ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

22.5.2013

18B18C11

Von der Ewigkeit der Höllenstrafen

S. 175-188

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der Hölle.

XI. Kapitel.

Von der Ewigkeit der Höllenstrafen.

Bisher habe ich zwar von den höllischen Peinen so viel gesagt, und nach Möglichkeit einfältig und klar beschrieben, daß dies Alles wohl im Stande sein möge, den furchtbarsten Schrecken in uns zu erwecken; aber das, was ich jetzt noch zu sagen habe, macht die Sache noch viel schrecklicher, nämlich, daß die beschriebenen Peinen ewig fortdauern, niemals enden werden.

O welch ein schrecklicher Gedanke! O Ewigkeit! o Ewigkeit! was bist doch du? Es ist die Ewigkeit ein so erschreckliches Ding, das alle menschliche Vernunft übersteigt, und Denjenigen, welcher sie ernstlich betrachtet, schier von Sinnen kommen macht. Es hat ein betrübter und nothleidender Mensch bei allem seinem Kreuze keinen kräftigeren Trost, als eben, daß er weiß, daß sein Elend einmal ein Ende nehmen werde; wenn er aber denken müßte, daß es nimmer ein Ende nehmen, sondern all sein Lebtag dauern würde, so würde er vor Leid verzagen und verzweifeln.

Es liegt so im Wesen der menschlichen Natur, daß wir an allen Dingen, welche lange dauern, einen Ueberdruß bekommen, und sogar an jenen Dingen, welche unserer Natur süß und angenehm sind.

·       Wenn Einer acht ganze Tage und Nächte zu Tische sitzen müßte, o wie würde ihm die Mahlzeit so lange fallen!

·       Wenn Einer acht ganze Tage und Nächte in dem sanftesten Bette liegen müßte, wie lange würde es ihm werden!

·       Würde Einer acht Tage nacheinander Tag und Nacht dem schönsten Spiel und lustigsten Tanze beiwohnen, wie würde er desselben so müde werden!

·       Auch an der lustigsten Komödie würde man den größten Ueberdruß bekommen, wenn man acht Tage und Nächte zuschauen sollte.

Kurzum, wenn auch das allerangenehmste Ding zu lange währet, so macht es Einem Ueberdruß und bringt Ekel statt Wohlgefallen. Wenn nun dies bei jenen Dingen geschieht, welche unsrer Natur angenehm sind, ach was wird dann bei jenen geschehen, welche unsrer Natur zuwider sind!

·       Wenn Einen acht Tage und Nächte ein Insekt beißen sollte, und er es auf keine Weise wegtreiben könnte, o wie zuwider und lästig würde dies ihm werden!

·       Wenn Einem ein Ohrenschlüpfer in ein Ohr kriechen würde, und er ihn in acht Tagen nicht heraustreiben könnte, o wie würde ein Solcher so ungeduldig werden!

·       Wenn Einem ein kleines Steinlein in den Schuh käme und er müßte zur Buße acht Tage lang darauf gehen, o wie würde ihm diese Buße so schwer sein!

Hieraus siehst du, daß unsre menschliche Natur so empfindlich ist, daß sie nicht das Geringste leiden kann, sondern Alles, was ihr zuwider ist, alsbald wegschaffen möchte; wenn sie aber dies nicht thun kann, ihr auch die geringste Beschwerde, oder der geringste Schmerz, den sie wider ihren Willen leiden muß, gar schwer fällt, und ihr den größten Verdruß und Aerger verursacht.

Wenn nun Einer ein ganzes Jahr lang ein stechendes Insekt am Halse, einen Schlüpfer im Ohre, oder ein Steinlein in den Schuhen leiden müßte, ach, was für eine lange Marter würde ihm das zu sein scheinen! Es würde der Mensch so ungeduldig werden, daß ihn Niemand trösten könnte. Er würde die geringste Beschwerniß so hoch achten, daß er meinte, es hätte kein Mensch ein größeres Kreuz, als er.

·       Thut nun dies ein geringer Kreuzlein, thut dies ein so geringer Schmerz eines Gliedes, ach, was würde dann eine große Krankheit oder ein heftiger Schmerz thun? Was würde dann eine große Marter oder ein Gefängniß thun, welches nicht nur allen ein ganzes Jahr, sondern zehn ganze Jahre nach einander währen, und den armen Mensch Tag und Nacht peinigte?

·       Wenn ein armer Sünder ein ganzes Jahr an einem Galgen hängen müßte, ohne sterben zu können, wer könnte ihn ohne das größte Bedauern auch nur ansehen?

·       Oder, wenn ein armer Sünder so grausam gerädert worden, daß ihm alle Rippen und Beine zerschmettert wären, und in solchen Schmerzen ein ganzes Jahr ohne alle Hilfe und Erquickung in der Höhe auf einem Rade lebendig liegen müßte, wer sollte vor Mitleid nicht krank werden, wenn er den armen Menschen jämmerlich seufzen, und sich auf dem Rade erbärmlich hin und her winden sehen sollte?

·       Oder wenn Einer in einem großen brennenden Backofen mit gebundenen Händen und Füßen ein ganzes Jahr lang lebendig liegen würde und wie eine glühende Kohle aussähe, wer könnte das ansehen ohne ohnmächtig zu werden?

Gewiß wäre kein menschliches Herz so hart, daß es diesen armen Menschen ein Vater unser lang, ohne das innigste Erbarmen ansehen könnte! Wenn nun ein Sünder nicht nur ein Jahr, sondern fünfzig Jahre an einem Galgen hängen, auf einem Rade liegen, oder in einem Backofen brennen müßte, wäre das nicht gänzlich zum Verzweifeln? Müßte da nicht Einer wüthend und rasend werden vor Schmerz?

Jetzt wende nun einmal deinen Blick zu dem Abgrunde der Hölle hinab, und besehe dir das höllische Gefängniß recht genau. Müssen da die Verdammten nicht unendlich größere Qualen leiden, als alle jene Genannten, mehr als wenn sie am Galgen hängen, gerädert würden, in einem feurigen Backofen brennten und von allen giftigen Schlangen und Insekten der ganzen Welt gebissen und gestochen würden? Und das dauert dort nicht bloß acht Tage oder auch einige Jahre, sondern Viele leiden schon zehn, Andere fünfzig, Andere hundert, Andere tausend und Einige schon fünftausend Jahre diese Marter.

