ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

17.7.2012

18B18B9

Beginn des Jüngsten Gerichts

S. 62-67

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

IX. Kapitel
Wie das jüngste Gericht anfangen werde.

Während die Engel und Heiligen sammt allen Teufeln und Verdammten auf dem Angesichte liegend den Richter anbeten, wird ein solches Heulen und Schreien unter den elenden Sündern sein, daß kein Mensch sein eignes Wort wird hören können. Denn die Teufel werden ein so furchtbares Geschrei macchen, und die Verdammten werden so erschrecklich jammern und klagen, daß dies erbärmliche Heulen den ganzen Erdkreis erfüllen wird.

Um aber diesem Geschrei ein Ende zu machen, damit die Worte des Richters vernommen und verstanden werden können, wird der hl. Michael mit solcher Gewalt in die Posaune blasen, daß ihr Ton Allen durch Mark und Bein geht und Alles mit übernatürlicher Gewalt zum Stillschweigen nöthigt. Alle werden sich dann erheben, um den Richter anzuhören; und wenn dann Alle in größtem Schrecken und tiefstem Stillschweigen dastehen und ihre Häupter in die Höhe erheben, dann wird der Richter seinen Mund öffnen und mit mächtiger Stimme zu sprechen anfangen, indem er folgende oder dergleichen Worte spricht:

„Höret ihr Himmel, was ich rede; vernimm, o Erde, die Worte meines Mundes! Höret ihr Engel! höret ihr Heiligen! höret ihr Teufel! höret ihr Sünder! – Ich Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes und der Jungfrau Maria, euer Aller Schöpfer, Erlöser und gebietender Herr, von meinem himmlischen Vater zum Richter aller Menschen und Engel gesetzt, verkündige euch Allen, daß ich nun mit euch Gericht halten, und die schweren Beleidigungen, die meiner Gottheit von euch zugefügt worden sind, auf das Schärfste rächen werde.

Bisher habe ich geschwiegen, und mit unendlicher Geduld so viel tausend Unbilden, die ihr mir boshafter Weise angethan habt, ertragen; nun aber ist die Zeit der Geduld aus, und die Zeit der Gerechtigkeit ist gekommen. Daher werde ich nun euch Alle ohne alle Barmherzigkeit richten, und vor Himmel und Erde offenbar machen, was ein Jeder von seiner Jugend an bis auf den letzten Augenblick seines Lebens mir zu Lieb und zu Leid gethan hat. Ich will eure Schandthaten vor aller Welt offenbaren, und vor allen Engeln und Menschen an den Tag thun, wie viele öffentliche und heimliche Missethaten ihr wider Gott und die Natur begangen habt.

Ich will all meinen Grimm über euch ausgießen, und dem Zorne meiner Strafgerechtigkeit nun freien Lauf lassen. Mein Auge wird eurer nicht schonen, und meine Gütigkeit wird sich eurer nicht erbarmen, sondern ich werde euch richten nach euren Wegen, und euch vergelten nach euren Werken, damit so vor allen Kreaturen offenbar werde, daß ich ein gerechter Richter bin, der nicht nach dem Ansehen der Person, sondern nach dem Maaße der Gerechtigkeit richtet, belohnt und bestraft.“

Auf diese Weise wird der göttliche Richter mit solcher Majestät reden, daß alle Engel und Menschen erzittern und erbeben werden. Hier wird sich wieder ein solches Heulen und Klagen aller elenden Sünder erheben, daß die Erde vor Mitleiden erweicht werden möchte. O weh uns Armen! o weh uns Elenden! werden sie sämmtlich rufen. O, was wird mit uns werden vor dem Angesichte des so schrecklich erzürnten Richters! O wären wir nimmer geboren worden! O wären wir doch nimmer auf die Welt gekommen! O ihr Berge fallet über uns und ihr Hügel bedecket uns vor dem Angesichte Dessen, der auf dem Throne sitzet, und vor dem Zorn des Lammes. Denn der große Tag des Zorns ist angekommen, und wer wird bestehen können? O wie gerne möchten Alle, die da Böses gethan, sich in die Erde verkriechen! Aber Alles ist umsonst!

