ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

6.4.2013

18B18C1

Wo und was die Hölle sei.

S. 92-98

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der Hölle.

Vorrede.

Wenn es irgend ein kräftiges Mittel auf Erden gibt, einen verstockten Sünder zur Buße zu bewegen, so ist es gewiß das öftere Andenken und Betrachten der Hölle. Denn kaum wird doch wohl ein Sünder so verstockt und in Sünden ersoffen sein, daß er nicht erschrecke und in sich gehe, wenn er von den höllischen Peinen entweder liest, oder predigen und reden hört.

Weil aber dies der höllische Satan am Besten weiß, so ist er ernstlich beflissen, zu verhüten, daß wir Menschen von den ewigen Peinen nur ja Nichts hören, reden oder betrachten mögen. Und wenn Jemand nur einmal von der Hölle Meldung thun will, so stehen ihm alsbald alle Gegenwärtigen im Wege, und sprechen mit einhelligem Munde: Gott behüt uns vor der Hölle! Dies ist die ganze Antwort, dies ist die einzige Ausrede, und dies ist der endliche Schluß dieses heiligen Gesprächs. Es wird die Sache so leicht abgefertigt, als ob es gar nicht nöthig wäre, davon zu reden, und als wenn wir gar keine Gefahr hätten, in die Hölle zu kommen.

Sei aber gewiß, mein lieber Christ, daß dies nur vom Teufel herkommt, welcher nicht leiden kann, daß Jemand von der Hölle rede, weil er wohl weiß, daß dieses heilige Gespräch nicht ohne Nutzen abgehen könne- Damit ich nun aber der verderblichen List des Teufels entgegenarbeite, und doch wenigstens das eine oder andere verstockte Herz zur Buße erweiche, so will ich mit Hilfe der Gnade Gottes die Hölle sammt ihren Peinen in aller Einfalt so ausführlich beschreiben, daß diese Beschreibung im Stande sein möge, dein Herz zu ergreifen, es zu durchdringen, und dich von deinem sündhaften Leben abzuschrecken. Hierzu verleihe mir der gütige Gott den Beistand seiner göttlichen Gnade, und erweiche alle sündigen Herzen, welche dieses Buch lesen oder lesen hören werden, zu wahrer Reue, Buße und Besserung ihres Lebens. Amen.

1 . Kapitel.

Wo und was die Hölle sei.

Daß es eine Hölle gibt, braucht nicht erst bewiesen zu werden, da dies alle wahren Christen ohnehin fest glauben. Denn so gewiß ein Gott ist, der die Wahrheit redet, und eine hl. Schrift, die unfehlbar ist, so gewiß gibt es auch eine Hölle. Ich will deshalb auch sogleich anfangen zu erklären, wo die Hölle sich befindet und wie dieser schreckliche Aufenthaltsort der Verdammten beschaffen ist. Ich werde hiebei Nichts erdichten, sondern nur anführen und erklären, was die hl. Schrift, die Kirchenväter und die gesunde Vernunft hierüber sagen.

Wenn du wissen willst, wo die Hölle sei, so lese die hl. Schrift (4. Mos. 16,31). Allda sagt sie von den ungehorsamen, hoffärtigen und rebellischen Thoren Dathan und Abiron:

„Die Erde spaltete sich unter ihren Füßen und verschlang sie, indem sie ihren Mund aufthat, und sie stiegen lebendig hinab in die Hölle von der Erde bedeckt, und waren vertilgt aus der Mitte des Volkes.“ (Anmerkung ETIKA: Trotzdem behaupten modernistische Geistliche, die Bibel sage von niemandem, dass er in der Hölle sei, und ein Papst sprach sogar von seiner Hoffnung, dass die Hölle leer sei. P. Martin von Cochem widerlegt sie hier und wird ihnen beim Jüngsten Gericht Paroli bieten.)

