ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

25.4.2013

18B18C4

Von dem höllischen Feuer

S. 112-120

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der Hölle.

IV. Kapitel.

Von dem höllischen Feuer.

Bei der allgemeinen Auferstehung am jüngsten Tage werden Leib und Seele des Menschen wieder mit einander vereinigt, wie sie es im irdischen Leben waren. Die Gerechten werden dann mit Leib und Seele in den himmlischen Frieden eingehen, die Bösen aber mit Leib und Seele in die Hölle geworfen werden. Weil Leib und Seele im irdischen Leben mit einander gesündigt haben, so werden sie in der Hölle auch mit einander gestraft. Jedoch giebt es da eigene Peinen für den Leib und eigene Peinen für die Seele. Der Leib wird gepeinigt an allen seinen fünf Sinnen und die Seele an allen ihren Kräften. Aber Beide sind so innig mit einander verbunden, daß die Seele durch die Peinen des Leibes gemartert wird, und die Peinen der Seele auch den Leib quälen. So wie die Seele durch den Leib und mittelst des Leibes gesündigt hat, so wird sie auch mittelst des Leibes gepeinigt.

Von den Peinen der Sinne will ich zuerst handeln. Da die Verdammten ihre fünf Sinne zur Befriedigung ihrer sündhaften Gelüste mißbraucht und auf diese Weise Gott beleidigt haben durch das Gesicht, das Gehör, den Geschmack, den Geruch und das Gefühl, so werden sie auch mit Recht an allen Sinnen gestraft. Je mehr aber Einer mit diesem oder jenem Sinne gesündigt hat, desto mehr Peinen muß er daran in der Hölle leiden.

Die erste und vorzüglichste Pein der Sinne ist das höllische Feuer, durch welches alle Sinne zugleich gepeinigt werden, besonders aber das Gefühl. Daß aber in der Hölle Feuer sei, bezeugt Jesus Christus, der die ewige Wahrheit selber ist, mit klaren Worten, indem er zu den Verdammten spricht:

„Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, welches dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist“ (Math. 25, 41.)

Es ist aber aus mehreren Gründen in der Hölle Feuer, in welchem die Verdammten ewig brennen müssen.

Erstlich ist das Feuer das trefflichste Sinnbild des göttlichen Zornes, der gegen die Verdammten entbrennt, und darum am Geeignetsten, dieselben zu züchtigen.

Zweitens ist auch das Feuer ein Bild von dem brennenden Feuer der bösen Begierden und Leidenschaften, durch welche die Sünder Gott beleidigt haben. Darum werden sie auch durch dasselbe am Besten gestraft. Weil sie in böser Lust entbrannten, so müssen sie in dem höllischen Feuer brennen.

Drittens hat jede Sünde ihren Ursprung im Stolze, der sich nicht unterwerfen will, wie dies schon im Paradiese der Fall war. Denn jede Sünde ist ja ein Ungehorsam, eine Auflehnung und Empörung gegen Gott. Das Feuer hat nun viele Aehnlichkeiten mit dem Stolze, indem es auch immer nach Oben strebt. Die stolzen Sünder werden darum mit Recht im Feuer gepeinigt.

Viertens ist das Feuer jenes Element, welches den Sinnen am Meisten Pein verursacht und durch sie auch der Seele, die viele Aehnlichkeit mit dem Feuer hat. Vorzüglich ist aber das Feuer geeignet, das Gefühl zu peinigen, welches mit allen übrigen Sinnen so eng verschmolzen ist, daß diese ihm dienen. Um des angenehmen, wohlthuenden Gefühles willen geschieht ja die Sünde, darum muß der Sünder auch am Gefühle am Meisten leiden. Das geschieht durch das Feuer, welches ebenso geeignet ist, alle Sinne des Menschen zu durchdringen und in jedem eine eigenthümliche Pein hervorzubringen, wie das Gefühl alle durchdringt, um durch jeden eine eigenthümliche sündhafte Lust zu finden. Hieraus siehst du, daß es seine guten Gründe hat, warum die Verdammten besonders durch´s Feuer gepeinigt werden.