Weil nun aber bei allen Gerichten ein Ankläger sein muß, welcher wider den, so gerichtet werden soll, die Anklage vorbringen muß, so werden auch bei diesem Gerichte alle Engel und Teufel wider die Menschen klagen, und den Richter um Gerechtigkeit anrufen. Der hl. Michael wird den Anfang machen, und mit deutlicher Stimme, so daß er von Allen kann verstanden werden, sprechen:

Allergerechtester Richter, Jesus Christus! hier sind die undankbaren Menschen gegenwärtig, welche sich wider deine göttliche Majestät unzählige Male versündiget haben, wider welche ich im Namen aller Engel klage, und vor deinem strengen Gerichte die gerechte Strafe suche. Denn ihre Missethaten sind so hoch gestiegen, daß sie die Erde nicht länger hat ertragen können, und die Stimme ihrer Ungerechtigkeit ist bis in den Himmel hinauf gehört worden. Deine Gerechtigkeit fordert es, daß du dieser Bosheit ein Ende machest, und alle gottlosen Sünder nach Gebühr strafest.

Darauf wird Luzifer, als Oberster der Teufel, im Namen aller Teufel, wie ein brüllender Löwe von der Erde hinaufrufen, und die Heiligen sowohl als die Sünder auf einmal verklagen, indem er spricht:

Allergerechtester Richter der Lebendigen und der Todten, ich der Oberst Luzifer im Namen aller Teufel klage wider alle gegenwärtigen Menschen, und rufe Rache und Gerechtigkeit wider Alle, die hier gegenwärtig sind. Denn weil deine strenge Gerechtigkeit mich und alle Engel um einer einzigen Sünde willen vom Himmel verstossen, und ewiglich verdammt hat, so ist es auch billig, daß du alle gegenwärtigen Menschen mit mir verdammst, und in den Abgrund der Hölle hinabstürzest. Denn es ist kein Einziger hier gegenwärtig, der nicht gesündiget, und deine Gebote nicht übertreten hätte. Darum ersuche ich deine Gerechtigkeit, daß du sie alle mir übergebest, und ewiglich zu peinigen überlieferst.

Hierauf werden alle Teufel mit einhelliger Stimme ihrem Obersten beistimmen, und aus vollem Halse über die sündigen Menschen Rache schreien.

Alsdann wird Christus auf die Klage antworten:

Ich habe eure Klagen angehört, ihr Engel und Teufel, und will nach euerm Begehren Alle vor meinen Richterstuhl stellen, und auf das Genaueste examiniren. Diejenigen, welche ich straffällig finde, werde ich nach der ganzen Strenge meiner Gerechtigkeit verurtheilen, und die, welche ich unsträflich finde, mit der ewigen Krone belohnen.

Die Schrifterklärer behaupten, daß Gott das Gericht beginnen werde an den Heiligen, und zwar zuerst an Denjenigen, welche auf den zubereiteten Stühlen sitzen sollen. Es ist daher glaublich, daß Christus zuerst den hl. Johannes den Täufer durch seine Engel vorführen lasse, weil Christus selbst von ihm gesagt, daß „unter den von Weibern Gebornen kein größerer Prophet, als Johannes der Täufer“ sei. Sobald nun dieser vor den Richterstuhl Christi kommt, wirft er sich vor dem göttlichen Richter auf seine Kniee nieder und betet ihn an. Nachdem Christus ihn hat aufstehen geheißen, wird Luzifer Alles wider ihn vorbringen, was nur immer den Schein des Bösen hat. Der hl. Michael aber wird ihn vertheidigen und den Satan zu Schanden machen. Christus wird alsdann alle seine Tugenden vor aller Welt offenbar machen und über ihn das Urtheil des ewigen Lebens aussprechen. Nach diesem werden ihn die heiligen Engel zu dem Throne, der auf der linken Seite Christi steht, führen, und ihn daselbst mit großer Ehrerbietung, als einen Mitrichter der Welt niedersetzen.

