ETIKA

Pater Martin von Cochem

www.etika.com

Von den vier letzten Dingen

7.4.2013

18B18C2

Wie vielfach die Peinen der Hölle seien.

S. 98-104

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der Hölle.

II. Kapitel.

Wie vielfach die Peinen der Hölle seien.

Nachdem du den schrecklichen Kerker hast kennen lernen, worin die Verdammten ewig eingeschlossen werden, so will ich dir nun auch in einfacher und verständlicher Weise beschreiben, welche Peinen und Qualen sie dort zu leiden haben. Ich thue dies nicht, um dir einen unnützen Schrecken einzujagen, sondern um dir zu zeigen, wohin ein sündhaftes Leben nothwendig führen muß, damit du die Sünde fürchten mögest, die dich sonst in die Hölle bringt. Gar viele Menschen gibt es, die sich nicht bekehren mögen, bis sie die Schrecken vor der Hölle ergreifen, und Jedermann wird durch die Betrachtung der höllischen Peinen vom Bösen abgeschreckt und zum Guten angetrieben.

Furcht vor der Hölle ist darum nützlich und heilsam für Jedermann. Wer sie nicht fürchtet, der kommt sicher hinein; darauf darfst du dich verlassen. Es ist dir daher besser, du bekommst eine rechte Furcht und einen gewaltigen Schrecken vor den höllischen Peinen, als daß du hineinkommst.

Ich will nun zuerst erklären, wie vielfach die Peinen der Hölle seien und darnach auch beschreiben, wie groß sie seien. Einige Leute sagen wohl, man könne hierüber Nichts wissen, weil noch Keiner von dort zurückgekommen, um uns darüber zu belehren. Ich will dir nun aber grade heraus sagen, daß diese Leute sich in einem sehr großen Irrthum befinden, und zwar in zweifacher Hinsicht.

Denn erstlich kann der Mensch auch von Dingen Kenntniß erhalten, die Niemand gesehen oder erfahren hat. So ist z. B. auch noch Keiner in der Sonne, dem Monde und den Gestirnen gewesen, und wir wissen doch gar Vieles davon. Das kommt aber daher, weil der Mensch nicht bloß leibliche Augen hat, sondern auch ein geistiges Auge, mit dem er viel weiter sehen kann, als mit den leiblichen. Dieses geistige Auge ist die Vernunft, mit welcher er auch einigermaßen in die Ewigkeit schauen und betrachten kann, wie es dort zugeht.

Zweitens ist es auch nicht wahr, wenn jene Leute sagen, es hätte uns Niemand hierüber belehrt, wie es im jenseitigen Leben, und besonders in der Hölle ausschaue. Es gibt kein kräftigeres Mittel, um die Menschen von der Sünde abzuschrecken und zur Buße und Besserung des Lebens zu bewegen, als daß man sie an die höllischen Peinen erinnert und ihnen zeigt, wohin sie kommen, wenn sie so fort leben. Darum hat Gott sich dieses Mittels auch zu allen Zeiten bedient. Im alten Bunde hat er die Leute durch seine Propheten daran erinnert und ihnen gedroht, damit sie sich bekehren möchten; im neuen Bunde hat aber der Sohn Gottes selbst, der das Jenseits gewiß am Besten kannte, und hinlänglich darüber belehrt. Auch die Apostel haben diese Lehre verkündigt und so wird sie zu allen Zeiten verkündet bis ans Ende der Welt. (Anmerkung ETIKA: Wir haben den Eindruck, als ob wir die Einzigen sind, welche heute diese so wichtige Wahrheit in aller Deutlichkeit verkünden.) Der Apostel Paulus sagt hierüber:

„Denn geoffenbart wird Gottes Zorn vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die wahre Erkenntniß in Ungerechtigkeit zurückhalten“ (Röm. 1, 18). (Anm. ETIKA: Wir denken dabei natürlich an jene …)

Was nun die Vernunft und die hl. Offenbarung von den höllischen Strafen und Peinen lehren, das will ich dir mit kurzen Worten auseinander setzen. Wie vielfach und groß aber die höllischen Peinen seien, kann nicht genug mit menschlichen Worten ausgedrückt werden; darum hat auch Jesus Christus selbst keine genaue Beschreibung der Höllenpeinen gemacht.