Was für eine Pein das aber sei, kann kein Mensch aussprechen. Denn unter allen leiblichen Peinen, die zu erdenken sind, ist keine größer, keine bitterer und keine schmerzlicher als die Pein des Feuers. Das Foltern, das Rädern, wobei die Glieder abgeschnitten oder abgerissen werden, sind wohl auch grausame Peinen, aber sie sind doch mit den Peinen des Feuers nicht zu vergleichen. Denn das Feuer ist nicht zu ertragen, nicht zu erdulden, nicht zu verschmerzen. Es ist eine unnatürliche, unbegreifliche, unmenschliche Pein. Wenn du nur ein glühendes Eisen anrühren solltest, ach was für Pein, ach was für schmerzen würden dich da ergreifen. In einem Augenblicke ist die Haut weg, das rohe Fleisch tritt hervor, das Blut rinnet heraus, und der Schmerz durchdringt Mark und Bein. Da rufest und schreiest und springest du, als wenn du unsinnig wärest.

Thut nun dies das augenblickliche Anrühren eines glühenden Eisens, was würde nicht geschehen, wenn du gezwungen würdest, ein einziges Vaterunser lang die Hand an das glühende Eisen zu halten. O, wie würdest du dich da stellen, wie würdest du zittern und weheklagen vor Schmerz! Wie würde, wenn diese kurze Zeit vorüber wäre, deine Hand aussehen, wie würde der Brand dich nicht verstellt und zugerichtet haben! Die Haut würde ganz verbrannt, das Fleisch ganz verschrumpft, die Adern würden ganz durchlöchert sein, und die bloßen Knochen würden ganz schwarz aussehen. Der Brand würde toben und wüthen; der Schmerz würde reißen und stechen. Gewiß würdest du vor lauter Schmerz und Wehe ohnmächtig zu Boden fallen. Thut nun dies das Feuer während der kurzen Zeit eines Vaterunser lang, was würde es thun, wenn es eine Viertelstunde, oder einen ganzen Tag dauerte? Stelle dir daher recht lebendig vor, als ob du um deiner Sünden willen verurtheilt wärest, lebendig verbrannt zu werden, stündest aber einen ganzen Tag im Feuer und könntest nicht sterben. Sag mir, mein lieber Christ, was würde das für dich sein? O Gott vom Himmel, wie würdest du dich stellen! O Gott! o Gott! was für ein Jammergeschrei würdest du anstellen. Gewiß würdest du dich so stellen und ein solches unmenschliche Geschrei erheben, daß es Allen, die es hörten, durch Mark und Bein gehen würde. Kein Mensch würde so herzhaft sein, dir auch nur eine Stunde zuzusehen, kein Mensch so fest, daß er bei deinem Geschrei nicht ohnmächtig würde, du würdest aussehen, wie eine glühende Kohle und so verbrannt sein, daß man dich nicht mehr kennete. Deine Haare und Augenbrauen, deine Ohren und Nase, dein Mund und deine Lippen und Wangen würden abgebrannt sein; deine Augen würden ausgeronnen, dein Fleisch ganz verschrumpft und verkohlt sein und deine Rippen und übrigen Gebeine würden überall bloß hervorstehen, Blut und Eiter überall herabfließen, ja du würdest so schrecklich aussehen, daß kein Mensch dich ohne Grausen und Entsetzen anschauen könnte.

Nun bedenke, mein Christ! wenn schon das Feuer auf dieser Welt so furchtbar brennt, daß es unmöglich zu ertragen ist, ach Gott! was wird dann erst das Feuer in der Hölle thun, welches unvergleichlich heißer und brennender ist, als das irdische Feuer. wie viel aber das höllische Feuer heißer ist, als unser Feuer, kannst du aus folgenden Gründen abnehmen:

Erstens ist das höllische Feuer weit größer, als alles Feuer, so jemals auf Erden möchte gewesen sein. Je größer aber ein Feuer ist, desto heißer brennt es auch, wie Jedermann weiß. Die Flamme eines Wachslichtleins ist nicht gar sehr heiß, wenn aber der ganze Wachsstock brennt, so ist es schon viel heißer. Wenn ein Haus in Flammen steht, so ist die Hitze schon groß, weit größer aber noch, wenn ein ganzes Dorf in vollen Flammen steht. Man kann alsdann in großer Entfernung die Hitze schon nicht mehr ertragen. Was wird nun erst das höllische Feuer sein, welches ohne allen Vergleich größer ist? Welche Hitze wird das sein? Wer will im Stande sein, dieselbe auszuhalten? „Wer von euch vermag zu wohnen bei dem verzehrenden Feuer? Wer aus euch wohnt bei ewigen Gluten?“ so fragt der Prophet Isaias (Kap. 33, 14.)

