ETIKA

Pater Martin von Cochem

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Von den vier letzten Dingen

26.5.2013

18B18D3

Von der himmlischen Glorie

S. 219-228

Von den
vier letzten Dingen,
dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche,
von Pater Martin von Cochem.
Neue umgearbeitete Auflage. Landshut, 1859. Druck und Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. (J. B. v. Zabuesnig.)

Von der himmlischen Glorie.

III.           Kapitel.

Wie wenig Menschen selig werden.

In den zwei vorigen Kapiteln haben wir mit Lust vernommen, wie schön das himmlische Paradies sei, und wie große Freuden die Auserwählten genießen. Ohne Zweifel hat diese Betrachtung bei einem Jeden eine große Begierde erweckt, in den Himmel zu kommen, und der ewigen himmlischen Freuden zu genießen. Ohne Zweifel macht ein Jeder bei sich den Schluß, der Himmel sei für ihn bereitet, und er werde ihn unfehlbar besitzen. Ich fürchte aber, es werde Mancher sich hierin irren, und er werde dessen ewiglich beraubt bleiben, was ich in diesem Kapitel ausführlich beweisen und erklären will.

Ich bitte aber Alle, welche dieses Kapitel lesen werden, deßwegen nicht kleinmüthig zu werden, sondern demüthig und furchtsam, und desto eifriger sich um die Seligkeit bewerben, je schwerer sie zu erlangen ist. Denn dies ist die einzige Ursache, warum ich dieses Kapitel schreibe, nämlich damit ich dir die Augen öffne, und dir die Gefahr klar zeige. Denn wenn ich sie dir nicht zeige, so gehst du auf deinem Irrwege blind fort, und wirst nicht gewahr, daß du auf diesem Wege der Hölle zugehest, bis dir im Tode deine Augen zu spät aufgehen, und deine Verdammniß schon da sein wird. Deßwegen meine ich dir einen Dienst zu thun, wenn ich dir jetzt deine große Gefahr zeige, und dich auf einen andern Weg zu treten ermahne. Ich bitte abermal, werde beim Lesen dieses Kapitels nicht kleinmüthig, sondern eifrig, und gedenke bei dir: Wenn so wenig Leute selig werden, so will ich mehr Fleiß anwenden, die Seligkeit zu erlangen, als ich bisher gethan habe.

Wie viele Menschen, meinst du, daß von allen Denen, welche jetzt leben, selig werden sollen? Meinst du wohl die Hälfte? Meinst du wohl der dritte Theil? Meinst du wohl der vierte Theil? Ach ich fürchte, und fürchte dies gar sehr, daß noch viel weniger selig werden, und ich fürchte dies nicht ohne Ursache. Denn so sagen und lehren es alle heiligen Väter, es sagt und lehrt es die heilige Schrift, es sagt und lehrt es Christus, die ewige Wahrheit selbst. Denn so lauten seine eigenen Worte:

„Viele sind berufen, aber Wenige auserwählt“ (Matth. 20, 16).

Die Worte wiederholt er abermal im Kap. 22, 14 indem er spricht:

„Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die äußerste Finsterniß. Denn Viele sind berufen, aber Wenige auserwählt.“

Wenn in der ganzen heiligen Schrift kein Zeugniß mehr wäre, als eben diese Worte, so sollten sie billig einen Jeden erschrecken. Nun aber sind deren noch sehr viele andere, welche ich dir nach der Länge beschreiben will.

Matth. am 7. Kap. sprach Christus diese denkwürdigen und erschrecklichen Worte:

„Gehet ein durch die enge Pforte; denn weit ist das Thor und breit der Weg, der zum Verderben führt, und Viele sind, die denselben gehen.“

Und darauf seufzte er aus der Tiefe seines Herzens und sprach:

„O wie eng ist die Pforte, und wie schmal ist der Weg, der zum Leben führt, und Wenige sind, die ihn finden!“

Was könnte noch Erschrecklicheres gesagt werden, und was könnte man für ein klareres Zeugniß haben, daß gar Viele verdammt, und gar Wenige selig werden, als eben diese Worte? Wenn es ein heiliger Kirchenlehrer oder sonst ein heiliger Vater sagte, so würden wir es nicht glauben; weil es aber die ewige Wahrheit selbst redet, so können wir ja nicht widersprechen. Denn Christus kann ja nicht lügen noch betrügen, sondern was er redet, das ist so gewiß wahr, als Gott Gott ist. Wenn dem also ist, so kann ja Niemand läugnen, sondern es ist die gewisse Wahrheit, daß Viele verdammt und Wenige selig werden.