Nach diesem, wie zu vermuthen, wird der heilige Joseph durch die Engel von der Erde zu Christus hinaufgeführt werden, weil die heiligen Lehrer ihn für den Heiligsten unter allen Menschen halten. Nachdem er von dem Luzifer verklagt, vom heiligen Michael aber vertheidiget worden, wird er von Christus vor aller Welt gelobt, und von den Engeln zu jenem Throne, der neben der Mutter Gottes steht, geführt werden.

Hernach wird der heilige Petrus, und nach diesem der heilige Paulus, und hernach ein Apostel nach dem andern Christus vorgestellt, und jeder wird dann, nachdem das Urtheil des ewigen Lebens über ihn ausgesprochen ist, auf den für ihn zubereiteten Thron gesetzt werden. Nach den heiligen Aposteln kommen jene Heiligen, welche nach dem Beispiele der Apostel Alles um Gottes willen verlassen, und in höchster Vollkommenheit Christus nachgefolgt sind. Denn nach Meinung der Lehrer der Kirche werden diese zugleich mit den Aposteln auf Thronen sitzen, und die ganze Welt richten helfen.

Wenn dann endlich alle Richterstühle mit den Heiligen besetzt sind, dann fängt das Gericht eigentlich erst an, und es wird ein Heiliger nach dem andern vor den Richterstuhl Christi hinaufgeführt werden, nach dem Zeugniß des heil. Paulus, der, Röm. 14., schreibt: „Wir alle werden stehen vor dem Richterstuhle Christi.“ Hier hat er Niemanden, auch weder sich noch einen andern der Apostel ausgenommen, indem er ausdrücklich sagt, daß wir Alle, wir seien auch wer wir wollen, vor dem Richterstuhle Christi erscheinen werden.

Vor der Furcht vor dem Gerichte wird daher Niemand frei bleiben, wie es aus den Worten des Apostels Paulus hervorgeht, der I. Kor. 4 von sich selbst schreibt:

„Ich bin mir zwar Nichts bewußt, aber deßhalb bin ich noch nicht gerechtfertigt; denn der mich richtet, ist der Herr.“

Hiermit wollte er sagen: Obschon ich mir keiner Sünde bewußt bin, die ich noch auf mir hätte, so ist mir dennoch bange, vor dem Richterstuhle Christi zu erscheinen, weil ich weiß, daß er ein so unendlich strenger und gerechter Richter ist, der auch Das, was ich für Tugend gehalten, für strafmäßig finden könnte. Hier wird´s den Heiligen ergehen, wie einem angesehenen Manne, der, wenn er vor das Gericht des Königs citirt würde, wenn er sich auch keines Unrechts bewußt wäre, sich dennoch fürchten würde, vor dem Könige und dem ganzen Rathe zu erscheinen, um Rechenschaft über sein Leben abzugeben.

Wenn sich nun aber schon ein frommer Mann fürchtete, vor einem Könige zu erscheinen, wegen dessen großer Majestät und Macht; wie sollten dann nicht alle frommen Menschen an jenem Tage sich fürchten, vor dem erschrecklichen Richterstuhl des Königs aller Könige zu erscheinen, dessen Majestät und Macht alle Majestät der irdischen Könige unendlich übertrifft. Es wird der Anblick Christi und seines göttlichen Richterstuhls, wie auch der Anblick der heiligen Apostel und aller Mitrichter Christi so majestätisch und erschrecklich sein, daß auch die heiligen Engel, welche um den Richterstuhl Christi stehen, vor Schrecken erzittern werden. Denn wenn die lieben Engel und die mächtigen Fürsten des Himmels nach dem Zeugnisse der katholischen Kirche beim Anblicke der unendlichen Majestät erzittern, wie viel mehr werden sie dann sammt Allen, die vor den Richterstuhl Christi Christi gebracht werden, beim Anblicke dieses göttlichen Ernstes an Leib und Seele erzittern, besonders weil sich jetzt Gott im Himmel nicht erzürnt, sondern ganz freundlich zeiget, an jenem Tage aber sich nicht freundlich, sondern im ganzen Ernste seiner Strafgerechtigkeit zeigen wird.