Dann weiß auch Jedermann zweitens, daß ein Feuer, wenn es in einem Ofen eingeschlossen ist, viel heißer brennt, als wenn es auf freiem Felde steht, denn die eingeschlossene Hitze bleibt besser bei einander und kann von der Luft nicht abgekühlt werden. Wenn nun dem so ist, wie wird alsdann das grimmige Feuer in der Hölle wüthen und toben! denn Jesus Christus selbst nennt die Hölle einen „Feuerofen“, in welchen alle geworfen werden, die Unrecht thun (Math.13, 42.) O, wie werden da die Flammen wider die Felsenwände so grimmig anschlagen! Wie werden da diese Felsen glühen und brennen! Denke dir nur, wenn ein Mensch mit Leib und Seele in einen glühenden Kalkofen geworfen würde, was für ein Jammer das sein würde. Ach, was für Schmerzen würde er da zu leiden haben! In einem Augenblicke würde er so glühend werden, wie ein glühendes Eisen. Ja er würde in einem Augenblicke so verbrennen, daß Haut und Fleisch von den Gebeinen abgehen würden.

Drittens ist das höllische Feuer nicht nur darum heiß, weil es das größte, und weil es in dem höllischen Kerker eingeschlossen ist, sondern vielmehr, weil es auch von solchen Dingen unterhalten wird, welche am Furchtbarsten brennen und die größte Hitze hervorbringen.

„Den Verzagten aber, den Ungläubigen, den Verruchten, den Mördern, den Unzüchtigen und den Zauberern und den Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Theil sein in dem Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“ (Off. 21, 8).

So schreibt der hl. Johannes in seiner Offenbarung, und Kap. 14, 10. heißt es ebenfalls, daß Diejenigen, welche von Gott abgefallen sind, gequält werden mit Feuer und Schwefel. Wenn du dir nun aber ein Feuer vorstellst, welches mit lauter Pech und Schwefel brennt und in welches tausend und wieder tausend Tonnen Pech und Schwefel hineingeworfen werden, so ist das noch lange nicht so heiß, wie das höllische Feuer, welches alle mögliche natürliche Hitze weitaus übersteigt. Wie viel aber das höllische Feuer heißer ist als das irdische, kann keine menschliche Phantasie sich einbilden.

Der hochgelehrte Baronius erzählt von einem ausgelassenen Priester, daß, als er in Todesnöthen lag, ihm der Teufel mit einer Pfanne voll siedenden Pechs erschienen sei. Als nun ein einziger Tropfen aus dieser Pfanne auf des Priesters Hand gesprungen, da habe es ihm alsbald die Haut und das Fleisch und die Knochen mit solchem Schmerze durchdrungen, daß er vor Größe des Schmerzes schrecklich zu heulen angefangen und bald darauf seinen unseligen Geist aufgegeben habe.

Wenn nun aber ein einziges Tröpflein Peches in einem Augenblicke des unglückseligen Priesters Haut, Fleisch und Bein so zerfressen hat, ach! was wird er dann jetzt leiden, da er von einem noch viel heißern Feuer ganz umgeben  und ganz durchdrungen ist! O, was müssen alle Jene leiden, die ewig in diesem Feuer brennen müssen! O schreckliche Peinen! O furchtbare Qualen! „Wer von euch mag wohnen bei dem fressenden Feuer, in den ewigen Gluten?“

Wie heiß das Feuer der Hölle sei, kannst du auch aus folgendem Beispiele abnehmen:

Ein gottesfürchtiger adeliger Herr, Namens Walther, lag unweit der Stadt Bonn am Rheine krank. Als er nun einmal so ganz allein da lag, erschien ihm der Teufel in Gestalt eines Affen, mit Bockshörnern auf dem Haupte. Der Herr erschrack gar sehr bei diesem Anblicke und fragte: „Wer bist du, und was suchst du hier?“ Der Affe erwiederte: „Ich bin der Teufel, und bin gekommen, um deine Seele zu holen.“ Da sprach der adelige Herr: „Weiche hinweg, du leidiger Satan! Du wirst meine Seele nicht bekommen, denn ich habe sie Christo empfohlen.“ Der Affe sprach dann weiter: „Walther, wenn du mein sein willst, so will ich dich gesund machen und über alle deine Mitgenossen bereichern.“ Der adelige Herr aber sprach: „Ich bin reich genug, und achte deine falschen Reichthümer nicht. Doch sage mir, woher hast du denn Reichthümer?“ Der Teufel antwortete: „In deinem Lande liegen gar viele Schätze begraben, welche ich dir alle geben will.“ Hierauf bekam Walther Lust, mit dem Affen weiter zu reden, und er sprach: „Sage mir doch, wo ist die Seele meines Herrn Grafen von Jülich, der vor Kurzem gestorben ist?“ Der Affe antwortete: „Kennst du die zwei nächstgelegenen Schlösser, Wolkenburg und Drachenfels?“ „Ja, die kenne ich“, sprach er. Der Affe sprach dann weiter: „Bei meiner Treue sage ich dir, wenn diese zwei Schlösser sammt den Bergen, worauf sie liegen, von Eisen wären, und an den Ort versenkt würden, wo die Seele des Grafen liegt, so würden sie eher zerschmelzen, als man ein Auge auf- und zu thut.“ Als der Teufel dies gesagt hatte, fing er laut zu lachen an und sprach: „Diese Hitze ist jetzt noch sehr gering, künftig aber, wenn die Seele ihren Leib wieder bekommen wird, alsdann wird er erst seine verdiente Strafe empfangen.“

O Gott, wer sollte sich nicht entsetzen über eine solche schreckliche Hitze, daß auch eiserne Berge und Schlösser darin zerschmelzen! Wer sollte glauben, daß in einem solchen Feuer die menschlichen Leiber nicht zu Pulver verbrennt und gänzlich verzehrt würden! Das würde auch gewiß unfehlbar geschehen, wenn sie nicht auf übernatürliche Weise erhalten würden, um ewig zu brennen.

Viertens ist das höllische Feuer aber ganz vorzüglich darum über alle irdischen Begriffe heiß, weil es eigens dazu von Gott erschaffen worden ist, um Leib und Seele der Verdammten auf die fürchterlichste Weise zu peinigen und sie den ganzen gerechten Zorn Gottes fühlen zu lassen. Beim Propheten Isaias heißt es in dieser Beziehung:

„Sieh, der Name des Herrn kommt von ferne, brennend ist sein Zorn, und schwer zu ertragen, seine Lippen sind voll Grimmes und seine Zunge ist wie verzehrend Feuer. Sein Athem ist wie ein reißender Waldstrom, der reichet bis zum Halse, um herabzustürzen die Völker in´s Nichts, denn längst gerüstet ist Thophet (die Hölle), vom Könige bereitet, tief und weit. Ihre Nahrung ist Feuer und viel Holz; der Hauch des Herrn gleich einem Schwefelbach, zündet sie an“ (Is 36).

Der Hauch der Herrn hat also das höllische Feuer zur Bestrafung der Verdammten angezündet und erhält es auch für alle Ewigkeit, daß es nie erlischt und immer mit derselben Gewalt fortbrennt. O wie viel schrecklicher muß darum jenes Feuer sein, als das unsrige! Denn das natürliche Feuer auf der Erde hat Gott zu unsrer Wohlfahrt aus Güte und Liebe erschaffen, jenes aber ist angezündet worden vom Zorne Gottes.

Um dir einigermaßen eine Vorstellung von diesem Feuer zu machen, denke den höllischen Kerker ganz voll von dem größten tobendsten Feuer von Schwefel und Pech, das von einem mächtigen Sturmwinde immerdar angeblasen wird. Es schlägt gewaltig in die Höhe und macht die Felsen ringsum ganz glühend wie geschmolzenes Erz in einem Schmelzofen. Die Offenbarung der hl. Brigitta sagt hierüber (Buch 1, Kap. 7):

„Die Hitze des höllischen Feuersees ist so groß, daß, wenn schon die ganze Welt sammt Allem, was darin ist, brenne, doch die Hitze mit jener nicht zu vergleichen wäre.“

O wohl eine unbegreifliche Hitze, die alle menschliche Fassungskraft weit übersteigt. „Wer will wohnen bei solchem fressenden Feuer, bei solchen ewigen Gluten?“

