ETIKA

Pater Martin von Cochem

www.etika.com

Von den vier letzten Dingen

25.5.2013

18B18D1

Von der himmlischen Glorie

S. 196-202

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der himmlischen Glorie.

I.                 Kapitel.

Von der Beschaffenheit des Himmels.

Erstlich ist zu wissen, daß der Himmel kein geistliches Ding sei, wie sich Einige einbilden (Anmerkung ETIKA: moderne Theologen, die letzten Päpste, die den zweitausend Jahre alten Glauben über Bord geworfen haben), sondern daß er ein körperliches Ding ist, das aus irgend einem Stoff gemacht ist und Form und Wesenheit hat.

Denn der Himmel ist ein Ort, worin jetzt nicht allein Gott und die englischen Geister, sondern auch der wahre Leib Christi und der wahre Leib Mariä wohnen, und worin nach dem jüngsten Tage die Leiber aller Heiligen ewiglich wohnen werden.

Wenn also der Himmel ein Ort ist, so ist er kein geistliches, sondern ein körperliches Ding; denn der Ort muß Demjenigen, der sich in demselben befindet, einigermaßen gleichförmig sein. Es werden auch die Heiligen nach dem jüngsten Tag mit ihren leiblichen Augen den Himmel anschauen, darum muß er ein körperliches Ding sein. Der Stoff und die Substanz, woraus der Himmel gemacht ist, ist nicht ganz gleichförmig dem Stoffe des Firmamentes oder der Sterne, sondern er ist unendlich edler, köstlicher und vortrefflicher. Denn weil Gott den Himmel für sich selbst und für seine auserwählten Freunde erbaut hat, darum hat er ihn auch so köstlich gemacht, daß die lieben Heiligen durch die Betrachtung seiner unendlichen Schönheit sich in alle Ewigkeit nicht genugsam ersättigen können.

Was es aber für ein Stoff sei, woraus der Himmel gemacht ist, kann weder ich erklären, noch du verstehen. Vielleicht könntest du dir einigermaßen eine Vorstellung davon machen, wenn du hörst, was die heilige Theresia von sich selbst schreibt, indem sie spricht:

„Da gab mir die Mutter Gottes ein Kleinod, und hieng mir eine schöne goldene Kette um den Hals, woran ein köstliches Kreuz hieng. Dies Gold und dieser Edelstein sind so verschieden von denjenigen, welche wir in der Welt haben, daß kein Vergleich zwischen dem einen und dem andern zu machen ist. Denn ihre Schönheit ist viel größer, als wir uns vorstellen können, da der Verstand nicht begreifen kann, aus was für einem Stoffe sie gemacht sind. Denn Alles, was wir haben, erscheint im Vergleiche damit nur wie eine Kohle.“

Hieraus kann man einigermaßen entnehmen, was für ein Stoff es sei, woraus der Himmel gemacht ist, nämlich daß er so edel sei, daß sich der menschliche Verstand dergleichen nicht einbilden kann.

Der Stoff, aus dem der Himmel erbaut ist, ist nicht allein inwendig, sondern auch auswendig gegen uns zu, seiner eigenen Natur nach so hell und glänzend, daß er nicht allein den Glanz der Sonne und aller Sterne unvergleichlicher Weise übertrifft, sondern der auswendige Glanz des Himmels ist so hell, daß aller irdische Glanz gegen denselben gleichsam eine Finsterniß ist. Daß wir aber diesen auswendigen Glanz nicht sehen können, kommt daher, weil er so weit von uns entfernt ist, und von den vielen Dünsten, welche wie eine dicke Wolke den Himmel bedecken, und dessen Glanz vor unsern Augen verdunkeln.

Es ist auch wohl zu glauben, daß der inwendige Glanz des Himmels mit allerhand Farben, als mit gelb, grün, blau, purpur, roth, weiß und mit Gold vermischt sei, was einen unaussprechlich lieblichen Anblick für die Heiligen bewirkt.