Hier sagt die hl. Schrift mit klaren Worten, daß jene Beide, die sich wider Moses, den Gesandten Gottes, empört hatten, durch eine Oeffnung in der Erde mit Leib und Seele von dem Abgrunde der Hölle verschlungen worden seien. Daraus geht klar hervor, daß die Hölle in der Erde sei. Die Ausdrücke „hinabsteigen“ und „Abgrund“, die in der hl. Schrift vorkommen, geben dies auch zu verstehen. Auch lehren so die heiligen Väter, und namentlich der hl. Augustinus (Retract. l. 2 c. 24.)

Sie muß sich aber in der Mitte der Erde befinden, so daß Jeder, unter dessen Füßen sich die Erde aufthäte, er möge sein, wo er wolle, entweder auf unserer Halbkugel oder gerade unter uns, gerade hinunter in die Hölle fallen würde. Auf diese Weise kämen dann Alle, die in die Hölle fallen würden, sie mögen auf der Erde sein wo sie immer wollen, in der Mitte zusammen. Keiner könnte aber weiter fallen, als bis in die Mitte, sondern müßte dort schweben bleiben. Denn wenn er weiter kommen sollte, so ginge es nicht mehr abwärts, sondern aufwärts, so daß er endlich wieder an der entgegengesetzten Seite heraus käme, wie dies da, wo bewiesen wurde, daß die Erde rund sei, klar ist gezeigt worden.

Wie tief es bis in die Hölle sei, kann man leicht berechnen, wenn man weiß, wie groß der Durchmesser der Erdkugel ist. Dies ist aber schon lange ganz accurat ausgerechnet worden. Die Erde hat nämlich 5,400 deutsche Meilen im Umkreise. Der Durchmesser beträgt mithin 1800 Meilen, und daher der Halbmesser, der von der Oberfläche der Erde bis in die Mitte geht, 900 Meilen. So weit ist es also bis in die Mitte der Hölle.

In Bezug auf die Größe der Hölle sagt der Prophet Isaias:

„Längst gerichtet ist Thophet (die Hölle), vom Könige bereitet, tief und weit.“

Der Prophet sagt also hier, daß der Wohnort der Verdammten tief und weit sei. Die Hölle ist daher eine tiefe und weite Höhle mitten in der Erde, ringsum mit Felsen umgeben, die wie ein Gerippe bis zur Oberfläche sich durch die ganze Erdkugel hindurchziehen.

Dieser Kerker für die Verdammten hat daher weder Thür noch Fenster oder irgend eine andere Oeffnung, sondern ist ganz dicht und fest verschlossen, wie ein Grab. Darum heißt es auch vom reichen Prasser: „Der Reiche starb und ward in die Hölle begraben.“ Auch sonst noch wird die Hölle in der heil. Schrift ein Grab genannt.

Es ist nun aber auch noch zu wissen, daß die Hölle nicht bloß ein einziger Ort sei, worin alle Verdammten beieinander liegen, sondern daß es unterschiedliche Orte daselbst gebe, und zwar so viele, als es Stufen der Verdammniß gibt. Es leiden nämlich nicht alle Verdammten gleich viel, sondern Jeder nach dem Maße seiner Schuld, die er auf sich geladen hat.

Je mehr oder schwerere Sünden Einer begangen, oder je mehr Gnaden Gottes er mißbraucht hat, desto mehr muß er leiden. Dies sagt die hl. Schrift mit den Worten:

„Wie sehr sie sich herrlich gemacht und in Lüsten gelebt hat, soviel gebet ihr Qual und Leid.“ (Off. 18)

Es gibt darum auch in der Hölle Stufen der Verdammniß, wie es im Himmel Stufen der Seligkeit gibt. Wie es nun im Himmel nach dem Ausspruche Christi viele Wohnungen für die Seligen gibt, so gibt es auch in der Hölle viele Wohnungen für die Verdammten. An diesen einzelnen Orten werden Diejenigen, die gleichmäßig gesündigt haben, auch gleichmäßig gestraft. Dies läßt sich aus den Worten Christi abnehmen, wo er von dem Unkraut und dem guten Saamen redet. Dort spricht er:

„Lasset beides zusammen wachsen bis zur Zeit der Aernte (Zeit des Gerichtes), und zur Zeit der Aernte will ich den Schnittern (Engeln) sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündlein zum verbrennen“ (Math. 13, 30.)

