ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

28.4.2013

18B18C6

Von dem höllischen Hunger und Durst

S. 127-133

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der Hölle.

VI. Kapitel.

Von dem höllischen Hunger und Durst.

Gleichwie die Sünder in ihrem Leben mit allen ihren fünf Sinnen allerlei Sünden und Laster begehen, und mit einem jeden Sinne wieder besondere Sünden, so werden sie auch in der Hölle an einem jeden Sinne besonders gepeinigt für die besonderen Sünden, die sie damit begangen haben. Nun weiß aber Jedermann, daß sich die Menschen durch Unmäßigkeit im Essen und Trinken gar vielfach und schwer versündigen, denn schier täglich genießen sie überflüssige, delikate, verbotene und der Gesundheit nachtheilige Speisen und Getränke mit größter Sinnlichkeit, und wollen sich fast niemals Etwas abbrechen.

Ja es giebt gar Viele, welche fast nur daran denken, was sie essen und trinken sollen, und die man fast nur von solchen Dingen reden höret. Für ihren Bauch sorgen sie mit der größten Aengstlichkeit und dienen ihm mit solcher Sorgfalt, als ob sie nur zum Essen und Trinken erschaffen wären. Von solchen sagt die hl. Schrift, daß deren Gott ihr Bauch ist. Diese nun versündigen sich schwer durch den Sinn des Geschmackes, und werden, wenn sie ungebessert sterben, in der Hölle auch an diesem Sinne schmerzlich dafür gestraft, denn Gott hat in jener Welt solche schwere Strafe auf das Laster des Fraßes und der Trunkenheit gesetzt, daß Einem grauset, wenn man auch nur recht daran denkt. Dies hat Christus vorhergesagt und mit schrecklichen Worten angedroht, indem er spricht:

„Wehe euch, die ihr gesättigt seid, denn ihr werdet Hunger leiden“ (Luk. 6, 25).

Wenn Christus nun mit dem Wörtlein „Wehe“ droht, so bedeutet das gewiß ein großes Uebel. Drum wollen wir hier ein wenig betrachten, wie groß dasselbe sei.

Wie schmerzlich der Hunger sei, können wir nicht recht wissen, weil wir´s nie recht erfahren haben. Diejenigen aber, so in neun Tagen nichts zu essen bekommen hätten, könnten uns gründlich erzählen, was für eine grausame Plage der Hunger sei. Wenn du bisweilen einen ganzen Tag fastest, o wie wird dir der Tag so lang; wie verlangest du, daß es doch bald Abend sein möchte! Wenn du aber in zwei oder drei Tagen Nichts zu essen bekommen solltest, ach was für ein Elend würde das sein! Solltest du aber gar acht Tage lang Hunger leiden, und nicht die geringste Nahrung bekommen, was meinst du, daß du anfangen würdest? Ach Gott! ich mag nicht davon schreiben, und mag nicht daran gedenken; denn du würdest dich so erschrecklich stellen, daß sich Alle vor dir entsetzen müßten.

In theuern Zeiten und Hungersnöthen sieht man mit Schrecken, was der Hunger thut, und was für eine grausame Plage er sei. Denn um die unerträgliche Marter des Hungers zu lindern, essen die Leute Alles, was ihnen unter die Hände kommt, als Gras, Blätter, Hunde, Katzen, Mäuse, Leder und Koth aller Art. Ja es frißt ein Mensch den andern, die Mutter ihr Kind, wie dies bei der Zerstörung Jerusalems geschehen ist, und endlich der Mensch sein eigenes Fleisch, wie man dies oft schon bei Solchen, die lebendig begraben und nachher wieder herausgegraben worden sind, gesehen hat.

