ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

5.5.2013

18B18C7

Von den Peinen des Geruches, des Gesichtes und des Gehöres

S. 134-141

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der Hölle.

VII. Kapitel.

Von den Peinen des Geruches, des Gesichtes und des Gehöres

Nachdem du nun weißt, auf welche schreckliche Weise die Verdammten an dem Gefühle durch Feuer und Würmer, und an dem Geschmacke durch Hunger und Durst gepeinigt werden, so will ich dir nun auch die Peinen erklären, die sie an den andern drei Sinnen, nämlich an dem Geruche, dem Gesichte und dem Gehöre zu leiden haben werden.

Damit in der Hölle Nichts mangle, was die elenden Verdammten peinigen könne, so hat der erzürnte Gott diesen abscheulichen Kerker mit furchtbarem Gestanke angefüllt, um sie zu strafen für die Sünden, die sie in ihrem Leben durch den Geruch begangen haben. Dies hat Isaias längst vorher geweissagt, indem er spricht: „Es wird anstatt des lieblichen Geruches Moder sein“ (Is. 3). Wie abscheulich aber dieser höllische Modergeruch sei, ist nicht möglich zu erklären, weil es alle menschliche Erfahrung übersteigt. Schon ein todtes Pferd oder sonst ein faules Aas verursacht solchen Gestank, daß Niemand in der Nähe vorbeigehen kann; wenn nun aber dieser Aeser hundert oder tausend beieinander lägen, so würden sie gewiß weit und breit die ganze Luft verpesten, so daß die Menschen niederfallen und sterben würden. Aber dieser Gestank wäre doch nur ein schwacher Schatten gegen jenen pestilenzialischen Geruch in der Hölle.

Dieser höllische Gestank kommt erstlich von dem Orte selbst her, welcher von Natur der abscheulichste Ort ist, der sich denken läßt. Willst du dir diesen stinkenden Ort einigermaßen vorstellen, so denke dir ein unterirdisches Gefängnis, welches von allen Seiten fest verschlossen ist, so daß in Ewigkeit keine frische Luft hineinkomme, und in welchem die stinkendsten Dinge, wie Pech und Schwefel, immerdar brennen und in welchem Millionen Aeser sieden und braten und so den allerekelhaftesten Gestank ausdünsten. Der Prophet Isaias sagt hierüber:

„Da wandeln sich seine Bäche in Pech, und sein Boden in Schwefel, und wird seine Erde brennend Pech. Nacht und Tag erlöscht es nicht, ewig steigt sein Rauch empor“ (Is. 34, 9).

Und in der Offenbarung des hl. Johannes heißt es:

„Den Verzagten aber, den Ungläubigen, den Boshaften, den Mördern, den Unzüchtigen, den Zauberern, den Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Antheil werden im Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“ (Off. 34, 8).

O Gott! was für ein Gestank muß das sein, wenn in der Hölle ewig aufsteigt der Geruch von Pech und Schwefel.

Ferners kommt dieser höllische Gestank von den Leibern der Verstorbenen her. Sie sind ja lauter Moder und Verwesung, voll der abscheulichsten Würmer und Ungeziefer, wie ich das an einer andern Stelle schon erklärt habe. Sie hauchen immerdar den giftigsten Modergeruch aus. Wenn ein Mensch einen stinkenden Athem hat, so mag Niemand viel mit ihm reden, noch nahe zu ihm hintreten, weil er den Geruch nicht ertragen kann. Was für ein Elend muß nun wohl in der Hölle sein, da von so vielen Millionen Verdammten ein unaussprechlich ekelhafter Geruch ausgehaucht wird. Dazu kommt noch, daß Alle dicht auf einander liegen und Keiner dem Andern ausweichen kann. Nun aber haben die Verdammten nicht bloß einen giftigen Athem, sondern ihre Leiber stinken auch so gewaltig, daß kein Todtenaas damit verglichen werden kann.

„Von ihren Leibern steigt Gestank auf“, sagt der Prophet Jesaias 34, 3.

