ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

23.5.2013

18B18C12

Mittel wider die höllischen Peinen

S. 188-194

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der Hölle.

XII. Kapitel.

Mittel wider die höllischen Peinen.

Ein jeder Mensch, der die höllischen Peinen recht ernstlich bedenkt und beherzigt, wird darüber sicherlich in seinem Herzen auf´s Höchste erschrecken und erzittern, sonst würde er einen gar geringen Glauben haben und gar stark verhärtet sein. Jeder wird auch gewiß bei sich denken: Wenn ich nur nicht in die Hölle komme, so bin ich wohl zufrieden und will dem gütigen Gott in alle Ewigkeit herzlich dafür danken.

Ob du nun aber, mein Christ! in die Hölle kommst, oder den höllischen Peinen entgehest, das hängt von dir selbst ab. Denn Niemand wird verdammt, der sich nicht selbst muthwilliger Weise in die Verdammniß stürzt. Der gütige Gott will nämlich, daß alle Menschen zur Erkenntniß gelangen und selig werden möchten. Denn dazu hat er sie ja erschaffen und erlöst, und will ihnen auch die hinlänglichen Mittel verleihen, um selig zu werden. So bezeugt es die heilige Schrift des alten Testamentes beim Propheten Ezechiel, wo es heißt:

„Sollte ich ein Wohlgefallen haben am Tode des Gottlosen, spricht der Herr, und nicht vielmehr daran, daß er sich bekehre von seinen Wegen und lebe?“ (Ez. 18, 23).

Hier sagt Gott mit ausdrücklichen Worten, daß es ihm nicht wohlgefalle, daß irgend Einer verloren gehe, sondern, daß er sich bekehre von seinen Sünden und das ewige Leben erlange. Auch schreibt im neuen Testament der hl. Petrus:

„Der Herr will nicht, daß Einige verloren gehen, sondern, daß sich Alle zur Buße wenden sollten“ (2 Petr. 3, 9).

Daß aber Gott das Heil Aller ernstlich und so viel an ihm liegt, auch wirksam wolle, gehet daraus hervor, daß er allen die hinreichenden Gnaden zu geben bereit ist und Alles, was gethan werden kann, um dem Menschen die Erlangung des Heiles möglich zu machen, gethan hat und noch thut. Dies geht aus den Worten hervor, die Gott einst zu den Israeliten gesprochen hat, und die er zu jedem Menschen sagen kann: „Urtheilet zwischen mir und meinem Weinberge. Was hätte ich meinem Weinberge noch thun sollen, was ich nicht gethan habe?“ (Is. 5, 4).

Die einzige Ursache, weßwegen Einer verdammt wird, ist die Sünde. Diese aber zu begehen oder zu unterlassen, ist einem Jeden in seinen freien Willen gegeben.

„Der Mensch hat vor sich Leben und Tod; was er will, wird ihm gegeben werden“ (Sirach 15, 18).

Von deinen jetzigen Handlungen und dem Gebrauche deines freien Willens hängt daher dein ewiges Loos ab. Das geht klar aus den Worten des Apostel Paulus im Briefe an die Galater hervor, welche lauten:

„Denn was der Mensch säet, das wird er auch ernten; wer in seinen Fleische (sic) säet, der wird vom Fleische auch Verderben ärnten; wer aber im Geiste säet, der wird vom Geiste ewiges Leben ärnten“ (Gal. 6, 8).

Wer also der sinnlichen Begierlichkeit dient, der wird als Lohn ewiges verderben haben, wer sich aber vom heiligen Geiste leiten läßt und nach den Vorschriften des Geistes lebt, der wird die ewige Glückseligkeit am Tage der Aernte, nämlich im gerichte Gottes, erlangen. Nun steht es aber bei dir, ob du ein fleischliches oder ein geistliches, christlichfrommes Leben führen willst. Wenn du daher vor der Hölle einen so großen Schrecken hast und die ewigen höllischen Peinen so stark fürchtest, so hüte dich, dorthinein zu kommen, indem du dich vor der Sünde hütest.

Ich will dir hier zum Schlusse der Abhandlung von der Hölle noch ein gar kräftiges Mittel verordnen, wodurch du vor den höllischen Peinen wirst bewahret werden, denn du dasselbe recht fleißig gebrauchen willst. Dies kräftige Mittel ist das fleißige Andenken an die Hölle und die ernstliche Beherzigung der schrecklichen höllischen Peinen. Dies bezeugt der heilige Prosper mit den Worten:

„Wie Feuer ein Mittel ist wider das Feuer, so ist das Andenken an das höllische Feuer ein kräftiges Mittel wider das Feuer der Hölle“ (De vit. contempl. III. 2).