Aber alle Diese müssen nicht allein noch fünftausend, nicht nur noch hunderttausend oder tausendmaltausend Jahre, sondern ewig und ewig, ohne Ende und Aufhören diese schreckliche Peinen leiden ohne jemals irgend eine Linderung oder einen Trost zu haben, ohne alle Gnade und Barmherzigkeit, und auch ohne alles Verdienst und ohne die geringste Hoffnung auf Erlösung!

Dies ist es, was die Peinen der Verdammten unendlich vergrößert. Dies ist es, was sie zum Rasen und zur Verzweiflung bringt. Denn, wenn sie bedenken, daß ihre Marter niemals ein Ende nimmt, sondern ewig so fortwährt, so würde das sie um allen Verstand bringen und sie würden sich selbst zerreißen und zerfressen, wenn es möglich wäre. Wenn sie an die lange, immerwährende, unendliche Ewigkeit denken, so gerathen sie in die schrecklichste Verzweiflung und verfluchen Gott sammt allen Heiligen. Was meinst du aber wohl, daß die Ewigkeit sei, und wie lange dieselbe dauern werde? Die Ewigkeit ist ein Ding, das allzeit bleibt, und nimmer vergeht. Also wird die Verdammniß der Verdammten ewiglich bleiben, und nimmer ein Ziel und Ende nehmen. Wenn tausend Jahre vorüber sind, so fangen andere tausend an. Wenn hunderttausend Jahre vorüber sind, so fangen andere hunderttausend an, und so fort bis in Ewigkeit.

Weil in der Hölle weder Tage noch Jahre sind, sondern nur eine einzige immerwährende Nacht ist, darum kann kein Verdammter zählen, wie lange er in der Hölle gewesen sei, weil die erste Nacht, in welcher er hineingekommen, noch währet, und niemals vorübergehen wird.

Das Vögelein und die Hirsekörnlein

Damit du aber dir die Ewigkeit ein wenig vorstellen könnest, so gedenke bei dir, als wenn der ganze Erdklotz von lauter Hirse wäre, und alle Jahre ein Vöglein käme, welches ein einziges Hirsenkörnlein hinwegfräße. Wie viel Jahre sollten wohl vorüber gehen, bis die ganze Erde aufgefressen wäre? Ja, wie viel hunderttausend Jahre sollten wohl darauf gehen, bis das Vögelein ein kleines Hügelein aufgefressen hätte. Sollte wohl eine Ziffer zu erdenken sein, durch welche dies ausgedrückt werden könnte? Vielleicht möchtest du meinen, die ganze Erde würde in Ewigkeit nicht aufgefressen werden; und dennoch würde sie aufgefressen sein, ehe die Ewigkeit vorüberginge. Ja, die Erde müßte endlich doch ein Ende nehmen, wenn auch nur alle hundert Jahre ein Körnlein wegkäme. Ist das nicht schrecklich? Wer sollte sich nicht entsetzen, wenn er dies recht zu Herzen nimmt?

Wenn Gott einen Engel zur Höllenpforte schickte, welcher laut hineinriefe: Höret, ihr Verdammte! Gott hat sich euer erbarmt, darum hat er die Erde zu lauter Hirsen gemacht, und einem Vögelein befohlen, daß es alle hundert Jahre ein einziges Körnlein davon fressen sollte; wenn nun die ganze Erde rundum bis an die Hölle aufgefressen ist, so sollet ihr herauskommen und selig werden! Was meinst du, daß die Verdammten auf diese Nachricht sagen, und dem Engel antworten würden?

Sei gewiß, mein lieber Christ! daß sie alle auf ihre Kniee niederfallen, und Gott von ganzem Herzen danken würden. Ja, sie würden vor Freuden aufspringen, und so froh sein, als ob sie noch heute erlöst werden sollten. Und doch wäre dies ein jämmerlicher Trost, weil noch so viele hunderttausendmal tausend Jahre, ja gleichsam unendliche Jahre sich verlaufen müßten, ehe ihre Erlösung käme. O wie oft würden sie einander fragen, wie viele Hirsenkörnlein schon aufgefressen seien? O wie oft würden sie sagen: O wenn doch bald wieder tausend Jahre vorüber wären, daß das Vögelein wieder käme und ein Hirsenkörnlein auffräße! O du liebes Vögelein! komm doch bald, und nimm wieder ein Körnlein hinweg, damit wir desto eher erlöst werden. Wenn denn nun das Vögelein nach vielen tausend Jahren eine Handvoll Hirse hinweggefressen hätte, o wie froh würden die armen Verdammten sein! O wie herzlich würden sie Gott im Himmel dafür loben, weil die Zeit ihrer Verdammniß doch schon etwas abgenommen hätte!

Aber ach! wie würde es ihnen so lange werden, bis die ganze Welt aufgefressen wäre! O mit was für schmerzlicher Sehnsucht würden sie auf das so lang ausbleibende Ende warten! Und dennoch wären sie dabei froh, weil sie dennoch gewiß wären, daß nach so vielen hunderttausend Millionen Jahren der so große Hirsenhaufe allgemach verringert, und endlich gar aufgefressen würde. O wohl ein jämmerlicher Trost! O wohl ein langes und schmerzliches Warten!

Nun aber ist die göttliche Gerechtigkeit so strenge, daß sie den Verdammten diese Gnade nicht erweist und selbst nicht einmal dann, wenn auch hunderttausend Welten auf jene Weise aufgefressen sein würden. Ja nach so viel Jahren, die kein Mensch sich vorstellen kann, haben sie eben so wenig Hoffnung auf Erlösung, als jetzt. O ein erschreckliches und übererschreckliches Ding! (Anmerkung: in die heutige Jugendsprache übersetzt: Superhorror.) Sollten einem nicht die Haare gegen Berge stehen, wenn man dies bedenkt?

