 2 – 6.

Ach, wie wird es da schmerzen, daß Diejenigen, die zuvor arm, schlecht und verächtlich waren, nunmehr zu Fürsten von Gott gemacht, und so glorwürdig von den Engeln Christo entgegengeführt werden, sie hingegen aber, die in der Welt groß und in ihrem Sinne gar hochmüthig waren, nunmehr zum Spotte aller Welt in den Händen der Teufel gelassen werden.

Wenn die lieben Engel alle Auserwählten in das Thal Josaphat geführt haben, so werden sie in einem Augenblicke wieder zurückkommen, und alle Gottlosen sammt allen Teufeln auch dorthin treiben, indem sie dieselben mit schreckbarer Stimme anreden:

Fort! fort! ihr verfluchte, vermaledeite Bösewichte! Der gerechte Richter aller Lebendigen und Todten laßt euch befehlen, daß ihr allesammt in das Thal Josaphat kommen, und vor seinem strengen Richterstuhle über euer ganzes Leben Rechenschaft geben sollet.“

Auf diesen Befehl hin werden die Teufel und ihr Anhang ein so furchtbares Geheul und Gebrüll erheben, daß der ganze Erdboden davon erzittern wird. Denn weil in der ganzen unseligen Ewigkeit Nichts schrecklicher ist, als eben dies jüngste Gericht, darum wollten auch alle Teufel und verdammte Menschen lieber in den Abgrund der Hölle gestürzt, als vor den Richterstuhl Gottes geführt werden. Dies ist abzunehmen aus den Worten des heil. Job, der da (Kap. 14, 13) ausruft:

„Wer mir´s doch gäbe, daß im Todtenreiche du mich behütest und mich bergest, bis vorübergeht dein Zorn, und du mir eine Zeit bestimmest, zu der du mein gedächtest!“

Wenn also dieser heilige Mann meint, es sei leidlicher, so lange im Todtenreiche zu verweilen, als das jüngste Gericht dauert, wie werden dann diese armen Leute nicht tausendmal lieber sich in die Hölle verbergen,  als vor dem erzürnten Angesichte Christi erscheinen wollen.

Deßwegen werden sie sich mit aller Gewalt sperren, ja werden die heiligen Engel bitten, sie doch nicht in das Thal Josaphat zu führen. Die Engel aber werden sich gar nicht erweichen lassen, sondern durch die Kraft Gottes alle Teufel zwingen, daß jeder einen Menschen nehme, und durch die Luft in das Thal Josaphat trage.

Auf diesen Befehl hin wird jeder Teufel einen verdammten Sünder bei den Haaren ergreifen, und in sichtbarer Gestalt durch die Luft über Meere und Wasser, über Berg und Thal viel hundert, ja tausend Meilen führen und schleifen. Dies Führen und Schleifen wird so erbärmlich, ja so grausam und entsetzlich sein, daß Einem beim Anblicke desselben das Herz im Leibe zerspringen müßte. Denn die Teufel werden die elenden Menschen nicht allein bei den Haaren fassen, sondern werden in dieser erschrecklichen Fahrt allen ihren teuflischen Grimm über sie auslassen, sie mit Fäusten zerschlagen, mit Nägeln zerkratzen, mit ihren Zähnen zerbeißen, mit ihren Klauen zerreißen, und sie aus höllischem Hasse auf allerlei Weise grausam zermartern. Die armen, elenden Menschen werden so grausam heulen, und so erbärmlich rufen und schreien, daß ihr ungeheures Geschrei in der ganzen weiten Welt gehört wird.

Gedenke, o Christ! was für ein Schrecken und Grausen, ein Jammern und Heulend das sein wird, wenn so viele tausend Millionen Verdammter so durch die Lüfte daher geschleppt werden! Dieses Hinschleppen geht auch nicht so augenblicklich, sondern langsam, weil die Teufel nicht eilen, um länger Zeit zu haben, die armen elenden Menschen zu quälen, und weil sie selber sich fürchten, vor das Angesicht des Richters zu kommen.

Ja, wenn die Engel sie nicht forttrieben, so würden sie lieber zurückbleiben oder in den Abgrund der Hölle fahren, als in das Thal Josaphat kommen, weil sie vom ersten Augenblicke ihrer Verdammniß an nichts so sehr gefürchtet haben, als eben jenen Augenblick, in welchem sie vor Gottes Gericht erscheinen müssen. Nun denke, was für eine Pein es sei, wenn die armen Sünder so lange an ihren Haaren hängen werden. Bedenke, was für eine Marter dies sei, wenn sie von den Teufeln so grausam traktirt und zerrissen werden. Bedenke, was für ein Schrecken es sei, wenn sie so wider ihren Willen durch die Lüfte geschleppt werden! Bedenke, was für eine Angst sie ergreift, weil sie zum Gerichte geführt werden! O dieses Jammergeschrei! Dies Heulen und Brüllen! Ach! wem sollte nicht angst und bange werden, wenn man nur daran denkt! Wem sollte das Herz im Leibe nicht erzittern, wenn man sich dieses Schauspiel nur ein wenig vorstellt!

Wenn dann endlich nach langen Martern die Teufel mit ihren Verdammten im Thale Josaphat werden angelangt sein, dann werden sie dieselben so wüthend hinwerfen, daß ihnen die Rippen zerbrechen würden, wenn es noch möglich wäre. Welch ein neues Geschrei wird da sich erheben, wenn so viele tausend Millionen von dem grausamen Teufel so dahin geworfen werden!

·       Sünder! o Sünderin ! öffne deine Ohren, und höre an das jämmerliche Klagegeschrei dieser Elenden!

·       Hüte dich, daß du nicht unter ihren Haufen kommst, damit du nicht dereinst mit ihnen heulen mußt!

·       Falle jetzt demüthig auf deine Kniee, und bitte Gott mit zerknirschtem Herzen, daß er dich vor solchem Uebel behüte, und sprich:

O barmherziger, gütiger und gnädiger Gott! laß mich doch nicht in solches Elend gerathen, sondern durch deine Gütigkeit bewahre mich vor solchem Herzenleid. Gedenke, mein Gott! wie theuer du mich erlöset, und wie viel du für mich gethan, und gelitten hast! Wenn ich verloren ginge, so wäre ja alle jene Mühe, die du um meinetwillen auf dich genommen hast, verloren, und du hättest in Ewigkeit keinen Dank und keine Erkenntlichkeit dafür von mir zu erwarten! Ach! so bewahre mich denn um deinetwillen vor dem ewigen Verderben, damit dein bitteres Leiden an mir nicht vergeblich sei. Sondere mich an jenem erschrecklichen Tage ab von den Böcken, und stelle mich unter die Zahl deiner lieben Schäflein, damit ich dich mit ihnen loben und in alle Ewigkeit deine Barmherzigkeit preisen möge. Amen.

 

In Originalschreibweise meist sogar mit den Fehlern; aber nicht gescannt, sondern abgeschrieben.

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