Ein schreckliches Beispiel hievon wird in den Jahrbüchern der Kapuziner von einem Manne, der eine Sünde in der Beicht verschwiegen hatte, erzählt. Als derselbe nämlich in eine schwere Krankheit fiel, und man ihn ernstlich ermahnte, seine Sünden aufrichtig zu beichten, da ließ er einen Ordensgeistlichen holen und sprach zu diesem: Mein Vater! du sagst, ich solle meine Sünden beichten; aber das kann ich nicht thun. Nachdem ihn nun Jener um die Ursache fragte, gab der Kranke zur Antwort: Weil ich schon verdammt bin, da ich niemals meine Sünden vollständig gebeichtet habe und mir deßhalb Gott jetzt die Gnade dazu nicht mehr gibt. Nachdem er dies gesagt hatte, fing er fürchterlich zu heulen an und zerbiß sich die Zunge, indem er ausrief: Verfluchte Zunge, die du die Sünden nicht hast beichten wollen, da du noch konntest. Unter solchem Geheul gab er seinen unglückseligen Geist auf. Sobald er gestorben, wurde er ganz kohlenschwarz und man hörte ein schreckliches Geräusch, als ob Alles zusammenfiele, und dabei entstand ein unausstehlicher Gestank im ganzen Hause.

Ich will dir hier noch ein Beispiel dieser Art erzählen.

Als in England noch der katholische Glaube herrschte, lebte dort die Tochter des Königs Augubert, welche sehr schön war. Sie lebte sehr fromm und hatte sogar das Gelübde abgelegt, in beständiger Keuschheit zu leben. Sie zog sich in die Einsamkeit zurück und begann ein heiliges Leben mit Gebet, Fasten und Bußübungen aller Art. Sie erkrankte dann und starb. In der Nacht nun erschien sie ihrer frühern Erzieherin als diese im Gebete war in Gestalt einer Frauensperson, die ganz mit Feuer umgeben war und mit großem Geräusch und von vielen Teufeln gehalten. Sie sprach dann zu der Betenden: Ich bin die unglückselige Tochter Auguberts. Wie ist denn das möglich, fragte die Erzieherin, daß du nach einem so heiligmäßigen Leben solltest zur Hölle verdammt worden sein? Der Geist aber antwortete: Ich bin aus eigener Schuld mit vollem Rechte verdammt worden. Denn als ich noch ein junges Mädchen war, habe ich mit einem Jünglinge Gott schwer beleidigt, und diese Sünde aber nicht gebeichtet. Ich fing an, Buße zu thun und Almosen zu geben, damit mir Gott jene Sünde vergeben möchte, ohne daß ich sie zu beichten brauchte. So starb ich in der Sünde und bin nun ewig verdammt. Nachdem sie dies gesagt hatte, verschwand sie unter so schrecklichem Geräusche, daß man meinte, die ganze Welt ginge zu Grunde. Auch ließ sie im Zimmer einen furchtbaren Gestank zurück, der mehrere Tage fortdauerte.

Wenn tausend todte Leiber voll Würmer und Eiter zusammenlägen, so würden sie doch bei Weitem nicht so stinken, wie der Leib eines einzigen Verdammten. Daher sagt der hl. Bonaventura:

„Wenn ein verdammter Leib aus der Hölle auf diese Erde ausgeworfen würde, so würde er die ganze Luft so vergiften, daß Menschen und Thiere wegen dieses pestilenzialischen Gestankes todt niederfallen würden.“

Thut nun dies ein einziger verdammter Leib, o Gott! was werden dann nicht so viele hunderttausend Millionen verdammter Leiber thun, welche in dem höllischen Pfuhl dicht zusammen liegen. (Anmerkung ETIKA: Wir schätzen, dass es sich nur um Tausende Millionen handelt, also etliche Milliarden.)