Der hl. Bonaventura sagt (Brev. p. 7. c. 6.), daß die Verdammten dreierlei Strafen zu leiden haben, nämlich: Strafen des Verlustes – Strafen der Empfindung – und Strafen des Gewissens.

Diese Strafen sind aber so natürliche Folgen der Sünde selbst, daß jeder vernünftige Mensch sagen muß, daß es nicht anders sein könne. Die Verdammten haben sich nämlich in ihrem Leben einer dreifachen Bosheit schuldig gemacht, und dadurch die dreifache Strafe verdient. Erstlich haben sie ja freiwillig sich durch die Sünde von Gott getrennt, haben Gott den Herrn also freiwillig verlassen um der Geschöpfe oder um einer sinnlichen Lust willen. Was wäre nun billiger und gerechter, als daß auch Gott sie verstoßt. Sie haben sich im Leben nicht um Gott und die ewige Seligkeit gekümmert, deßhalb werden sie auch mit vollstem Recht in der Ewigkeit davon ausgeschlossen, daran sind sie also selbst Schuld.

Das ist nun die erste Art der höllischen Strafen, daß die Verdammten von Gott verstoßen und seiner seligen Anschauung beraubt sind. Sie haben die Freundschaft Gottes ganz verloren, und statt derselben den Haß Gottes auf sich gezogen.

„Du hassest Alle, die Böses thun(Ps. 5, 7).

Hieraus folgt aber nun auch weiter, daß die Verdammten dem Teufel und seinem Anhange gänzlich überliefert sind. Denn so lautet das Urtheil des göttlichen Richters: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das höllische Feuer, welches dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist.“ Mit diesen Worten sagt der göttliche Heiland, der die ewige Wahrheit selbst ist, daß die Verdammten von Gott verstoßen sind. Das ist gesagt mit den Worten: „Weichet von mir!“, daß sie aber dem Teufel übergeben sind, liegt in den Worten: „In das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist.“

Daß aber die Teufel nicht gar fein und sanft mit ihnen umgehen werden, kann sich Jeder wohl leicht denken. Denn sie sind ja die größten Feinde aller Menschen und haben den beständigen Wunsch, doch alle zu sich in den Abgrund zu ziehen. Sie sind ja die Menschenmörder von Anbeginn. Sie haben ihre einzige Lust daran, Diejenigen, welche sie in ihre Gewalt bekommen, auf´s Schrecklichste zu peinigen, zu martern und zu quälen. Das haben die Verdammten sich aber wieder selbst zugezogen. Denn sie haben ja dem Teufel sich selbst übergeben, indem sie seinen Eingebungen mehr Glauben geschenkt haben, als Gottes Wort und Gebot, grade so wie Eva im Paradiese. „Jeder, welcher Sünde thut, ist ein Knecht der Sünde“ (1. Joh. 8, 34). Jesus Christus selbst sagt, daß solche Kinder des Teufels sind. „Ihr habt den Teufel zum Vater“ (Joh. 8, 44).

So werden sich die Verdammten also statt bei Gott und in der Gesellschaft der Seligen im Himmel, in der Gesellschaft der Teufel und der Mitverdammten befinden. O, das ist eine schreckliche Gesellschaft! Aber sie haben ja in ihrem Leben diese Gesellschaft lieber gehabt als Gott zu dienen, ihn zu lieben, mit Frommen und Guten umzugehen und an die Heiligen zu denken und ihre Freundschaft zu suchen. Es geschieht ihnen somit Nichts mehr, als was recht ist. Das Alles sieht die menschliche Vernunft recht gut ein.

Zweitens. Da die Verdammten Gott verloren haben und die Anschauung Gottes, so haben sie zugleich Alles, was gut, schön und angenehm und darum liebenswürdig ist, verloren. Auf der Welt hatten sie noch irdische Güter und allerlei Wollüste und Zerstreuungen, welche sie auf Gott und den Verlust seiner Liebe und Freundschaft vergessen machten, und wodurch sie verblendet wurden, daß sie ihren großen Verlust und ihren schrecklichen Zustand nicht erkannten und so recht fühlten; jetzt aber ist Alles dieses auch verloren, und die Verdammten haben Nichts mehr, was sie zerstreuen oder ihnen einen, wenn auch ganz kleinen Ersatz, für den unendlichen Verlust Gottes abgeben könnte. Auch haben sie natürlich alle Gnadengüter verloren. So müssen sie sich also in der größten Verlassenheit, Leerheit und Trostlosigkeit befinden.