Wenn Einer sich nämlich eine Hand verbrannt hat und hält dann die gebrannte Stelle zum Feuer hin, so vertreibt die geringere Hitze den Brand, welcher durch die größere Hitze entstanden ist. So wird der Mensch vor dem ewigen höllischen Feuer befreit, wenn er sich gleichsam durch die ernstliche Betrachtung zum Feuer der Hölle hinstellt.

Manche Leute wollen von der Betrachtung der Hölle durchaus Nichts wissen, indem sie vorbringen, daß die Erinnerung daran ihnen alle Freude nehmen und ihnen das Leben mit lauter Angst und Bitterkeit erfüllen würde. Diese sollen aber bedenken, daß das wahre Glück und die Zufriedenheit des Lebens nicht in sündhaften Freuden und Gelüsten besteht, sondern in der Ruhe des Gewissens und in der Freundschaft mit Gott. Die Betrachtung der Hölle raubt aber nur die sündhaften Freuden und bereitet nur dem Sünder Bitterkeit, und das ist ja doch gut und heilsam. Dagegen bereitet sie die wahren Freunden, indem sie von der Sünde abschreckt und zur Bekehrung ernstlich antreibt. Heilsameres als dieses kann es ja aber für den Menschen Nichts geben.

Auch kann man einige unverständige Leute sagen hören, so ernste Betrachtungen würden den Menschen gar leicht um den Verstand bringen. O nein, mein lieber Christ! nicht die Erinnerung und Betrachtung der Hölle bringt den Menschen um den Verstand, sondern die Sünden und Lastern und bösen Leidenschaften. Diese haben schon gar viele ins Narrenhaus gebracht; solche ernstliche Betrachtungen aber bringen gar Manchen wieder zu Verstand. Der größte Narr der Welt ist doch gewiß Jener, der sich in die Sünde stürzt und damit auch in die höllischen Peinen, oder der in Sünden und Lastern fortlebt und sich nicht bekehren will. Von solcher Narrheit heilt das Andenken an die Hölle gar oft, wenn sonst gar kein Mittel mehr helfen will.

Die Betrachtung der Hölle ist oft das einzige Mittel, den Menschen vor der Sünde abzuschrecken und zu bewahren. Das haben schon fromme und heilige Leute gefühlt und erfahren und haben sich deßhalb jenes Mittels bedient, um die heftigen Versuchungen zu überwinden. Zum Gebrauche dieses Mittels ermahnt auch die heilige Schrift im Buche Sirach mit den Worten:

„In allen deinen Werken gedenke an die letzten Dinge, so wirst du in Ewigkeit nicht sündigen“ (Sirach 7, 40).

Diese Worte sollten mit goldenen Buchstaben an allen Orten hingeschrieben werden, wohin nur immer Menschen kommen, damit sie sich daran erinnerten. Gewiß würden alsdann nicht so viele muthwillige Sünden begangen werden. Schreibe du sie dir wenigstens recht kräftig in dein Herz, damit du daran denken mögest bei allem Thun und Lassen, so wird diese Erinnerung dir Kraft geben, in keine Sünde einzuwilligen.

So macht es ein großer Gottesgelehrte, Wilhelm von Paris mit Namen, welcher von sich sagt:

Ich lösche den Brand der Begierden in jenem ewigen Brande aus; in jeder Hitze meiner Versuchungen mache ich mir jenen Höllenofen zum Orte der Abkühlung; und was noch wunderbarer ist, um der Hölle zu entfliehen, flüchte ich mich zu ihr. So viel ich vor ihr fliehe, so viel ist sie mir selbst zur stärkern und sichern Zuflucht. Denn je mehr ich mich zu ihr flüchte, desto mehr bin ich vor ihr sicher.“

Der heilige Augustin nennt den Gedanken an die Hölle einen großen Gedanken; und wahrlich er ist groß, weil er eine so große Kraft ausübt. Denn dieser Gedanke hat es bewirkt, daß es so viele Heiligen gibt. Er hat den Martyrern Muth gemacht, ihr Leben hinzugeben, hat gemacht, daß eine so große Zahl sich als Einsiedler in Einöden begeben, daß so Viele der Welt entsagt und in Klöster eingetreten sind und unter diesen Könige und Fürsten, Prinzen und Prinzessinen, welche gern allen Reichthum, alle Ehre und Bequemlichkeit verließen, um ja der Hölle zu entgehen. Alle Mühe und alle Entbehrungen und Leiden hielten sie für gering, um nur den ewigen Peinen zu entrinnen.