Von dem Tyrannen Maxentius lesen wir, daß er die Leute, um sie zu martern, lebendig auf todte Leiber binden ließ, und zwar Mund auf Mund, Bauch auf Bauch u. s. w., und sie auf diese Weise so lange auf einander liegen ließ, bis der Lebendige durch den Eiter, Gestank und Gräuel des Todten verschmachten mußte.

Das war gewiß eine so grausame und schaudervolle Marter, daß Niemand ohne Entsetzen daran denken kann. Viel ärger wird es aber noch in der Hölle sein, wo ein stinkendes Aas auf dem andern liegt. „Wie Schafe liegen sie in der Hölle“ (Ps. 48, 15). Wie die Schafe zur Winterszeit, so werden die Verdammten haufenweise über einander liegen. Ja, sie werden wie Trauben sein, die unter der Kelter des Zornes Gottes gepreßt werden. „Er tritt die Kelter, woraus Gott den Wein seines grimmigen Zornes schöpft“ (Off. 19, 15). So liegen sie da unbeweglich wie die hl. Schrift sagt:

„Sie sollen unbeweglich sein, wie Stein“ (2. Mose. 15, 16).

Ja, so wie die Verdammten am jüngsten Tage hinabstürzen in den Abgrund der Hölle, so werden sie in Ewigkeit liegen bleiben, ohne auch nur ein Glied bewegen zu können. (Anmerkung ETIKA: Diese Ansicht widerspricht der unseren, wie wir sie in unserem Roman „Jedem nach seinen Taten“ vertreten, wie auch den Schilderungen Dantes und vieler Anderer.)

Auch der Umstand vergrößert noch den höllischen Gestank, daß die faulen Leiber immerdar im Feuer brennen und braten und dadurch den schrecklichsten Dunst von sich geben. Wie schrecklich diese Ausdünstung sei, kann man daran abnehmen, wenn man bedenkt, wie es stinkt, wenn man ein faules Fleisch braten wollte; kein Mensch würde da aushalten können. So und noch viel ärger dünsten die Leiber in der Hölle aus ewig fort und es sind ihrer Millionen und abermal Millionen. O Gott! o Gott! was für eine Pein wird das sein!

So abscheulich nun aber dieser Geruch des höllischen Schwefelfeuers und der verdammten Leiber ist, so wird er doch noch übertroffen von den stinkenden Teufeln, von denen die Hölle voll ist, und welche von Natur weit ärger stinken, als die Leiber der Verdammten. Es haben die Teufel zwar keine Leiber, aber dennoch werden sie nach dem jüngsten Tage eine Art Leiber haben, wie sie ja auch solche annehmen, wenn sie einem Menschen erscheinen, wie dies ja schon sehr oft geschehen ist. Diese Leiber werden alsdann so schrecklich stinken, daß ein einziger teuflischer Leib genug wäre, die ganze Hölle zu verpesten. Wenn so ein Teufel einem Menschen zuweilen erscheint, so läßt er gemeiniglich einen solchen übeln Geruch zurück, daß derselbe Mensch ohnmächtig zu Boden fallen muß.

So lesen wir vom hl. Martinus, daß, als ihm einmal ein Teufel in schöner Gestalt erschienen, und von ihm erkannt und zu Schanden gemacht worden war, derselbe einen solchen Gestank zurückgelassen habe, daß der hl. Martinus glaubte, er wäre schon in der Hölle, und bei sich selbst sprach:

„Wenn ein einziger Teufel schon so stinket, was für ein Gestank wird dann in der Hölle sein, wo so viele tausend Teufel beisammen sind“ (Sulpit. in vita S. Mart.).

Wenn aber die leidigen Teufel auf Erden aus Zulassung Gottes solchen unerträglichen Gestank machen, ach, was werden sie dann erst in der Hölle thun, wo sie allen Muthwillen an den Verdammten ausüben werden!