Dies erklärt der hl. Gregorius so:

„In Bündlein zusammenbinden ist, Gleiches mit Gleichem verbinden, damit Diejenigen, welche in der Schuld gleich gewesen sind, auch in der Pein einander gleich seien.“

Hierüber lesen wir in der Lebensbeschreibung der hl. Theresia, die sie selbst geschrieben hat:

„Als ich einmal im Gebete war, erkannte ich, daß Gott wolle, daß ich den Ort, welchen mir der Teufel wegen meiner Sünden in der Hölle bereitet hatten, mit meinen Augen sähe. Der Eingang war durch einen langen und engen Fußpfad, dessen Grund ganz kothig und voll giftigen Gestankes und Ungeziefer war. Am Ende dieses Weges befand sich ein Loch in einer steinernen Wand, worein ich ganz hart eingepreßt wurde. Was ich dort gelitten habe, das kann ich weder mit Worten beschreiben, noch mit irgend Etwas vergleichen. An diesem pestilenzialischen Orte konnte ich weder sitzen noch liegen, weil kein Platz dazu da war. Denn die Wände, welche schrecklich anzusehen waren, zerdrückten, preßten und beängstigten mich auf unaussprechliche Weise. Es war da kein Licht, sondern ein überaus dicker und finsterer Dunst; jedoch kann man Alles, was das Gesicht zu peinigen im Stande ist, sehen. Ich sah wohl Niemanden, der mich peinigte, aber ich fühlte, als ob ich gebrannt, zermalmt und in Stücke zerschnitten würde. Ich litt in meiner Seele einen solchen Brand, daß ich die Hitze davon auf keine Weise zu erklären vermag. Ich litt auch solche Todesnöthen, solche Bangigkeit, solches Würgen und solche Beängstigungen mit solcher verzweifelter und drückender Kleinmüthigkeit, daß ich meinte, es würde mir die Seele aus der Wurzel gerissen und von sich selbst verzehrt. Wenn ich alle Schmerzen und Krankheiten, die ich all mein Lebtag ausgestanden habe, und deren sehr viele sind, mit dem, was ich da gelitten, vergleiche, so sind sie gegen diese wie lauter Trost und Erquickung zu betrachten. Ich bin zwar nur kurze Zeit dort gewesen, aber ich werde mein Lebtag dieses Ortes nicht vergessen können.“

Höre nun auch wie schrecklich die Hölle sei. Der Prophet Isaias nennt sie einen Kerker, in welchem die Verdammten eingeschlossen sind (Is. 24, 22). Auch nennt er sie ein tiefes Thal, in welchem ein brennender Schwefelstrom, der von dem Odem Gottes ist angezündet worden, dahinfließt (Is. 30, 33). Gott hat diesen Ort also selbst für die Verdammten eigens zubereitet.

Job nennt die Hölle „ein Land der Finsterniß, bedeckt von Todesschatten, ein Land der Trauer und des Dunkels, wo Todesschatten und keine Ordnung ist und nur ein ewiger Schauer wohnt“ (Job 10, 22).

Jesus Christus selbst nennt sie die äußerste Finsterniß, wo Heulen und Zähneknirschen sein werde.

„Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn hinaus in die äußerste Finsterniß. Da wird Heulen und Zähneknirschen sein“ (Math. 22, 13).

Die Hölle ist also ein ganz und gar finsterer Ort. Da aber Christus die höllische Finsterniß die äußerste Finsterniß nennt, so will er damit zu verstehen geben, daß es keine Finsterniß sei, wie auf dieser Erde, sondern eine viel größere und schrecklichere.

Bedenke nun, wie es dir zu Muthe sein würde, wenn du dich in der Nacht verirrtest und in einem wilden Wald in eine tiefe Schlucht kämest. Welches Grausen würde dich wohl da ergreifen, und wie würdest du vor lauter Angst zittern und beben! Je tiefer du aber hineingeriethest, desto größer würde deine Angst werden.