So wohnete in der Nähe des Jordanflusses ein Einsiedler, Namens Olympius, in einer ganz engen Höhle, wo er zudem noch von den Bissen und Stichen der Bienen, Mücken und Wespen furchtbar gequält wurde. Als er nun einmal gefragt wurde, wie er dies Alles aushalten könnte, gab er zur Antwort:

„Ich ertrage die Wespen, weil ich den unsterblichen Wurm fürchte; ich achte die Hitze für Nichts, weil ich das ewige Feuer fürchte. Denn die gegenwärtigen Trübsale werden ein Ende nehmen, jene aber nicht.“

Wenn daher der große Gedanke an die Ewigkeit Jenen so große Kraft gegeben hat, daß sie so Schweres und Hartes auf sich nahmen, um der Sünde zu entgehen, so wird er auch dir Kraft geben, die Versuchungen zu überwinden und die Mühseligkeiten des Lebens geduldig zu ertragen. Ich hoffe, daß wenn alle anden Heilmittel nicht genug helfen, dies helfen werde; wo aber der Gedanke an die Hölle nicht mehr hilft, da ist wohl nicht mehr zu helfen. Denn die Schrift sagt:

Was die Arznei nicht heilet, das heilet das Eisen; was das Eisen nicht heilet, das heilet das Feuer; was aber das Feuer nicht heilet, das ist unheilbar.

So wie aber der große Gedanke an die höllischen Peinen vor der Sünde bewahrt, so treibt er die Sünder auch zur schnellen Bekehrung an. Wie wäre es auch möglich, daß ein Sünder, der sich im Stande der Todsünde befindet, auch nur eine Nacht ruhen könnte, wenn er ernstlich an die Hölle, der er schuldig ist, denkt. Der Gedanke: Wenn ich diese Nacht plötzlich stürbe, wie es schon bei so Vielen geschehen ist, so wäre ich ewig verloren, ― dieser Gedanke, sage ich, müßte ihn ja so sehr peinigen, daß er seine Bekehrung keinen Augenblick mehr aufschieben könnte.

So war es bei der h. Büßerin Margarita von Cortona der Fall. Nachdem sie in ihrem achten Jahre ihre Mutter durch den Tod verloren hatte, gerieth sie bald in das Netz der Sünden und Laster. Nach einigen Jahren entführte sie ein adeliger Jüngling aus dem älterlichen Hause und lebte mit ihr neun Jahre lang in aller Ausschweifung. Oft klopfte der gute Hirt, Jesus Christus, an ihr Herz, aber die Banden der Sündehatten sie so fest umstrickt, daß sie sich wenig darum kümmerte. Endlich aber brachte sie ein schreckliches ereigniß zur Besinnung. Der adelige Jüngling machte nämlich eine Geschäftsreise und wurde auf dem Wege von Räubern angefallen und ermordet. Am dritten Tage darnach kam der Hund, den er mitgenommen hatte, mit lautem Heulen zur Margarita zurück und zupfte so lange an ihrem Kleide, bis sie mit ihm ging. Der Hund lief vor ihr hin bis an den Ort, wo der Leib des Ermordeten lag, und da er schon faulte, einen abscheulichen Geruch von sich gab. Da erschrack Margarita, daß sie zitterte und bebte, und alle ihre Missethaten traten ihr vor die Seele und erfüllten sie mit Entsetzen. Unter den bittersten Reuehthränen schrie sie laut auf: „Wo ist deine Seele?“ Dieser Gedanke brachte sie dahin, daß sie sich augenblicklich bekehrte und ein so bußfertiges Leben führte, daß sie von da an nur Wasser und Brod als Nahrung zu sich nahm, auf der harten Erde schlief, einen Stein zu ihrem Kopfkisen nahm, täglich si9ch blutig geißelte und den größten Theil der Nacht im Gebete zubrachte. In solcher Bußfertigkeit verharrte sie, bis sie endlich als eine Heilige starb.