Wann denn endlich die armen verhungerten Leute Nichts mehr haben können, so gehen sie herum wie der Schatten an der Wand, sehen so bleich und vermagert aus, wie der lebendige Tod, verschmachten und verzehren sich sogar, daß weder Kraft noch Saft in ihnen bleibt, und endlich fangen sie vor großer Gewalt des Hungers an zu wüthen und zu toben, zu heulen und zu brüllen, rasend und unsinnig zu werden, und des erbärmlichsten und bittersten Todes zu sterben.

Thut nun dies der irdische Hunger, was wird dann der höllische Hunger thun! Thut nun dies ein neuntägiger Hunger, was wird erst ein zwanzigtägiger, ein hunderttägiger, ein tausendtägiger, ja ein ewiger immerwährender Hunger thun! O höllischer Hunger, wer kann ohne Schrecken an dich gedenken? Wer kann dich ohne Grausen recht betrachten? O bitterer und schmerzlicher Hunger! O grausamer und rasender Hunger! Wehe Dem, der dich versuchen muß! Wehe Dem, und in Ewigkeit Wehe! –

Daß aber in der Hölle ein wahrer Hunger sei, sagt Gott selbst in der hl. Schrift:

„Ich will alle Plagen auf sie häufen, und schleudern gegen sie alle meine Pfeile. Verschmachten werden sie vor Hunger“ (5 Mos. 32, 24).

Und bei dem Propjeten Isaias spricht er:

„Weil ich gerufen habe, und ihr habt mir nicht geantwortet, und weil ich geredet habe, und ihr habt mich nicht angehört, und thatet Böses vor meinem Angesichte, darum sehet, meine Diener werden essen, und ihr werdet hungern; sie werden trinken, und ihr werdet dürsten; sie werden vor Freude des Herzens singen, und ihr werdet vor Schmerzen des Herzens schreien und gebrochenen Geistes heulen“ (Isaias 65, 13).

Wie groß aber dieser höllische Hunger sei, ach, wer will´s erklären! weil alle Menschen mit einander den tausendsten Theil desselben nicht begreifen können. Der Psalmist sagt:

„Sie werden Hunger leiden wie die Hunde“ (Ps. 58, 7).

Dies heißt so viel als, gleichwie die Hunde überaus gefräßig, und schier nimmer zu ersättigen sind, so werden die Verdammten überaus gefräßig sein, und ohne Unterlaß die Freßsucht haben, so daß, wenn ihnen schon zu essen gegeben würde, sie doch nimmer satt werden könnten. Ach, wenn Einer, der solchen grimmigen Hunger hat, einen einzigen Tag nur fasten sollte, so müßte dieser mehr Pein ausstehen, als ein Anderer, der in fünf oder sechs Tagen keinen Bissen zu essen bekäme. Ach Gott! was leiden dann die elenden Verdammten, welche mit der allerärgsten Freßsucht behaftet sind, und dennoch in alle Ewigkeit kein einziges Brosamlein bekommen werden.

Gedenke bei dir, wie lang einem jeden Verdammten ein einziger Tag werden müsse, weil sie einen so giftigen Hunger haben, und doch Nichts zu essen bekommen. Wie werden sie heulen und brüllen, und mit ihrem wilden Geschrei die ganze Hölle erfüllen! Nun aber leiden die Allerarmseligsten nicht alleine einen Tag, sondern alle Tage den grimmigsten Hunger, so zwar, daß sie alle Augenblicke verkümmern und verschmachten möchten; dennoch bekommen sie nimmer und nimmer einen einzigen Bissen; haben auch keine Hoffnung in Ewigkeit jemals den allerkleinsten Bissen zu bekommen. Wie meinst du, daß sie vor dem grimmigsten, bittersten und schmerzlichsten Hunger wüthen und schreien, heulen und brüllen, rasen und toben werden.

Beim Propheten Isaias heißt es, daß die Verdammten vor wüthendem Hunger ihr eigenes Fleisch verzehren.

„Ein Jeder wird das Fleisch seines Armes fressen“ (Is. 9, 20).