Nun gibt es aber auf der ganzen Welt keine Schlucht so tief und schauerlich, wie der Abgrund der Hölle, und keine so schreckliche Wildniß, wie jenes dunkle Land, welches mit Todesschatten bedeckt ist, und worin keine Ordnung, sondern nur ewiger Schauer wohnt.“

In diesen höllischen Kerker kommt nie ein freundlicher Lichtstrahl die ganze Ewigkeit hindurch. In der Ewigkeit nämlich leuchtet keine Sonne und kein Mond, sondern alles Licht, das da leuchtet, kommt von der Herrlichkeit Gottes. Dieses Licht leuchtet aber nur in der Stadt Gottes, das ist im himmlischen Jerusalem, wie die hl. Schrift sagt: „Die Stadt bedarf weder der Sonne noch des Mondes, daß sie leuchten in ihr; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm“ (Off 21, 24). Die Verdammten sind aber von Gott, dem ewigen Lichte, ganz und gar ausgeschlossen und können seine Herrlichkeit in Ewigkeit auch nicht einen einzigen Augenblick schauen. Darum umgibt sie die äußerste Finsterniß.

Das Feuer der Hölle, statt diesen Ort zu erleuchten, macht die Finsterniß noch grausenhafter. Dies bezeugt der hl. Isidor, indem er sagt:

„Das höllische Feuer hat Licht und hat kein Licht; denn es hat Licht zu größerer Verdammniß, damit die Gottlosen sehen, was sie schmerzt, und hat kein Licht zu ihrem Troste, so daß sie nicht sehen, was sie erfreuen könnte. Denn diese Elenden werden Jene sehen, welche sie in der Welt fleischlich geliebt und durch ihr böses Beispiel zur Sünde gebracht haben, damit sie beim Anblicke ihrer Pein desto mehr gepeinigt und beim Anhören ihres Geschreies desto mehr erschreckt werden.“

Der hl. Basilius sagt:

„Der Herr wird vom Feuer das Licht trennen, weßhalb dies Feuer nur die Eigenschaft hat, zu brennen, nicht aber zu leuchten.“

Der hl. Thomas versichert, die Verdammten hätten nur so viel Licht, als hinlänglich sei, um sie desto mehr zu quälen. Diese Finsterniß ist so schrecklich, daß sie alle Verdammten mit Grausen erfüllt. Bedenke, was die Elenden da zu leiden haben, und wie schrecklich lang ihnen die Zeit in diesem finstern Kerker werden wird. Die Kranken klagen über nichts so sehr, als über die Nacht, weil ihnen da die Zeit nochmal so lang fällt, und ihnen die Schmerzen nochmal so schwer vorkommen, als am Tage. O wie oft klagen sie, daß die Nacht gar nicht vorübergehen wolle, und daß die Finsterniß gar so lange dauere! Sie zählen alle Stunden und meinen, eine jede wäre eine ganz Nacht lang.

O mein Gott! wie mag es da erst in der Hölle zugehen, wo eine so schreckliche Finsterniß und eine ewige Nacht herrscht! Wie lang es da den Verdammten werden wird, davon kann sich kein Mensch einen Begriff machen. Kain, obwohl er schon fünftausend Jahre in der Hölle liegt,-befindet sich doch noch in der allerersten Nacht, und diese wird ewig kein Ende nehmen. O schreckliche Nacht! O furchtbares Land, mit Todesschatten bedeckt, wo nur ewiger Schauer wohnt! da werden Alle hineingeworfen, die im Leben die Finsterniß mehr lieben, als das Licht, weil ihre Werke böse, Werke der Finsterniß sind. Die heil. Schrift spricht von diesem Orte:

„Wenn Jemand das Thier und sein Bildniß anbetet, der wird trinken von dem Zornweine Gottes, der stark gemischt ist im Kelche seines Zornes, und er wird gequält werden mit Feuer und Schwefel, und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen in alle Ewigkeit, und sie werden keine Ruhe haben Tag und Nacht“ (Off 14, 9).