O Gott, wie unbegreiflich groß ist deine Gerechtigkeit. Ja, sie ist so groß wie du selbst, sie ist unendlich! O mein Gott! da du doch die unendliche Barmherzigkeit bist, und dein Vaterherz gegen uns Menschen eine unendlich größere Liebe hat als alle Väter der Welt gegen ihre liebsten Kinder, und du trotz allem Dem so streng gegen die einmal Verworfenen verfährst: ach! wie schwer muß dann eine Todsünde sein, um derentwillen du den Menschen verdammen mußt, wenn er darin stirbt! Deßwegen bitte ich doch, o Sünder, um Gottes willen, du wollest doch nicht so liederlich sündigen, noch die Todsünde so gering schätzen, weil du siehst, wie hoch sie Gott haßt, und wie schrecklich er die armen Sünder darum straft.

Teil II

Die Ameise, die die Stahlkugel abnützt

Damit du aber desto tiefer die Ewigkeit in dein Herz drückest, so will ich dir neben dem vorigen Gleichnisse noch ein anderes zu betrachten geben. Bilde dir ein, als wenn der ganze Erdboden von lauter Stahl und so hoch und dick wäre, daß er rund an den Himmel reichte. Dies müßte ja eine ungeheuer große Kugel sein, weil nach Meinung der Sternseher von der Erde bis an den Himmel tausend zwei hundert fünf und neunzig Millionen und neun tausend deutsche Meilen sind, Wenn nun ein Ameislein Tag und Nacht auf- und abkriechen, und so lange um denselben laufen sollte, bis sie den ganzen Berg mit ihrem Kriechen und Laufen ganz abgenützt und zu Pulver gemacht hätte, wie viele Jahre sollten wohl darauf gehen, ehe dies geschähe?

Du möchtest wohl meinen, es sei unmöglich, daß dieser ungeheuere Berg jemals zu Staub gemacht und abgenützt werden könnte. Denn wenn die Kugel nur einen Kopf dick wäre, so würden ja viele tausend Jahre darauf gehen, ehe die Ameise mit ihrem Umlaufen dieselbe auch nur ein wenig abnützen würde. Wie soll es dann möglich sein, daß sie diese ungeheuere Weltkugel, wenn sie bis an den Himmel ginge, jemals abnützen sollte? Und dennoch, sage ich dir, nicht allein diese ungeheuere stählerne Weltkugel, sondern wenn dergleichen Kugeln oder Erden so viel wären, als Sandkörnlein am Meer sind, würden durch die zarten Füßlein einer Ameise viel eher zu Staub gemacht werden als eine einzige Stunde von der Ewigkeit vorüberginge.

Nun bedenke, wie viele hunderttausend Jahre daraufgehen würden, bis die Ameise eine so tiefe Spur machte, daß man einen Finger darein legen könnte. Wie viele hunderttausend Jahre sollten wohl darauf gehen, bis die Spur eine Handbreit würde? Und wie viel hunderttausendmal tausend Jahre würden darauf gehen, bis dieselbe ein Knieetief würde? O Gott, wem sollte nicht grausen? O Gott, wem sollten die Haare nicht gegen Berg stehen! O armer Sünder, was denkest du? zittert dir dein Herz in deinem Leibe nicht, wenn du dies betrachtest? Ich bitte dich um Gottes willen, bedenke doch nur ein wenig, wie es dir thun würde, wenn du so lange in dem höllischen Feuerofen liegen müßtest, bis jene Kugel verschwunden wäre! Wenn du so lange auf Baumwolle und Rosenblätter liegen müßtest, du würdest ja über dies so lange Liegen verzweifeln. Was soll dann nicht geschehen, wenn du in jenem Feuer liegen und an allen Sinnen deines Leibes und an allen Kräften deiner Seele mit allen erdenklichen Peinen gemartert werden solltest!

Unbegreiflicher Wahnsinn

Man liest von einem Menschen, dessen Herz ganz an der Eitelkeit dieser Welt hing, daß er einmal recht ernstlich an die Ewigkeit dachte. Als er betrachtete, daß die Ewigkeit nie und nimmer enden werde, da erschrack er auf´s Äußerste und dachte bei sich:

„Es kann doch wohl Niemand auf der Welt so unsinnig sein, daß er um die ganze Welt dreißig oder vierzig Jahre lang auf einem mit Rosen und andern lieblich duftenden Blumen bestreuten Bette liegen wollte! Wenn nun dem so ist, welcher rasende Wahnsinn gehört dann wohl dazu, wenn Einer eines armseligen Vergnügens willen sich der Gefahr aussetzt, auf ewige Zeiten auf einem Bette von Flammen liegen zu müssen?“

Diese Betrachtung war dem Menschen so heilsam, daß er von diesem Augenblicke an den Weg des Lasters verließ und ein christliches frommes Leben anfing und im Guten solche Fortschritte machte, daß er ein Heiliger wurde. Mache du es auch so! Ich bin überzeugt, daß du dein Leben bessern wirst, sobald du einmal recht ernst über die Ewigkeit nachdenkest.

Jetzt bilde dir ein, als wenn du eine verdammte Seele aus den höllischen Flammen zu Gott rufen, und um Erlösung bitten hörtest, indem sie spräche: O barmherziger Gott! ich arme, elende Seele rufe zu dir, und bitte demüthig um Barmherzigkeit. Ich bin nun schon so viele Jahre in diesem grausamen Feuer, und habe so viele unmenschliche Peinen ausgestanden, daß es mir unmöglich ist, länger zu leiden; darum bitte ich durch deine unendliche Barmherzigkeit, erlöse mich aus diesen schweren Tormenten! Gott aber antwortete: Du hast noch nicht genug gebüßt, sondern mußt noch länger brennen. Der Verdammte spricht: Herr, so will ich noch hundert Jahre hier liegen, wenn ich alsdann erlöst werden könnte! Gott antwortet: Es ist nicht genug. Wenn ich dann aber noch tausend Jahre brenne, so wird´s ja doch wohl genug sein? Es ist noch nicht genug. Herr, so bin ich bereit, noch hunderttausend Jahre in diesen schrecklichsten Peinen zu büßen, und du wirst dich alsdann versöhnen lassen. Ich lasse mich nicht versöhnen; denn deine Sünde ist zu schwer. O gerechter Gott, wenn ich dann tausendmal tausend Jahre hier werde gelegen sein, so werde ich dann ja doch einmal herauskommen? Wenn es schon noch hunderttausendmal tausend Jahre wären, so würdest du dennoch nicht erlöst werden. Wie lange soll ich dann noch büßen? Unendliche, ewige, immerwährende Jahre, in alle Ewigkeit und ohne Ende. Nimmer, nimmer, nimmer wirst du herauskommen, sondern ewig, ewig, ewig sollst du mir in diesem höllischen Ofen brennen müssen, ohne Trost, ohne Gnade, ohne Hoffnung, jemals erlöst zu werden. So lange als ich werde Gott sein, so lange wirst du verdammt sein; und so lange sich meine Heiligen mit mir erfreuen werden, so lange wirst du mit den Teufeln heulen und zähneknirschen! Darum bitte nur nicht mehr um Gnade; denn du wirst nicht mehr erhört werden! Halte nur um deine Erlösung nicht mehr an; denn du wirst sie nicht mehr erlangen!

