ETIKA

Pater Martin von Cochem

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18B18B4

Von den vier letzten Dingen

10.5.2012

Wie alle Menschen im Tal Josaphat auf die Ankunft Christi warten werden

S. 40-43

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

IV. Kapitel
Wie alle Menschen in dem Thale Josaphat auf die Ankunft Christi warten werden.

Jetzt wollen wir unsere Blicke hinwenden auf die ganze versammelte Menge, und betrachten, wie Alle in dem Thale Josaphat da stehen, und mit Schrecken auf die Ankunft des Richters warten.

Es werden an jenem Tage alle Menschen, die jemals auf Erden gelebt, wie auch jene kleinen Kinder, die im Mutterleibe gestorben sind, und alle Teufel, die im Anfange vom Himmel gestürzt worden, auf der Erde, im Thale Josaphat beisammen stehen, und alle vor dem Richterstuhle Christi erscheinen müssen.

Weil nun ihre Zahl sich auf viele hundert tausend Millionen beläuft, so ist es klar, daß sie einen ungeheuer großen Raum im Umkreise einnehmen werden. O Gott! was für ein Anblick wird das sein, wenn so viele tausend Millionen Menschen beisammen stehen, und mit größtem Schrecken auf den göttlichen Richter warten.

Die Frommen sammt allen unschuldigen Kindern, welche nach der Taufe gestorben sind, werden als eine Herde lieber Schäflein auf der rechten Seite beisammen stehen, und sich wegen der Gewißheit ihres ewigen Heiles hoch erfreuen. Obwohl sie ganz nackt sein werden, so wird man doch ihren bloßen Leib nicht sehen, weil sie mit dem Kleide der Glorie angethan sind, und wie die Sterne am Firmamente glänzen. Sie werden auch alle einander kennen, und schon beim ersten Anblicke wissen, wer ein Jeder sei, wo er gewohnt, wann er gelebt, und was er Gutes und Böses gethan habe.

Obwohl alle Sünden Allen offenbar werden, so werden dennoch ihnen dieselben nicht zur Schande, sondern zur größten Ehre gereichen, weil sie nämlich die Sünden vor ihrem Ende überwunden, bereut, verlassen und abgebüßt haben. Darum werden diese Sünden sie nicht verunstalten, sondern die Buße für dieselben wird ihnen zur Zierde sein.

Wende nun deine Blicke von den Gerechten hinweg zu den Bösen, und betrachte, in welchem Zustande diese zur Linken stehen. Ihre Zahl ist viel größer als die der Gerechten, ja sie sind nicht zu zählen. Denn weil sowohl vor Christus als nach ihm viel mehr Ungläubige als Gläubige und viel mehr Böse als Fromme in der Welt gelebt haben, so ist klar, daß auf einen Seligen viele Verdammte treffen.

Ach Gott! was für eine ungeheure Menge wird das sein! Ach Gott! wie viel hunderttausend, ja wie viel tausend Millionen verdammte Menschen werden da beisammen stehen! Ach! da wird ein solches Elend sein, daß selbst die Heiligen vor Mitleid verschmachten müßten, wenn´s möglich wäre. Denn alle diese so viele tausend Menschen werden sich so erbärmlich stellen, und ihr unendliches Elend so schmerzlich bejammern, daß die Steine, wenn sie empfindlich wären, sich ihrer erbarmen müßten.