Dieser Rauch macht die Finsterniß noch qualvoller. Von der höllischen Finsterniß erzählt Beda, der Ehrwürdige, folgendes Beispiel (Hist. Angl. l. 5. c. 18.):

Ein Mann in England, Namens Drithelmus, lag einmal in einer schweren Krankheit eine ganze Nacht für todt da, und als er wieder zu sich gekommen, erzählte er unter Anderm auch dies: Ich wurde von einer hellglänzenden Person in eine fremde Gegend geführt und kam endlich in eine dunkle, erschreckliche, grausenhafte Finsterniß, welche immer zunahm und endlich so dick wurde, daß man sie mit Händen greifen konnte. Ich konnte hier Nichts mehr sehen, als ein wenig Schatten an der Seite meines Führers herumschweben. Als wir immer weiter hineinkamen, da merkte ich in der Mitte dieser Finsterniß einen unermeßlich großen Abgrund voller Rauch und finsterm Feuer, so schrecklich anzusehen, daß mir die Haare gegen Berg standen. In diesem Abgrund hörte ich ein jämmerliches Geschrei vieler Männer und Weiber, als ob sie grausam gepeinigt, zermartert und gemordet würden. Was mich am Meisten betrübte, war, daß mein Führer verschwand und mich an diesem Orte allein ließ. Was ich aber damals empfunden habe und in was für Aengsten ich mich da befand, kann ich keinem Menschen erklären. Ich seufzte und weinte und hob meine Hände zu Gott im Himmel; denn ich sah in dieser Finsterniß Nichts, als Teufel, Abgrund und dunkles Feuer, und wußte vor Schrecken nicht, wohin ich mich kehren und wenden sollte. In dieser meiner größten Noth erschien mir mein Führer wieder, rettete mich vor allen meinen Feinden, und führte mich aus diesem finstern, stinkenden, abscheulichen Orte, sagte mir auch, daß ich wieder zu meinem Leibe zurückkehren werde, und ich sollte allen Menschen diese grausenhafte Finsterniß erklären.

In der Offenbarung des hl. Johannes wird die Hölle ein Pfuhl genannt, der mit Feuer und Schwefel brennt.

„Den Verzagten aber (die keinen Mut zum Kampfe zeigen), den Ungläubigen, den Mördern, den Unzüchtigen, den Zauberern, den Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Anteil werden im Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der andere Tod ist“ (Off. 21, 8).

Diesen Ort nennt Jesus Christus selbst „einen Ort der Qual“ (Luk. 16, 18); „die ewige Pein“, d. h. einen Ort ewiger Pein (Math. 25, 46); ein unauslöschliches Feuer, „einen Feuerofen, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird“, d. h. einen Ort, wo ewiges Feuer die Verdammten so quält, daß sie beständig vor Schmerz heulen und vor Verzweiflung mit den Zähnen knirschen. Damit kein Zweifel sei, wie dies zu verstehen sei, fragte der göttliche Heiland noch seine Jünger: „Habt ihr dies Alles verstanden?“ Sie sprachen zu ihm: „Ja“ (Math. 13, 50. Mark. 9, 44).

Der göttliche Heiland bedient sich auch öfters des Wortes „Gethenna(Anmerkung: heute meist Dschehenna), um den Ort der Verdammnis damit zu bezeichnen. Dieses Wort heißt aber so viel, als Ort des Abscheus, des Grausens, des Feuers.

Das ist nun eine kurze Beschreibung des Ortes, wohin Alle kommen, die in der Feindschaft Gottes, in der Todsünde nämlich aus diesem Leben scheiden. Stelle dir vor, als ob der göttliche Heiland dich auch fragte:

„Hast du dieses Alles verstanden?“

O welch ein Unterschied ist zwischen dieser ewigen Wohnung der Verdammten und jenen prächtigen Wohnungen, welche so Viele jetzt bewohnen, die einst in jener ihren Aufenthalt finden werden.

·       Welch ein gewaltiger Unterschied zwischen den jetzigen Wohnungen, wo Weichlichkeit, Ueberfluß, Lustbarkeiten aller Art und die Laster in frechster Weise herrschen!