Wenn nun die verdammte Seele dies hört, so fängt sie an, zu verzweifeln, und mit grausamer Stimme zu rufen: O wehe mir Elenden! O wehe mir Armseligen! Soll ich denn in Ewigkeit in diesem erschrecklichen Feuer brennen und braten müssen? O wehe mir Vermaledeiten! wie soll es mir denn immer möglich sein, diese grausamen Tormente auszustehen? Ich muß ja verzweifeln und verzagen; ich muß ja rasend wahnsinnig werden! O mich verfluchten Sünder! warum habe ich gesündiget! Wie bin ich doch so verstockt gewesen, daß ich um eine so geringe Wollust mich in die ewige Verdammniß gestürzt habe? Ich habe kaum auf der Welt fünfzig Jahre gute Tage gehabt, und muß nun ewiglich dafür leiden. O mich Verfluchten! O mich Vermaledeiten! Ach, was habe ich gethan! Hätte ich Gott gedient, so hätte ich jetzt die ewige Freude, weil ich aber der schnöden Welt und meinem verfluchten Leibe gedient habe, so muß ich in alle Ewigkeit leiden, büßen und gepeiniget werden! O mich Verfluchten! O mich Vermaledeiten!

O gerechter Gott! wahrhaftig hat die hl. Schrift Recht, wenn sie sagt:

„Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“

Man sollte wohl nach menschlichem Dafürhalten glauben, es würde doch genug sein, wenn eine arme Seele für eine Todsünde tausend Jahre brennen sollte, da sie doch in einem Tage mehr Peinen ausstehen müßte, als sie ihr Lebtag in ihren Sünden Wollust gehabt hat. Aber nein! es ist gewiß nicht genug, sonst würde deine Gerechtigkeit, o Gott! sich damit zufrieden geben. Denn du hast gewiß kein Wohlgefallen daran, wenn du strafen mußt, und würdest tausend und tausend Male lieber belohnen und erfreuen, als strafen und peinigen. O Sünde! o Todsünde! du bist schrecklich, da eine ewige Qual über dich verhängt ist. O Todsünde! du gehst über alle menschliche und englische Fassungskraft, da die Strafe dafür so über alle Begriffe geht.

O Ewigkeit! O Ewigkeit! wie lange bist du! O Ewigkeit! O ewige Ewigkeit! O erschreckliche Ewigkeit! O grausame Ewigkeit! Wirst du denn nimmer ein Ende nehmen, sondern unendliche, immerwährende, ewige Jahre währen? O entsetzliche Ewigkeit! wer sollte sich nicht vor dir fürchten? Ja, wem sollen die Haare nicht gegen Berg stehen, wenn er an dich denkt? Wer sollte so keck sein, eine einzige Todsünde zu thun, wenn er bedenkt, wie er in Ewigkeit dafür leiden muß? Und wer darf so vermessen sein, daß er sich in einer Todsünde schlafen lege, wenn er recht zu Herzen nimmt, wie er selbe Nacht des gähen Todes sterben könnte?

O Christe Jesu! der du darum vom Himmel gekommen bist, und die Menschheit angenommen hast, um uns von der ewigen Verdammniß zu erlösen, ich bitte dich durch dein allerheiligstes Leiden und Sterben, verleihe doch allen Menschen deine göttliche Gnade, und bewahre sie doch vor der ewigen Verdammniß. Amen!

Jetzt gehe in dich, o Sünder! und bedenke wohl, was dir zu thun und zu lassen sei. Bedenke, wie du hinfür leben, und dich verhalten willst. Wirst du in deinen Sünden fortfahren, so sei gewiß, daß du ewig verloren, und in dem höllischen Kerker ewiglich gefangen liegen mußt. Willst du dich aber bessern, und ein gottseliges Leben anfangen, so hast du unbezweifelte Hoffnung, dem höllischen Gefängnisse zu entfliehen, und die ewige Seligkeit zu erwerben. Was ist nun unter diesen Beiden das Beste? Welches von Beiden willst du erwählen?

Wenn dir die Wahl gegeben würde, ob du ein ganzes Jahr frei und ungehindert allen Muthwillen treiben, und hernach nur drei Tage und Nächte auf einem glühenden Roste über brennenden und heißen Kohlen liegen müßtest, würdest du wohl diese kurze Pein für die Wollust von einem Jahr annehmen? Ich meine, du würdest lieber alle Wollüste auf ewig verschwören, als diese Pein ausstehen wollen.

Nun bedenke, wie unsinnig du seiest, und wie du so gar deiner Sinne und deines Verstandes beraubt bist! Du bist gewiß, und glaubest es unbezweifelt, wenn du ein wahrer Christ bist, daß du für eine jede Todsünde nicht nur allein drei Tage, nicht nur allein drei Jahre, sondern immer und ewig in den allergrausamsten höllischen Flammen brennen mußt, und achtest dennoch die geringste Lust, welche du von den Sünden hast, höher, als du die ewige Strafe fürchtest, welche du wegen deiner Sünden zu erwarten hast. O verstockter Sünder! O unsinniger Mensch! O verzweifelter Bösewicht! Es ist unmöglich, daß du dies fest glaubest, und so fortlebest; denn wenn du dies glaubtest, so würdest du gewiß anders leben. Ich bitte dich um deines Heiles willen, sage mir doch, wie willst du die lange Zeit in der zukünftigen Ewigkeit zubringen? Wenn du für eine jede begangene Todsünde nur ein einziges Jahr in der Hölle brennen solltest, wie solltest du eine solche lange Qual ausstehen können? Ja, wenn du für eine jede begangene Todsünde nur eine einzige Stunde in dem höllischen Feuer sitzen solltest, du müßtest ja vor unerträglicher Marter ganz rasend werden. Nun aber weißt du gewiß, und glaubst es wahrhaft, daß du für eine jede Todsünde nicht allein eine Stunde, sondern ewiglich darin brennen und alle andern höllischen Peinen ausstehen mußt, und du bist dennoch so keck, daß du sündigest! O wahrhaftig! diese Keckheit, und dieser Wahnsinn ist eigentlich noch unbegreiflicher, als die Hölle selbst!