Damit du aber noch klarer erkennst, wie wenige der Auserwählten sind, so merke, daß Christus in den vorigen Worten nicht gesagt habe, daß Wenige seien, welche den Weg zum Himmel wandern, sondern daß er ausdrücklich gesagt habe, daß Wenige seien, welche diesen schmalen Weg finden, indem er sprach: „Wie schmal ist der Weg, der zum Himmel führt, und wie Wenige sind, die ihn finden“, als wollte er sagen: der Weg zum Himmel ist so schmal, so ungebahnt, so bewachsen und verborgen, daß Viele sind, welche ihn ihr Lebtag nicht finden, und wenn auch einige sind, welche ihn finden, so irren sie doch leicht auf demselben, und kommen unversehens wieder davon (Anm.: ab), weil er so ungebahnt und so gar verwachsen ist, wie der heil. Hieronymus in Auslegung dieser Worte sagt. Einige aber, wenn sie auf dem rechten Wege sind, weichen mit Fleiß wieder davon, weil der Weg so gar beschwerlich und gefährlich ist. Viele sind auch, welche von den Teufeln durch Betrug von dem engen Fußpfädlein des Himmels abgeführt, und so unvermerkt der Hölle zugeschickt werden. Hieraus folgt nun, daß Wenige sind, welche den Weg des Himmels finden, und noch Wenigere, welche auf demselben bis an ihr Ende verharren.

Weil aber Christus wußte, daß diese seine klaren Worte von Gläubigen und Ungläubigen falsch verstanden und ausgelegt werden würden, darum hat er diese seine Meinung bekräftigen, und die geringe Zahl der Auserwählten mit noch klarern Worten offenbaren wollen. Denn als ihn Einer fragte: „Herr! sind denn wenige, die selig werden?“ Da seufzte er tief auf und sprach diese erschrecklichen Worte:

„Bemühet euch, einzugehen durch die enge Pforte; denn ich sage euch: Viele werden suchen einzugehen und es nicht vermögen“ (Luk. 13, 24).

O wohl ein erschreckliches Wort, welches alle menschlichen Herzen fürchten und zittern machen sollte! (Anmerkung ETIKA: besonders die so große Zahl der katholischen und evangelischen Christen, die sich vom überlieferten Glauben an den Dreieinigen Gott abgewandt haben und der Allerlösung aller Menschen aller Religionen aller Götter das Wort reden, besonders seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und unter dem Einfluss der UNO und ihrer Satellitenorganisationen.)

Christus sagt, wir sollen uns bemühen und anstrengen, damit wir durch das enge Pförtlein durchkommen mögen. Ja, was noch schrecklicher ist, er sagt, daß Viele suchen werden, da hinein zu kommen, und werden es doch nicht thun können. O mein Gott und Herr! wenn Diejenigen nicht in den Himmel kommen, welche suchen, daß sie hinein kommen mögen (Anmerkung: wir denken an da auch an prominente Verstorbene, die als Gottsucher betitelt worden sind, aber von den Geboten Gottes wenig gehalten haben), ach, wo werden dann Diejenigen hinkommen, welche so liederlich dahin leben, und durchaus keinen Eifer noch Ernst in Wirkung ihres Heiles zeigen, ja an nichts weniger denken, als wie sie selig werden mögen, sondern alle ihre Sorge auf das Zeitliche setzen.

Dies sind nun drei Zeugnisse, welche Christus mit seinem wahrhaften Munde geredet, und womit er uns so ernstlich vorhergesagt hat, in was für einer Gefahr der Verdammniß wir seien, und wie Wenige von uns selig werden würden. Weil er aber wußte, daß wir eine so hochwichtige Sache gar schlecht zu Herzen nehmen würden, so hat er es mit noch schrecklicheren Worten erklären und ausdrücklich anzeigen wollen, wie schwer es sei in den Himmel zu kommen. Denn als er, wie wir beim hl. Markus (Kap. 10, 23) lesen, zu einem Reichen gesagt hatte, er sollte Alles verkaufen, und ihm nachfolgen, dieser aber sich darüber betrübte, sprach er zu seinen Jüngern:

„Wie schwer werden Diejenigen, so viel Geld haben, in das Reich Gottes eingehen!“