Sie werden allesamt so ungeheuer schreien und heulen, daß es allen Umstehenden durch Mark und Bein geht. Vor Leid und Verzweiflung werden sie sich die Haare ausraufen, die Wangen zerkratzen, die Hände über dem Haupte zusammenschlagen, sich auf den Boden niederwerfen, an Leib und Seele vor Schrecken zittern und beben. Bedenke, o Sünder! wenn du Einer aus diesen Unglücklichen sein solltest, wie erschrecklich du dich stellen würdest. Ach! ach! würdest du sagen, ach! ach! was hab´ ich gethan! Wehe! wehe mir Vermaledeiten, und in alle Ewigkeit wehe! Wie werde ich vor dem erschrecklichen Richter bestehen, welcher mich vor aller Welt zu Schanden machen, und in alle Ewigkeit verdammen wird. O mich Verfluchten! o mich Vermaledeiten! nun sehe ich, was ich gethan habe; jetzt erkenne ich erst recht, in welches ewige Leid ich mich gestürzt habe. O hätte ich Gott gedient, und mich von Sünden enthalten, so wäre ich auch Einer aus der Zahl der Seligen. Weil ich aber die Buße gescheut, und die Wollust geliebt habe, so muß ich für so geringe Lust jetzt vor aller Welt in Ewigkeit zu Schanden werden.

Betrachte nun weiter, wie die Verdammten da beieinander stehen, und mit welchem Schrecken sie auf die Ankunft des Richters warten. Sie werden ganz nackt und bloß beieinander stehen, und sich so erschrecklich vor einander, und besonders vor den Heiligen schämen, daß sie vor Scham in die Erde kriechen möchten.

Ihre Leiber werden abscheulicher sein, als jene, welche im Grabe liegend von den Würmern halb zerfressen sind, und werden so gräulich riechen und stinken, daß, wenn sie sterben könnten, sie alle wegen dieses unerträglichen Gestankes verschmachten und des Todes sterben müßten. Alle Sünden und Schanden, so viel sie begangen haben, werden Jedem gleichsam auf der Stirne geschrieben stehen, und von einem Jeden ganz klar mit allen Umständen erkannt werden. Dieses aber wird Jedem solche unergründliche Schande sein, daß er sich tausendmal lieber in die Hölle versenken, als in solcher Abscheulichkeit ansehen lassen wollte.

Wenn nun Diejenigen, welche sich auf Erden gekannt, und miteinander gesündiget haben, hier zusammen kommen werden, wie meinst du, daß sie sich schämen, und einander statt des Willkomms verfluchen und vermaledeien werden? Ach Gott! was für ein Elend wird das sein! ach Gott! was für ein erschrecklicher Jammer und welch ein furchtbares Leid wird das werden! Wer kann es ohne Schrecken gedenken? Wer kann es ohne Grausen erwägen?

Ueber alles Elend aber wird die unaussprechliche Furcht vor der Ankunft des Richters sein, welche bei den Verworfenen so groß sein wird, daß alle Peinen der Hölle mit denselben nicht zu vergleichen sind. Alsdann werden sie erst recht erkennen, wie erschrecklich das göttliche Gericht ist, das sie ihr Lebtag so wenig geachtet, und nach dem sie so ganz und gar nichts gefragt haben. Alsdann werden sie erst recht erkennen, welche unendliche Schande es ist, wenn alle Sünden vor allen Engeln und Heiligen, und vor allen Teufeln und Verdammten offenbar werden.

Alsdann werden sie erst recht einsehen, was es um das Gericht sei, weil nun Derjenige, den sie so viel tausendmal auf das Allerärgste erzürnt haben, ihr Richter sein, und sie nach Gerechtigkeit in seinem rächenden Zorne strafen wird. Diese und dergleichen andere Dinge werden ihnen dann klar vor Augen stehen und sie mit Schrecken und Entsetzen erfüllen. Alle Verdammten werden dann ihre Hände auf dem Haupte zusammen schlagen, und mit erbärmlicher Stimme zu einander sprechen:

Ach, ach, was haben wir gethan! Ach wie haben wir so schändlich geirrt! Wie haben wir uns so muthwilliger Weise betrogen! Um der geringen Freude und Lust willen, die wir auf der Erde gehabt, müssen wir nun ewige Pein leiden, und um der geringen armseligen Ehre willen, die wir auf Erden gesucht, müssen wir nun ewige Schande ausstehen. Was nützen uns nun unsere Reichthümer und Wollüste, und was nützen uns nun unsre Hoffart und Ehren? Pfui der Sünde und Schande, daß wir so stockblind und so verstockten Herzens gewesen, und um so geringer und armseliger Dinge willen die ewigen himmlischen Güter verscherzt haben!