Nun bedenke bei dir, wie hell und schön der Himmel sei, wenn er allenthalben so glänzt, daß selbst die Sonne dagegen finster erscheint. Die Leiber der Heiligen geben auch einen unaussprechlichen Glanz von sich, und je heiliger Einer auf Erden gelebt hat, desto mehr glänzt er auch im Himmel. Wie groß muß dann der Glanz des Himmels sein, wenn so viele tausend Heiligen, von denen Einige, wie Sonnen, Andere wie Monde, und wieder Andere wie Sterne glänzen, darin sind! Was ist den Augen angenehmer, als das Licht? Und was erfreut das Gesicht mehr, als der Glanz der Sonne? O wie hell und schön muß der Himmel sein! O was für eine Freude werden dann die lieben Heiligen beim Anblicke eines so unaussprechlich schönen Lichtes haben! O lieber Gott! verleihe mir deine Gnade, damit ich auf Erden das Licht der Tugend liebe, und die Finsternis der bösen Werke scheue, auf daß ich dereinst ewig das himmlische Licht schauen möge.

Die Größe des Himmels anbelangend, ist zu wissen, daß sie unermeßlich, unbegreiflich, ja unglaublich sei. Daher sagt ein gelehrter Theologe, wenn Gott aus jedem Sandkörnlein eine besondere Welt erschaffen wollte, so würden gleichsam unendliche Weltkugeln sein, aber dennoch würden diese alle mit einander den Himmel noch nicht ausfüllen. Es sagt auch der heilige Bernhardus, daß wir glaubwürdig dafür halten können, daß eines jeden, auch des allergeringsten Seligen Erbschaft vom Aufgange bis zum Niedergange der Sonne sich erstrecke.

Der ganze Erdenklotz, welcher fünf tausend vier hundert Meilen groß ist, erscheint gegen den Himmel nur wie ein kleines Stäublein; ja die ganze Welt, mit Sonne, Mond und Firmament, ist gleichsam wie eine Haselnuß gegen den Himmel zu rechnen. O wie unergründlich groß muß dann der Himmel sein! O wie wohl sagt der Prophet Baruch (Kapitel 3, 24):

„O Israel, wie groß ist das Haus Gottes, und wie umfassend der Raum seines Besitzthums. Groß ist er und unbegränzt, hoch und unermessen.“

Dies ist leicht zu glauben, da man es gleichsam mit Augen sieht. Wie aber dieser große Raum des Himmels beschaffen sei, und was darauf stehe, können wir zwar eigentlich nicht wissen, aber dennoch können wir es einigermaßen denken. Denn daß dieser große Raum ganz leer sei, und daß der große Werkmeister, welcher ohne alle Mühe und Unkosten bauen kann, Nichts darauf gebauet und gepflanzt haben soll, ist wider alle Vernunft; denn wenn Fürsten und Herren in ihren Palästen und Gärten keinen Platz leer stehen lassen, sondern Alles verbauen und zieren (Anmerkung: Leider pflegen heutzutage die Regierenden Alles zu verbauen mit Industriezonen und Straßen und zu verunzieren mit moderner Architektur), wie vielmehr wird der große König des Himmels seine große himmlische Residenz ausgebaut und ausgeschmückt haben. Denn was für eine Freude hätten die Heiligen an ihren fünf Sinnen, wenn im Himmel Nichts mehr zu sehen wäre, als der große ungeheuere Raum?

Was hätten sie, außer der göttlichen Anschauung, für eine Lust, wenn sie alle auf dem leeren Raume des Himmels so bei einander stünden? Deßwegen ist wohl zu glauben, daß viele große herrliche und köstliche Wohnungen aller Art aus einem Stoffe erbaut seien, der unschätzbarer und kostbarer ist, als alles Gold, Silber und Edelsteine der Welt. Ja, es ist wohl zu glauben, sagt ein hochgelehrter Ausleger der heiligen Schrift, daß diese kostbaren Paläste und Wohnungen der Heiligen durch die wunderbare Kunst des allerhöchsten Werkmeisters nach besonderer Ordnung gesetzt seien, so daß einige niederer, andere höher; etliche schlechter, andere köstlicher sind.

