ETIKA

Pater Martin von Cochem

www.etika.com

18B18B6

Von den vier letzten Dingen

14.7.2012

Die Ankunft des Richters beim Jüngsten Gericht

S. 47-51

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

VI. Kapitel
Von der Ankunft des Richters.

Mein lieber frommer Christ, was wir bisher gehört, und vernommen haben, ist zwar sehr schrecklich, aber doch gegen Das, was wir jetzt vernehmen werden, noch kaum zu rechnen. Denn die Ankunft des Richters wird so furchtbar sein, daß Alles, was im Himmel und auf Erden ist, dabei erzittern und beben wird.

Die Majestät und Herrlichkeit, mit welcher er kommen wird, ist nicht mit Worten zu erklären, noch mit Gedanken zu ergründen, weil da Alles göttlich, und über alle menschliche Begriffe sein wird. Ja alle Majestät und Glorie, welche der unendliche Gott durch seine Allmacht wirken kann, wird hier sichtbar werden, auf daß alle Engel und Heiligen, sammt allen Teufeln und Verdammten, so viel ihnen zu begreifen möglich ist, die große Macht dieses Richters, und die Erschrecklichkeit des Gerichtes recht erkennen möchten.

Obwohl dies Alles über alle menschliche Begriffe geht, so hat sich dennoch Christus gewürdigt, uns Einiges darüber mitzutheilen, indem er sprach:

„Wenn nun der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommen wird, und alle Engel mit ihm, dann wird er auf dem Throne seiner Herrlichkeit sitzen, und es werden alle Völker vor ihm versammelt werden“ (Matth. 25, 31.) Ferner sagt er: „Und sie werden den Menschensohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (c. 2, 30.).

Sieh, hier sagt Christus zweimal, er werde kommen auf den Wolken des Himmels mit allen seinen Engeln, in großer Kraft und Majestät. Wer will aber erklären, wie groß diese Kraft und Majestät sein werde, und in welcher Gestalt die gewaltige Schaar seiner Engel kommen werde? Höre, wie der Psalmist diesen Aufzug beschreibt:

„Es gehet Feuer vor ihm her, und versenget ringsum seine Feinde. Seine Blitze leuchten auf dem Erdkreise; es schauet und erbebet die Erde. Berge schmelzen wie Wachs vor des Herrn Antlitz, vor dem Antlitze des Herrn die ganze Erde. Die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit, und alle Völker schauen seine Herrlichkeit“ (Ps. 96; Anmerkung: in der alten Luther-Bibel Psalm 97) Und Ps. 49 sagt er: „Feuer lodert vor ihm auf vor seinem Angesichte, und ringsum ihn ist heftiger Sturm.“ Isaias sagt hierüber: „Siehe, der Herr, im Feuer wird er kommen, und wie Sturmwind sind seine Wagen, um walten zu lassen seinen Zorn, und sein Dräuen in Feuerflammen“ (Kap. 66, 15). Ja Christus selbst sagt: „Gleichwie der Blitz vom Ausgang ausgeht, und bis zum Niedergang scheinet, also wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein.“ Wenn nun der Richter auf solche Weise erscheinen wird, wer sollte nicht erschrecken und zittern! Ach Gott! was wird es dann mit uns werden!

Zudem wird dann auch noch der Anblick der großen gewaltigen Engelschaar, welche mit Christus erscheint, uns großen Schrecken einflößen. Am Tage des Gerichtes wird nämlich kein einziger Engel im Himmel bleiben, sondern alle werden diesem Gerichte beiwohnen. Man weiß wohl, daß im untersten Chor schon zehnmal mehr Engel sind, als Menschen auf Erden gelebt haben. Im zweiten Chor aber sind zehnmal mehr Engel als im ersten, und im dritten zehnmal mehr als im zweiten, und so fort, so daß die Zahl der Engel gleichsam unendlich ist. Alle diese Engel, welche nur pure Geister sind, und mit leiblichen Augen nicht gesehen werden können (Anmerkung ETIKA: gilt auch für die Youtube-Filme), werden alsdann glorwürdig erscheinen, damit die Verdammten diesen herrlichen Aufzug Christi auch sehen können. Nun gedenke, wie ergreifend der Anblick sein muß, wenn so viele hunderttausend Millionen Engel mit Christus herabkommen, und die Luft weit und breit erfüllen, und bereit sind, die Schmach, so die Gottlosen ihrem Gott und Herrn angethan haben, zu rächen.