Du möchtest aber vielleicht meinen, weil Gott so unendlich barmherzig ist, so sei es ihm nicht möglich, daß er einen armen Sünder wegen einer einzigen Todsünde ewiglich strafe; ich aber sage dir, daß es die gründliche Wahrheit sei, daß, wenn auch der allerheiligste Mensch bei seinem letzten Ende nur eine einzige Todsünde beginge, und darin stürbe, er, abgesehen von seiner Heiligkeit, ewiglich verdammt, und nimmer erlöst werden würde. Hierüber hat sich David auch verwundert, und schier gemeint, es könne nicht möglich sein. Darum sprach er im 76. Psalm bei sich:

„Ich gedachte der alten Tage und die ewigen Jahre hatte ich im Sinne. Und ich sann nach des Nachts in meinem Herzen und hatte keine Rast und durchforschte meinen Geist. Wird wohl Gott auf ewig verwerfen und soll er denn nimmer gnädig sein? Oder wird Gott sein Erbarmen vergessen, oder wird er zurückhalten im Zorne seine Barmherzigkeit?“

Siehe, wie der fromme David diese strenge Gerechtigkeit Gottes so tief betrachtet, und es gleichsam für unmöglich hält, daß der unendlich gütige Gott über die armen Sünder ewiglich zürnen sollte. Daß er dies aber doch geglaubt habe, bezeugt er im 48. Psalm, indem er spricht:

„Den Bruder kann Niemand erlösen und kein Mensch das Lösegeld geben für sich, und den Preis der Versöhnung für seine Seele, würde er sich auch abmühen immerdar, und bis zum Ende leben“.

Ein Glaubenssatz der Kirche

Die Ewigkeit der Höllenstrafen ist nicht etwa eine bloße Meinung, sondern eine von Gott in gar vielen Schriftstellen bezeugte Wahrheit und ein von der heiligen Kirche ausgesprochener Glaubenssatz. Es kann Nichts klarer ausgesprochen werden, als die Worte Christi diese Wahrheit auszusprechen. Am Tage des Weltgerichtes wird er vom Throne seiner Gerechtigkeit den Urtheilsspruch fällen:

„Weichet von mir, ihr Verfluchte, in das ewige Feuer“ (Matth. 25, 41).

Bedenke nun einmal, wer Jener ist, der diese Worte ausspricht. Es ist der Sohn Gottes selbst, der die ewige Wahrheit ist. Wie könnte nun Einer den geringsten Zweifel haben, daß es die gründliche Wahrheit ist? Dann bedenke auch noch, daß Jesus als höchster Richter der Lebendigen und der Todten in Gegenwart aller Engel und Menschen und Teufel, die sich deßhalb versammelt haben, um dem Urtheile beizuwohnen, diesen Urtheilsspruch thut. Nun pflegt man ja doch einen Urtheilsspruch in den klarsten Worten abzufassen, damit es kein Mißverständniß geben kann. Das wird nun gewiß auch der göttliche Richter beobachten, so daß man seine Worte gar nicht anders auslegen kann, als was sie klar und deutlich aussprechen. Von den Gerechten heißt es:

die Gerechten werden eingehen ins ewige Leben“.

So gewiß nun diese Worte eine ewige Belohnung ausdrücken, so gewiß drücken die Worte „ewiges Feuer“ eine ewige Strafe aus. Damit aber Niemand vorbringen könnte, daß wohl das Feuer der Hölle ewig fortbrenne, aber die Verdammten doch nicht ewig darin gepeinigt würden, so hat Christus an einer andern Stelle ausdrücklich gesagt, daß es Sünden gebe, die weder in dieser noch in jener Welt verziehen würden (Matth. 12, 32). Und bei Matth. 25, 46 heißt es von den Bösen:

„Und diese werden eingehen in die ewige Pein“.

Eine ewige Pein ist aber eine solche, die ewig nicht mehr aufhören wird. So leuchtet es also aus den Worten Christi klar ein, daß die Höllenstrafen ewig fortdauern werden, und die Verdammten gar keine Hoffnung haben, jemals erlöst zu werden von ihren schweren Leiden. Dies sagt schon die heilige Schrift des alten Testaments in den Sprichwörtern:

„Stirbt ein Mensch in den Sünden dahin, so hat er Nichts mehr zu hoffen“ (Spr. 11, 7).

Das haben auch die heiligen Apostel verkündet, wie eine große Menge Stellen der heiligen Schrift bekunden. Der Kürze halber will ich nur eine Stelle anführen. In seiner Offenbarung sagt der heilige Johannes von den elenden Sündern in der Hölle:

„Der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen in alle Ewigkeit und es werden keine Ruhe haben Tag und Nacht, die das Thier anbeten und sein Bild, und wer das Malzeichen seines Namens annimmt“ (Off. 14, 11).

Auch die heilige Kirche hat zu allen Zeiten gelehrt, daß die Verdammten nimmermehr aus ihren Peinen erledigt werden, und die entgegengesetzten Behauptungen als Irrthum verworfen. (Anmerkung ETIKA: Wenn sie es heute nicht mehr tut, so ist sie nicht mehr die heilige Kirche, bzw. Jene, die Anderes verkündigen, und seien es Kardinäle oder Päpste, gehören nicht mehr der heiligen Kirche an.) Hiemit stimmen auch die Aussprüche aller heiligen Väter ganz genau überein.

·       Der heilige Justinus nennt die Hölle eine Qual, die endlose Zeiten fortdauert;

·       der heil. Irenäus eine ewige Pein;

·       der heil. Cyprianus ein immer glühender Feuerofen;

·       der heil. Gregor von Nazianz eine Unendlichkeit von Leiden;

·       der heil. Gregor von Nyssa eine endlose und nie verminderte Trübsal;

·       der heil. Augustin und der heil. Hieronymus ein ewiges Elend, einen ewigen Tod.