Man kann sich daher die himmlische Stadt so denken, daß am höchsten Orte des Himmels, gleich als auf einem Berge, der Palast des allerhöchsten Königs Christi Jesu mit solcher Kunst und Vortrefflichkeit gebauet sei, daß er Alles an Pracht und Schönheit übertrifft. Etwas Weniges herab ist der andere Palast für die allerhöchste himmlische Königin so köstlich herrlich erbauet, wie einer solchen grossen Königin gebührt. Hernach folgen die zwölf Paläste der zwölf Apostel um diesen heiligen Berg Sion herum, wie man sich die Sache vorstellen kann, so köstlich gebauet, daß sich der ganze Himmel ob solcher Schönheit verwundern muß. Hernach folgen der Ordnung nach andere unzählige Paläste und Wohnungen, welche der himmlischen Stadt Jerusalem eine unbegreifliche Zierde mittheilen. Diese Paläste und Häuser sind erbauet worden, als Gott den Himmel erschaffen hat, und sind so lange leer gestanden, bis Christus und die Heiligen in den Himmel gekommen sind.

So kann man sich das himmlische Jerusalem denken. Denn daß es im Himmel viele Wohnungen gebe, das sagt Christus selbst:

„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen;“ und wiederum: „Machet euch Freunde von dem ungerechten Gute, auf daß sie euch aufnehmen in die ewigen Wohnungen“ (Luc. 16).

Wie köstlich aber diese himmlischen Paläste und Wohnungen seien, wer vermag dies zu erklären und auszusprechen? Wenn schon die irdischen Fürsten so herrliche Paläste für sich erbauen, daß Alles darüber staunt, wie köstlich und herrlich muß dann erst die himmlische Stadt sein, welche der allerhöchste König für sich und seine nächsten Freunde mit eigener Hand erbauet hat! Der heilige Johannes sagt in seiner Offenbarung von dieser himmlischen Stadt:

„Ein Engel zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, sie hatte die Klarheit Gottes und ihr Licht war wie ein Edelstein, wie Krystall. Sie hatte eine große, hohe Mauer von zwölf Thoren, auf den Thoren zwölf Engel; und die Mauer hatte zwölf Grundsteine, und darauf waren die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. Der Bau ihrer Mauer war aus dem Edelstein Jaspis, die Stadt selbst aber war reines Gold. Die Grundsteine der Mauer waren mit allerlei Edelsteinen geschmückt, und die zwölf Thore waren zwölf Perlen, und die Straßen der Stadt waren reines Gold“ (Off. 21.).

Hiermit gibt der hl. Johannes uns ein schwaches Bild von dem himmlischen Jerusalem, welches so schön ist, daß es gar nicht mit menschlichen Worten beschrieben werden kann. Alles, was Gott Schönes und Prächtiges erschaffen hat, das ist gewiß zu dem Baue dieser Stadt Gottes und der Seligen verwendet worden. Denn wenn Gott unser Thränenthal schon mit solcher Pracht und Herrlichkeit ausgeschmückt hat, über welche sich jeder Mensch mit Recht verwundern muß, o, mit welchem Reichthume mußte er dann nicht jene Wohnung ausschmücken, welche der Sitz seiner Herrlichkeit, der Thron seiner Größe, der Palast seiner Majestät, sein erwählter Wohnsitz und das Paradies der Wonne ist. (Anmerkung: Die Parallelen zu den Meditationen von Bruder Luis von Granada sind unübersehbar; ebenfalls in etika.com).

Die Paläste und Wohnungen sind von solchem Materiale gebaut, daß man durchsehen und durchgehen kann; daher spricht der hochgelehrte Sotus, daß die Heiligen alle in innigstem Verkehr miteinander stehen, einander sehen und mit einander mit höchstem Erstaunen die wunderbaren Werke der göttlichen Allmacht betrachten und Gottes Weisheit bewundern und preisen.