Wie viel mehr noch werden sie einander anfallen, um einander zu zerreißen und aufzufressen! O erschreckliche Worte! Was wird dies für ein grausames Schauspiel sein, wenn die Verdammten so übereinander herfallen, und einander wie rasende Wölfe mit den Zähnen zerreißen, ja ihr eigenes Fleisch vor unsinnigem Hunger fressen werden, und dennoch hiemit den Hunger nicht im Geringsten stillen können! O höllischer Hunger! o giftiger und grimmiger Hunger!

O ihr Elenden! was habt ihr gethan! In was für eine ewiges unerträgliches Leid habt ihr euch gesteckt! Hättet ihr hier ein wenig Buße gethan, und euch abgebrochen, so hättet ihr diesem ewigen Hunger entgehen können. Weil ihr euch aber allezeit voll fressen wolltet, darum müßt ihr nun leiden, was euch Christus längst vorgesagt hat: „Wehe euch, die ihr ersättiget seid, denn ihr werdet Hunger leiden.“ Ein jeder Christ wolle sich hieran spiegeln, und durch Anderer Schaden klug werden. Ein Jeder gedenke, es sei ja tausendmal besser, allhier sich ein wenig abbrechen, als hernach in alle Ewigkeit Mangel leiden zu müssen.

Insbesonders aber sollen dies Jene wohl beherzigen, welche die gebotenen Fasttage so liederlich brechen, und so muthwilliger Weise an denselben Fleisch essen, da sie doch wissen, daß sie ein ausdrückliches Gebot der Kirche übertreten und so eine ausdrückliche Todsünde begehen, und sich so muthwillig auf ewig verdammen. Denn wenn Einer an einem gebotenen Fasttage ohne große Noth nur ein Stücklein Fleisch äße und stürbe, ehe er diese Sünde gebeichtet, und wahrhaft bereut hätte, der führe sogleich hinab in die Hölle, und müßte dort wegen des einzigen Fleischessens ewigen Hunger leiden. Ist dies nicht die größte Thorheit, um ein Stücklein Fleisch sich ewig verdammen? Ist dies nicht die größte Vermessenheit, um einer so geringen Lust willen sich in die Gefahr der Verdammniß begeben? O verstockter Sünder, wo denkst du hin? O vermessener Bösewicht, was thust du? Achtest du denn den ewigen Hunger für Nichts? Ach gehe doch in dich, und beherzige, was du thust! Ach sei doch nicht so vermessen, und schone deiner armen Seele!

Auch werden alle jene Unbarmherzigen diese Pein leiden müssen, welche ihren armen Mitmenschen in ihrer Noth nicht beistehen und ihnen den Hunger nicht stillen wollen. Christus wird ja ausdrücklich zu den Verdammten sagen:

„Siehe, ich bin hungrig gewesen, und ihr habet mich nicht gespeist.“

Christus sieht jene Hartherzigkeit so an, als ob sie ihm erwiesen worden.

Neben dem Hunger leiden auch die armen Verdammten solchen bitteren Durst, der nicht mit Worten auszusprechen, noch mit Gedanken zu fassen ist. Wie sehr der Durst einen plage, wissen alle Menschen; denn es ist ein solches Uebel, das nicht zu erdulden ist. Vor großem Durste trinkt man das stinkendste Wasser, und wer weiß, was für abscheuliche Dinge sonst noch. Kann man aber gar Nicht zu trinken bekommen, so verdorrt man ganz und muß eines langsamen erbärmlichen Todes sterben. Ach was für einen brennenden Durst müssen dann diese Elenden leiden? Ach, wie muß ihnen der Mund und Schlund, ja das ganze Eingeweide ganz und gar ausgedorrt sein! O welch ein bitterer Durst! gegen welchen aller unser Durst eine Erquickung zu sein scheint. Gedenke, o Mensch! was für eine Marter dies sei, nicht nur ein Jahr, sondern ewige Jahre solchen heißesten Durst leiden, und doch nimmer ein einziges Tröpflein Wasser bekommen.