Zu allem Diesem kommt noch hinzu der furchtbare Gestank der Maden, deren die Hölle voll ist, wie der hl. Augustinus ausführlich beweist (De civit. Dei l. 20) und die von Natur ganz abscheulich riechen. Solche wachsen in den verdammten Leibern selbst und kriechen aus allen Gliedern ihres Leibes heraus.

Da wir Menschen auf Erden den Gestank so gewaltig scheuen und sogar nicht leiden können, weil der Geruchssinn der allersubtilste ist, wie schreckliche Pein wird er dann den Verdammten bereiten! Wir wissen, daß ein heftiger, böser Dunst die ganze menschliche Natur angreift, und den Menschen ganz kraftlos und ohnmächtig macht, weßhalb wir viel lieber einen ganzen Tag Hunger und Durst, Hitze und Kälte, Krankheit und Schmerzen ausstehen, als eine kurze Zeit lang einen garstigen Geruch leiden wollen.

Nun kommen in der Hölle aber alle Dinge zusammen, welche den abscheulichsten Gestank verursachen.

·       Die Hölle stinkt selbst an sich auf unerträgliche Weise;

·       das höllische Feuer stinkt von Pech und Schwefel;

·       die Leiber der Verdammten geben den pestilenzialischsten Geruch von sich;

·       die höllischen Würmer stinken fürchterlich;

·       am schrecklichsten aber noch die leidigen Teufel.

Wo nun so viele stinkende Dinge zusammen kommen und von jedem ohne Unterlaß ein abscheulicher Dunst und garstiger Rauch ausströmt, ach Gott! was für ein grausamer, giftiger und erstickender Gestank muß das sein. Diesen müssen die Verdammten nun aber in alle Ewigkeit leiden. Das mögen alle jene delikaten Menschen beherzigen, welche ihren Leib so vergöttern und beständig mit allerlei wohlriechenden Wassern und köstlichen Salben bestreichen und verzärteln, und die Armen, Kranken und Preßhaften, die nicht grade angenehm riechen, daßhalb verachten und scheuen.

„An jenem Tage wird der Herr wegnehmen die Riechfläschchen, und statt der Wohlgerüche wird es Gestank geben“ (Joh 3, 18. 24).

Damit du aber noch klarer erkennst, daß es wahr sei, was ich dir von der Größe des höllischen Gestankes gemeldet habe, so will ich dir zum Beweise eine denkwürdige Geschichte erzählen, welche ein glaubwürdiger Schriftsteller (Mendoza Serm 5. in Dom. Quadrag.) aufgezeichnet hat.

Einem Ordensmann erschien einmal ein verstorbener Bekannter, und sagte ihm, er sei ewig verdammt. Der Ordensmann erschrack hierüber sehr und fragte ihn dann unter Anderm auch, welches die größte Pein in der Hölle sei. Der Geist sprach, sie seien alle so groß, daß er nicht wüßte, welches die größte sei. Der Ordensmann sprach darauf: „Ich möchte doch etwas Weniges erfahren von der geringsten Pein, damit ich mir die höllischen Peinen desto besser vorstellen könnte“. Der Geist fragte ihn nun, an welchem Sinne er selbe denn erfahren wolle. Nach einigem Nachdenken antwortete der Ordensmann: „Ich möchte wohl Etwas am Geruche erfahren, weil ich diesen weniger als die übrigen Sinne achte“. Darauf machte der Geist das Kleid, mit dem er umhüllt war, vorne auf, und ließ die bloße Brust sehen, aus welcher ein so schrecklicher Gestank hervorkam, daß der Ordensmann sogleich ohnmächtig zu Boden fiel. Dieser Gestank erfüllte das Kloster so, daß Niemand mehr dort wohnen konnte, weßhalb man es gänzlich verlassen mußte.

O wie schrecklich muß es da erst in der Hölle sein! O wehe den verdammten Sündern, die diesen Gestank, die diesen Gestank in alle Ewigkeit werden ausstehen müssen! O Gott bewahre mich doch vor solchem Leid! darum bitte ich dich durch deine unendliche Barmherzigkeit. Amen.