O meine Seele! sollst du kein Verlangen darnach haben, die himmlische Stadt zu schauen, ja ewiglich darin zu wohnen? Was für eine Freude ist es, eine schöne, wohl gezierte Stadt zu besichtigen, und wie viel Menschen laufen schier die ganze Welt aus, um fremde Städte zu sehen und an ihrem Anblicke sich zu erfreuen? Was sind aber diese irdischen Städte gegen diese himmlische Stadt. O wenn du nur ein paar Augenblicke hinein sehen könntest, was für wunderbare Dinge würdest du sehen! Gewiß würdest du mit dem heiligen David ausrufen und sprechen:

„Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr der Heerschaaren! Meine Seele sehnt sich und schmachtet nach den Vorhöfen des Herrn. Mein Herz und mein Fleisch frohlocken in Gott, dem lebendigen. Glückselig, die wohnen in deinem Hause, o Herr! allzeit werden sie dich preisen. Denn besser ist ein Tag in deinen Vorhöfen, als tausend hier auf dieser Welt“ (Ps. 83). Siehe, o meine Seele! wie der fromme David durch die Betrachtung des himmlischen Jerusalems von Sehnsucht darnach entzündet worden ist; was würde erst geschehen sein, wenn er es mit leiblichen Augen gesehen hätte? Darum betrachte vielmal diese himmlische Freude, so wird dir gewiß um so mehr das Irdische verleidet werden.

Von der inwendigen Beschaffenheit des Himmels zu reden, ist zu wissen, daß der große, unermessene Himmel nicht allein die gemeldete himmlische Stadt in sich begreife, sondern daß es daselbst auch noch verschiedene andere Dinge gibt, welche die fünf Sinne des Menschen auf´s Höchste ergötzen. Dies wird hinlänglich dadurch bewiesen, daß Gott nach dem jüngsten Tage die Leiber mit den Seelen vereinigen und in den Himmel führen wird. Wenn nun aber keine leiblichen Dinge in dem Himmel wären, welche die fünf Sinne des Menschen erfreuen könnten, warum wollte dann Gott die Leiber der Seligen mit ihren fünf Sinnen begaben?

Mit den leiblichen Augen werden wir Gott nicht anschauen, weil er nur ein Geist ist; darum müssen andere leibliche Dinge in dem Himmel sein, welche wir anschauen können. Job sagt zwar: „In meinem Fleische werde ich meinen Gott schauen.“ Hiermit ist aber Christus gemeint, welchen wir mit leiblichen Augen sehen werden. Daß leibliche Dinge im Himmel seien, ist auch klar genug aus der heiligen Schrift, da der heilige Johannes sagt:

„Der Engel zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie ein Crystall, der entsprang unter dem Throne Gottes und des Lammes. In der Mitte ihres Platzes und auf beiden Seiten des Stromes war der Baum des Lebens, der zwölf Früchte trägt, jeden Monat seine Frucht, und die Blätter des Baumes dienen zur Gesundheit der Völker“ (Off. 22, 1).

Hier gilt die Regel des heiligen Augustinus, welche heißt:

Die Worte der heiligen Schrift sind nach dem buchstäblichen Sinne zu nehmen, wenn nicht die eigentliche Lehre der katholischen Kirche, oder die guten Sitten, oder die klare Vernunft dem Buchstaben entgegen sei.“

Weil nun aber dieser buchstäbliche Sinn weder der katholischen Kirche, noch den guten Sitten, noch der Vernunft widerstrebt, wer soll dann läugnen dürfen, daß ein Fluß im Himmel sei, welcher durch alle Straßen der Stadt Gottes, ja durch den ganzen Himmel fließt, und auf beiden Seiten mit köstlichen Bäumen besetzt sei, deren Blätter so kräftig sind, daß, wenn eines auf die Erde fiele, man alle Krankheiten damit heilen könnte?