Von dieser englischen Schaar spricht der hl. Johannes in seiner Offenbarung:

„Ich sah den Himmel offen, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß der Treue und Wahrhaftige, der da richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Seine Augen waren wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupte waren viele Kronen. Er war angethan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war. Aus seinem Munde geht ein scharfes, zweischneidiges Schwert, daß er damit die Völker schlage. Er wird sie regieren mit eisernem Scepter, und er tritt die Kelter des grimmigen Zornweins Gottes, des Allmächtigen. Auf seinem Kleide und seiner Hüfte ist geschrieben: König der Könige, und Herr der Herren. Und die Heere, die im Himmel sind, folgten ihm nach auf weißen Pferden, gekleidet in weißen reinen Byssus“ (Kap. 19, 11-16; Luther-Bibel: Leinwand).

Der Psalmist David spricht hierüber:

„Lobpreisungen Gottes seien in ihrem Munde und zweischneidige Schwerter in ihren Händen, um Rache zu üben an den Völkern, Züchtigungen an den Nationen“ (Ps. 49, 6.)

Siehe, so herrlich beschreibt die hl. Schrift jene englische Schaar und stellt uns so klar ihre Majestät vor Augen. Ach, wie werden wir erschrecken, wenn wir so die Heerschaaren des Himmels daher kommen sehen!

Der Prophet Daniel sah einmal einen Engel, und war beim Anblicke desselben so erschrocken, daß keine Kraft in ihm blieb, und er plötzlich zu Boden fiel, und wie todt auf seinem Angesichte lag. Wenn nun ihm dies begegnete, als er nur einen einzigen Engel sah, der dazu noch zu ihm kam, um ihn zu trösten, was wird dann erst uns widerfahren, wenn wir so viele hunderttausend englische Fürsten erblicken werden, die da kommen werden, die Sünder zu strafen und zu verderben! Hierüber spricht der hl. Ephrem:

„Die Engel werden zornig und erschrecklich da stehen mit feurigen Angesichtern und Feuer des Zornes wird aus ihrem Mund hervorgehen.“

Ach wie werden dann die Verdammten erzittern! Ach wie werden sie vor Angst und Furcht erstarren! Sie werden vor Schrecken zu Boden fallen, und auf der Erde liegend wie die Hunde und wilden Thiere heulen und schreien.

Wenn nun aber schon der Anblick der Engel Solches bewirkt, was wird dann erst beim Anblicke des Richters selbst geschehen! So wie im Himmel keine größere Freude ist, als der Anblick des göttlichen Angesichtes, so wird auch beim jüngsten Gericht keine größere Pein sein als der Anblick des erzürnten Angesichtes Christi. Bevor wir aber dieses näher erklären, wollen wir zuerst noch betrachten, mit welcher Herrlichkeit Christus zum Gerichte kommen wird.