O wie werden sich dann alle frommen und gerechten Menschen fürchten, wenn sie von den heiligen Engeln in Begleitung des leidigen Satans vor den göttlichen Richterstuhl geführt werden! Gewiß wird ein Jeder gleich beim ersten Anblick des erzürnten Angesichtes Christi so erschrecken, daß er vor Angst und Bangigkeit plötzlich zu Boden fallen, und wie todt daselbst liegen wird, wie dies dem hl. Johannes widerfahren, wie er selbst, Offb. 1, schreibt, als er den Sohn Gottes in der Gestalt des Richters sah.

Wenn sich aber der hl. Johannes vor Christi Majestät so gefürchtet, als er ihn zu trösten kam, ach wie werden wir uns dann fürchten, wenn Christus nicht uns zu trösten, sondern zu richten kommen wird! Ach was für ein gewaltiger Schrecken wird uns da ergreifen! Ach was für eine Angst und Furcht wird uns überfallen!

Betrachte nun, wie das Urtheil über die Heiligen ausfällt! Ich stelle mir die Sache so vor, daß, nachdem alle Richterstühle der Heiligen besetzt sind, Gott die allergrößten Heiligen zuerst, und dann nach und nach diejenigen, welche in der Heiligkeit folgen, sich werde vorführen lassen. Auch könnte man annehmen, er richte sie nach der Zeit, in der sie gelebt haben, so daß er alsdann von Adam anfange, und so fortfahre bis auf jenen frommen Menschen, der zuletzt vor dem jüngsten Tage gestorben ist. Dem sei nun wie ihm wolle, so ist´s doch auf einmal gewiß, daß Einer nach dem Andern dem Richterstuhle Gottes vorgestellt, und sowohl von Christus als von seinen heiligen Beisitzern werde gerichtet werden.

Ich stelle mir daher vor, daß, wenn ein Heiliger soll vorgeführt werden, die Engel mächtig in ihre Posaune blasen, und daß unter Posaunenschall der Schutzengel, dem jener Heilige anbefohlen worden, auf Geheiß des Richters herabsteige und ihn vorlade. Der Heilige wird in Schrecken gerathen, wenn jener göttliche Befehl an ihn ergeht, weil er weiß, wie unendlich streng das Urtheil ausfallen werde; der Schutzengel aber wird ihn trösten. Auch der Teufel, welcher von Luzifer aufgestellt worden, diesen Menschen zu verführen, wird ihm zu Gerichte folgen und ihn erschrecken.

Sobald dann diese drei unter dem Posaunenschalle hinaufkommen, so wird der Heilige sich vor Christus auf seine Kniee niederwerfen, und seine Gottheit und Menschheit auf das Demüthigste anbeten. Darauf wird der leidige Satan ihn auf das Heftigste zu verklagen anfangen, und Alles, was er sein Lebtag Böses gedacht, geredet, gethan und begehrt hat, auf das Genaueste vorbringen.

·       Ja Christus der Herr selbst wird dessen, wie auch aller anderer Heiligen Herz und Gewissen so offen darlegen vor aller Welt, daß nicht allein Jeder sich selbst, sondern auch alle Engel, Menschen und Teufel alle seine bösen und guten Gedanken, Worte und Werke, Begierden und Vorsätze und Meinungen, Sünden, Laster und Gewohnheiten, samt Allem, was er gethan und unterlassen habe, wo er geboren, wie er gelebt, und wie er gestorben sei, mit seinen leiblichen Augen aufs Klarste sehen und mit seinem Verstand aufs Genaueste erkennen werde.

Es bleibt da keine einzige Sünde, welche die Heiligen gethan haben, verschwiegen, sondern Alles muß offenbar werden und an den Tag kommen, damit alle Welt erkenne, wie oft und gröblich sie Gott erzürnet haben, und wie viel der liebe Gott von ihnen habe leiden müssen.

·       Gleich darauf wird ihn dann der Schutzengel vertheidigen, und vor aller Welt offenbaren, wie schmerzlich er seine Sünden bereut, wie überflüssig er sie abgebüßt, wie viel gute Werke er verrichtet, wie inbrünstig er Gott geliebt, und wie viele Seelen er zu Gott bekehrt, und was für ein gottseliges Leben er geführt habe.