Die Verdammten haben nicht allein einen solchen Durst wie wir Menschen haben, sondern sie haben solchen bittern, giftigen und grausamen Durst, daß, wenn ein Mensch denselben nur eine Viertelstunde lang leiden sollte, so müßte er vor Bitterkeit verschmachten, und des gähen Todes sterben. Ihre Zungen und Schlünde sind immerdar mit solcher Bitterkeit angefüllt, daß weder Galle noch Wermuth mit derselben zu vergleichen ist. Ihr Eingeweide und Magen ist so entzündet, als wenn sie ein Malter Salz auf einmal gegessen hätten. Ihr Mark und Gebein ist ganz und gar ausgedorret von dem hitzigsten höllischen Feuer, worin sie Tag und Nacht, immer und ewig brennen.

In solcher unglaublichen Hitze immerdar liegen, und dennoch nimmermehr einen Trunk Wasser bekommen, ach Gott! was für ein Durst muß das sein! Wie ist es möglich, daß sie es ausstehen können? Ach! sie können es nicht ausstehen, und müssen es doch ausstehen. Es ist über alle ihre Kräfte, und sie müssen es doch ertragen. O wohl ein schmerzlicher Durst! den alle Menschen nicht ertragen können. Ach! ein einziges Tröpfchen Wasser hielten sie schon für eine große Erquickung, wie wir das vom reichen Prasser wissen. Denn dieser rief ja zu Abraham:

„Vater Abraham! sende doch den Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers in das Wasser tauche, und meine Zunge abkühle; denn ich werde schrecklich gepeiniget in dieser Flamme.“

Siehe jener reiche Prasser, der in der Welt alle Tage köstliche Mahlzeiten hielt, und den besten Wein trank und so recht seinem Bauche zu dienen gewohnt war, wäre jetzt froh, wenn er nur ein Tröpfchen Wasser hätte. Aber ach! die elenden Seelen bitten und beten, schreien und rufen von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, und werden doch nicht erhört, und in Ewigkeit kein Tröpflein Wasser bekommen. Daraus ist abzunehmen, wie Gott ein unendlich strenger Gott sein müsse, welcher den Verworfenen in ihrem allerbittersten Durst in alle Ewigkeit nicht ein einziges Tröpflein Wasser geben, sondern sie in ihrem größten Durst will verschmachten und verkümmern lassen.

O mein Gott! ist es denn möglich, daß du so streng bist? Bist du denn so unerbittlich, daß du einem so hoch Bedürftigen ein Tröpflein Wasser versagst? Daß du es ihm nicht gewährest, was kann ich Anderes daraus schließen, als daß dein Haß wider alle Sünder unendlich sei, weil du ihnen auch nicht die geringste Gunst und Erquickung erweisen, sondern sie in alle Ewigkeit auf das Grausamste peinigen willst.

Nun aber peiniget Gott die Verdammten nicht allein mit dem allergrößten Hunger und Durst, sondern – o Grausen – anstatt der Speise und des Trankes wird ihnen Drachengalle und Natterngift, und was sonst noch den Geschmack peinigen kann, dargereicht.

„Drachengalle ist ihr Wein, und unheilbares Natterngift“ (Mos. 32, 33).

O welch ein bitterer Trank! O Drachengalle! O Natterngift! Der Psalmist sagt:

„Feuer und Schwefel ist der Antheil ihres Bechers“ (Ps. 10, 7).

Das also ist seine Labung, Feuer und Schwefel. Dies will auch der hl. Johannes andeuten, da er in seiner Offenbarung spricht:

„Wer das Thier anbetet, der wird trinken von dem Weine des Zornes Gottes, der stark gemischt ist im Kelche seines Zornes, und wird gepeinigt werden mit Feuer und Schwefel; und der Rauch ihrer Qualen wird aufsteigen in Ewigkeit“ (Off. 14, 10).