Der Aufzug Christi zum jüngsten Gerichte wird so erstaunlich sein, daß ich meine, kein Engel könne denselben nach Würdigkeit beschreiben und erklären. Denn Alles, was die Sünder erschrecken kann, und Alles, was die Glorie Christi erhöhen kann, wird hier angewendet werden. Stelle dir nur vor, welche Herrlichkeit und Pracht entwickelt wird, wenn ein großmächtiger König oder Kaiser in einer Stadt seinen Einzug hält, und seine Glorie vor allem Volke sehen lassen will. Wie viele Trompeten, Pauken, Trommeln und sonstigen Musikinstrumente werden da geschlagen und geblasen; wie viele Stücke, Rohr und Geschütz werden gelöset und losgeschossen; wie viele Fürsten, Grafen und Edelleute laufen um die Kutsche herum, und wie viele Kutschen, Sänften und Wagen aller Art werden vor- und nachgeführt, und endlich in welcher Glorie und Herrlichkeit sitzet Seine Majestät in einer mit Gold, Seide, Sammet und Edelsteinen gezierten Kutsche, gekleidet in silberne und goldene Stickerei, und glänzend wie ein irdischer Gott! Dieses Alles aber, und was sonst noch die weite Welt an Herrlichkeit erdenken und herrichten kann, ist gegen die Majestät Gottes unendliche Male geringer zu rechnen, als ein nackter Bettelbub gegen einen König.

Nun bedenke, in welcher Herrlichkeit, in welcher Pracht, in welcher Glorie, und in welcher Majestät der allerhöchste Gott zum Gerichte kommen werde! Denn er wird alsdann seine Glorie aller Welt zeigen. Bedenke, wie viele tausend und tausend Posaunen, Trompeten und Pauken werden geschlagen und geblasen werden! (Anmerkung ETIKA: In der Karwoche vermitteln manche Prozessionen in der spanischen Provinz Teruel, auf der Ruta del tambor y bombó, bereits einen schwachen Eindruck von dem künftigen Ereignis, zum Beispiel beim „Romper la hora“ in Hijar.) Bedenke, wie viele tausend und tausend englische Fürsten, wie viele tausend himmlische Trabanten vor und nach in seinem Gefolge sein werden! Wie herrlich wird der Wagen sein, auf dem er sitzend daher kommt als Richter der ganzen Welt! Bedenke dann endlich noch, in welcher Herrlichkeit und Majestät Christus Jesus selbst als König Himmels und der Erde, und neben ihm seine glorwürdigste Mutter, als Königin des himmlischen und irdischen Reiches, erscheinen wird! Du magst dir nun aber denken, was du willst, so kannst du dir doch den hunderttausendsten Theil dessen, was du am jüngsten Tage mit deinen leiblichen Augen sehen wirst, nicht vorstellen. Denn eben so wenig, als du dir vorstellen kannst, was Gott ist, eben so wenig kannst du dir auch vorstellen, was für ein Aufzug dies sein wird, denn es wird da Alles unbegreiflich und unaussprechlich sein, weil es eben göttlich ist.

So wird der Sohn des ewigen Vaters mit seiner glorwürdigsten Mutter vom Himmel herabkommen, umgeben mit tausendmal tausend und zehntausendmal hunderttausend himmlischer Fürsten, und wird sich langsam und allmählig niederlassen, damit er von Jedermann genau gesehen und betrachtet werden kann, wie der heilige Thomas lehrt:

„Der mächtigste Richter wird erscheinen, und langsam vom Himmel herabkommen, umgeben mit viel tausend Engeln, sitzend auf einer leuchtenden Wolke, wie auf einem herrlichen Triumphwagen.“

Wie erstaunlich diese Ankunft sein werde, ach! wer will´s beschreiben? Wenn schon die einzige Posaune des heiligen Michael so erschrecklich ertönte, daß ihr Schall alle Gräber eröffnete, die Erde durchdrang und bis in die Hölle hinunter gehört wurde; welch ein Schrecken wird dann erst der gewaltige Schall so vieler Posaunen, Trompeten und Pauken, welche vor dem Wagen Christi hergehen werden, nicht verursachen? Dieser grausame Schall wird Himmel und Erde, sammt Allem, was darin ist, erzittern machen.

