ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

24.5.2013

18B18D0

Von der himmlischen Glorie

S. 195-196

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der himmlischen Glorie.

Vorrede.

Es schreibt der gottselige Dionysius, der Carthäuser (de 4. Noviss. art. 44.), daß, als der heilige Hieronymus gestorben war, er dem heiligen Augustinus, welcher ein Buch von den himmlischen Freuden schreiben wollte, erschienen sei, und zu ihm so geredet habe:

„Augustinus, was willst du thun? Glaubst du das ganze Meer in ein kleines Geschirr fassen zu können? Glaubst du die ganze Erde in deine Hände legen zu können? Willst du messen, was unermeßlich ist, und begreifen, was unbegreiflich ist? Glaube mir, du werdest viel leichter das Meer in ein kleines Geschirr, und die Erde in deine Hände fassen, als daß du auch nur den geringsten Theil der himmlischen Freuden begreifen könntest.“

Eben dies könnte mir nun auch Einer vorwerfen, und mich von der Beschreibung dieses Gegenstandes abhalten, weil nämlich Dasjenige, was ich zu beschreiben gedenke, unbegreiflich und unaussprechlich ist. Weil aber der Gegenstand, den ich bisher behandelt habe, diesen Zusatz erfordert, daß ich nämlich wenigstens Etwas von den himmlischen Freuden melde, so bitte ich, man wolle es mir nicht für ungut halten, daß ich mich unterfange, Dasjenige zu beschreiben, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herzen gekommen ist, da ich dies nicht aus Vermessenheit, sondern aus Liebe zu unserm Heile thue, damit ich nämlich Alle zu inniger Begierde nach den himmlischen Dingen entzünden möge.

Ich schreibe auch nicht, was ich aus mir erdichtet, sondern was ich in der heiligen Schrift und in den heiligen Vätern davon gefunden habe. Es soll auch Keiner meinen, als wenn Gott nicht haben wolle, daß wir wissen sollen, wie der Himmel beschaffen sei. Ohne dies einigermaßen zu wissen, könnten wir ja auch kein Verlangen darnach tragen. Gott will aber, daß wir mit höchster Begierde darnach verlangen sollen, darum hat er auch sowohl in der heiligen Schrift, als in den Büchern der heiligen Väter so viele Dinge von dem Himmel schreiben lassen, damit dadurch unser Verlangen desto mehr entzündet werden möchte. Ich hoffe auch auf die göttliche Gütigkeit, und bitte seine große Barmherzigkeit, daß sie meinen Verstand erleuchten, und mir solche Worte in den Sinn geben wolle, welche die Herzen aller Lesenden durchdringen, und in ihnen ein großes Verlangen nach der Erlangung der himmlischen Freuden erwecken werden.