Eine klare Vorstellung von jenem Schreckensorte kann wohl kein Sterblicher sich hienieden machen, ebenso wenig, als man sich jetzt die Herrlichkeit des Himmels vorstellen kann. Es ist ein großer Abgrund zwischen ihr und uns gesetzt, der den sterblichen Augen undurchdringlich ist. Mit den Augen des Glaubens aber erkennen wir, daß alles Häßliche, was man sehen kann, alles Unglückliche, was man sich vorstellen kann, alles Peinliche, was man empfinden kann, dort vereinigt sein wird, wo Gott seine Strafgerechtigkeit in vollstem Maße ausübt, wie ja auch da, wo Gott die Getreuen belohnt, alles Schöne, Gute, Glückliche und Angenehme beisammen ist.

Wie in der Ewigkeit Alles über unsre jetzigen Begriffe geht, so auch die Schrecklichkeit des Ortes, wo die Verdammten gepeinigt werden. Der Ort ist daher jedenfalls so schrecklich und schauderhaft, daß er nicht genug beschrieben werden kann. Du wirst aber aus dem Gesagten schon genug erkennen, daß du Ursache hast, diesen Ort zu fürchten und dich vor demselben zu hüten. Wolltest du wohl um die ganze Welt auch nur ein Jahr lang in diesem finstern Kerker, der Behausung der Teufel liegen? Wenn du aber dies nicht willst, o Sünder, o Sünderin! so bist du ja doch gewiß der größte Narr von der Welt, wenn du nicht zu sündigen aufhörst, wenn du um eines irdischen Gewinnes oder um einer schnöden Wollust willen dich der höllischen Peinen so muthwillig schuldig machest. Nun, so brauche denn einmal deinen Verstand, und besser dich! Bitte Gott, daß er dich erleuchte, damit du deine schreckliche Thorheit recht erkennest, und daß er dir eine heilsame Furcht vor der Hölle einflößt und sprich:

O gerechtester Gott, wie furchtbar ist deine Strafgerechtigkeit! Wie schrecklich muß doch die Sünde sein, daß du den Sünder und sein sündhaftes Werk so sehr hassest! Ist es denn möglich, daß du die armen Sünder wegen einer geringen Lust, die sie bei der Sünde gehabt, in einen solchen furchtbaren Kerker werfen solltest, vor dessen Anblick jeder Mensch erzittern muß! Doch nein, o mein Gott! so will ich nicht fragen, da ich weiß, daß deine Gerechtigkeit über alle menschliche Begriffe geht; sondern ich will fragen: Ist es denn noch möglich, daß ein Mensch ein so großer Thor sein kann, daß er um einer geringen kurzen Wollust wegen sich dieses Kerkers schuldig macht? O wehe euch, ihr elenden Sünder, die ihr jetzt schon in diesem Gefängnisse gefangen liegt! O wehe auch euch, ihr frechen Sünder, die ihr einstens in denselben werdet geworfen werden!

O mein Gott und Herr! der Gedanke, daß auch ich einst an diesen Ort der Qual und Pein, der Finsterniß und der Todesschatten kommen könnte, macht mich an Leib und Seele erzittern. O du furchtbarer Kerker! O du grausenhaftes Gefängniß! Ehe ich zu dir kommen wollte, will ich lieber alle Uebel der Welt ertragen, alle erdenklichen Krankheiten und Schmerzen erdulden. Ich wollte lieber mein Lebtag in einen finstern Thurm eingesperrt werden, als auch nur einen einzigen Tag in dir liegen! O barmherziger Gott und Vater! bewahre mich doch vor diesem schrecklichen Unglück. Ja, bewahre mich vor allen Sünden, die mich in diesen Kerker bringen würden! Ehe ich nochmal eine Todsünde begehe, will ich lieber alle zeitlichen Uebel, selbst den schmerzvollsten Tod erleiden, ja mich lieber rädern lassen. O gnädigster Vater im Himmel! verleihe mir dazu deine Gnade und stärke mich in meinem Vorsatze, daß ich demselben treu bleibe bis an mein letztes Ende. Amen.