Seine Jünger aber erstaunten über diese Worte. Da antwortete Jesus abermal und sprach zu ihnen:

„Kindlein! wie schwer ist es, daß Die, welche auf Geld ihr Vertrauen setzen, in das Reich Gottes eingehen! Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als ein Reicher in das Reich Gottes eingehe!“

Da verwunderten sich seine Jünger noch mehr und sprachen: „Wer kann dann selig werden?“ Und Jesus sah sie an, und sprach:

„Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott.“

Frommer Christ! eröffne deine beiden Ohren, und höre, was dein Gott sagt. Er sagt, es sei ein so schweres und gefährliches Werk, die Seligkeit zu erwerben, daß es über alle menschlichen Kräfte gehe. Er sagt mit ausdrücklichen Worten, daß es dem Menschen unmöglich sei, durch ihre Kräfte in den Himmel zu kommen, und wenn Einer hinein komme, dies ein göttliches Werk sei. Ja, es ist gleichsam ein Wunder, wenn ein Mensch der Hölle entläuft, und zur Seligkeit kommt, gleichwie es ein Wunder ist, wenn ein Mensch ein ganzes Kriegsheer überwindet und die ganze Armee in die Flucht schlägt. Denn das ganze Kriegsheer der leidigen Teufel haben einem jeden Menschen geschworen, sie wollten ihm Tag und Nacht nachstellen und allerhand Anschläge und Betrug erdenken, wie sie ihn zum Falle und zur Verdammniß bringen könnten.

Die ganze Welt und alle Weltkinder haben gleichsam auf einen jeden Menschen geschworen, ihm mit Anreizen, mit Schmeicheln, mit Verspotten und mit Verfolgen so lange zuzusetzen, bis sie ihn endlich von seiner Frömmigkeit zum gemeinen Weltleben bringen würden. Unser eigener Leib, unsere fünf Sinne, unsere eigene Natur hat wider uns geschworen, uns Tag und Nacht anzufechten und wider uns zu streiten, um uns von dem strengen Leben zur Nachlässigkeit, und von dem Wege der Tugend auf den Weg der Sinnlichkeit abzuführen. Ja, unsere eigene Seele ist sich selbst entgegen, und ist in zwei Theile getheilt, nämlich in den obern und in den untern Theil der Seele. Der untere Theil streitet stets wider den obern Theil, und thut dem obern Theil mehr Gewalt an, als alle leidigen Teufel und alle bösen Menschen in der ganzen Welt ihm anthun können.

Wenn nun ein frommer Mensch alle diese seine Feinde überwindet, und endlich den Sieg erhält, ist dies nicht gleichsam ein Wunder? Ist es nicht über alle natürlichen Kräfte, und muß man nicht bekennen, daß Gott diesem Menschen besonders geholfen habe, sonst wäre es unmöglich gewesen, daß er alle seine geschwornen Feinde hätte überwinden können? Hieraus siehst du, was es für eine Mühe koste, den Himmel zu erwerben. Hieraus siehst du, was Christus sagen wollte, da er sprach:

„Das Himmelreich leidet Gewalt, und die sich selbst Gewalt anthun, reißen es an sich“ ( Matth. 11, 12).

Denn gewiß! durch Faulheit und Nachlässigkeit wird der Himmel nicht gewonnen. sondern durch große und emsige Sorgfältigkeit, und durch vielfältige Mühe und Ueberwindung seiner selbst.

Hier sollst du aber auch zum Troste wissen, daß zwar der Feinde sehr viele, hingegen aber der Freunde noch mehr sind, wie der Prophet Elisäus zu seinem furchtsamen Diener sprach, wie im 4. Buche der Könige Kap. 6. zu lesen ist:

Fürchte dich nicht; denn es sind mehr mit uns, als mit ihnen. Und der Herr eröffnete die Augen des Dieners, und er sah den ganzen Berg voller Reiter und Wagen.“

·       Eben so haben wir unsere heiligen Schutzengel, ja alle heiligen Engel zur Hülfe, deren einer alle Teufel in die Flucht schlagen kann.

·       Wir haben auch die Fürbitte der Mutter Gottes, die Kraft der heiligen Sakramente, das Amt der heiligen Messe, den Werth des Leidens Christi, die Einsprechung des heiligen Geistes und den Beistand des allmächtigen Gottes.