Nebst den schrecklichen Peinen des Geruches werden die Verdammten auch an dem Gesichtssinne unsäglich gepeinigt. Dies geschieht wegen der vielen sündhaften Blicke, mit denen sie Gott auf gar vielerlei Weise beleidigt und erzürnt haben. Denn mit den Augen begehen die Menschen viele schwere Sünden auf die leichtfertigste Weise. Sie gestatten den Augen gar viele Freiheit, hin und her zu schweifen; und es gibt auch für keine andere Sünde so viel Gelegenheit, als für die Sünden mit den Augen.

Ueberall, wo man geht und steht, zu Hause, auf der Straße, ja selbst im Hause Gottes gibt es zu sündhaftem Anschauen allerlei Gelegenheit. Die Augen sind aber die Fenster, durch welche die Sünden in das Herz einsteigen.

„Der Tod ist durch unsere Fenster gestiegen“ (Jerem. 9, 21).

Denn es herrscht eine sehr nahe Verbindung zwischen dem Herzen und den Augen, und darum entsteht aus dem Anschauen einer Sache im Herzen das –Wohlgefallen daran, und daraus dann das Verlangen und die Begierde darnach.

Als Eva die schönen Aepfel an dem verbotenen Baume anschaute, da entstand in ihrem Herzen alsbald das Wohlgefallen daran, und darauf folgte die Lust davon zu genießen, und so gerieth sie in die Sünde.

„Wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde.“ (Jak. 1, 15).

So ging es auch bei David. Da er unvorsichtiger Weise seine Augen auf die Bethsabee (oder Bethsabec, unleserlich, in der Einheitsübersetzung Batseba) warf, da gefiel sie ihm und darauf folgte die böse Begierde, die ihn zu dem gräßlichen Ehebruche brachte.

Samson gerieth durch den Anblick der Delila in die größte Schmach und verlor zuletzt sein Leben auf eine schreckliche Weise.

Salomon, der so weise war, gerieth durch das Anschauen fremder Weiber in allerlei Sünden und zuletzt in Abgötterei.

So versündigten sich gar Viele durch sündhaftes Anschauen ihres eigenen Leibes, und besonders auch durch den Anblick der Personen andern Geschlechtes; auch durch Vorwitz, mit dem sie allerlei unzüchtige Bilder, Gemälde und Vorstellungen anschauen, Bücher lesen, welche zur Sinnlichkeit anreizen (Anmerkung: Mindestens 90 Prozent der in öffentlichen Bibliotheken angebotenen modernen Kriminalromane enthalten nach unserer Erfahrung obszöne Stellen), oder weltlichen Schauspielen beiwohnen, die allerlei sündhafte Gedanken und Begierden im Herzen erwecken. Für alle diese Sünden gibt es in der Hölle schreckliche Peinen, welche die Verdammten an ihren Augen leiden müssen.

Hier sollen auch Diejenigen, welche Andern zu sündhaften Blicken Gelegenheit geben, merken, daß sie dieselben Peinen werden auszustehen haben. Dazu gehören ganz besonders Diejenigen, welche sich deßwegen frech aufputzen und ausstaffiren, damit sie den Personen des andern Geschlechtes gefallen möchten, oder die sich nicht ganz bedeckt kleiden und zu kurze Kleider tragen. Das sind lauter Dinge, in denen man so leichtfertig ist, für die Solche aber schwer werden büßen müssen.

Die erste Pein für die Augen ist die schreckliche höllische Finsterniß. Was für eine große Pein aber dies sei, kann sich kein Mensch genug erklären, noch vorstellen. Denke dir nur, welche Pein es für dich sein würde, wenn du zehn oder zwanzig oder noch mehr Jahre in einer finsteren Höhle sitzen müßtest, wo du niemals einen einzigen Lichtstrahl zu sehen bekämest. Eine so schreckliche Höhle kann es aber auf Erden nicht geben, wie der höllische Abgrund ist. Job nennt sie ja das Land, welches von Todesschatten bedeckt ist, und worin nur ewiger Schauer wohnt. Dort werden die Verdammten in Ewigkeit keinen einzigen wohlthuenden Lichtstrahl zu sehen bekommen.