O möchten es ihr alle Sünder, die es ihr in der Sünde nachmachen, doch auch in der Buße nachmachen! O möchten solche doch einmal recht ernstlich an die Hölle denken, der sie ja doch gewiß entgegen gehen, wenn sie sich nicht bald bekehren.

In den geistlichen Uebungen des P. Segneri wird erzählt, daß zu Rom der Teufel, als er in dem Leibe eines Besessenen sein Unwesen trieb, gefragt worden sei, wie lange er in der Hölle bleiben müsse; da habe er mit der Hand des Besessenen auf einen Stuhl hingeschlagen und geschrien: Immer! Immer! Da entstand bei allen Gegenwärtigen ein furchtbarer Schrecken und viele Jünglinge, die zugegen waren, legten eine Generalbeichte ab, und änderten in Folge dieser Predigt von zwei Worten ihr sündhaftes Leben, und bekehrten sich gründlich.

Eine vornehme Frau, welche eine große Anhänglichkeit an die Freuden der Welt hatte und der Eitelkeit sehr zugethan war, beichtete einmal bei einem Beichtvater, der ihr zur Buße aufgab, sie sollte zu Hause recht oft die zwei Worte ernstlich bedenken: „Immer! Nimmer!“ Sie that dies und es verging ihr dabei alle Eitelkeit und Weltlust und sie ergab sich dafür gänzlich dem Dienste Gottes.

An diesen Beispielen soll sich jeder Sünder und jede Sünderin spiegeln und den Gedanken an die höllischen Peinen nicht nur nicht ausschlagen, sondern recht oft und ernstlich ins Gedächtniß zurückrufen. Befolge den Rath des heiligen Chrysostomus, welcher sagt:

„Denken wir ernstlich an die Hölle, weil der Gedanke an die Hölle uns vor dem Sturze in die Hölle bewahren wird“.

Ja, in der Tat, wäre der Glaube und die Erinnernung an die Hölle im Geiste aller Menschen festgewurzelt, dann hätte die Hölle noch keinen Menschen verschlungen. O Gott! o Gott! die Hölle ist mit Seelen angefüllt, weil so viele Menschen entweder nicht an die Hölle glauben, oder nicht an dieselbe denken, bis sie sich auf einmal darin befinden.

Manche Menschen glauben wohl an die Hölle und denken auch zuweilen daran, aber sie fürchten dieselbe nicht recht, weil sie der Meinung sind, es könnten doch nur ganz verruchte und verstockte Bösewichte in die Hölle kommen. Sie sagen: Ich habe nicht umgebracht, habe nicht angezündet und nicht gestohlen u s. w. Darum wird es wohl bei mir nicht so gar sehr fehlen. Diese befinden sich aber in einer sehr gefährlichen Täuschung, welche ihnen der böse Feind eingibt, um sie desto leichter in die Hölle zu bringen. Die göttliche Offenbarung lehrt ganz anders; denn sie sagt ausdrücklich, daß Jeder, der mit einer Todsünde beladen stirbt, ewig verloren gehe.

Der reiche Prasser war kein durchaus ruchloser Mensch, sondern, wie es viele Tausende in der Welt gibt, nur der Völlerei ergeben und unbarmherzig gegen die Armen, und wurde doch „in die Hölle begraben“.

Man braucht also, um in die Hölle zu kommen, nicht grade die gröbsten Dinge getrieben zu haben. Der göttliche Heiland versichert uns:

„Die Engel werden Alle sammeln, die Unrecht thun, und werden sie in den Feuerofen werfen“.

Und im ersten Briefe an die Corinther schreibt der h. Apostel Paulus:

„Täuschet euch nicht! weder Unzüchtige, noch Diebe, noch Geizige, noch Säufer, noch Flucher, noch Räuber werden das Reich Gottes besitzen“ (1. Cor. 6, 9).

Die allgemeine Kirchenversammlung von Florenz hat es als Glaubenssatz ausgesprochen, daß Jeder, der in einer Todsünde stirbt, in die Hölle gestürzt werde.

„Die Seelen Derjenigen, so spricht sie, welche in einer wirklichen Todsünde von hier abscheiden, steigen sogleich in die Hölle hinab.“

Ja, wenn Einer auch weiter keine groben Sünden gethan hätte, sondern auch nur Nichts Gutes, wodurch er den Himmel verdiente, so käme er schon in die Hölle.