Wenn nun Einer diese kräftigen Mittel brauchen, und den lieben Gott treulich um Hilfe (sic) anrufen will, der wird schon Stärkung erlangen, seinen Feinden zu widerstehen. Wenn aber Einer diese Mittel nicht fleißig gebrauchen will, und gleichgültig und liederlich dahin lebt, so kann man auch keine Bedauerniß mit ihm haben, wenn er verdammt wird.

Aus den angezogenen Texten siehst du, daß Christus nicht nur einmal, sondern gar vielmal mit ausdrücklichen, klaren Worten gesagt habe, daß gar wenige Menschen selig werden, und daß der Weg zum Himmel gar schmal und beschwerlich sei. Dessen ungeachtet sind doch Viele, welche diese klaren Worte Christi falsch auslegen, und öffentlich sagen: Christus hat ja nicht vergebens für uns gelitten; der Himmel ist ja nicht für die Gänse gebaut; wenn uns Gott nicht selig machen wollte, so hätte er uns nicht erschaffen. Diese und dergleichen Worte brauchen die Weltkinder, und wollen damit den Leuten weismachen, als wenn man leicht in den Himmel kommen könnte; und dies sagen sie nicht allein mit Worten, sondern zeigen es auch mit den Werken. Denn sie gehen den gemeinen breiten Weg der Welt, warten ihrem Leibe wohl auf, suchen alle Lust und Zeitvertreib, und leben so ohne weitere Sorge. als wenn sie des Himmels schon gewiß wären. Daß Diese aber irre gehen, und auf dem geraden Wege zur Hölle sind, bezeugt die göttliche heilige Schrift nicht nur einmal, sondern wohl mehr als hundertmal, ja das ganze heilige Evangelium lehrt gerade das Gegentheil, und drohet Denjenigen den ewigen Tod, welche so sorglos leben (Anmerkung ETIKA: und womöglich noch als Geistliche die unverfrorene Behauptung aufstellen, die Bibel enthalte keine Drohbotschaft), und allen ihren Sinnlichkeiten abwarten. Hört, was Christus, die ewige Wahrheit, hievon selbst sagt, und wie erschrecklich er solchen Weltkindern zuruft, indem er spricht:

Wehe euch, ihr Reichen! denn ihr habt euren Trost. Wehe euch, die ihr satt seid; denn ihr werdet Hunger leiden. Wehe euch, die ihr jetzt lachet; denn ihr werdet trauern, und wehe euch, wenn euch die Menschen loben“ (Luk. 6, 24).

Ist dies nicht eine erschreckliche Drohung? Ist dies nicht ein erschrecklicher Ausspruch Christi? Reich sein, satt sein, lustig sein und von den Leuten gelobt werden, achtet hier kein Weltmensch für eine Sünde; gleichwohl drohet ihnen Christus mit dem ewigen Tode, und ruft Wehe und abermal Wehe über sie.

Aus diesen und dergleichen Texten, deren die ganze heilige Schrift voll ist, siehst du, daß Gott strenger sei, als du dir einbildest, und daß du leichter verloren gehen kannst, als du dir vorstellest. Darum sollst du nicht so liederlich dahin leben, sondern allezeit in Furcht und Aengsten stehen, wie der heilige Paulus an die Philipper am 2. Kap. uns ermahnt, indem er spricht:

„Deßwegen, meine Allerliebsten, wirket mit Furcht und Zittern euer Heil.“

Denn so haben alle Heiligen gethan, und haben sich allezeit vor der strengen Gerechtigkeit Gottes gefürchtet. Die Gottlosen aber haben sich vor dem Zorne Gottes nicht gefürchtet, sondern haben allezeit gesagt, wie heutigen Tages ihrer Viele sagen: Gott ist barmherzig, er wird uns nicht so leicht verdammen; obschon die heilige Schrift das grade Gegentheil lehret, indem sie spricht:

„Sage nicht: die Erbarmung des Herrn ist groß, er wird mit der Menge meiner Sünden barmherzig sein. Denn Erbarmen und Zorn kommen von ihm schnell daher; und auf Sünder schaut sein Zorn“ (Sirach 5, 6).