·       Statt des Guten, Schönen, Angenehmen, das sie verloren, haben die Verworfenen alles Häßliche, Böse und Schmerzliche gefunden.

·       Was sie im Leben ergötzte, und weßwegen sie im Leben Gott verlassen und gesündigt haben, das gereicht ihnen in der Hölle zur Qual und Pein.

Denn da geht es ihnen, wie es in der hl. Schrift heißt:

„Womit Jemand sündigt, damit wird er auch gestraft“ (Weish. 11, 17).

Nun haben aber die Verdammten in ihrem Leben sich durch alle Geschöpfe versündigt; denn sie haben alle Geschöpfe zur Sünde mißbraucht.

Gott hat nämlich den Menschen die übrigen Geschöpfe nur dazu gegeben, daß sie sich derselben zur Ehre Gottes bedienen sollen. Die Sünder aber gebrauchen sie zur Beleidigung Gottes, indem sie damit Sünde thun.

So mißbrauchen sie die leblosen Dinge in der Welt und werden deßhalb auch durch diese in der Ewigkeit gestraft. Dieses geschieht vorzüglich durch das Feuer. „Weichet von mir in das ewige Feuer“; so sagt der göttliche  Richter.

Sie mißbrauchen aber auch die lebendigen Geschöpfe, die Thiere zur Sünde und darum werden sie auch in der Hölle durch solche gepeinigt, nämlich durch die Würmer.

„Die Strafe für der Gottlosen Leib ist Feuer und Würmer“ (Sirach 7, 19).

Unter den Würmern sind aber allerlei häßliche, schreckliche und grausame Thiere zu verstehen, welche  Gott dazu benützt, um die Sünder für ihren Mißbrauch derselben zu züchtigen, wie der hl. Augustinus lehrt (De civit. Dei l. 21). Es sind dies aber nicht die einzigen Peinen des Leibes, sondern es gibt deren noch gar viele.

Denn weil die Verdammten mit allen fünf Sinnen die Geschöpfe mißbraucht haben zur Sünde, so werden sie auch an allen fünf Sinnen gestraft, an dem Gesicht, an dem Gehör, dem Geruch, dem Geschmack und dem Gefühle. Für jeden Sinn gibt es da eine besondere Pein; denn wodurch der Mensch sündigt, dadurch wird er auch gestraft. Je mehr aber einer mit diesem oder jenem Sinne gesündigt hat, desto mehr wird er auch an demselben zu leiden haben.

Auch haben die Sünder alle Kräfte ihrer Seele zur Sünde mißbraucht, nämlich die Phantasie, den Verstand und den freien Willen. Drum haben sie auch an jeder dieser Kräfte wieder eigene Peinen auszustehen. Diese Strafe durch die Geschöpfe ist die zweite Art der höllischen Peinen, nämlich die Strafe der Empfindung. Daß auch diese recht und billig sei, und daß sich die Verdammten dieselbe selbst zugezogen haben, sieht jeder vernünftige Mensch wieder recht gut ein. Haben ja die Sünder wegen der Geschöpfe und der Wollust an ihnen Gott das höchste Gut verlassen; haben sie ja die Geschöpfe mehr geliebt als Gott, der sie erschaffen, der sie erlöst hat, der sie hat heiligen und ewig selig machen wollen. Drum geschieht ihnen Recht, daß sie nun durch dieselben Geschöpfe gepeinigt werden. Es sind die Geschöpfe, welche dem Menschen zu seinem Dienste gegeben worden, ganz erzürnt über den Menschen, weil er sie nicht zur Ehre Gottes gebraucht hat; drum wüthen und toben sie auf Gottes Anordnung in der Hölle wider ihn.

„Er wird zur Waffe machen die Schöpfung zur Rache an seinen Feinden“ (Weish. 5, 18).

Die dritte Bosheit der Sünde besteht darin, daß der Sünder nicht auf die Stimme des Gewissens, welches die Stimme Gottes ist, hört, sondern seiner niedrigen, sinnlichen Begierlichkeit folgt. So oft nämlich Einer zur Sünde versucht wird, so reizt ihn die Begierlichkeit, wie Jeder gut weiß, daß er die Gebote Gottes oder der Kirche übertreten soll, und das Gewissen sagt aber, daß dies weit gefehlt sei, und daß man sich dadurch der ewigen Verdammniß schuldig mache. Da wäre es nun doch gewiß recht und billig, daß der Mensch dem Gewissen, durch welches der liebe Gott ihn ermahnt, folge, und nicht der sündhaften Begierlichkeit.