Da nun diese Wahrheit so klar erwiesen ist, so kann nur ein wahnsinniger Mensch behaupten, daß für die Verdammten in der Hölle noch eine Erlösung sein werde.

„Wohin der Baum fällt, da bleibt er liegen“.

Selbst die Juden, Heiden und Türken glauben an diese Wahrheit.

III. Teil

Warum Gott die Sünder ewig verdammt

Die ewige Dauer der Höllenstrafen ist der fürchterlichste Glaubenssatz der Religion, und die Ungläubigen und schlechten Katholiken (Anmerkung: Man findet sie in jeder Pfarrei bis hinauf in die höchste Etagen) suchen darum allerlei Einwendungen dagegen vorzubringen. Insbesondere aber gibt man vor, Gott sei zu gütig und Barmherzigkeit, als daß er seine Geschöpfe ewig peinigen sollte. Alle solche Einwendungen sind aber nicht stichhaltig; denn es läßt sich einmal nicht wegstreiten und wegleugnen, und an der Gerechtigkeit Gottes und der Lehre Jesu Christi läßt sich nichts ändern.

Wie nichtig aber alle Einwendungen sind, wirst du klar einsehen können, wenn du die Ursachen betrachtest, warum Gott die elenden Sünder, die sich vor ihrem Ende nicht haben bekehren wollen, ewig verdammt. Ich will dir dieselbe hier noch einigermaßen kurz erklären:

Erstens straft Gott die Sünde mit ewigen Peinen, weil keine andere Strafe für die Todsünde hinlänglich wäre. Die Größe der Todsünde nämlich nach der Größe Dessen gemessen, der dadurch beleidigt wird, und dieser ist Gott, die unendliche Majestät. Der heilige Bernhardin von Siena sagt: durch jede Todsünde wird Gott eine unendliche Beschimpfung zugefügt; einer unendlichen Unbild aber gebührt eine unendliche Strafe.

Nun kann aber kein Geschöpf eine Pein erdulden, die an innerer Heftigkeit unendlich wäre, und deßwegen macht Gott gerechter Weise, daß die Strafe in der Dauer unendlich ist. So lehrt der heilige Thomas von Aquin. Wenn dir, mein Christ, die ewige Strafe zu hart vorkommt, so geschieht dies daher, weil du eben nicht im Stande bist, dir die Strafwürdigkeit der Todsünde vorzustellen. Gott allein kennt diese, und deshalb straft er sie mit ewiger Strafe, weil es die Gerechtigkeit so erfordert. Daß eine solche Strafe nicht zu groß sei, dafür bürgt uns ja die göttliche Gerechtigkeit, die den Sündern gewiß nicht zu viel auferlegt, und sie gewiß nicht so hart bestraft, wenn es nicht so recht und billig wäre. Das wirst du wohl leicht einsehen und begreifen können.

Zweitens bleiben Diejenigen, welche mit einer Todsünde beladen aus diesem Leben scheiden, nicht deßhalb ewig in der Hölle, weil sich Gott ihrer nicht erbarmen wollte, sondern weil sich Gott ihrer nicht erbarmen kann, da sie sich nicht mehr bekehren. Viele sind der Meinung, die armen Sünder würden in der Hölle bald zur Einsicht kommen, daß sie im Leben verkehrt und gottlos gehandelt hätten, und würden sich dann wohl bekehren.

·       Diese sollen aber wissen, daß die Zeit der Bekehrung die Lebenszeit auf Erden ist. Dort war Jedem ohne Unterschied Zeit und Gelegenheit dazu gegeben. Gott hat in seiner großen Güte Monate und Jahre lang gewartet und hat den Sünder da erst abgerufen, als er erkannte, daß sich derselbe nicht mehr zur Buße wenden wolle.

In der Hölle kann sich Niemand mehr bekehren, da er von lauter ruchlosen Bösewichtern umgeben ist und keine Gnade mehr von Gott empfängt, da die Gnade nur für die Zeit des Lebens bestimmt ist. Dann sind die Verdammten auch ganz verstockt, so daß sie sich nicht bekehren, keine Reue erwecken und nicht um Verzeihung bitten wollen.

Denn wenn Einer in einer Todsünde stirbt, so wird er in der Sünde so verhärtet, daß er in Ewigkeit nicht mehr davon abstehen will. Der heilige Hieronymus sagt von ihnen:

„Sie sind unersättlich im Verlangen zu sündigen.“

Sie haben einen solchen Haß gegen Gott, daß sie ihm alles Leid anthäten, wenn sie könnten. Ehe sie sich daher vor ihm demüthigten und ihn um Verzeihung bitten wollten, wollten sie eher noch größere Strafen in der Hölle ausstehen. Weil daher der verdammte Sünder seine Sünden nicht bereuen und nicht um Verzeihung bitten will, so bleibt er ewig in der Sünde und sündiget gleichsam ewig fort. Weil daher die Sünde ewig währt, so muß nach Recht und Billigkeit auch die Strafe ewig währen. Der heil. Augustin sagt:

„Das Elend der Teufel würde keineswegs ewig währen, wenn nicht auch ihre Bosheit groß wäre“ (De Civit. Dei).

Hieraus erkennst du, daß Gott keinem Verdammten Unrecht thut, wenn er ihn ewig straft, sondern daß die göttliche Gerechtigkeit fordert, daß die Strafe ewig währe, weil die Sünde ewig währt.

Höre, was hierüber Papst Innozenz III. sagt:

Keiner möge sich selbst täuschen, indem er spricht: Gott wird nicht ewig zürnen, seine Barmherzigkeit geht über Alles, der Mensch hat in der Zeit gesündigt, darum wird Gott nicht in Ewigkeit strafen. O thörichte Hoffnung, o eitler Wahn! In der Hölle ist keine Erlösung. Gott wird ewig den Verdammten zürnen, weil es gerecht ist, daß er ewig bestraft, was der Gottlose ewig sündigt. Denn wenn ihn auch die Macht zu sündigen verläßt, so hat er doch immerdar den Willen zu sündigen, wie geschrieben steht: der Stolz derer, die dich hassen, wächst immerfort. Die Verdammten, welche an ihrer Erlösung verzweifeln, demüthigen sich nicht, ja die Bosheit ihres Hasses vergrößert sich noch, so daß sie Denjenigen, durch den sie sich so unglücklich fühlen, über Alles verwünschen. Daher wird der Gottlose, weil er die Schuld der Sünde immerfort in sich trägt, auch die Pein der Strafe für die Sünde immerfort ertragen, da Gott das, was der Gottlose nicht durch die Buße ausgelöscht hat, durch keine Verzeihung nachlassen wird“.