Denn so wurde ja der unnütze Knecht im Evangelium deßhalb in die äußerste Finsterniß geworfen, weil er sich der Trägheit überlassen hatte (Matth. 25, 30).

Wie viele Menschen werden demnach wohl in die Hölle kommen! O, wer es recht betrachtet, wie gleichgiltig so Viele in der Sünde fortleben, und wie Wenige sich einer wahrhaften Besserung und Bekehrung befleißen (Anmerkung ETIKA: Wir sehen es an den Verkaufszahlen unserer Bücher und an der Zahl der Besucher unserer Webseiten, die bei lächerlichen 700 pro Tag stagniert), und wie gar Viele sich um ihr Heil fast gar nicht kümmern, sondern nur für das Irdische besorgt sind, der wird es leicht begreiflich finden, daß die Zahl der Verdammten sehr groß sein wird. So sagen es auch die Worte Christi selbst indem er spricht:

„Gehet ein durch die enge Pforte; denn weit ist das Thor und breit der Weg, der zum Verderben führt, und Viele sind, die da hindurch gehen“.

Auch kannst du es aus folgendem schrecklichen Beispiele abnehmen.

In Paris lebte vor langer Zeit ein gelehrter Prediger, der so schön predigte, daß Geistliche und Weltliche seinen Predigten zuliefen. In seiner letzten Krankheit besuchte ihn der Bischof und sagte ihm bei seinem Ende, er sollte, wenn es Gott gefällig wäre, ihm nach seinem Tode erscheinen, um zu sagen, wie es ihm in der andern Welt ergehe. Nach Verlauf eines Monates, als der Bischof allein in seinem Zimmer saß, erschien der Verstorbene ihm in einem langen schwarzen Mantel und mit schrecklichem Gestank und sprach: „Hier bin ich, wie du befohlen hast“. Der Bischof erschrack gar sehr und sprach: „Wie steht es denn mit dir in jener Welt?“ Er antwortete: „gar übel; denn ich bin in Ewigkeit verdammt, weil ich in meiner Wissenschaft nicht die Ehre Gottes, sondern meine eigene Ehre gesucht und mich in der Fleischeslust versündigt habe“. Hierauf fragte er den Bischof, wie lange es denn schon wäre, seitdem er von der Welt abgeschieden sei. Der Bischof antwortete ihm: „Heut ist es der dreißigste Tag, daß du gestorben bist“. Da schrie und heulte der Unglückliche: „Wehe! wehe uns Armen! Wir Verdammten glaubten, es müßte der jüngste Tag schon bald da sein; denn so wie im Winter der Schnee vom Himmel fällt, so fallen die Verdammten in die Hölle“. (Trithem in Chron. Mirsen. ad ann. 1160.) Nachdem er dies gesagt hatte, stieß er noch einen furchtbaren Schrei aus und verschwand. Ist das nicht schrecklich? Ist das nicht entsetzlich?

Wir lesen auch eine denkwürdige Geschichte von einem frommen Studenten (Discip. Prompt. Exempl. V. Damnati Exempl. 4.), welcher den siebzehnten Tag nach seinem Tode einem vertrauten Mitschüler erschienen ist, und ihm sagte, daß er selig sei. Als er dann gefragt wurde, ob es denn wahr sei, daß so wenige Menschen selig würden, sprach er: „Freilich ist es wahr; denn als ich von der Welt schied, starben zugleich mit mir fünftausend Menschen, unter welchen nicht mehr selig geworden sind, als ich, und drei andere mit mir. Du sollst dich aber darüber nicht verwundern; denn es sind viele Ketzer und Ungläubige, viele Juden und Heiden, und viele böse katholische Christen, welche alle mit einander verdammt worden sind.“ (Anmerkung ETIKA : Wenn der Vatikan anno 2013 stolz verkündet, es sei die Rekordzahl von 1,2 Milliarden Katholiken erreicht worden, so ist dies relativ zu sehen: Wie viele von ihnen werden wohl selig werden?)