Daher hält Augustinus und Anselmus mit vielen Anderen dafür, daß im Himmel ein wahrer Fluß, wahrhafte Bäume, wahrhafte Früchte und wahrhafte Blumen seien, welche das Angesicht, den Geschmack, den Geruch und das Gefühl unaussprechlicher Weise erfreuen.

Zudem hat man aus verschiedenen Offenbarungen, daß im Himmel Gärten und Blumen seien, besonders aus der Legende der heiligen Dorothea, welche dem Theophilus durch einen Engel auf dem himmlischen Paradiesgarten ein Körbchen voller Blumen und Früchte geschickt habe, durch deren Anblick er so erfreut wurde, daß er ein Christ geworden, und sein Leben um Christi willen dargegeben habe.

Wir lesen auch in dem Leben des heiligen Didacus, daß, als er vor seinem Tode von einer Verzuckung zu sich kam, er laut gerufen habe:

„O was für Blumen hat das Paradies! O was für Blumen hat das Paradies!“

Endlich lesen wir in vielen wahrhaften Geschichten, daß Viele in das Paradies verzückt worden seien, welche hernach erzählt haben, was für anmuthige Wiesen, Gärten und Blumen sie gesehen hätten, von denen einige von lauter Gold, andere von Silber, wieder andere von Edelgestein, aber dennoch so weich gewesen wären, daß wenn man sich darauf gesetzt, sie sich sanft niedergebeugt, und wenn man wieder aufgestanden, sie sich selbst wieder aufgerichtet hätten. Diese himmlischen Blumen seien nicht verwelklich, wie unsere irdischen Blumen, sondern unvergleichlich köstlicher, schöner, lieblicher und wohlriechender, welche in Ewigkeit nicht verwelken, noch abfallen werden.

So wie also Könige und Fürsten neben ihren herrlichen Palästen auch köstliche Blumengärten, Lustwäldchen, Baumgärten, Wiesen und Felder haben, woran sie sich ergötzen, wie wir vom Könige Assverus (Anm.: Ahasveros, Ahaschwerosch, Artaxerxes) lesen, der in einem herrlichen Baumgarten die Beamten seines Reiches auf´s Herrlichste bewirthete (Esther 1.), so können wir uns auch die Sache im Himmel vorstellen. Dort ist aber Alles viel schöner und prächtiger, als wir es uns jetzt vorstellen können, da Alles himmlisch ist und den glorificirten Leibern mit den fünf Sinnen angemessen ist. Wie daher ein verklärter Leib sich von einem verweslichen Leibe unterscheidet, so unterscheiden sich gewiß auch alle Dinge im Himmel von den Dingen hier auf Erde. Bedenke nun, welche unaussprechliche Freude die lieben Heiligen an allen diesen himmlischen Dingen haben werden. O wenn ein Mensch nur einmal einen Augenblick diese Schönheit der himmlischen Stadt anschauen könnte, so würde er gewiß alle irdische Schönheit häßlich finden und sie würde ihm ganz verleidet werden. Betrachte deßhalb recht oft die himmlischen Dinge, und erhebe deine Augen und dein Gemüth recht oft zum klaren Firmamente des Himmels und seufze hinauf zum lieben Gott und spreche andächtige folgende

Sehnsucht zum himmlischen Vaterlande.