„Er wird in Ewigkeit das Licht nicht sehen“ (Ps. 48, 29).

Ach, wie sehr bedauert man einen blinden Menschen, der Nichts sehen kann! Die Verdammten sind aber mit ewiger Blindheit geschlagen, weil sie ihre Augen zur Sünde mißbraucht haben, und darum nicht werth sind, daß das Licht ihnen leuchte.

Zweitens verursacht das höllische Schwefelfeuer und der Rauch und Dunst, der immerdar aufsteigt, an den Augen furchtbare Peinen, Du weißt wie zart das menschliche Auge ist, und daß man gar Nichts daran leiden kann. Wie wehe thut es Einem schon, wenn nur ein wenig Rauch im Zimmer ist, oder wenn Einem der Dampf von nur einem Schwefelhölzchen ins Auge kommt. O, wie reibt man da an den Augen und wie jammert man! Da kann man nicht einmal die sonst so angenehme Helle ertragen. Aber ach! und abermal ach! in der Hölle sind die Augen nicht bloß entzündet, sondern das höllische Feuer macht sie ganz glühend, und es schlagen die Flammen aus denselben heraus und die Thränen, die heraus fließen, sind wie geschmolzenes Erz. Dazu müssen sie allezeit die dunkeln Gluten und die Flammen schauen, welche so gewaltig an die Wände anschlagen, daß dieselben ganz glühend funkeln. So werden die Augen gepeinigt, aus denen so oft das Feuer der Wollust herausgeleuchtet hat.

Drittens verursacht der Anblick der andern Verdammten den elenden Sündern namenlose Peinen in der Hölle. Vielleicht finden sie Diejenigen dort wieder, die sie mit so wollüstigen Augen angeschaut und an derem Anblicke sie sich so oft belustigt haben. Da werden sie dieselben aber ganz anders antreffen. Da wird das einst im Leben so reizende und so entzückend lächelnde Auge ganz anders dreinschauen; da wird der sonst so schöne Hals, die prächtigen Arme, die im Leben so üppig geschmückte Brust nicht mehr so reizend sein, sondern alles Dies wird fürchterlich anzuschauen zu sein. Das höllische Feuer wird nur so viel leuchten als nöthig ist, alle die Schreckensgestalten zu sehen. Hierüber werde ich noch mehr sagen, wenn ich die höllische Gesellschaft erklären werde.

Der Anblick der Teufel wird für die Verdammten noch die größte Pein für die Augen sein. Sie nehmen alerlei Schreckensgestalten an, um dieselben durch ihren Anblick noch mehr zu erschrecken und zu quälen. So werden die elenden Sünder für ihre wollüstigen Blicke ewig gepeinigt. Bedenke dies, o Sünder! o Sünderin! und lege deinen Leichtsinn ab, mit welchem du allerlei verbotene und unreine Dinge anschauest! Wäre es denn nicht besser für dich, daß du jetzt die Augen ein wenig im Zaume hieltest, als daß du sie so umherschweifen läßest und dann in der Ewigkeit so furchtbar gepeinigt wirst? Folge dem göttlichen Heiland, der dich ermahnt:

„Wenn dich dein rechtes Auge ärgert, so reiß es aus, und wirf es von dir!“ (Math. 5, 29).

Das will aber so viel sagen: Was dir zur Sünde dient, dich zur Sünde anreizt, das entferne von dir, davon wende dein Auge weg. Schaue also Nichts, was dich zur Sünde reizen kann, mit sündhaften, vorwitzigen Augen an weder an dir, noch an Andern, oder anderswo, wo es auch immer sein mag. Bewahre deine Augen sorgfältig, damit nicht der Teufel durch sie in dein Herz hineinsteige und dir den ewigen Tod bereite. Bete mit David:

„Wende ab, o Herr, meine Augen, auf daß sie nicht Eitelkeit sehen“ (Ps. 118). Verleihe mir, o Herr, daß ich meine Augen mit solcher Behutsamkeit bewahre, daß sie mich niemals zum Sündigen verleiten. Amen.