Die Verdammten haben das aber nicht gethan, sondern haben der Leidenschaft gehorcht und so in die Sünde eingewilligt. Darum werden sie nun auch in der Hölle durch die schrecklichste Gewissensqual gepeinigt. Du hast es vielleicht selbst schon erfahren, welche schreckliche Qual die eines bösen Gewissens ist. Sie läßt dem Menschen keine Ruhe Tag und Nacht. Die meisten Selbstmorde kommen daher, daß die Gewissensqual den Menschen so sehr peinigt, daß er es nicht mehr zu ertragen im Stande ist. Statt aber seine Sünde zu bereuen, zu beichten und auf Gottes Barmherzigkeit zu hoffen, überlassen sich viele der Verzweiflung, wie Judas, und bringen sich selbst um´s Leben und fahren dann geradezu in die Hölle hinab.

Wenn nun die Gewissensbisse hier auf Erden schon eine so schreckliche Marter sind, wie schrecklich werden sie dann erst in der Hölle die Verdammten peinigen. Daran sind sie aber wieder selbst Schuld, wie jeder vernünftige Mensch gestehen muß. Das ist die dritte Art der höllischen Peinen, die Strafe des Gewissens. Aus dem Gesagten kannst du nun klar und deutlich sehen, daß man von den Peinen der Hölle gar Viel wissen kann, wenn auch Keiner wieder gekommen ist, um uns darüber zu lehren, und daß Jene in einem großen Irrthume sind, die meinen, man könnte davon Nichts wissen. Eben dasselbe, was uns so die Vernunft sagt, das lehrt auch die hl. Schrift mit klaren Worten, wie ich später am geeigneten Ort zeigen werde.

Daß also der Peinen gar viele in der Hölle sind, habe ich dir gezeigt, wie viele derselben aber seien, das kann kein menschlicher und kein englischer Verstand gänzlich erfassen, denn es sind ihrer so viele, daß sie nicht zu zählen noch zu denken sind. Wenn alle Peinen der Welt, welche alle Menschen gelitten haben und noch bis an den jüngsten Tag leiden werden, zusammengerechnet würden, so würden sie doch mit den Peinen der Hölle nicht zu vergleichen sein. Ja, der hl. Augustin sagt, daß alles Leiden dieser Welt im Vergleiche mit den Peinen des ewigen Feuers nicht allein gering, sondern für gar Nichts zu rechnen seie (Serm. 109). Dies will auch Gott andeuten, wenn er von den Sündern sagt:

„Ich will Plagen über sie häufen, und schleudern gegen sie alle meine Pfeile. Verschmachten werden sie vor Hunger und mit herben Bissen aufgezehrt von den Vögeln; wilder Thiere Zähne schicke ich wider sie sammt Gift der Schlangen, die am Boden schleichen. Von Außen wird das Schwert, von Innen sie Angst verzehren, die Jünglinge sowohl als die Jungfrauen, die Kinder sowohl als die Alten“ (5. Mos. 32, 23).

Daher sagt der hl. Bernhard:

„Die Peinen der Verdammten sind so unzählbar, daß keine menschliche Zunge und keine menschliche Fassungskraft sie aufzählen kann“,

nach dem Zeugnisse des Psalmisten: „Es haben uns Uebel umrungen, deren keine Zahl ist.“