Die heilige Katharina von Genua sagt hierüber:

„O ihr armen Sünder! verlasset euch nicht darauf, daß die Barmherzigkeit Gottes groß ist, sondern seid gewiß, daß ihr werdet um so tiefer verdammt werden, weil ihr den so lieben, barmherzigen Gott so muthwillig erzürnet.“

Es ist zwar wahr, daß wir auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen sollen; wie wir aber vertrauen sollen, lehret uns der heilige Gregorius, der da spricht:

„Wenn Einer thut, was an ihm ist, der vertraue fest auf die göttliche Barmherzigkeit.“ Wer aber nicht thut, was an ihm ist, und wollte sich auf die Barmherzigkeit Gottes verlassen, so wäre das kein Vertrauen, sondern eine Vermessenheit. Denn wir wissen aus unserem Glauben, daß wir nicht allein durch Gottes Barmherzigkeit selig werden, sondern daß wir auch das Unsrige dazu thun müssen, wie uns der heilige Petrus ermahnt, indem er 2. Petr. 1. spricht:

„Befleißet euch, damit ihr durch gute Werke euren Beruf (eure Berufung) und Auserwählung gewiß machet.“

Aus diesem Allem siehst du, wie schwer man die Seligkeit erlangen könne, und wie wenige Menschen in den Himmel kommen. Damit du dies noch besser einsiehest, so will ich dir auch etliche Gleichnisse, mit welchen die heilige Schrift dies anzeigt, hieher setzen.

In der Arche Noe sind vor Zeiten nicht mehr, als acht Menschen beim Leben geblieben, und vor der Sündflut erhalten worden; alle andern, deren viele hundert Millionen waren, sind in dem Wasser ertrunken, und erbärmlich umgekommen. Gleichwie nun diese acht Menschen gegen so viele Hunderttausende gar nicht zu rechnen sind, so ist auch das geringe Häuflein der Seligen gegen die Verdammten gar nicht zu rechnen.

In der Feuersbrunst von Sodoma und Gomorrha sind nur vier Personen davon gekommen, nämlich der Loth, sein Weib und zwei Töchter, alle Andern, welche in den fünf Städten und umliegenden Dörfern waren, sind im Feuer verbrannt, und zum ewigen Feuer hinuntergefahren.

Aus den sechsmal hunderttausend streitbaren Männern, welche aus Aegypten gezogen, sind nicht mehr als zwei in´s gelobte Land gekommen; alle Andern sind in der Wüste zu Grunde gegangen, und jämmerlich gestorben.

Unter den Kindern Israels war Tobias allein fromm, und ging nach Jerusalem, sein Opfer zu verrichten; alle Andern aus den zehn Geschlechtern Israels waren gottlos, und beteten die abgöttischen Kälber an (Tob 1).

Unter den Kindern Esau´s war Job allein gerecht, und glaubte an den wahren Gott; alle Andern im ganzen Lande waren Heiden, und dienten dem Teufel.

Unter den Chaldäern war Daniel mit den drei Knaben allein auserwählt, und widersprachen dem ungerechten Gebote des Königs; alle Andern, sowohl Juden als Heiden, beteten das abgöttische Bild an, weil sie fürchteten, sie möchten verbrannt werden.

Aus diesen und andern Vorbildern der heiligen Schrift beweisen die heiligen Väter die geringe Anzahl der Auserwählten, und die große Menge der ewig Verlornen. Ja, sie schreiben auch so erschrecklich hievon, daß Einem billig die Haare gegen Berg stehen, und ein Grausen über den ganzen Leib gehen sollte. Höre, was hierüber der große Kirchenlehrer, der heilige Chrysostomus meldet, da er einmal in der Stadt Antiochia predigte:

„Wie viel meint ihr wohl, daß aus dieser Stadt selig werden sollen? Es ist zwar ungeheuer, was ich sagen werde, dennoch will ich’s sagen. Es können aus dieser volkreichen Stadt, aus so viel Tausenden, nicht hundert selig werden; ja, an diesen zweifle ich noch; denn was ist für eine Trägheit unter den Alten, was für eine Bosheit unter den Jungen, und was für eine Ungerechtigkeit unter allem Volke?“

Sind dies nicht erschreckliche Worte, sind dies nicht Worte, die kein Mensch glauben könnte, wenn sie nicht ein so heiliger Kirchenlehrer sagte? Wenn denn zu den ersten Zeiten der Kirche im sechshundertsten Jahre nach Christi Tod, als die Christen noch voller Eifer und Andacht waren, so Wenige selig geworden sein sollten, acht Gott! was wird dann in diesen unsern unglückseligen Zeiten geschehen, da die Welt so voll Bosheit ist, und da man von Nichts mehr hört, als von Sünden und Lastern?