Siehst du nun, o Sünder! daß das höllische Feuer in keinem Vergleiche steht mit unserm Feuer. Der hl. Augustin sagt, daß unser Feuer gegen das höllische Feuer so viel sei, wie ein gemaltes Feuer gegen ein wirkliches. O Gott, was müssen da die elenden Verdammten leiden! O Pein! o Schmerz! o Elend über alles Elend! O wie gehen ihnen die Flammen durch Mark und Bein, daß das Blut in ihren Adern und das Mark in ihren Knochen siedet! O welche Pein für Leib und Seele! Bilde dir nun ein, o Sünder! als ob du einen Verdammten bis über das Haupt im Feuer liegen sähest, und sein wüthendes Heulen und Klagen hörtest. Ach sieh! wie dieser elende Mensch mit ganzem Leibe im Feuer begraben liegt, und wie die Flammen hoch über seinem Haupte wüthend zusammenschlagen. Unter ihm ist lauter Feuer, ober ihm lauter Feuer, neben ihm und um ihn herum Nichts als lauter Feuer. Wenn er Athem schöpft, so zieht er lauter Feuer in sich; wenn er aushauchet, so geht lauter Feuer aus seinem Innern heraus.

„Es wird aus den Eingeweiden des Verdammten eine Flamme auflodern, die nicht erlöscht,“ sagt der Psalmist.

Ja, aus dem Munde, den Augen, der Nase und den Ohren und aus allen Schweißlöchern des ganzen Leibes geht lauter Feuer heraus. Das Eingeweide, das Herz, die Lunge und die Leber sind so mit Feuer angefüllt, wie ein Schwamm, der im Wasser liegt durch und durch mit Wasser angefüllt ist. Dies Feuer hat die Eigenschaft, zu brennen und zu peinigen, aber es vertilgt den Leib nicht, sondern dient vielmehr dazu, ihn zu erhalten, wie das Salz dazu dient, das Fleisch zu erhalten. So heißen die Worte Christi:

„Denn Jeder wird mit Feuer gesalzen.“ (Mark. 9, 48).

So wie also das Salz vor der Verwesung bewahrt, so bewahrt das höllische Feuer die Verdammten, damit sie ewig brennen, aber nicht verbrennen. So werden die Verdammten wie Eisen und Stahl durchglüht, aber nicht aufgezehrt. Alles ist Feuer; die wollüstige Zunge ist Feuer, das geile Auge ist Feuer, das vorwitzige Ohr ist Feuer und das böse Herz ist Feuer.

Daher lesen wir auch, daß, wenn bisweilen Verdammte erschienen sind und ihren Mantel von sich gethan haben, sie wie glühendes Eisen dagestanden seien, wo sie ihre Häupter hingelegt oder geschlagen haben, da sind alsbald die Malzeichen ihrer Hände im Holz oder Stein eingebrannt erschienen. Ja, nicht nur das Berühren mit ihren Händen hat Holz und Steine verbrannt, sondern auch ein einziger Schweißtropfen ihres Angesichtes ist so heiß, daß er Alles, was er berührt, durchbrennen kann.

Der heilige Antonius (Spec. exempl.) erzählt ein erschreckliches Beispiel hierüber von einem Studenten zu Paris.

Derselbe hatte noch vor seinem letzten Ende mit vielen Thränen gebeichtet und die heiligen Sterbsakramente empfangen, und Alle waren der Meinung, er wäre selig gestorben. Nach einiger Zeit aber erschien er seinem Lehrer mit Feuer bekleidet und sagte ihm, er sei ewig verdammt. Der Lehrer wollte es kaum glauben, da er ja so reumüthig gestorben sei, da sprach er:

„Meine Buße und meine Thränen gingen nicht aus Liebe Gottes hervor, sondern kamen von der Furcht vor der Hölle, damit ich nicht dorthin gebracht würde, deßwegen haben sie mir auch Nichts genützt.“

Als ihn dann der Lehrer fragte, wie große Pein er leiden müsse, ließ er ihm ein Tröpflein Schweiß auf die Hand fallen, welches den Lehrer so scharf brannte, daß er meinte, er müsse vor lauter Schmerzen sterben. Und der Geist sprach dann: „Nun denke, was ich leide.“ Mit diesen Worten verschwand er.