So wird der Schutzengel jene Schmach, die der leidige Satan dem Heiligen zuzufügen begehret, von ihm abwenden, und vor aller Welt seine Tugend und Heiligkeit offenbaren. Darauf werden alle Beisitzer des göttlichen Gerichtes ihn loben und der ewigen Seligkeit würdig erkennen. Christus aber, der höchste Richter, wird das Urtheil des ewigen Lebens über ihn aussprechen, und ihn nach seinen Verdiensten mit einem neuen Kleide der Glorie bekleiden, und mit der Krone des ewigen Reiches krönen.

Mit was für großer Feierlichkeit alles Dies vor sich gehen werde, wer will´s beschreiben? O wie wird sich der Heilige erfreuen, daß sein Urtheil so glücklich ausgefallen, und er nunmehr der ewigen Seligkeit gewiß ist! O wie wird er so demüthig vor Christus dem Herrn niederfallen, und ihm für die erzeigte Gnade Dank sagen! O wie freundlich werden ihm alle englischen Chöre Glück wünschen, und sich von Herzen mit ihm erfreuen! O wie werden sich alle Menschen über seine Glorie verwundern, und derselben theilhaftig zu werden verlangen! O wie ehrerbietig werden ihn die lieben Engel von dem Richterstuhle Christi hinwegführen, und ihn auf die rechte Seite Christi, nicht auf die Erde, sondern in die Lüfte stellen, wo er ohne alle Sorge mit höchster Freude seines Herzens dem ganzen Verlauf des Gerichtes zusehen wird.

Auf diese oder dergleichen Weise werden alle Heiligen und Auserwählten Gottes bis zum letzten allgemeinen Urtheilsspruche in die Luft zur rechten Hand Christi zusammengestellt werden, allwo sie in höchster Glorie als Fürsten und Könige des ewigen Reiches stehen, und von den Verdammten mit höchster Verwunderung betrachtet werden.

O allergütigster Jesu! im Namen aller Heiligen und Auserwählten, welche von dir das Urtheil der ewigen Seligkeit empfangen werden, grüße, ehre und bete ich dich an, und sage dir ewigen unendlichen Dank für deine unergründliche Barmherzigkeit, durch welche du ihnen die ewige Seligkeit mitgetheilt hast. Ach sei doch demüthig gebeten, daß du auch mir diese Gnade erweisen, und mich deinen lieben Heiligen zugesellen wollest! Ich bin zwar dieser Gnade ganz und gar unwürdig, aber dennoch wage ich es, dich darum zu bitten, daß du sie mir aus Barmherzigkeit verleihen wollest, da deine Gerechtigkeit mir sie nicht verleihen kann, damit so dereinst deine Barmherzigkeit desto mehr von allen Heiligen gepriesen werde, weil du Den, der die höllische Verdammniß so viel tausendmal verschuldet hat, dennoch aus unendlicher Barmherzigkeit selig gemacht hast.

O ihr lieben Heiligen Gottes, die ihr am jüngsten Tage das Urtheil des ewigen Lebens von Christus vernehmen werdet! ich falle vor euch nieder, und bitte euch um Gottes, und unserer lieben Frau willen, ihr wollet mir zu eurer glückseligsten Gesellschaft verhelfen, und durch eure Fürbitte das Urtheil der ewigen Seligkeit erwerben.

Jetzt, da es noch Zeit zu bitten ist, bitte ich euch, und jetzt, da ihr noch Alles bei Gott erhalten könnet, spreche ich euch um eure Fürbitte an. Ich weiß, daß ihr bei Gott so hoch in Gnaden steht, daß ihr durch eure Bitten sein Urtheil umwenden könnet, so daß, wenn er mich schon zu verdammen beschlossen hätte, ihr mir doch die Seligkeit erhalten könnet. Deßwegen bitte ich euch alle mit gebogenen Knieen um eure glorwürdige Fürbitte, und übergebe meine Seele und Seligkeit in eure Hände. Ach traget doch Sorge für dieselbe, und laßt es euch so angelegen sein, als wenn es eure eigene Sache anginge, damit ich durch euch die ewige Seligkeit erlange, der ich sonst der ewigen Verdammniß würdig bin.     Amen.

In Originalschreibweise

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