Drittens bestraft Gott das Böse ewig, weil er dasselbe in demselben Maße haßt, wie er das Gute liebt. Das Gute liebt er aber so über alle Begriffe, daß er es mit einer ewigen Seligkeit belohnt; also haßt er auch das Böse so sehr, daß er es mit einer ewigen Verdammniß bestraft. Wenn Gott dies nicht thäte, so wäre ja kein Gleichgewicht in seiner Gerechtigkeit vorhanden. So groß seine Güte sich im Belohnen offenbart, so groß muß sich seine Gerechtigkeit auch im Strafen kund geben. Würde die Höllenstrafe einmal aufhören und die Verdammten doch noch selig werden, dann würden sie zuletzt ja doch noch Jenen gleich, welche in der Gnade Gottes hinübergegangen sind, und es wäre dann die Seligkeit für die Gerechten keine Belohnung mehr, und in Bezug auf den letzten Ausgang der Dinge wäre es ganz gleichgültig, ob man fromm oder gottlos gelebt hätte. Das widerstreitet aber aller Vernunft und dem Gefühle eines jeden vernünftigen Menschen.

Viertens hat Gott für die Sünder eine ewige Strafe festgesetzt, weil dies das kräftigste Mittel ist, die Menschen von der Sünde abzuschrecken und hienieden Ordnung und Sicherheit möglich zu machen.

Gott ist der Herr Himmels und der Erde und sein Wille ist heilig und es kann nur der Zweck der Schöpfung erreicht werden, wenn Gottes Wille geschieht wie im Himmel also auch auf Erden. Darauf muß Gott bestehen, weil er sonst wider sich selbst handelte und auch die Menschen ihren bösen Begierden und Leidenschaften überlassen und so sie ohne Weiteres zu Grunde gehen lassen würde. Darum muß auch Gott alle Mittel anwenden, um die Menschen von der Sünde, von der Uebertretung der göttlichen Gebote, abzuschrecken.

Würde er aber das Böse nur mit einer Strafe belegen, welche nur eine Zeit lang dauert, so hätte er das kräftigste Mittel wider das Böse nicht angewendet, also nicht nach Weisheit gehandelt. Denn hätten die Menschen für die Todsünde keine ewige Strafe zu befürchten, so würden sie dieselbe ohne alle Scheu begehen, und sorglos in Sünden und Lastern fortleben. Hierüber sagt der Kirchenschriftsteller Tertullian:

„Was würde geschehen, wenn er (Gott) keine ewige Strafe androhte, da wir uns bei seinen schrecklichen Drohungen kaum von dem Bösen enthalten. Wie könnten wir einen Gott gütig nennen, der den Menschen dadurch böse machte, daß er ihn in seinen Verbrechen sicher sein ließe?

Hieraus kannst du nun auch klar ersehen, wie Unrecht Jene haben, welche der Meinung sind, Gott wäre zu strenge mit den Sündern, wenn er sie ewig verdamme. Denn grade deßhalb, weil Gott gütig ist, will er durch dieses Mittel die Menschen, die so mächtig zum Bösen geneigt sind, von der Sünde abschrecken und vor der Verdammniß bewahren. Darum sagt der heilige Chrysostomus:

„Gott erwies uns auch darin Gnade, daß er die Hölle erschuf; denn er will uns dadurch abhalten, böse zu sein“.

Hier könnte mir Einer einwenden: Es wäre ja auch genug, um vom Bösen abzuschrecken, wenn die höllischen Peinen etwa hundert oder tausend Jahre, oder auch noch länger dauerten, es brauchten sie doch nicht ewig zu dauern. Hierauf wäre einem Solchen zu antworten: Wenn dieser eine Grund, warum Gott das Böse ewig straft, auch wegfiele, so würden die ersten hier angeführten drei Gründe doch nicht aufhören. Aber auch jene Einwendung kann leicht widerlegt werden.

Nehmen wir einmal an,  Gott drohe den unbußfertigen Sündern nicht mit ewigen, sondern nur mit zeitlichen Strafen, die über kurz oder lang einmal ein Ende nehmen, dann würden ganz gewiß sehr wenige Menschen die Laster fliehen, da ja bei den meisten sogar die allerschrecklichsten Drohungen mit den ewigen Peinen nicht einmal hinreichen, um sie vom Bösen abzuhalten. Beweist dies nicht die tägliche Erfahrung? Denn wie Viele von Denen, welche an die Ewigkeit der Höllenstrafen glauben, fallen in die Todsünde.

Wie Wenige würden sich nun erst vom Bösen abschrecken lassen, wenn sie nur Strafen zu fürchten hätten, welche einmal ein Ende nehmen. Das sehen wir ja klar und deutlich in Bezug auf das Fegfeuer. Wenn man die ewige Dauer nicht in Betracht zieht, so sind die Strafen des Fegfeuers ihrer Natur nach dieselben, wie die der Hölle. Welchen geringen Eindruck machen nun aber die Peinen des Fegfeuers auf die Menschen? Man hört sogar sonst tugendhafte Leute sagen: „Es ist nur eine läßliche Sünde, und ich komme deßwegen doch nur ins Fegfeuer.“

Wenn also die Menschen nur zeitliche Strafen in der andern Welt zu fürchten hätten, so würden sie grade leichtfertig Todsünden begehen, als sie jetzt läßliche Sünden begehen. Auch würde kein einziger von den großen Sündern sich bekehren, wenn keine ewige Höllenstrafe zu befürchten  wäre. Hieraus siehst du nun klar, daß es ein Beweis der göttlichen Güte und Weisheit ist, daß Gott für die unbußfertigen Sünder ewige höllische Peinen verordnet hat.