Dieser Zusatz ist sehr tröstlich für uns, und macht allen verzagten Herzen wieder Muth, daß nämlich unter der großen Zahl, welche da verdammt wurden, viele Ketzer und Ungläubige, viele Juden und Heiden und viele böse Katholiken seien. Denn daß Solche verdammt werden, ist kein Zweifel, weil es die heilige Schrift an vielen Stellen ganz klar sagt, und daß durch diese die oben gemeldete Zahl der Verdammten so sehr vermehrt werde, ist wohl zu glauben. Breit ist also der Weg, der zum Verderben führt, und wie Viele sind, die denselben wandeln! Dies ist so wahr, daß nicht bloß die Gottlosen, als Ehebrecher, Unzüchtige, Gotteslästerer, Vollsäufer, Betrüger, Schwärmer und Flucher zu Grunde gehen, sondern auch die Frommen allzeit in großer Gefahr sind. Denn dies bezeugt ausdrücklich die heilige Schrift im ersten Briefe des heil. Apostels Petrus, wo es heißt:

„Und wenn der Gerechte nur mit Mühe selig wird, wo wird dann der Gottlose und Sünder sich zeigen können?“ (I. Petr. 4, 18).

Siehe, hier sagt die heilige Schrift ausdrücklich, der Gerechte, der sich mit allem Ernste vor der Sünde hüte, und fromm zu leben sich bemühe, sei dennoch in großer Gefahr, und werde nur mit genauer Noth selig. Was wird dann mit so vielen Sündern geschehen, die alle Tage neue Sünden und Nachläßigkeiten begehen und sich um Tugend und Frömmigkeit gar wenig kümmern?

Gehörst du etwa auch unter die Letztern, so wird es dir einst schlecht ergehen. O ich bitte dich alsdann, mein lieber Christ! du wollest dich eines Bessern besinnen und dich mit allem Fleiße bemühen, daß du deine arme Seele von den ewigen Peinen errettest. Es ist fürwahr kein Scherz, ewig verdammt sein, und in alle Ewigkeit im höllischen Feuer brennen. Wie wolltest du dies ausstehen können, wenn du in alle Ewigkeit solltest verloren gehen? Du müßtest ja verzagen und verzweifeln, ja du müßtest rasend und wüthend werden! Wenn du aber auch verzagtest und verzweifeltest; wenn du auch wüthetest und tobtest; wenn du auch Gott und dich selbst verfluchtest und vermaledeitest; so würdest du deßwegen doch nicht erlöset werden, sondern müßtest doch von Ewigkeit zu Ewigkeit brennen ohne Gnade und Barmherzigkeit.

O ist dies nicht erschrecklich! O ist dies nicht entsetzlich! Wie ist es doch möglich, daß du nicht öfters daran denkest! Bedenke, was der heil. Bernhardus sagt:

„Wer fürchtet, der hütet sich, wer sie gering schätzt, der fällt hinein“.

Weil gar so Wenige in den Himmel kommen, und so viele Tausende in die Hölle fahren, so ist es ja doch für dich, der du so nachläßig und gleichgiltig lebst, viel gewisser, daß du mit dem großen Haufen hinunter, als mit dem geringen Häuflein hinauffahren wirst. Du folgst ja dem gemeinen Haufen im Leben nach, und lebst, wie die Weltkinder insgemein zu leben pflegen, und so muß es ja doch auch geschehen, daß du dem großen gemeinen Haufen auch im Tode folgen und mit ihm in die Hölle hinabfahren wirst.

Willst du sicher sein vor diesem Sturze in den höllischen Abgrund, so befolge die Ermahnung des heil. Apostels Paulus:

„Wirket euer Heil mit Furcht und Zittern“ (Phil. 2, 12).

Die Furcht ist der Anfang der Rettung, und wenn du dich auf die rechte Weise fürchtest und diese Furcht bewahrest, so bist du deiner Seligkeit gleichsam gewiß. Denn beim Propheten Michäas heißt es:

„Heil wird Denen, so fürchten seinen Namen“ (Mich. 6, 9).

Es geht also nur Derjenige zu Grunde, wer sich nicht wirksam fürchtet, zu Grunde zu gehen, wie es die Mehrzahl der Menschen macht, die sorglos dahin leben, als ob gar Nichts zu fürchten wäre. Wirksam aber ist deine Furcht, wenn sie dich vom Bösen abhält und zum Guten anspornt. Wie groß daher auch die Zahl Derer sein mag, die in die Hölle hinunter fahren, so kannst doch du selig werden, wenn du nur ernstlich willst, und hast es dir selbst zuzuschreiben, wenn du mit dem gemeinen Haufen in die Hölle fährst.

Ende des dritten Teils: Von der Hölle