Bedenke, o christliche Seele! was für ein Grausen dies sein müsse, wenn Einem solche Speise und solcher Trank vorgesetzt werde, und man dies auch zu sich nehmen müßte. Daß dies aber bei den Verdammten stattfindet, siehst du aus obigen Schriftstellen. Auch geht dies aus verschiedenen Offenbarungen hervor, wie aus folgendem Beispiele klar abzunehmen ist.

In einer großen Stadt war ein Richter dem Weine und Saufen sehr zugethan, dessen fromme Frau täglich um Bekehrung ihres Mannes Gott bat, und zu diesem Ende viel Almosen gab. Als dieser einmal in der Nacht ganz trunken über einen Kirchhof heim ging, und sich an ein steinernes Kreuz stieß und dann Gott und seine Mutter gewaltig lästerte, erschien ihm ein erschrecklicher Geist, welcher auf ihn zuging. Da sprach der Trunkene: „Wer bist du?“ Der Geist sprach: „Wer ich bin, der wirst du bald werden.“ Der Trunkene unwissend, was er rede, sprach: „Du seist, wer du wollest, gehe mit mir, ich lade dich zu Gast.“ Der Geist sprach: „Gehe hin, ich will gleich folgen.“ Als er nach Hause gekommen, und seinen Rausch ein wenig ausgeschlafen hatte, und dieser Sache besser nachdachte, sprach er zu seiner Frau: „Ich habe Einen zu Gast geladen, den soll man nicht herein lassen. Versperret Thüren und Fenster, und haltet fleißig Wache, daß er nicht hereinkomme.“

Als er nach langer Weile sich mit den Seinigen zu Tische gesetzt, siehe, da kam der geladene Gast, und schlug auf die Thüre mit solcher Gewalt, daß das ganze Haus erzitterte, und alle Thüren von selbst aufgingen. Da lief Alles, was laufen konnte, davon, und ließ den Mann im Stich. Der Geist aber ergriff ihn bei einem Arm, und sprach: „Siehe, hier bin ich, den du geladen hast; ich will mit dir zu Nacht essen.“ Der Richter aber war so erschrocken, daß er Nichts sagen konnte. Da sprach der Geist:“Du hast mich geladen, traktire (Anm.: bediene) mich, oder es geht dir übel.“ Weil er aber nicht antwortete, sprach der Geist zum Drittenmale: „Weil du mich geladen, aber nicht traktirt hast, so lade ich dich zu Gast, und will dich traktiren. Nach drei Tagen will ich kommen, und dich mit mir nehmen.“

Da verschwand der Geist, und hinterließ den Richter sammt den Seinigen in großem Schrecken. Den andern Tag legte er eine gründliche Beicht ab, und bereitete sich zum Abscheiden. Den dritten Tag kam der Geist, führte ihn mit sich fort und stellte ihn vor die Pforte der Hölle, und sprach: „Siehe, hier ist mein Abendmahl; gehe nun mit mir hinein; und trink von den Speisen, so aufgesetzt sind.“ Als er seine Augen aufhob, sah er viele Fresser und Säufer an einem großen, eisernen, glühenden Tische sitzen, auf welchem unterschiedliche Schüsseln angefüllt mit geschmolzenem Pech, Blei und Schwefel, Schlangen, Kröten und giftigem Ungeziefer standen. Hier sah er, wie die Teufel diesen Gästen die Kröten und Schlangen in den Mund stießen, und große Becher mit geschmolzenem Erz, Gift, Galle, Schwefel und Pech in den Hals gossen, wovon sie so gewaltig brannten, daß ihnen die Flammen zu Maul und Nase, Ohren und Augen herausschlugen, und sie von dem Gifte gewaltig aufliefen. Als er diesem Elende mit unaussprechlichem Schrecken lange zugesehen, sprach der Geist: „Was verweilst du lange? Hier mußt du hinein, und weil du auch ein solcher Säufer bist, wie ich und diese gewesen sind, so sollst du auch mit uns in alle Ewigkeit an diesem feurigen Tische zechen.“