Es werden aber nicht allein die englischen Posaunen erschallen, sondern es wird auch solches Sausen und Brausen, solches Knallen und Krachen, solches Blitzen und Wetterleuchten, solches Donnern und Hageln, und solches Ungewitter in der Luft entstehen, daß man meinen möchte, der hohe Himmel wolle herunterfallen, und alle Menschen und Teufel zugleich erschlagen. Dies sagt der hl. Chrysostomus mit folgenden klaren Worten:

„Der Himmel wird erschüttert, und die Erde aus dem Fundamente bewegt werden wegen des grimmigen Zorns des Herrn der Heerschaaren, an dem Tage, wann er kommen wird.“

Ach mein lieber Christ, was werden du und ich in jener Stunde thun, wann einmal dies Alles geschehen wird? Was werden wir thun, spricht der hl. Augustin, an dem sorgenvollen Gerichtstage, wenn der Herr beim Schalle der englischen Posaunen herabsteigen, und die ganze Erde vor Schrecken erzittern wird? Höre, was geschah, als Gott vor Zeiten auf den Berg Sinai herabstieg, um dem jüdischen Volke das Gesetz zu verkündigen:

„Als der dritte Tag gekommen war, und es am Morgen helle wurde, siehe, da begannen Donner zu rollen, und Blitze zu leuchten, und eine sehr dichte Wolke den Berg zu verhüllen; immer stärker ertönte der Posaunenschall. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr im Feuer auf ihn niedergestiegen war, und den Rauch qualmte von ihm empor, wie aus einem Ofen; der ganze Berg war furchterregend. Der Posaunenschall wurde nun immer stärker, und breitete sich weiter aus. –

Das ganze Volk aber gewahrte die Donner und Blitze und den Posaunenschall, und den rauchenden Berg; darob erschrocken und von Furcht durchbebt stellten sie sich von Ferne und sagten zu Moses: „Sprich du zu uns, … nicht möge der Herr zu uns reden, damit wir nicht etwa sterben“ (II. Mos. c. 19, 16 u. c. 20, 18.)

O christliche Seele! wenn nun Solches geschah, als Gott vom Himmel herabstieg, um das Gesetz zu geben und das Volk Israel zu Kindern anzunehmen, was wird erst dann geschehen, wenn er herabkommen wird, Rechenschaft wegen der Uebertretung seines Gesetzes zu fordern, und die Uebertreter den Teufeln zu übergeben? Fürchteten sich die Kinder Israels schon so sehr, daß sie vor Schrecken sterben zu müssen glaubten, wie werden dann wir Ursache haben, uns zu fürchten, und wie werden wir dann vor Todesangst an Leib und Seele zittern, wenn der erzürnte Gott, um Rache zu nehmen wegen der leichtfertigen Uebertretung seines heil. Gesetzes, zum jüngsten Gerichte kommen wird!

O mein gerechter Richter, wie werde ich vor dir bestehen, wenn du kommen wirst zu richten die Lebendigen und die Todten! Ach! in was für Angst und Furcht werde ich dastehen, wenn ich dich werde kommen sehen auf den Wolken des Himmels, mit großer Kraft und Majestät, und in einem brennenden verzehrenden Feuer. Ach! Ach! wie werde ich zittern und beben, ach! wie werde ich seufzen und klagen! wie werde ich fürchten und zagen! O wie wird mir das Herz im Leibe klopfen! Und wie wird meine Seele vor Angst und Bangigkeit verschmachten! O gestrenger und gerechter Gott! sei mir doch an jenem Tage nicht so gar erschrecklich, damit ich nicht vor Furcht ganz verzage. Ach stärke doch mein erschrockenes Herz, damit es nicht in Kleinmüthigkeit falle! Verleihe mir doch jetzt eine heilsame Furcht, damit ich mich vor Sünden hüte, und nicht alsdann in deinen Zorn falle. Gib mir Gnade und Stärke, meine begangenen Sünden abzubüßen, und die Makel meiner Seele abzuwaschen, damit du an jenem Tage an mir nichts zu strafen findest, sondern mich als einen getreuen Freund unter die Zahl deiner Auserwählten setzest.       Amen.

In Originalschreibweise; aber wegen der alten Frakturschrift nicht gescannt, sondern abgeschrieben.

Index 18 B ETIKA-Bibliothek