Damit du aber noch besser einsehest, wie wenige Menschen selig werden, so muß ich dir noch etliche wahrhafte Geschichten erzählen, woraus du dieses mit Schrecken deines Herzens sehen wirst.

Wir lesen in den Jahres-Geschichten der Kapuziner (Ad ann. 1566) von dem gottseligen Pater Pacificus von Fano, daß, als er einstmals zu Fano in der Domkirche Messe las, er an dem Altare in einer Verzückung zu Boden gefallen sei. Die Leute meinten, er sei ohnmächtig, liefen hinzu, wollten ihn aufheben und hinaustragen, damit er sich erquicke. Es konnten ihn aber wegen übernatürlicher Schwere viele Männer nicht bewegen, viel weniger tragen, sondern mußten ihn bis zum Ende der Verzückung vor dem Volke liegen lassen. Als er wieder zu sich gekommen war, und, was er gesehen hätte, gefragt wurde, sprach er mit vielen Zähren seufzend: „Mir ist durch göttliche Offenbarung gezeigt worden, daß so viele Mannspersonen und Frauenspersonen in die Hölle fielen, als wenn es regnete; und unter diesen waren auch viele Geistliche, welche ihren Stand nicht gehalten haben. In den Himmel aber sah ich so Wenige fahren, daß ich mich höchlich darüber entsetzte.“ Diese Geschichte hat er hernach vielmal erzählt, aber niemals ohne bittere Thränen, weßwegen er auch ein solches strenges Leben geführt hat, daß Nichts mehr als Haut und Bein an ihm war.“

Aehnliches lesen wir auch in denselben Annalen von dem frommen Bruder Franziskus von Maceratu (Ad ann. 1568), welcher im Jahre Christi 1565 im Rufe der Heiligkeit gestorben ist. Dieser Bruder betrachtete einmal in der Pestzeit den Spruch Christi: „Viele sind berufen, aber Wenige auserwählt“, und sah aus Verhängniß Gottes, wie zur selben Stunde gar viele Menschen starben und verdammt wurden, und nur drei Seelen in den Himmel kamen, worüber er so erschrack, daß er sich all sein Lebtag gefürchtet hat, er möchte auch verdammt werden. Deßhalb betete er die meiste Zeit und weinte über seine Sünden und empfahl sich dem Gebete eines Jeden.

Da es also ganz wahr ist, daß der Seligen wenige sein werden, so bemühe dich aus allen Kräften, daß du unter dieser kleinen Zahl erfunden werdest. Betreibe nur ja recht ernstlich und eifrig das Geschäft deines Heiles. Damit du dich hiezu aber recht aneifern mögest, so betrachte hinsichtlich deines Heiles folgende Punkte recht oft und recht ernstlich.

Erstlich bedenke, daß dein Seelenheil dein nothwendigstes Geschäft auf Erden ist. Es ist nicht nothwendig, daß du reich oder angesehen oder mächtig bist, auch nicht, daß du gesund und kräftig oder schön bist; aber daß du selig werdest, das ist für dich nothwendig; denn sonst bist du in alle Ewigkeit unglücklich. Denn die Vernachläßigung deines Heilsgeschäftes beraubt dich nicht nur der ewigen Seligkeit, sondern stürzt dich auch in die ewige Verdammniß. Bedenke daher die Worte, welche Christus zu Martha sprach: „Martha! Martha! du bist so bekümmert um gar viele Dinge und doch nur eines ist nothwendig.“ Machst du es nicht auch so, daß du für dein irdisches Fortkommen so große Sorge trägst, dabei aber deines Seelenheiles vergißt, oder etwa nur so wie eine Nebensache betreibst.

Bedenke zweitens, daß das Heil deiner Seele zu besorgen dein wichtigstes Geschäft ist. Darum mußt du es allem Andern vorziehen. Beherzige die Worte Christi: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinne, aber an seiner Seele Schaden litte?“ Was nützen Reichthümer, Ehren und Ansehen in der Welt und alle Lustbarkeiten und Vergnügen der ganzen Welt, wenn man durch die Sorge dafür an der Seele Schaden leidet. Lieber Alles verlieren, als das Seelenheil in Gefahr setzen! Du bist nur darum auf der Welt, damit du dein Heil wirken solltest und würdest ganz umsonst den Platz in der Welt einnehmen, wenn du es vernachläßigen würdest. Denn sein Heil wirken und Gott dienen, das ist der ganze Mensch, sagt der h. Geist im Buche „der Prediger“ Kap. 12.