Als sich der Richter mit Gewalt weigerte, und der Geist ihn mit Gewalt hinein ziehen wollte, schrie er vor Angst zu Gott um Hilfe, und kam in einem Augenblicke wieder zu sich. Er war aber ganz grau geworden und zitternd, wie ein hundertjähriger Mann. Dies Gesicht erschrickte ihn so sehr, daß er sein Leben besserte, und all sein Lebtag unter vielen bittern Thränen schwere Buße that.

Wollte Gott, daß allen Fressern und Säufern solche Erscheinung widerführe, so würden sie gewiß von ihrem Fressen und Saufen bald ablassen. Beherzige, o armer Sünder! was für eine schreckliche Pein Jene einst zu leiden haben, die jetzt in Fraß und Völlerei dahinleben und trotz allem Zureden und allen Ermahnungen sich nicht bessern wollen! O Pein über alle Peinen! O Marter über alle Marter! Es kann´s ja Niemand ohne Schrecken gedenken, wie will es denn Einer ausstehen können? Ach, ach! was für eine Pein muß das sein! Ach, ach! was für eine Qual! O wehe der Noth!

O Gott! wie bist du so streng! O Gott! wie strafest du so hart! O ihr verstockten Sünder, die ihr dem Saufen so sehr zugethan seid! beherziget doch, was euch für ein Trank zubereitet sei. Ach bedenket doch, was für grimmigen Durst ihr ewig werdet leiden müssen! Wenn ihr jetzt nicht einen halben Tag Durst leiden könnt, wie werdet ihr denn dort in alle Ewigkeit solchen unaussprechlichen Durst leiden können? Ach bedenkt doch dies in eurem Herzen, und lasset ab von eurem überflüssigen Trinken. Meidet doch das schändliche Laster der Trunkenheit, durch welches ihr euch unfehlbar in die Verdammniß stürzet. Denn der heilige Paulus sagt es euch ausdrücklich, daß ihr verdammt werdet, wenn ihr euch nicht von Herzen bekehrt, indem er spricht:

„Die Vollsäufer werden das Reich Gottes nicht besitzen“ (1. Kor. 6, 10).

Sehet hier habt ihr euer Urtheil, welches schon über euch gesprochen ist. Wenn ihr nun so fortfahrt, so wisset ihr schon voraus, wo ihr hinkommen werdet.

O mein Gott! mit deiner Gnade sehe ich jetzt ein, wohin mich die Unmäßigkeit im Essen und Trinken bringen würde. Wer sollte da nicht den Geschmack bezähmen und abtödten? Ich bereue alle Sünden, die ich in meinem ganzen Leben durch irgend eine Unmäßigkeit oder zu große Begierlichkeit und Sinnlichkeit beim Essen und Trinken begangen habe. Besonders bereue ich auch jede Versündigung gegen das heilige Gebot der Fasten und nehme mir jetzt ernstlich vor, es künftig recht pünktlich zu halten. Verleihe mir deine Gnade, o Herr! auf daß ich alles Dieses treu halten, und daß ich auch in Speise und Trank nicht meine Lust befriedige, sondern nur deinen Willen thue, und nur die Erhaltung meines Lebens und der nöthigen Kräfte zu deiner Ehre dabei vor Augen habe. Segne auch, so oft ich Etwas zu mir nehme, Speise und Trank, damit sie mir nicht schaden und nicht meine Sinnlichkeit stärken und so zur Sünde mich reizen mögen. Um diese Gnade bitte ich dich jetzt und nehme mir vor, auch allezeit vor und nach dem Essen um diese Gnade zu bitten. So will ich abgetödtet und mäßig leben hier auf Erden, damit ich dereinst im Himmel die ewige Süßigkeit genießen möge. Amen.