O Gott meines Herzens! der du das himmlische Jerusalem darum so schön gemacht hast, damit wir arme Erdwürmer desto mehr dahin zu kommen verlangen sollten, ich bitte dich, entzünde mein Herz in der Liebe zu dieser himmlischen Stadt und mit dem sehnsüchtigsten Verlangen da hinaufzukommen. Wie groß ist deine Herrlichkeit, o glorwürdigster Gott, und wie herrlich ist das Reich deiner Besitzung! weil du, um deine Majestät zu zeigen, eine so prächtige, kunstreiche und kostbare Stadt zu deiner Residenz erbauet hast, daß bei dem Anschauen derselben selbst die Engel in stummes Entzücken gerathen, und deren Werth Alles, was geschätzt und gewünscht werden kann, unendlicher Weise übertrifft. O du glorwürdige, o du vortreffliche, o du unschätzbare Stadt Gottes! wer kann dein Lob würdig aussprechen, oder deine Kostbarkeit auch nur einigermaßen begreifen? O wie herrlich, o wie künstlich, o wie göttlich muß die Stadt sein, welche die allmächtige Hand Gottes nach der unendlichen Kunst ihrer Allmacht gebauet, und zu seiner ewigen Residenzstadt bestimmt hat! O was muß das für ein Gold sein, o was müssen das für Perlen sein! O was müssen das für Edelsteine sein, welche würdig sind, die unendlichen Reichthümer Gottes allen himmlischen Bewohnern zu zeigen und zu offenbaren und die göttlichen Augen selbst mit ihrer Schönheit zu erfreuen! O was muß das für ein herrlicher, wunderbarer Fluß sein, der dies himmlische Jerusalem durchfließt! O welche wunderbare Bäume und Früchte müssen dies sein, welche der allmächtige Gott zur Zierde dieser Stadt und zur Freude für die menschlichen Sinne gepflanzt hat! Ach, daß ich auch Einer von den überglücklichen Menschen wäre, welche diese Herrlichkeit ewig schauen und sich daran ewig erfreuen können. O Gott meines Herzens! wie groß ist „die Fülle deiner Süßigkeit, welche du verborgen hast Denen, welche dich fürchten, und bereitet hast Denen, welche auf dich hoffen.“

Meine Seele verlangt, mein Herz seufzt und meint Geist sehnt sich nach dieser himmlischen Wonne. „Selig sind, die in deinem Hause wohnen, o Herr! von Ewigkeit zu Ewigkeit werden sie dich loben.“ O daß ich auch würdig wäre, dieser heiligen Schaar zugesellt zu werden, und diese himmlische Stadt zu schauen und zu bewohnen! O Gott, o Gott, verleihe mir diese Gnade, und schließe mich nicht aus von der Zahl dieser heiligen Gesellschaft! O ihr lieben Heiligen Gottes! die ihr in dem himmlischen Jerusalem wohnet, vor euch allen und vor jedem insbesondere falle ich nieder auf meine Kniee, und mit gefalteten Händen bitte ich einen nach dem andern, so herzlich, als ich nur immer vermag, daß ihr mir zu eurer Gesellschaft verhelfen wollet. Mit weinenden Augen bitte ich euch alle um Gottes willen, ihr wollet für mich bitten, daß mir der liebe Gott nach seiner unendlichen Gütigkeit Gnade verleihe, so zu leben, damit ich würdig werde, ewiglich mit euch zu leben.

O gütigster, o mildester, o barmherzigster Gott! erhöre das Gebet deiner lieben Heiligen, und durch die Verdienste deines Sohnes Jesu Christi mache mich theilhaftig jener Erbschaft, welche er mir mit seinem Blute erworben hat. Ach, wende doch mein Herz von den irdischen, elenden Dingen ab, und entzünde es mit dem innigsten Verlangen nach den himmlischen Dingen! O du himmlische Stadt Jerusalem! mache, daß mein Herz mit inbrünstiger Liebe zu dir seufze, und aus Liebe zu dir Alles gerne thun möge. Amen.

 

Anmerkung ETIKA: Wir können uns vorstellen, daß zum Beispiel der heilige Franziskus oder der russische Pilger auch mit einer einfachen Waldhütte zufrieden wäre statt eines Palastes. Gott wird sicher auch solche Wünsche erfüllen, wie wir in unserem „Himmels-Abc“ (im Buchhandel und als E-Book) vermuten.

Wir bitten Gott um die Gnade, daß uns noch Zeit bleibt, auch die anderen Kapitel über die himmlische Glorie im Internet veröffentlichen zu können.

Den Lesern empfehlen wir, um einen kindlichen Glauben zu bitten.