Es ist nun noch ein Sinn übrig, von dessen Peinen in der Hölle ich noch einiges vorbringen will, nämlich das Gehör. Auch mit dem Gehör wird Gott vielfach und schwer beleidigt.  Dies geschieht durch freiwilliges und wohlgefälliges Anhören von unkeuschen Reden und Liedern und Schauspielen; durch Anhören von allerlei Schmeicheleien und süßer, verführerischer Worte, welche das Herz einnehmen, und Lesen solcher Bücher. Auch wer vorwitzig auf eitles Geschwätz horcht oder Reden gerne anhört, welche gegen die Ehre und den guten Namen Anderer sind, oder Spottreden gegen die Religion und sonstigen heiligen Dinge. Alle diese Dinge haben in der Hölle ihre eigene schreckliche Strafe.

Wie schrecklich diese Peinen für das Gehör sind, kannst du dir einigermaßen vorstellen, wenn du bedenkst, wie viel Schmerzen und Wehethun ein Kranker leidet, wenn er im Zimmer oder auf der Straße nur einen geringen Lärm hören muß. Wenn im Zimmer nur Jemand laut redet, oder auf der Straße ein Hund bellt, oder ein Wagen über das Pflaster vorbeifährt, so meint er schon, es müsse ihm der Kopf zerspringen. O, was wird dann erst in der Hölle zu leiden sein!

·       Da müssen die elenden Sünder unaufhörlich das Geheul und Gebrüll der Millionen verdammten Menschen und Teufel anhören, die immerfort rasen und toben.

·       Da schallen an das Ohr der Verdammten die fürchterlichsten Flüche und Gotteslästerungen der anderen Verdammten gegen Gott, gegen sich selbst und gegen Diejenigen, welche mit Schuld an ihrer Verdammniß tragen.

·       „Da wird Heulen und Zähneknirschen sein.“

·       Bedenke das, o Sünder, o Sünderin, die ihr jetzt so wohlgefällig auf die schmeichelhaften Reden der Verführer hört, die euch schön thun, um euch zu fangen! Einstens werdet ihr ihre Flüche und Verwünschungen anhören müssen, die sie auch gegen euch ausstoßen werden.

·       Da müssen die elenden Sünder hören das Prasseln der Flammen, das Zerspringen der Felsen, das Zischen der höllischen Blitze und das beständige Krachen des Donners.

Dies Alles wird ihnen immer neue und furchtbare Schrecken einflößen und würde ihnen den Kopf zersprengen und sie taub machen, wenn es möglich wäre.

„Schreckenstöne werden in seinen Ohren erschallen“ (Joh. 15, 21).

Mehreres hierüber wirst du im nächsten Kapitel vernehmen. O welche schreckliche Peinen werden das sein! Bedenke doch dies, mein frommer Christ! und befolge die Worte des hl. Geistes:

„Verzäune deine Ohren mit Dornen, und höre nicht auf eine schlimme Zunge“ (Sirach 28, 28).

Flehe zu Gott, daß er dir beistehe, künftighin dich sorgfältig zu hüten vor allen Sünden, die man mit dem Gehöre begehen kann, damit du diesen schrecklichen Strafen in der Hölle entgehen mögest, und sprich recht oft:

Verleihe mir, o Gott! die Gnade, daß ich die Pforten meiner Ohren mit Gottesfurcht und Vorsicht verzäune, damit keine ungeziemenden, schädlichen, schmeichlerischen, eitlen, ehrenrührigen und spöttischen Reden in dieselben Eingang finden, und daß ich dagegen allzeit gerne Gottes Wort und heilsame Ermahnungen und heilige Gespräche anhören möge. Amen.