Hierüber lesen wir ein Beispiel von einem sehr reichen Grafen in Bayern (Pelhart Dom. XIX, p. Pent.), der auch sehr viele Almosen zu geben pflegte. Nachdem er gestorben, erzitterte in einer Nacht sein ganzes Schloß und besonders die Kammer seines Weibes, mit solcher Gewalt, daß man meinte, es wäre ein Erdbeben entstanden. Gleich darauf trat der verstorbene Graf in schrecklicher Gestalt herein und setzte seine Frau in solchen Schrecken, daß sie beinahe gestorben wäre. Nachdem sie sich aber wieder bald ein wenig erholt hatte, fragte sie ihn, wer er sei und was er begehre. Der Geist antwortete: „Ich bin der Graf, dein gewesener Mann, und bin in alle Ewigkeit verdammt.“ Hierüber erschrack die Gräfin noch mehr und fragte: „Wie kann denn das sein, da du ja so viel Almosen gegeben hast?“ Er aber erwiederte: „Alle diese Almosen nützen mir nichts zum ewigen Leben, weil ich sie aus eitler Ehrsucht gegeben habe.“ Als sie ihn dann noch um andere Dinge fragte, sprach er: „Mir ist nur erlaubt, dir zu erscheinen, aber nicht, lange bei dir zu bleiben; denn mein Begleiter, der Teufel, steht vor der Thüre und wartet auf mich. Jedoch soviel will ich dir sagen: Wenn alle Blätter der Bäume in Zungen verwandelt würden, so könnten sie doch die Tormente, welche ich zu leiden habe, nicht aussprechen.“ Darnach nahm ihn der Teufel und führte ihn mit solchem Ungestümme hinweg, daß das ganze Schloß wieder, wie zuvor, erzitterte. Man hörte das Klagen und Heulen des Grafen noch lange mit Schrecken; Niemand aber konnte ihm helfen. Hieraus ist zu ersehen, daß der Peinen, so die Verdammten  zu leiden haben, so viele sind, daß sie Niemand aufzählen noch aussprechen kann.

O Sünder! o Sünderin! wie blind mußt du sein, wenn diese Betrachtungen dich nicht zur Umkehr und Besserung deines sündhaften Lebens anzutreiben im Stande sind. Du siehst, wohin dich deine jetzige Gleichgiltigkeit gegen Gott und seine heiligen Gebote, gegen das Gebet und die heiligen Sakramente, gegen Tugend und Frömmigkeit endlich führen. O gehe doch in dich, und laß die Zeit der göttlichen Barmherzigkeit nicht unbenützt vorüber gehen! du weißt nicht, wie lange Gott noch auf dich wartet, und ob nicht bald der Abgrund der Hölle sich öffnet, um dich zu verschlingen, wenn du nicht Buße thuest für alle die vielen und schweren Beleidigungen gegen Gott, die du dir hast zu Schulden kommen lassen. O lerne doch die göttliche Gerechtigkeit fürchten, oder vielmehr die Sünde, weil die göttliche Gerechtigkeit nur für Diejenigen furchtbar ist, welche Sünde thun und sich nicht von ganzem Herzen bekehren.

Greife zur göttlichen Bamherzigkeit, damit du der göttlichen Gerechtigkeit entgehest! Danke Gott, daß er dich bisher vor der Hölle bewahrt hat, und verspreche ihm, daß du von nun an auf Nichts mehr bedacht sein willst, als durch ein bußfertiges, christliches, frommes Leben dich vor der Hölle zu bewahren, und flehe ihn an, daß er dir die Gnade dazu verleihen möge, indem du sprichst:

Herr, wie gütig bist du in einen Erbarmungen, aber wie unerbittlich in deinen Gerichten und fürchterlich in deinen Strafen! Je mehr ich daran denke, um so mehr erschrecke ich. Denn ich weiß, daß ich oft und vielmal die Hölle verdient habe durch meine Gleichgiltigkeit gegen dich, o Herr! und gegen alle deine Gnadengüter, durch den Mißbrauch deiner Gaben und durch Ungehorsam gegen die Stimme meiner Vernunft und meines Gewissens. O wie oft und viel habe ich schwer gesündigt! Ich habe gesündigt wider dich, aber du hast bisher deiner Gerechtigkeit Einhalt gethan und Barmherzigkeit und Langmuth an mir geübt. Dafür sei dir tausend und tausend Male Dank gesagt von ganzem Herzen! Ich bereue und beweine meine Thorheit und Bosheit, und nehme mir fest und ernstlich vor, dich nimmer mehr zu beleidigen. Gib mir hiezu deine Gnade und laß mich so leben, daß deine Gerechtigkeit mich nicht dereinst in den Abgrund der Hölle stürzen müsse. Darum bitte ich dich durch das Blut Jesu Christi, deines Sohnes.

O Maria! du liebevolle Mutter aller Menschen, habe Mitleid mit mir armen Sünder und stehe mir bei mit deiner mächtigen Fürbitte, daß der Herr mir Gnade und Barmherzigkeit angedeihen lassen wolle. Amen.