Bedenke drittens, daß dein Heil zu wirken, dein eigenes Geschäft ist. Niemand kann dasselbe für dich besorgen. Sorgest du nicht selbst für dein ewiges Wohl, so wird nicht dafür gesorgt. Denn du allein hast den Nutzen, wenn du selig wirst und auch den Schaden allein, wenn du verdammt wirst. Bei allen andern Geschäften weißt du nicht, für Wen du arbeitest. Denn die heilige Schrift sagt: „der Eine säet und der Andere ärntet“ (Joh. 4, 37). Du arbeitest und mühest dich ab, um zu erwerben und anzuhäufen, oft sogar mit Gefahr deiner Seele, und Andere werden vielleicht die Früchte deiner Arbeit verzehren. Allein bei dem Heilsgeschäfte arbeitest du immer für dich selbst und wirst sicherlich selbst die Früchte deiner Arbeit genießen. Bedenke dann endlich, daß das Geschäft des Seelenheils ein schweres und mühevolles Geschäft ist. Es ist kein Geschäft, das etwa auch von ungefähr geräth; sondern es erfordert die größte Sorgfalt. Darum hat Christus die Mahnung öfters wiederholt:

Thuet euch Gewalt an, um durch die enge Pforte, die zum Leben führt, einzugehen!“

Wer dir daher den Weg zum Himmel als leicht und angenehm schildert (Anmerkung ETIKA: man beachte nur die heutzutage üblichen Todesanzeigen, die Würdigungen Verstorbener in den Kirchen, die Grabreden und Nachrufe für Gläubige und Ungläubige; selbst hartgesottene Bösewichte pflegen nach Ansicht vieler Geistlicher zu Gott in den ewigen Frieden einzugehen!), der täuscht und betrügt dich, weil er den Worten und dem Beispiel Christi widerspricht.

·       Lerne von dem Sohne Gottes selbst, welche Sorgfalt du auf dein Heil verwenden sollst. Denn er hat alle Peinen und den bittersten Tod erduldet, um deine Seele zu erretten. Kannst du  nun etwa zu viel thun?

·       Lerne es von den heiligen Martyrern, die lieber allen Schmerz und alle Qual erlitten, ehe sie sich vom Glauben abbringen und sich ihre Seele rauben ließen.

·       Lerne es von den heiligen Büßern, welche ihr Fleisch kreuzigten und sich von allen Dingen losschälten, um ihre Seele zu retten.

·       Lerne es von so vielen Frommen, die Gott die größten Opfer brachten, und keine Menschenfurcht und keine Versprechungen und Verlockungen und kein Spott und Hohn der Welt davon abbringen konnte und kann, für das Heil ihrer Seele Sorge zu tragen.

Fällt es dir manchmal schwer, dem lieben Gott zu dienen und allen Sünden zu entsagen und dabei allerlei Leiden zu erdulden, so bedenke nur, daß du einem Herrn dienest, der reichlich Alles belohnt. Gott, der gütigste aller Herren, belohnet auch die geringsten Dienste überreichlich, und Nichts geht verloren von dem, was du zu seiner Ehre thuest und leidest. Die geringste Stufe der Glückseligkeit ist ja unendlich schätzbarer, als alle Kostbarkeiten der Welt. Wenn daher die Menschen so Vieles thun und erdulden, um der irdischen Güter willen, so darfst du dich ja wahrlich doch nicht beschweren, Etwas für den Himmel zu thun und zu leiden.

Erschreckt dich also die Mühe, so denke an den Lohn, sagt der heilige Augustinus. Bald wird deine Mühsal ein Ende haben, aber dein Glück und deine Freude wird kein Ende nehmen. Ein heiliger Martyrer ermunterte sich selbst immer, wenn es ihm hart ging, mit dem Ausruf: „Ich arbeite für den Himmel!“ Ja dieser Gedanke hat die Martyrer und alle Heiligen stark gemacht, daß sie gerne alle Leiden und Mühseligkeiten erduldeten.