Es gibt auch noch manche Personen, welche, obwohl sie fest glauben, daß die Strafen der Hölle ewig dauern, nicht recht begreifen können und sich höchlich darüber verwundern, daß der allgütige Gott nicht einmal das geringste Mitleid mit den Verdammten haben sollte. Dergleichen Leute haben aber keine richtige Vorstellung von Gott. Sie sollen bedenken, daß Gott die Bösen nicht aus Wuth und blindem Haß ewig mit so unsäglichen Martern straft, sondern aus ruhiger und reiner Liebe zur Gerechtigkeit. Da er weiß, daß dem Bösen diese Strafe mit Recht gebührt, so verhängt er sie über ihn, und ändert sie auch nicht mehr, weil seine Gerechtigkeit sich ewig gleich bleibt. Dies sagt David im Psalm 118 mit den Worten: „Deine Gerechtigkeit ist Gerechtigkeit auf ewig.“

Aber trotz dem, daß die Verdammten sich aller Liebe und Güte Gottes unwürdig gemacht haben, so hat Gott doch noch Mitleid mit ihnen, so weit sie noch in ihrem jammervollen Zustande bemitleidet werden können. Um dir vorzustellen, auf welche Weise Gott die Verdammten bemitleidet, so denke dir einen Richter, der einen Menschen, der ein guter Freund von ihm ist, wegen eines offenbaren Verbrechens zum Tode verurtheilen muß. Dieser Richter wünscht, daß der Freund das Verbrechen doch nicht möchte begangen haben, damit er ihn nicht dafür bestrafen dürfte, aber trotz dieses mitleidigen Wunsches muß er ihn verurtheilen. Auf diese Weise bemitleidet auch Gott die Verdammten die ganze Ewigkeit hindurch, indem er wünscht, daß sie lieber nicht gesündigt und sie ihn dadurch nicht in die Nothwendigkeit versetzt hätten, sie auf ewig in die Hölle zu verstoßen. Ein anderes Mitleid verdienen aber die Verdammten nicht mehr.

Nehmen wir also die Verdammten nicht länger mehr in Schutz, sondern halten wir fest an diesen zwei unumstößlichen Wahrheiten:

·       Erstens, daß die Verdammten gar kein Erbarmen mehr verdienen, weil sie, so lange sie auf Erden lebten, allzeit die überreiche Barmherzigkeit Gottes zurückgewiesen haben.

·       Zweitens, daß der gerechte göttliche Richter sie auch jetzt noch, wie ein guter Vater betrachtet, und gegen sie so viel Erbarmen und Mitleid übt, als sie eben noch fähig sind, aber wegen seiner Gerechtigkeit mehr nicht üben kann.

Du könntest hier wohl meinen, daß die Verdammten die Pein endlich gewöhnen, und dieselbe nicht mehr achten, noch empfinden werden; ich aber sage dir, daß dies nimmermehr geschehen werde, sondern daß die Verdammten alle und jede Peinen allezeit vollkommen empfinden, und dieselben nimmermehr gewöhnen können. Daher empfindet ein jeder Verdammter diese Stunde alle seine Peinen eben sowohl, als er sie in der ersten Stunde seiner Verdammniß empfunden hat, und wird dieselben nach tausend und tausendmal tausend Jahren eben so schmerzlich empfinden, als er sie diesen Augenblick empfindet. Es geschieht auch nicht in der Hölle, wie auf dieser Welt zu geschehen pflegt, daß man, wenn Einem ein größerer Schmerz zustößt, er den geringsten Schmerz nicht mehr empfindet, noch achtet, sondern in der Hölle geschieht es durch die göttliche Anordnung so, daß man den allergeringsten Schmerz eben so ausdrücklich empfindet, wie den allergrößten. Wenn schon Einem hundert große Schmerzen zugleich zustießen, so würde dennoch der kleine Schmerz deßwegen nicht aufhören, oder weniger empfunden werden. Deßwegen sind die Verdammten wohl arme Leute, und sie können ihr trauriges Schicksal mit blutigen Thränen nicht genugsam beweinen.

Weil dann nun also die Verdammten ausdrücklich wissen, daß sie nimmer aus der Hölle erlöst, sondern ewiglich darin werden bleiben müssen; weil sie auch wissen, daß ihre schwere Peinen nimmer eine einzige Stunde lang aufhören, noch sie in der langen Ewigkeit jemals einen Augenblick lang Ruhe haben werden (Anmerkung: vergleiche aber unser Gedicht „Die Höllenpausen“ in dem Band „Empor aus der Scheinwelt“); weil sie auch wissen, daß in alle Ewigkeit keine Kreatur mit ihnen Mitleid haben, sondern sie nur verlachen, und ihnen ihre Verdammniß gönnen werde, so verfallen sie, so oft sie daran denken, immer auf´s Neue in Verzweiflung, und verfluchen unaufhörlich sich selbst und Alles, was Gott erschaffen hat. Diese Verzweiflung hilft ihnen aber Nichts, sondern vergrößert noch ihre Pein. Denn wir sehen, daß, wenn ein irdischer Mensch verzweifelt, er vielmehr einem Teufel, als einem Menschen gleich sei. Kein Mensch kann ihm weder helfen noch rathen, kein Mensch kann ihn trösten, noch zurecht bringen. Er sieht aus, wie eine höllische Furie; er wüthet und tobet, wie der leidige Satan; er will sich erstechen und ertränken; er will sich verbrennen und erhenken; er zerbricht und zerschlägt Alles, was ihm vorkommt; er verflucht und verwünscht Alles, was Leben hat; und auf diese Weise macht er sein Kreuz nur größer, und verdirbt sich zeitlich und ewig.

So machen es auch die Verdammten in ihrer Verzweiflung, wodurch sie sich selbst mehr plagen, als sie von den Teufeln geplagt werden. Sie rufen und schreien, sie lästern und fluchen, sie wüthen und toben; ja sie stellen sich nicht anders, als wenn sie lauter höllische Teufel wären. Sie zerbeißen und zerreißen einander, als die ärgsten Feinde; ja, sie gebrauchen alle Mittel, damit sie sich selbst umbringen und erwürgen möchten. Mit diesem Allem richten sie aber nichts Anderes aus, als daß sie ihre Peinen vermehren, und an sich selbst zu Henkern und Tyrannen werden.

Merket dies, o ihr verstockten Sünder! und hütet euch, daß ihr nicht auch einmal in diese ewige Verzweiflung gerathet!