Wenn nun schon ein einziger Tropfen Schweiß so heiß ist, daß er einen gesunden Menschen ums Leben bringen könnte, ach! was für Peinen muß dann ein Verdammter leiden, der in Ewigkeit in solchem Brande liegen muß! Wer soll sich da nicht entsetzen, wer nicht grausen, wenn er dies auch nur bedenkt! Da ist wahrlich kein Wunder, wenn sie vor Schmerz „heulen“ und vor Raserei mit den „Zähnen knirschen“. O wie werden sie da heulen und schreien vor Wuth und Verzweiflung, daß es durch die ganze Hölle schallt: O wehe! O wehe! O Pein! O Schmerz! O höllisches Feuer! O furchtbare Flammen! Ach! ich muß ja rasend werden vor Schmerz und Wehe! Und das soll ich ertragen in alle Ewigkeit! O wehe meinem Leibe! Wehe meiner Seele! Wehe allen meinen Gliedern! O wie wüthet und tobet der Schmerz in meinem ganzen Leibe! Ach! Ach! was habe ich doch gethan! O ich unsinniger Mensch! um einer kurzen Wollust willen habe ich mich in diese unendliche Pein gestürzt, und muß nun ewig in diesem Kerker brennen!

Nachdem Jesus seinen Jüngern verkündigt hatte, daß die Bösen in den Feuerofen geworfen werden würden, wo Heulen und Zähneknirschen sein werde, da fragte er sie:

„Habt ihr das Alles verstanden?“

Sie sprachen: „Ja.“ Ich hoffe, o Sünder! o Sünderin! du wirst es jetzt wohl auch wohl verstanden haben, was nun die Worte Christi sagen wollen, die er beim letzten Gerichte zu den Verdammten sprechen wird. „Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!“

O betrachte und bedenke es recht ernstlich bei dir und nimm es recht zu Herzen! Wenn du ein Feuer siehst, so denke an das höllische Feuer, und damit du es desto mehr zu Herzen nehmen mögest, so halte deine Hand dagegen, und zwar so lang, als du es erleiden kannst. Wenn du dann die Schmerzen nicht mehr ertragen kannst, so sprich zu dir selbst: „O wehe, wenn dies kleine Feuer schon so sehr brennt und schmerzt, wie würde ich dann das höllische Feuer aushalten können!“

Höre, wie es einmal ein Einsiedler gemacht hat!

Derselbe hatte schon viele Jahre Gott in der Wüste gedient und wurde dann einmal recht schwer versucht, wieder in die Welt zurückzukehren und die Wollüste des Lebens zu genießen. Da zündete er in seiner Höhle ein Feuer an und legte seinen Fuß in dasselbe hinein. Da kam auf einmal ein anderer Einsiedler, der sich in seiner Nachbarschaft aufhielt, daher und fand ihn so in seiner Höhle. Dieser verwunderte sich bei diesem Anblicke und fragte ihn, was er denn da mache. Der Einsiedler gab ihm die hochwichtige Antwort: „Das Fleisch versuchte mich, in die Welt zurückzukehren, und darum will ich zuerst probiren, ob ich auch das höllische Feuer aushalten könnte.“ Auf diese Weise hat der Einsiedler seine Versuchungen überwunden.

So mache auch du es, wenn du zu irgend einer Sünde versucht wirst, und du wirst gewiß keine Lust mehr haben, zu sündigen!

Das höllische Feuer ist von Gott auch so eingerichtet, daß es alle Peinen zugleich in sich vereinigt. Daher ist durch die Kraft Gottes zugleich mit der Pein der Hitze auch die Pein der Kälte verbunden. So sagt es die hl. Schrift:

„Aus dem Schneewasser geht er über zu der größten Hitze.“ (Job 24).

Die Verdammten werden also auch eine solche Pein haben, wie Einer, der aus der grimmigsten Kälte in die größte Hitze gebracht wird. Gleichwie aber das höllische Feuer vieltausendmal heißer ist als das unsrige, so ist auch die höllische Kälte durch die göttliche Allmacht viel tausendmal schärfer, als die Kälte auf Erden. Dieses deutet der Psalmist David an, indem er spricht: „Feuer, Hagel, Schnee, Eis und Ungewitter thun nach seinem Worte.“ Die höllische Kälte ist also nach göttlicher Anordnung so groß, weil er sie so groß erschaffen hat.