Auch wie wird es uns ergehen, wenn der Richter kommen wird! Ach wie wird er sich ohne alle Barmherzigkeit an uns rächen! O wehe uns Armen! O wehe uns Elenden! Ach wie werden wir vor dem erschrecklichen Angesichte des erzürnten Richters bestehen; ach wie werden wir den furchtbaren Urtheilsspruch der ewigen Verdammniß anhören können!

O ihr Berge fallet über uns, und ihr Hügel bedecket uns; denn geringere Pein wäre es für uns, von euch ganz zerschmettert zu werden, und unter eurer unerträglichen Last erdrückt und erstickt zu liegen, als vor aller Welt in Schimpf und Schande zu stehen, und das zornige Angesicht Christi anzusehen.

Diese und dergleichen tausenderlei Klagen werden die armen Verdammten führen, und werden vor Herzenleid in die Erde hineinkriechen wollen. Aber Alles umsonst, und viel zu spät! Sie hätten früher an diesen Ausgang ihres sündhaften, tollen Lebens denken sollen.

Was denkst du hierüber, o armer Sünder! und was für Gedanken machst du dir über diesen Zustand? Meinst du vielleicht, es werde nicht so abgehen, und die Verdammten würden etwa nicht so erbärmlich klagen, wie es hier beschrieben wird? Wenn dir etwa ein solcher Gedanke kommen sollte, so muß ich dir schon bemerken, daß diese meine Schilderung noch weit hinter der Wirklichkeit zurückbleibt. Du sollst aber wissen, daß sie tausend und tausendmal mehr klagen; und sich tausend und tausendmal erbärmlicher stellen werden. Denn gleichwie ihr Elend unendlich ist, so wird auch ihr Jammer unendlich sein, und je klarer sie jenes alsdann erkennen, desto schmerzlicher werden sie es beklagen.

So lasse dir denn ihr Elend und ihren Jammer zur Warnung dienen, damit du dich in Acht nimmst, daß du nicht auch unter ihre Zahl kommst! Bereue jetzt deine Sünden, so lange die Reue noch nützlich ist, und beweine jetzt dein lasterhaftes Leben, wo die Thränen noch verdienstlich sind! Thue jetzt, was du alsdann wünschen wirst, gethan zu haben, und meide jetzt, was du alsdann wünschen wirst, gemieden zu haben! Bitte deinen lieben Gott, daß er dir verleihe, dein sündiges Leben zu bessern, und seinen Zorn mit wahrer Buße zu versöhnen, und sprich:

O gerechter Gott! ich bekenne, daß ich durch mein sündiges Leben verdient habe, ewig von dir verstossen und unter die Zahl der Verdammten gerechnet zu werden. Es ist mir aber von Herzen leid, daß ich bisher so übel gelebt, und so viele schwere Sünden begangen habe. Obwohl ich nicht solche Reue habe, wie ich wollte, so bereue ich doch meine Sünden so viel, als mir immer möglich ist. Wenn ich aber eine so große Reue haben könnte, wie ich sie mir wünsche, so würde ich alle meine Sünden so herzlich bereuen, wie es nur immer einem Geschöpfe möglich ist, und sollte auch das Herz darüber zerspringen vor Bitterkeit und Schmerz. Ach gib mir doch noch vor meinem letzten Ende die Gnade, daß ich solche Reue nicht nur im Willen, sondern auch in Wirklichkeit haben möge! Ach erweiche doch jetzt mein hartes Herz, daß es jetzt seine Sünden aufrichtig und herzlich beweine, wo es noch zum Heile gereicht, damit es nicht hernach am jüngsten Tage dieselben ohne Frucht beweinen müsse. Amen.

 

In Originalschreibweise; aber nicht gescannt, sondern abgeschrieben.

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