Als der heilige Franziskus von Assis einmal schwer krank darnieder lag und so große Kopfschmerzen litt, daß er meinte, er könnte es unmöglich länger aushalten, da hörte er eine Stimme vom Himmel, die zu ihm sprach: „Franziskus! wenn die ganze Erde lauter Gold wäre, das ganze Meer lauter köstlicher Balsam, alle Berge und Hügel Edelsteine: würdest du dann nicht gerne leiden, wenn du dies Alles gewinnen könntest?“ Hierauf erwiederte Franziskus: „Herr! ich bin eines solches Schatzes nicht würdig!“ Da sprach die Stimme weiter: „Wisse, Franziskus! daß das ewige Leben dieser Schatz ist, welchen ich dir bereit halte und die Schmerzen, welche du jetzt eben leidest, sind das Unterpfand.“ Hierauf trug Franziskus im Andenken an die Herrlichkeit des Himmels alle Leiden und Widerwärtigkeiten mit größter Geduld.

Weil die heilige Felicitas mit ihren sieben Söhnen nicht den falschen Göttern opfern wollte, wurden alle mit einander zum Martyrtod verurtheilt. Als der Richter ihr zuredete, sie sollte doch, wenn ihr der Tod auch angenehm sei, sich ihrer Söhne, dieser guten blühenden Jünglinge, erbarmen, da erwiederte sie ihm: „Dein Mitleid ist Frevel und deine Ermahnung ist Grausamkeit.“ Dann redete sie ihre Söhne an mit den Worten: „Schauet den Himmel an, blickt empor, dort wartet euer Christus mit seinen Heiligen!“ Hierauf ertrugen die Söhne alle Marter mit größter Freude.

Mache auch du es so und blicke bei aller Noth und Kümmerniß, bei allen Leiden, Mühen und Trübsalen zum Himmel hinauf und bedenke, daß Christus und die Heiligen dir zuschauen und deiner harren, um dir die Krone des ewigen Lebens aufzusetzen, wenn du getreu bleibst. Spreche mit aller Andacht und Entschlossenheit mit dem heiligen Augustinus:

„O meine Seele! wenn wir auch täglich Marterqualen zu ertragen, ja, wenn wir sogar auf lange Zeit die Pein der Hölle zu erdulden hätten, um darauf Christus in seiner Herrlichkeit zu sehen und zu seinen Heiligen gesellt zu werden, wäre Dies es nicht werth, Alles, was nur schrecklich heißt, zu leiden, um eines solchen Gutes und einer solchen Herrlichkeit theilhaftig zu werden?

Drum möge der böse Feind mir nachstellen und Versuchungen gegen mich ersinnen; mögen Fasten meinen Leib schwächen, Bußwerke mein Fleisch drücken, Arbeiten mich beschweren, Nachtwachen mich abmatten; möge Dieser mich anschreien und Jener mich beunruhigen; möge Kälte mich einschrumpfen, meine Sinne murren, Hitze mich brennen, mein Haupt mir wehe thun, meine Brust mir beklommen sein, mein Magen sich blähen, mein Angesicht blaß werden, und gänzliche Kraftlosigkeit mich ergreifen; mag mein Leben in Schmerzen dahin schwinden und meine Jahre in Seufzen; mag Fäulniß sich durch meine Gebeine verbreiten; damit ich nur Ruhe finde am Tage der Trübsal und hinaufsteige zu unserm gegürteten Volke! Wie groß wird die Herrlichkeit der Gerechten sein, wie hehr die Freude der Heiligen, wenn eines Jeden Antlitz glänzet wie die Sonne.“

Wenn also die Belohnung, welche auf ein frommes Leben folgt, so unaussprechlich groß ist; wer wollte dann noch so blind, so gleichgültig und so verkehrt sein, daß er nicht aus allen Kräften nach dem Himmelreiche trachtete, damit er zu der geringen Zahl der Auserwählten gezählt werden möge. Folge daher dem Rathe des heiligen Anselmus, welcher sagt:

„Willst du sicher sein, daß du aus der Zahl der Auserwählten seiest, so befleißige dich, aus der Zahl der Wenigen zu sein. Willst du aber am Allersichersten sein, so befleißige dich, aus der Zahl der Allerwenigsten zu sein.“

Das heißt: Folge nicht dem gemeinen Haufen, sondern folge Denjenigen, welche den schmalen, mühevollen Weg gehen, und sei versichert, daß es für die Ewigkeit niemals besser um dich steht, als wenn es dir hier auf Erden recht übel ergeht. Folge Denjenigen, welche sich der Welt entschlagen, welche sich der Andacht eifrigst ergeben, und welche Tag und Nacht Sorge tragen, damit sie ja doch gewiß die Seligkeit erwerben mögen. Das gebe dir und mir der liebe Gott. Amen! ―

Ende des Buches