Der ehrwürdige Beda erzählt von einem Ehemann, daß er in einer schweren Krankheit eine ganze Nacht für todt da gelegen sei. Als derselbe des andern Morgens zur Verwunderung aller Gegenwärtigen wieder zu sich kam, sagte er, das Leben sei ihm von Gott verlängert worden unter der Bedingung, daß er hinfür anders als zuvor leben sollte. Nachdem er dann seine Güter theils an seine Kinder, teils an die Armen ausgetheilt hatte, ging er in ein Kloster, und fing ein so strenges Leben an, daß es über alle menschliche Kräfte ging. Er sperrte sich in einer kleinen Zelle neben einem Flusse ein, und seufzte und weinte ohne Unterlaß. Zur kalten Winterszeit versenkte er sich bis zum Hals in den vorbeifließenden Fluß und ließ sich daselbst ganz verfrieren, darauf setzte er sich bis an den Hals in heißes Wasser, in welchem er so große Schmerzen litt, daß er laut auf zu schreien genöthigt ward. Als nun die anderen Brüder des Klosters ihn hierüber zur Rede stellten und befragten, wie er denn solche Hitze und Kälte aushalten könnte, gab er zur Antwort: „Ich habe noch schrecklichere Dinge gesehen.“ Was hast du denn gesehen? fragten die Andern weiter. Er aber erwiederte: „Ich habe gesehen, wie die elenden Seelen in jener Welt aus dem hitzigen Feuer in die bitterste Kälte, und aus der bittersten Kälte in die größte Hitze versetzt wurden. Und wenn ich mir nun diese ihre Pein vorstelle, so erachte ich Alles, was ich leide, für gar Nichts.“

Du siehst also, welche schreckliche Pein diese höllische Kälte sei, und gewiß gibt es nach dem höllischen Feuer keine größere Pein als diese Kälte. Eine solche Kälte gibt es aber in der Hölle deßhalb, um die Verdammten an allen ihren Sinnen zu peinigen wegen der großen Kälte und Gleichgiltigkeit gegen Gott und alles Heilige und gegen die ganze Ewigkeit. –so vereinigt das Feuer alle Qualen in sich, wie der hl. Hieronymus sagt. O da läßt es sich wohl denken, daß da Heulen und Zähneknirschen sein wird! „Höret dies, spricht David, die ihr Gottes vergesset, damit er euch nicht einmal hinwegreiße, und Niemand sei, der euch rette!“

Ja höre dies, o Sünder, o Sünderin! und laß dir die Peinen und das Heulen und Zähneknirschen der Verdammten zu Herzen gehen und betrachte ernstlich, wie theuer sie ihre Sünden büßen müssen! Vielleicht haben Viele aus ihnen deren viel weniger begangen, als du. Wolltest du wohl um die ganze Welt einen einzigen Tag in der Hölle liegen? Ja, wolltest du wohl um die ganze Welt auch nur eine Stunde in diesen Gluten wohnen? Wenn du dies aber nicht wolltest, so mußt du ja doch allen Verstand verloren haben, da du um viel geringern Gewinn, ja um eine kurze schlechte Wollust, dich der ewigen Verdammniß schuldig machest. Weißt du etwas Wahnsinngeres zu sagen, so sage es mir! O bete, daß dich Gott erleuchte und sich deiner und aller verstockten und blinden Sünder erbarmen wolle!

O Gott! erleuchte doch mich und alle jene stockblinden Sünder, die so verstandeslos in ihren Sünden fortleben, als ob es keine Hölle für sie gebe! O gib ihnen doch Verstand, diesen Thoren, auf daß sie ihre Thorheit recht erkennen, und die furchtbaren Peinen, die auf sie warten, zu ihrem Nutzen recht beherzigen mögen!Erbarme dich über sie, aber auch über mich, o Herr! und laß mich nicht in das höllische Feuer gerathen! Ich will mich von nun an ernstlich bessern und vor jeglicher Sünde mich hüten. Bei jeder Versuchung zum Bösen will ich an das höllische Feuer denken, um dadurch die brennende Glut der bösen Begierden zu unterdrücken. O Gott der Erbarmung! du meine Hoffnung und mein Heil! gib mir dazu deine Gnade, um die ich dich herzlich und demüthig anflehe. O Maria, du Mutter der Barmherzigkeit, du nach Gott all meine Hoffnung und mein Trost, bitte für mich um diese Gnade, und laß mich nicht zu Grunde gehen! Amen.

 

Anmerkung:

Wie die „Dolomiten“ berichten, haben französische Physiker die Temperaturen nahe dem Erdmittelpunkt mit etwa 6000 Grad Celsius angegeben. (26.4.2013, APA/dpa, „Science“)